Günter J. Matthia: Einer gegen Legionen - Teil 1

Manche Christen verurteilen das lautstark, als könne man von Ungläubigen gläubiges Verhalten erwarten oder fordern. Ich halte die Lektüre von gewissen Büchern für keine gute Idee, von Bücherverboten oder -verbrennungen meine ich jedoch, sollten wir uns genauso fernhalten wie von öffentlichen Verteufelungen der jeweiligen Autoren.
Seit jeher gibt es unüberschaubar viele Sagen, Märchen, Berichte und Überlieferungen, die sich mit der Welt des Okkulten beschäftigen. Neu ist in den letzten Jahren nur, dass die Unterscheidung in Gut und Böse verschwimmt oder ganz weggefallen ist. Ist dies nicht aber ein Spiegel unserer Gesellschaft, dessen Reflektionen uns eher anstacheln sollten, Salz und Licht zu sein als irgend etwas anderes?
Auch die Bibel thematisiert von Genesis bis Offenbarung immer wieder die Macht und Kraft des Bösen. Allerdings gibt es zu allen anderen Überlieferungen, Quellen und Materialien einen entscheidenden Unterschied: Die Bibel gibt Antworten, wo andernorts, fromme Literatur zum Teil eingeschlossen, Spekulationen und Mythen wuchern.
Den ersten Christen fehlte, was wir oft als Errungenschaft betrachten: Die Trennung in Natürlich und Übernatürlich. Diese Grenze, die uns so geläufig geworden ist, dass wir oft gar nicht mehr anders denken können.
Was berichtet Markus in seinem Evangelium über unsaubere Geister, Dämonen, Satan, Teufel und Konsorten? Fangen wir mal mit dem Ende an, ausnahmsweise. An und für sich ist das aus meiner Sicht keine zulässige Art und Weise, mit Texten jeglicher Art umzugehen, aber da die meisten Leser sowieso dieses Evangelium kennen und weil damit eine entscheidende Voraussetzung für diese Betrachtung deutlich wird, möchte ich den Schluss als Einstieg wählen.
„Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.” Jesus verabschiedet sich mit diesen Worten von seinen Jüngern. Er gibt ihnen einen Auftrag und nennt die Folgen, die der Glaube haben wird. Darum, um das Weitersagen der guten Nachricht durch Wort und vor allem durch unser Leben geht es beim Glauben, und nicht um Dämonen. Dennoch: Sie lassen sich nicht aus der Bibel entfernen, so lange wir das Wort Gottes als vom Heiligen Geist inspiriert respektieren.
Warum schreibe ich diese Betrachtung? Ohne Zweifel gibt es noch und noch fundierte Bücher zum Thema. Mein Ansatz in diesen Zeilen ist jedoch anders als in den Büchern, die ich zum Thema in über 30 Jahren gelesen habe. Mein Ansatz ist vergleichbar mit dem kürzlich gewählten über die geistliche Waffenrüstung: Anstatt einzelne Verse und Sätze aus dem Kontext zu nehmen und mit Versen und Sätzen aus anderen biblischen Büchern und Kapiteln zu verbinden, biete ich den Weg durch ein biblisches Buch mit den Zusammenhängen, in denen der Autor etwas schreibt, an. Wir wollen, Interesse vorausgesetzt, sehen, was Markus über den Teufel und unreine Geister aufgeschrieben hat.
Das Markusevangelium ist ein eher nüchterner Bericht über das Wirken Jesu Christi. Geburt und Kindheit fehlen, Markus beginnt mit Johannes dem Täufer und kommt nach nur sieben einleitenden Sätzen schnell auf sein Thema: „Und es geschah in jenen Tagen: Jesus kam von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im Jordan getauft.” Im nächsten Satz stoßen wir bereits auf das, was sich bis zum Schluss der Lektüre nicht ändern wird: Die selbstverständliche Einheit von sichtbarer und unsichtbarer Welt. „Und sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herab fahren.
Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.” Da fließt die Landschaft am Jordan mit einem Blick in das Übernatürliche zusammen, ohne dass Markus etwas erklären oder erläutern würde. Und da fangen unsere Schwierigkeiten als über alle möglichen Geheimnisse aufgeklärte und umfassend gebildete Menschen an. Deshalb verstehen viele Christen heute nicht, was es mit Satan, Teufel, Mächten der Finsternis, Dämonen oder wie man auch immer die Existenz des Bösen benennt, auf sich hat. Es gibt viele, vielleicht zu viele Stimmen, die sich zu Wort melden. Die Bandbreite reicht vom nüchternen Analysieren bis zu wilden Spekulationen, von Furcht und Angst vor Dämonen bis zum leichtfertigen Umgang mit dem Übernatürlichen.
Die katholische Kirche hat den Exorzismus in Form gebracht und als Rezept wie eine Gebrauchsanleitung festgeschrieben, vermeidet aber heute die Anwendung des Ritus zur Teufelsaustreibung weitgehend.
Evangelische Theologen tendieren überwiegend dazu, dass die biblischen Berichte Legendencharakter haben und entsprechend gedeutet, ausgelegt werden sollten, es gibt nach ihrer Auffassung zwar etwas Böses, aber keinen Satan - obwohl der Urheber des Protestantismus ein Tintenfass nach ihm geworfen haben soll.
In pfingstlichen und charismatischen Freikirchen herrscht häufig ein ziemliches Durcheinander von lautstarkem „Widerstehen” gegen den Teufel und „Befreiungsdienst”, da wird mit dem „geistlichen Schwert” auf den „Geist der Abtreibung” eingedroschen oder Gläubige werden aufgerufen, erbitterten Krieg gegen die Heerscharen der Finsternis zu führen, weil sonst eine Naturkatastrophe über Land X oder die Erweckung nicht in die Stadt Y kommt.
Die evangelikalen Kirchen meiden das Thema weitgehend, wollen, weil sie die Bibel für verbindlich halten, die Existenz des Bösen zwar nicht leugnen, haben aber eine deutliche Scheu, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen.
Zugegeben, dies ist verallgemeinernd zusammengefasst, es gibt in allen Kirchen und Bewegungen eine Bandbreite an Umgang mit dem Thema Teufel und Dämonen. Alle haben ihre Argumente und Einsichten, Erfahrungen und Grundlagen für ihre jeweiligen Vorstellungen und Lehren, die ich nicht bewerten will. Mir geht es vielmehr darum, beispielhaft anhand eines biblischen Buches einen Blick auf den Umgang Jesu Christi und seiner Jünger mit Dämonen und Engeln, natürlichem und übernatürlichem Geschehen, zu werfen. Ich lade die Leser ein, vielleicht etwas zu entdecken, was bisher dem Blick verborgen war und vielleicht etwas zu verwerfen, was wir bisher für unumstößlich gehalten haben.
Die Heilige Schrift unterscheidet nicht zwischen Katholiken, Baptisten, Evangelikalen, Protestanten, Methodisten, Pietisten, …, sondern zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Entweder, jemand glaubt an Jesus Christus, oder eben nicht.
Bevor wir weitergehen, noch eine fast zwangsläufige Frage: Kann jemand das Evangelium nach Markus eigentlich annehmen und gleichzeitig die uns so gewohnte Trennung zwischen Natürlich und Übernatürlich - Diesseitigem und Jenseitigem - aufrechterhalten? Ganz klar: Ja. Evangelium heißt nichts weiter als „Gute Nachricht”, und um zu hören und zu glauben, dass Jesus Christus der Erretter ist und entsprechend zu handeln braucht man lediglich diese gute Nachricht: Der Messias Gottes ist gestorben und auferstanden, damit ich persönlich Versöhnung mit einem heiligen Gott geschenkt bekommen kann. Viel mehr ist wirklich nicht notwendig. Markus schreibt kein Buch über den Teufel oder unreine Geister, sondern er schreibt über Jesus Christus. Und das ist begreifbar auch für Leser, die gedanklich daran festhalten, dass es Übernatürliches nicht gibt.
