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19-07-08

Unsere gegenseitigen Pflichten und Verantwortungen im Leib Christi

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen! – 1. Korinther 16,14

Unser Hauptanliegen in diesem Artikel ist unsere Verantwortung füreinander als gemeinsame Glieder des Leibes Christi, insbesondere wenn wir diese Verantwortung in unseren örtlichen Versammlungen praktizieren. Das heißt nicht, dass wir keine Verantwortung gegenüber Ungläubigen hätten. Die Heilige Schrift befiehlt uns deutlich, „ein rechtschaffenes Leben unter den Heiden zu führen, damit die, die euch verleum­den als Übeltäter, eure guten Werke sehen und Gott preisen am Tag der Heim­suc­hung“ (1Pt 2,12).


Während ein gottesfürchtiges Leben ein Befehl ist, ist es nicht das volle Ausmaß unserer Verantwortung gegenüber den Verlorenen. Wir müssen auch jede Gelegenheit wahrnehmen, ein treues Zeugnis von der rettenden Gnade Jesu Christi zu geben, denn „wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?“ (Röm 10,14). Wir glauben, dass diese zwei Pflichten – Gottesfurcht [Frömmigkeit] und treues Zeugnis – unsere ganze Verantwortung gegenüber Ungläubigen zusammenfassen. Egal, wel­che menschlichen Beziehungen bestehen mögen, während wir danach trachten, die­se Pflichten auszuführen: Unsere Verantwortung ändert sich nicht. Ob es Ange­höri­ge, Nachbarn oder Fremde sind, jeder notwendige Kontakt muss durch praktische, liebende Frömmigkeit und durch treues, verbales Zeugnis von Christus de­finiert wer­den. In jeder anderer Hinsicht sollen wir uns als „Fremdlinge und Pilger in dieser Welt“ betrachten (1Pt 2,11).

Unsere Verantwortung füreinander als Miterben von Gottes Barmherzigkeit und Gnade geht jedoch viel tiefer. Dafür gibt es einen guten Grund. Während wir selber mit Ungläubigen als Folge von verschiedenen mensch­lichen Beziehungen (Mutter/Sohn, Bruder/Schwester, Arbeitgeber/Arbeitnehmer usw.) zwangsläufig involviert sein mögen, haben wir mit Ungläubigen über diese menschlichen Bande hinaus keine geistliche Einheit. Wenn es jedoch um unsere Beziehung zu anderen Gläubigen geht, sind menschliche Bindungen aber nicht mehr der definierende Punkt. Egal was unsere früheren menschlichen Beziehungen waren, in Christus sind wir durch seinen Geist zu einem Leib in einer organischen Einheit verbunden worden, die ähnlich der Beziehung des Armes zur Hand oder des Beines zum Fuß ist (1Kor 12,12.27). Diese neue geistliche Einheit bringt neue Verantwortungen mit sich. Diese Verantwortungen sind das Thema eines Großteils der neutestamentlichen Lehre, besonders in den apostolischen Briefen. Während sich die Kirche im Laufe ihrer fast 2000-jährigen Geschichte entwickelt hat, gingen jedoch viele der wesent­lichen Praktiken des Leibes in der bedauerlichen Verweltlichung von Kirchenstruk­turen- und -praktiken verloren. Für viele örtliche Versammlungen [Gemeinden] wird die Be­ziehung zwischen ihren Mitgliedern nicht mehr länger durch organische Einheit, sondern durch organisatorische – gewöhnlich hierarchische – Strukturen definiert. Als Ergebnis davon wurden die gegenseitigen „Einander“-Verantwortungen, die in den Briefen der Apostel aufgelistet sind, entweder ignoriert oder zu Gunsten von Verfahren, die von glaubensgemeinschaftlicher Tradition, Mehrheitswahl oder einigen anderen außerbiblischen Einflüssen kompromittiert.