Aber wer bei der Suche nach Antworten zum Thema Teufel, Satan, Fürst der Finsternis verwirrt von all den Meinungen und Lehren, die durch die christliche Szene schwirren, direkt zur Quelle, zur Bibel, gehen will, anstatt sich ständig aus zweiter Hand informieren oder verwirren zu lassen, sollte meiner Meinung nach alles eigene Denken, alle felsenfesten Überzeugungen erst einmal in Frage stellen. Wenn wir uns mit dem Wort Gottes unter der Prämisse beschäftigen, dass wir manches aufgrund unserer Bildung und Erziehung besser wissen als die biblischen Autoren es gewusst haben - sperren wir damit nicht von vorne herein einen großen Teil der Antworten aus, die wir eigentlich finden möchten?
Gleich nach der Taufe durch Johannes wird Jesus, wie Markus berichtet, „vom Geist in die Wüste hinaus getrieben.” Der Messias als Getriebener? Nun gut, lassen wir das so stehen und schauen nach, warum. „Und er war vierzig Tage in der Wüste und wurde von dem Satan versucht; und er war unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.” Hier zeigt sich Markus erneut als typischer Chronist mit dem Motto „Fakten, Fakten, Fakten!” Wir können festhalten: Jesus kommt zu Johannes und lässt sich taufen, dabei wird Unsichtbares sichtbar, denn „wie eine Taube” kommt „der Geist” herab, begleitet von einer hörbaren Stimme aus dem Übernatürlichen, dem „Himmel”. Dieser Geist treibt Jesus in die Wüste, in eine vierzigtätige Isolation von jeglicher menschlicher Gesellschaft, wo er es sowohl mit irdischen Geschöpfen wie „wilden Tieren” als auch mit überirdischen Wesen wie „Engeln” und „dem Satan” zu tun bekommt.
Für Markus ist bei seinem Bericht weder wichtig, wie die Versuchung ausgesehen hat, noch auf welche Weise die Engel Jesus dienten. Wir haben, halten wir fest, in den ersten 13 Versen bereits mehrfach beobachtet, dass in seiner Chronik eine Unterteilung in „Diesseits” und „Jenseits” nicht existiert.
Kurz danach berichtet Markus von einer Konfrontation. Jesus hat die ersten Jünger in die Nachfolge berufen und besucht eine Synagoge. „Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist; und er schrie auf und sagte: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes.” Wiederum ist das Irdische mit dem Überirdischen verwoben, es existiert keine Abgrenzung. Nichts muss erklärt werden, sondern es werden Fakten berichtet: Ein Mensch hat einen „unreinen Geist”, daher weiß er zu sagen, dass Jesus kein normaler Synagogenbesucher ist, sondern der Heilige Gottes.
Jesus handelt ohne große Umstände: „Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und der unreine Geist zerrte ihn und rief mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus.” Der unreine Geist hat keine Wahl, es genügt die Bedrohung und der Befehl, den Menschen zu verlassen. Damit zeigt Jesus eine Vollmacht, die seinen Zeitgenossen unbekannt ist. „Und sie entsetzten sich alle, so dass sie sich untereinander befragten und sagten: Was ist dies? Eine neue Lehre mit Vollmacht? Und den unreinen Geistern gebietet er, und sie gehorchen ihm.”
Was unterscheidet die Menschen, die in der Synagoge Zeugen der Vorfälle sind, und uns? Viele von uns würden zunächst bezweifeln, dass es sich bei dem Verhalten des Mannes um die Folge der Tatsache handelt, dass er einen unreinen Geist hat. Wir würden Kindheitstraumata suchen oder einen Persönlichkeitsdefekt, würden Erklärungen für sein sonderbares Verhalten im Gottesdienst finden und ihm seelsorgerliche Betreuung anraten. Vielleicht wurde er ja religiös missbraucht und ist deshalb so aggressiv? Möglicherweise kann ihm ein Psychologe helfen?
Sowohl für Jesus als auch für die Synagogenbesucher jedoch ist eins klar: Es gibt unreine Geister und dieser Mann ist Opfer eines solchen. Dagegen kann Jesus etwas tun, nämlich anordnen, dass der unreine Geist sich von dannen macht. Der gehorcht, weil er einer Autorität gegenübersteht, die ihm keine andere Wahl lässt.
Das ist etwas, was viele Christen vergessen haben. Sie meiden das Thema Satan und Dämonen, weil sie befürchten, unterlegen zu sein. Im Gottesdienst am Sonntag singen sie noch vom Sieg Jesu und dass er Herr sei, bekennen unseren Gott als feste Burg, aber selbst wenn sie die Existenz Satans nicht leugnen, ist es ihnen lieber, dass sich die Profis, Pastoren und Pfarrer, mit solchen Dingen beschäftigen.
Wir vergessen viel zu oft, dass der Sieg über diesen Feind nicht mehr errungen werden muss. Seine Macht ist bereits gebrochen. Ein für alle Male. Das weiß jeder Dämon, das weiß der Teufel. Wenn wir es nicht wissen oder anwenden, hat der Feind leichtes Spiel mit seinen Opfern, unter Umständen auch uns selbst.
Doch zurück zu Markus und seinem Bericht. Er schreibt ein paar Zeilen später: „Als es aber Abend geworden war und die Sonne unterging, brachten sie alle Leidenden und Besessenen zu ihm; und die ganze Stadt war an der Tür versammelt. Und er heilte viele an mancherlei Krankheiten Leidende, und er trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden, weil sie ihn kannten.” Wieder keine Trennung zwischen Natürlich und Übernatürlich, sondern Markus berichtet einfach, dass Jesus den Menschen, die zu ihm kommen, hilft. Ob ihr Leiden nun durch eine eitrige Mandelentzündung oder dämonischen Einfluss verursacht wurde, spielt keinerlei Rolle. Dies ist der Dienst, den Jesus tut, Markus fasst nüchtern zusammen: „Und er ging und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.”
Einige Absätze später lesen wir: „Denn er heilte viele, so dass alle, die Leiden hatten, sich auf ihn stürzten, um ihn anzurühren. Und wenn die unreinen Geister ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrieen und sprachen: Du bist der Sohn Gottes!” Es bleibt den unreinen Geistern nicht verborgen, mit wem sie es zu tun haben, die erste Begebenheit, die Markus schildert, war kein Einzelfall. Jesus ist jedoch nicht auf Ruhm und Sensationen bedacht. „Und er bedrohte sie sehr, dass sie ihn nicht offenbar machten.”
Es gibt allerlei Theorien und Erklärungsversuche, warum Jesus mehr als einmal das Hinausposaunen, dass hier der Sohn Gottes wirkt, unterbinden will. Einige scheinen mir einleuchtend, aber für unsere Betrachtung des Themas spielt dies keine Rolle, da er inzwischen weltweit als Sohn Gottes verkündet wird. Daher sei hier nur festgehalten, dass die Dämonen wissen, mit wem sie es zu tun haben, während die meisten Menschen keine Ahnung haben, wer dieser Jesus ist, zu dem sie ihre Leidenden bringen. Sie stellen nur fest, das sein Dienst wirksam ist: Die Kranken werden gesund, die unreinen Geister verschwinden auf sein Wort.
Nachdem sie längere Zeit beobachtet haben, was ihr Meister tut, kommen dann die Jünger selbst an die Reihe. „Und er steigt auf den Berg und ruft zu sich, die er wollte. Und sie kamen zu ihm; und er berief zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende, zu predigen und Vollmacht zu haben, die Dämonen auszutreiben.” Die Zwölf werden anschließend namentlich von Markus aufgezählt, aber mehr berichtet er an dieser Stelle nicht. Es bleibt festzuhalten, dass Jesus das, was er bisher alleine getan hat, nun auf mehrere Mitarbeiter verteilt und damit die Wirksamkeit des Dienstes ausweitet.