Bevor wir zu den Besonderheiten kommen, was es bedeutet, unsere Beziehung zueinander nicht auf menschliche Weise, sondern gemäß der apostolischen Lehre zu regeln, müssen wir sicher sein, was unter dem „Leib Christi“ zu verstehen ist (1Kor 12,27). Während der Leib Christi mit der Summe aller Auserwählten aus allen Epo­chen definiert werden kann, ist dies nicht die Definition, die in den meisten Ab­schnit­ten, die sich mit unseren gegenseitigen Verantwortungen befassen, beabsich­tigt ist. Obwohl wir Gott für seine Gnade preisen, andere Sünder in früheren Gene­ratio­­nen zu retten, haben wir keine praktische Möglichkeit, unsere Verantwortungen im Leib mit ihnen zu teilen. Noch können wir viel tun, um die Verantwortungen gegen­über dem Leib zu erfüllen, wenn wir über zeitgenössische Gläubige sprechen, die in weit entfernten Ländern leben. Aus diesem Grunde richtet sich der Großteil der Lehre über unsere gegenseitigen Pflichten als Gläubige an die Untergruppen des Leibes Christi, die wir in spezifischen Städten oder Häusern finden. Erst im Kontext dieser kleineren, örtlichen Versammlungen nehmen unsere Verantwortungen gegenüber anderen Gläubigen praktische Dimensionen an. Wir müssen mit den anderen Teil­nehmern unserer örtlichen Gemeinschaft [Gemeinde] lernen, diese neutesta­ment­lichen Prinzipien auszuleben.

Das Folgende ist keineswegs eine erschöpfende Behandlung dieses Themas. Aber die erwähnten Prinzipien und zitierten Abschnitte sind sicherlich repräsentativ dafür, was das Neue Testament über unseren Umgang miteinander als Glieder von Christi Leib in einer örtlichen Versammlung zu sagen hat. Lesen und denken Sie sorgfältig über diese Wahrheiten nach und vergleichen Sie sie dann mit ihren derzeitigen Annahmen und Praktiken. Wenn Sie sagen können, dass Sie ihre Beziehungen nach diesen Wahrheiten ausrichten, dann freuen Sie sich darüber und geben Sie sich sogar noch mehr Mühe. Wenn Sie zugeben müssen, dass Ihre Beziehungen mit anderen Menschen in ihrer örtlichen Gemeinde nicht mit diesen Lehren überein­stimmt, möchten wir Sie ermutigen, zu bereuen, alles, was nötig ist, zu tun, um die unrechten Beziehungen zu heilen und nach mehr Gehorsam gegenüber diesen wesentlichen Wahrheiten zu streben.

Allgemeine Verantwortungen im Leib

Zuerst und am Allerwichtigsten: Wir müssen als Erstes einander lieben, so wie Chris­tus uns geliebt hat (Joh 13,34). Das bedeutet, dass unsere Liebe zueinander be­stän­dig, aufopfernd und bedingungslos sein muss (1Joh 3,16-17). Unsere Liebe darf nicht selbstsüchtig sein, sondern muss in ihrer Hingabe zwecks Besserstellung der anderen christusähnlich sein. Sie „freut sich nicht über die Ungerechtigkeit“ (1Kor 13,6) und muss doch willig sein, eine „Menge von Sünden“ zuzudecken (1Pt 4,8). Gemäß der Heiligen Schrift gibt es keinen Platz für Grobheit in unserer Liebe zuein­ander, noch sollten wir über unsere gegenseitigen Vergehen Aufzeichnungen führen (1Kor 13,5). Im Gegenteil, wenn wir einander wirklich lieben wie Christus uns geliebt hat, werden wir geduldig und nachsichtig sein, schnell vergeben, vertrauens­voll und bereit sein, einander vor allen Feinden des Glaubens zu beschützen (1Kor 13,4-7; Eph 4,32; Kol 3,13; 1Pt 1,22; 3,8; 4,8).

Wir sollen nie in eine Sache involviert sein, die spaltet und niederreißt, sondern dürfen nur mit jenen Aktivitäten beschäftigt sein, die erbauen, oder „die Gemeinde erbauen“ (1Kor 14,12). Obwohl es sicher Rollen für solche Leitungspositionen wie Lehrer und Älteste gibt, ist unsere Beziehung miteinander nicht hierarchisch, sondern wechselseitig, denn wir alle fungieren im Leib Christi als Priester. Wenngleich sich unsere Gaben und Rollen, die auf diesen Gaben basieren, unterscheiden mögen, sind wir alle dafür verantwortlich, Wachstum im Leib zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten wir alle an gegenseitiger Unterstützung, Ermutigung, Ermahnung, und was sonst noch notwendig ist, beteiligt sein, um eine größere Übereinstimmung mit dem Bild Christi zu erreichen (Röm 8,29.15; 15,14; 1Th 5,11.14; Hebr 3,13; 10,24-25; 1Pt 4,10).

In allem, was wir tun, sollen wir nach den Dingen streben, die zum Frieden führen (Röm 12,18). Wir dürfen uns nicht an Zank und Streit beteiligen, sondern sollten bewusst nach „Frieden suchen und ihm nachjagen“ (1Pt 3,11). Als Friedensstifter müssen wir sorgfältig biblischen Prinzipien folgen, sooft es notwendig ist, Konflikte mit anderen zu lösen (Mt 5,9; Hebr 12,14). Wir dürfen niemals vergessen, dass Frieden das Wesen dessen ist, was durch das Blut Christi für uns erkauft wurde (Joh 14,27; Röm 5,1; Eph 2,14-16; Kol 1,19-20). Friede ist das Element, das uns am meisten von den Menschen, die noch in ihren Sünden leben, unterscheidet (Jes 48,22).

Im Streben nach gegenseitiger Erbauung und Frieden, spielt unser Mund eine sehr wichtige Rolle. Unsere Worte sollten sorgfältig ausgewählt werden und darauf ausge­richtet sein, aufzubauen, nicht zu zerstören (Eph 4,29.31; 5,14; Kol 3,8.16; Jak 3,10; 1Pt 4,11). Wir dürfen „niemanden verleumden“ (Tit 3,2) und müssen bereit sein, stets ein gutes Wort über unsere Brüder und Schwestern in Christus zu sagen. Im menschlichen Bereich sind Worte oft der Funke, der zu Kriegen und Gewalttaten führt, und es gibt dafür im Bereich der Kirche eine Parallele, denn „wenn ihr euch aber untereinander“ mit verletzenden und schädigenden Worten „beißt und fresst“, „wird einer vom anderen aufgefressen werden“ (Gal 5,15).

Verantwortungen in Bezug auf beschädigte Beziehungen

Es darf nicht zugelassen werden, dass angespannte oder beschädigte Beziehungen im örtlichen Leib ungelöst bleiben. Es gibt auch keine biblische Rechtfertigung, da­rauf zu warten, dass die andere Person den ersten Schritt macht. Wenn Sie etwas gegen einen Bruder oder eine Schwester in Ihrer Versammlung haben, sollen Sie die Initiative ergreifen und zu ihrem Bruder oder ihrer Schwester gehen, um nach Frie­den und Versöhnung zu streben (Mt 5,23-24). Aber wenn Sie herausfinden, dass jemand anders etwas gegen Sie hat und sich nicht damit befasst, ist es immer noch Ihre Verantwortung, die Initiative zu ergreifen und Frieden und Versöhnung zu suchen (Mt 18,15).

Wenn wir wissen, dass es etwas gibt, das die Gemeinschaft mit einer anderen Person in unserer Versammlung hindert – egal, wessen Schuld es ist –, und wir nicht die Initiative ergreifen, die angespannte Beziehung wiedergutzumachen, sündigen wir nicht nur gegen unseren Bruder oder unsere Schwester, sondern gegen Christus. Das Neue Testament betont das Band der Liebe, das unsere Herzen in Einigkeit und Frieden zusammenfügen soll. Wenn wir wissen, dass dieses Band angespannt oder zerbrochen ist, müssen wir jede Anstrengung unternehmen, um den Bruch zu heilen. Das bedeutet nicht, dass wir in jedem Detail unseres Lebens übereinstimmen müssen, aber es bedeutet, dass wir kein böses Blut gegen andere Mitglieder im Leib haben dürfen.