Er tut dies nicht, um sich zu schonen, sondern dient zusammen mit den Jüngern über die normalen physischen Grenzen hinaus weiter den Hilfesuchenden: „Und wieder kommt die Volksmenge zusammen, so dass sie nicht einmal Brot essen konnten. Und als seine Angehörigen es hörten, gingen sie los, um ihn zu greifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.”
Offenbar ist mittlerweile erhebliches Aufsehen entstanden. Schon längst hat Jesus die religiösen Leiter zum Widerspruch und zur Feindschaft provoziert, da er sich angesichts leidender Menschen nicht darum schert, ob gerade Sabbat ist oder nicht. Auch andere jüdische Frömmigkeitsübungen setzt er außer Kraft, das rituelle Fasten zu bestimmten Zeiten beispielsweise. Im zweiten Kapitel des Markusevangeliums werden diese Konflikte mit den geistlichen Leitern dargestellt.
Nun sind die Angehörigen so weit, dass sie Jesus für unzurechnungsfähig halten. Wer sich nicht einmal mehr zum Essen Zeit nimmt, bei dem muss ja eine Schraube locker sein. Da muss man einschreiten, ihn sozusagen vor sich selbst schützen. Sie ziehen los, um Jesus, wie Markus schreibt, „zu greifen” bevor er noch mehr anrichten kann.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten, extra aus Jerusalem angereist, stimmen zu, es muss endlich energisch eingeschritten werden, denn das ist nicht mehr hinzunehmen, dass da jemand die althergebrachten heiligen Riten und Regeln einfach umwirft und damit die Autorität der professionellen Geistlichkeit unterwandert. Jesus heilt Kranke, befreit Gebundene und verwirft gleichzeitig die Sabbatregeln, das Fasten und vieles mehr. Sie haben zügig eine Erklärung für das auffällige Verhalten. Jesus lehnt ja aus ihrem Verständnis der Heiligen Schriften unerschütterliche Gebote Gottes ab. Daher folgern sie: „Er hat den Beelzebul, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.”
Beelzebul ist im Judentum der Name für den Obersten der Dämonen, sie gehen davon aus, dass Jesus nicht irgend einen Dämon oder mehrere hat, sondern dass durch ihn und in ihm eine Obrigkeit aus dem Reich Satans wirkt. Sie wissen ja, dass Jesus Menschen aus dem Griff der finsteren Mächte zu befreien imstande ist. Als Scharlatan abtun können sie ihn angesichts der vielen Heilungen nicht. Nun haben auch noch seine Jünger die gleiche Autorität bekommen und angefangen, sie auszuüben. Da kann, nach dem Verständnis der geistlichen Obrigkeit, nur ein ganz ranghoher Dämon dahinter stecken.
Dass jemand einen „unsauberen Geist hat” oder wie immer man es formuliert, halten die Pharisäer genau wie das gemeine Volk für vorstellbar, sie unterscheiden wie Jesus und seine Jünger nicht zwischen sichtbarer und unsichtbarer Realität.
Jesus reagiert, indem er die Pharisäer fragt: „Wie kann Satan den Satan austreiben?” Er erklärt anhand eines Alltagsbeispieles: „Und wenn ein Reich mit sich selbst entzweit ist, kann diese Königsherrschaft nicht bestehen. Und wenn ein Haus mit sich selbst entzweit ist, wird dieses Haus nicht bestehen können.” Dann wird er konkret: „Und wenn der Satan gegen sich selbst aufgestanden und mit sich entzweit ist, kann er nicht bestehen, sondern er hat ein Ende.” Das wäre Selbstmord, und für so töricht halten auch die Pharisäer den Teufel nicht.
So weit, so richtig, und nun kommt Jesus auf seinen Dienst zu sprechen, auf das, was er für die Leidenden tut. „Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht vorher den Starken gebunden hat, und dann wird er sein Haus berauben.” Dies ist auf zweierlei Weise zutreffend. Zunächst hat ein Dämon das Haus in Besitz genommen, und dann kommt Jesus oder einer seiner Jünger als Befreier, der den unsauberen Geist hinauswirft. Ist diese Befreiung eine Beraubung? Ja. Schließlich hat der Dämon ein Wohnrecht erworben, geht deshalb nicht aus eigenen Stücken. Man muss ihm die Wohnstätte rauben, damit der Mensch wieder frei sein kann.