Verantwortungen in Bezug auf das Konfrontieren von Sünde

Wenn jemand in unserer Gemeinde in Sünde fällt, ist es unsere Verantwortung, ihn oder sie in Liebe, mit dem Ziel, Reue und Versöhnung zu erreichen, zu konfrontieren (Mt 8,15-16; Gal 6,2). Zu Beginn dieses Prozesses der Konfrontation ist es wichtig, die Angelegenheit nur auf jene zu begrenzen, die direkt involviert sind. Angesichts einer reuelosen Einstellung mag es notwendig werden, andere Zeugen hinzuziehen, oder die Angelegenheit sogar vor die ganze Gemeinde zu bringen, aber diese Aus­weitung sollte nur unternommen werden, wenn alle anderen Bemühungen auf be­grenz­ten Ebenen erfolglos waren. Wenn jemand, der gesündigt hat, bereut, müssen wir bereit sein, ihm/ihr umgehend zu vergeben und ihn wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen (Mt 18,21-22; Lk 17,34). Wenn alle Bemühungen, den Sünder zur Reue und zur Versöhnung zu führen, scheitern, hat die Kirche keine Wahl, als den Täter aus der Versammlung auszuschließen (Mt 18,17; 1Kor 5,2.7). Sogar eine solch schmerz­hafte aber notwendige Läuterung sollte jedoch in der Hoffnung und im Gebet erfolgen, letztendlich Reue und eine wiederhergestellte Beziehung mit dem Täter zu erreichen (1Kor 2,6-8).

Die Heilige Schrift scheint noch eine andere Situation zu definieren, die eine weniger heftige Aktion erfordert. Wenn ein Bruder oder eine Schwester nicht „nach der [apo­stolischen] Lehre lebt“ (2Th 3,6), muss er oder sie auch konfrontiert und ermahnt werden, ihre Wege zu bessern. Angesichts von fortgesetztem Ungehorsam sollen sie jedoch nicht aus der Versammlung ausgeschlossen, sondern gemieden werden, als Mittel um sie zu beschämen (V. 14). Anders als das oben beschriebene Verfah­ren, wo der Täter aus der Kirche entfernt und als ein Heide betrachtet wird, soll diese Disassoziierung innerhalb der Gemeinde stattfinden, und das widerspenstige Mitglied soll als „Bruder“, nicht als Feind des Glaubens (V. 15), verwarnt werden. Wie in der Situation, wo Sünde zum Ausschluss führt, so müssen wir auch in dieser Disziplinie­rung immer bereit sein, als Antwort auf Reue zu vergeben und die Gemein­schaft wiederherzustellen. Die Unterscheidung dieser beiden Situationen ist zugegebener­maßen schwierig, und muss in Ihrer eigenen Versammlung sorgfältig ausgearbeitet werden. In keinem der beiden Fälle dürfen die disziplinarischen Aktionen überstürzt, oder ohne viel Gebet um Weisheit und der Leitung des Heiligen Geistes ausgeführt werden. Andererseits, wenn eine solche Disziplinierung notwendig wird, dürfen wir weder unsere Verantwortung scheuen, noch das Problem unter den Teppich kehren.

Verantwortungen in Bezug auf individuelle [persönliche] Freiheiten

Wir sind ein Leib in Christus und wir sollten eines Sinnes sein, einfältig in Herz und Sinn. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir eine Gemeinschaft von Geklonten werden. Im Gegenteil, Gott hat uns in vieler Hinsicht eigens unterschiedlich voneinander gemacht. Wir sind männlich und weiblich. Wir sind jung und alt. Wir sind aufgeweckt und langsam. Wir sind reserviert oder kontaktfreudig. Einige bevorzugen Gemüse, andere Fleisch. Das sind nur einige der Unterschiede zwischen uns, aber keine dieser individuellen Eigenschaften schmälert unsere Einheit in Christus, genauso wenig wie die Tatsache, dass die Hand sich vom Fuß unterscheidet, beide weniger zu einem Teil unseres physischen Leibes macht (1Kor 12,12-27).