Jesus fährt fort: „Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden und die Lästerungen, mit denen sie auch lästern mögen, wer aber gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig; weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.”
Diese klare Aussage hat (durch unzulässige Verkürzung) zu allerlei Unsicherheit bei Christen geführt. Wie viele Gläubige tragen eine tiefe Angst mit sich herum, sie könnten versehentlich den Heiligen Geist lästern und folglich in Ewigkeit keine Vergebung finden… Ich habe über die Jahre einige Diskussionen dieser Art mitverfolgt.
Man muss doch aber im Grunde nur hinschauen und lesen, was Markus schreibt. Er gibt die klare Erklärung: „..weil sie sagten: er hat einen unreinen Geist.” Punkt. Fertig. Das genügt. Kann also ein Christ den Heiligen Geist versehentlich lästern, sich ewiger Sünde schuldig machen? Die Antwort ist ein eindeutiges Nein. Oder wer würde versehentlich sagen „das ist das Werk des Teufels”, wenn er es mit dem Wirken des Heiligen Geistes zu tun bekommt - obwohl er es besser weiß? Das Problem war ja dass die Schriftgelehrten in der Schrift gelehrt waren, also ganz genau zu unterscheiden vermochten. Sie wollten nicht, weil ihr gesellschaftlicher und religiöser Status in Gefahr war. Selbst wenn jemand aus Unwissenheit den Geist Gottes als dämonisch bezeichnet haben sollte, sehe ich darin nicht eine Lästerung des Heiligen Geistes, die nicht vergeben werden kann.
Genauso wichtig an dieser Antwort Jesu ist die Klarstellung, dass er durch den Heiligen Geist Dämonen austreibt und damit Satan beraubt, nicht etwa aus eigener Kraft. Nicht mit Ritualen, nicht aufgrund eines Geheimwissens, sondern er kann dies schlicht und einfach deshalb tun, weil er nach seiner Taufe im Wasser des Jordan auch die Taufe im Geist empfangen hat.
Der Teufel hat kein Interesse daran, dass das Wort Gottes Menschen zurück in die Gemeinschaft mit Gott bringt. Selbst wenn ein Sünder keinerlei dämonische Belastung hat, ist Satan nicht untätig, so bald dieser Mensch das Evangelium hört. Dies erklärt Jesus den Jüngern, die das Gleichnis von der Saat, die auf vier verschiedene Bodenbeschaffenheiten fällt, nicht verstanden haben. „Der Sämann sät das Wort. Die an dem Weg aber sind die, bei denen das Wort gesät wird und, wenn sie es hören, sogleich der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in sie hineingesät worden ist.”
Wir wissen um die Strategie, die Satan dabei in der Regel anwendet: „Sollte Gott wirklich gesagt haben…?” Jemand hört das Evangelium und sofort erinnert er sich an das, was er im ansonsten längst vergessenen Schulunterricht gelernt hat: Die Bibel ist von Menschen geschrieben, andere Religionen sind gleichwertig - wenn nicht sogar besser, der Mensch ist im Kern gut, Religion versucht entweder, Opium für das geknechtete Volk zu sein, oder den Menschen durch Einreden eines schlechten Gewissens in die Abhängigkeit zu treiben.
Und schon ist das, was Jesus hier erklärt, passiert. Der Satan kommt und nimmt das Wort weg. Wir sollten an dieser Stelle nicht übersehen, dass Jesus bei den anderen „erfolglosen” Aussaaten in diesem Gleichnis dem Teufel keinen Anteil am Misserfolg gibt.
Beziehungsweise sollten wir nicht übersehen, dass er ihn ausdrücklich aufzählt, während er im Übrigen von ganz natürlichen, diesseitigen Gegebenheiten spricht.
Teil 2 folgt
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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: Günter J. Matthia
Foto: www.sxc.hu
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