Wiederum, dies ist ein Teil unserer gegenseitigen Verantwortung, die beträchtliche Geduld und geistliche Unterscheidung erfordert. Es ist eine Tatsache, dass es in jeder Versammlung von Gläubigen viele Unterschiede zwischen den Menschen geben wird. Einige unserer Unterschiede spiegeln unterschiedliche Stufen von geistlicher Reife wider, und sollten sich im Vorhandensein von geduldiger Liebe, gutem Beispiel und gesunder Lehre von selber erledigen. Andere Unterschiede haben das Potential zu spalten und müssen gelöst werden, um die Einheit zu wahren und unsere Einheit in Christus zu verbessern. Andere Unterschiede sind nichts anderes als persönliche Präferenzen und können ohne negative Wirkung für den Leib Christi respektiert werden.

Vielleicht der schwierigste Punkt in Bezug auf diese Unterschiede liegt im Bereich der persönlichen Freiheit. Das war ein Problem, womit die Frühkirche in ihrem Anfangsstadium konfrontiert wurde. In ihrem Übergang von entweder heidnischen oder jüdischen Perspektiven hin zur Annahme der apostolischen Lehre, mussten sich viele neue Gläubigen mit neuen Situationen befassen. Ihre Reaktion auf diese Situationen war nicht immer dieselbe. Einige verstanden beispielsweise schnell, dass Fleisch, das den Götzen geopfert und am nächsten Tag mit einem Preisnachlass verkauft wurde, keine Kraft hatte, dem Konsumenten geistlichen Schaden zuzufügen. Daher nutzten sie dieses Geschäft mit einem reinen Gewissen. Andere wiederum waren durch ihre frühere Verbindung zu Götzen beschwert und konnten solches Fleisch nicht essen, ohne ihr Gewissen zu beschweren. Paulus‘ Anweisung in Bezug auf diesen spezifischen Fall von Unterschieden unter Gläubigen ist sehr instruktiv, und die Prinzipien, die man davon ableiten kann, können auf ähnliche Situationen in unserem Leben angewandt werden.

Ganz ähnlich wie die Umstände, die wir vorhin unter „Beschädigte Beziehungen“ behandelt haben, sollte die Verantwortung, in Bezug auf unsere Unterschiede in Liebe zu handeln, nicht der anderen Person überlassen werden, sondern es ist unsere Aufgabe, danach zu streben und den ersten Schritt zu tun – egal, was unser Standpunkt in einer Frage, welche die christliche Freiheit betrifft, sein mag. Das be­deutet, dass Sie einen Bruder, der vielleicht reifer im Glauben ist (z. B. ein Fleisch­esser), etwas zu sich nimmt, das Sie noch nicht mit einem reinen Gewissen essen können, nicht richten sollen (Röm 14,13). Aber wenn Sie sich als den stärkeren Bruder betrachten und beobachten, wie jemand, der im Glauben schwächer ist, sich einer Sache enthält, an der Sie sich frei fühlen teilzunehmen, sollten sie einen solchen schwachen Bruder nicht verachten, noch einen Anlass geben, dass er gegen sein beschwertes Gewissen verstößt. In der Tat, als stärkerer Bruder müssen Sie bereit sein, freiwillig auf etwas zu verzichten, das Ihrer Meinung nach innerhalb Ihrer Freiheit in Christus ist, wenn ein solches Opfer notwendig scheint, um diesem schwächeren Bruder zu dienen (Röm 14,3). Dabei sollten Sie aber einen solchen Bruder auch geduldig und vorsichtig in dem Bereich, wo sein Gewissen unnötig beschwert ist, belehren. Zur Zeit des Paulus kann man sicher annehmen, dass viele, die eine Zeitlang durch die Sache, den Götzen geopfertes Fleisch zu essen, oder in Bezug auf bestimmte Tage und Festzeiten beschwert waren, letztendlich von ihrer Knechtschaft gegenüber fehlgeleiteten Annahmen befreit und durch das geduldige Beispiel und die gesunde Lehre ihrer stärkeren Brüder in das volle Licht der Freiheit in Christus geführt wurden.

Es ist wichtig zu betonen, dass wir keine individuelle Freiheit in Angelegenheiten fördern, die klar Sünde sind. Als Gläubige sind wir nicht frei zu stehlen, zu lügen, uns an bösen Praktiken zu beteiligen, noch uns der Trunksucht und anderen Vergnügun­gen der Welt hinzugeben. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen der Sünde der Trunksucht und der Frage, ob ein Christ die Freiheit hat, alkoholische Getränke zu trinken. Alle Gläubigen sollten darin übereinstimmen, dass Trunksucht in einem from­men Leben keinen Platz hat. Aber die Frage, ob ein Christ Wein oder Bier zu sich nehmen kann, ist nicht so leicht definiert. Für viele wurde dies bedauerlicherwei­se zu einem Test des Glaubens, und eine Frage, über die es ständige Spaltung gibt, wobei die Lehre des Paulus in solchen Angelegenheiten nicht berücksichtigt wird. In vieler Hinsicht gibt es hier wenig Unterschied zwischen der Frage von Götzenopfer­fleisch im ersten Jahrhundert und der Frage von alkoholischen Getränken in der heutigen Zeit. Wiederum, dies ist eine Sache, die unter den Gläubigen in Ihrer Ver­sammlung gelöst werden muss, aber während Sie sich mit diesen oder ähnlichen Fragen (Kinobesuch, Fernsehen, Tanzen usw.) befassen, möchten wir Sie ermuti­gen, dabei die von Paulus in Römer 14 dargelegten Prinzipien zu beachten. In all diesen Angelegenheiten sollen sowohl der schwächere als auch der stärkere Bruder das beiderseitige Wohlergehen suchen, indem sie nach Frieden und Erbauung streben (V. 9). Paulus hat dem Vegetarier nicht geboten, er soll anfangen Fleisch zu essen, noch sagte er dem Fleischesser, dass er aufhören sollte, Fleisch zu essen (V. 2-3). Vielmehr ermahnte Paulus beide, eine Gott ehrende Einstellung und einen Respekt für die gegenseitigen Unterschiede an den Tag zu legen (Röm 13,1-3.7).

Schlussbemerkungen

Diese Prinzipien behandeln die Anforderungen der Liebe in unseren Beziehun­gen miteinander als Glieder des Leibes Christi keineswegs erschöpfend. Aber wir glauben, dass diese Lehren das Wesentliche unserer Pflichten, die wir gegenseitig füreinander haben, zum Ausdruck bringen. Es ist nie leicht, sich mit Problemen zu befassen, die unter uns entstehen, aber wir müssen uns mit ihnen beschäftigen, denn weniger als das zu tun bedeutet, unsere Verantwortungen und gegenseitigen Pflichten als Mitglieder des Leibes Christi zu umgehen. Die Liebe tut beides – sie sorgt sich und sie diszipliniert. Wir führen daher kein Leben der Liebe, wenn wir ignorieren oder uns weigern, uns mit Situationen zu beschäftigen, die unsere Einheit in Christus zu zerstören drohen.

Es ist unser Gebet, dass Sie diese Gedanken sorgfältig in Erwägung ziehen und dass der Geist Gottes sie leiten möge, das zu tun was immer nötig ist, um jedes ungelöste Problem, das Ihre Gemeinschaft mit Christus und die Wirksamkeit des Evangeliums behindert, zu korrigieren. Wenn wir die Wahrheit hören, sie aber nicht umsetzen, dann „betrügen wir uns selbst“ und missfallen dem Herrn (Jak 1,22). Aber wenn wir sowohl hören als auch tun, was Christus uns befiehlt, dann werden wir glücklich und gesegnet sein (Joh 13,17). „Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer“ (1Joh 5,3).



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Ein Artikel von www.glaube.de
Autoren: Jon Zens und Cliff Bjork
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Ein WKG Artikel mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: www.glaube.de
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