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23-02-08

Johannes Maree: Von Religion und von Elefanten

Die Wahrheit ist exklusiv, aber Christen sollten nicht exklusiv sein.
Wie würden Sie wissen, ob ein Elefant in ihrem Kühlschrank ist? Ganz einfach, Sie würden in der Butter Fußspuren finden. Spaß beiseite...

 


Sie mögen schon einmal die Analogie über verschiedene Religionen gehört haben, dass diese lediglich Menschen gleichen, die im Dunkeln herumtappen und auf einen Elefanten stoßen. Da sie überhaupt nichts sehen können, fangen sie an, das Tier zu berühren und zu betasten. Eine Person betastet die Seite des Elefanten. Sie ist groß und rau und sie entscheidet, es müsse eine Wand sein. Eine andere hält den Schwanz und meint, es sei ein Seil, während eine andere Person den langen, großen Rüssel betastet und überzeugt ist, dass er ein großes, flexibles Rohr ist. Bei Verwendung dieser Analogie (oder einer Variation davon) kommen dann viele Menschen zum Schluss, dass verschiedene Religionen diesen Menschen im Dunkeln sehr ähneln, und dass alle Religionen Wahrheit besitzen und letztendlich alle gleich sind. Sie nähern sich den Dingen bloß aus einer anderen Perspektive oder benutzen eine unterschiedliche Terminologie, aber letztendlich beten alle denselben Gott an oder dienen demselben Zweck.


Es gibt mit dieser Analogie und ihren Schlussfolgerungen jedoch einige ernste Probleme. Als Erstes, egal was diese Menschen im Dunkeln glauben, es gibt keine Wand, kein Seil und kein Rohr. Es ist ein Elefant! Was wir glauben oder denken ändert in keiner Weise, was richtig oder falsch ist. Zweitens und noch wichtiger, nicht alle Religionen sind gleich oder beten denselben Gott an. Besonders Atheisten verallgemeinern dies gerne und stecken alle Religionen in eine Schublade, wenn sie gegen die Existenz Gottes argumentieren.

Was ist Wahrheit?
Als Jesus verhört wurde, fragte ihn Pontius Pilatus: „Was ist Wahrheit?“ Leider wartete Pilatus nicht oder wollte möglicherweise die Antwort gar nicht hören und ging weg, bevor Jesus die Gelegenheit bekam, es ihm vielleicht zu sagen (Joh 18,37–38).

Erstens, Wahrheit ist definitionsgemäß ausschließend [exklusiv]. Mit anderen Worten, ein Teil der Definition, das etwas wahr ist, besteht darin, dass es alles andere ausschließt, was nicht wahr ist.

So ist es beispielsweise wahr, dass 1+1=2 ergibt. Es ist nicht wahr, dass 1+1=3 (oder 4) ist. Daher ist 2 die einzig wahre, richtige Antwort und 3 und 4 sind falsch und sind daher ausgeschlossen. Offenbar ist das wahre Leben komplizierter als 1+1=2 und es gibt Zeiten, wo es kein klar definiertes richtig oder falsch gibt, oder es kann manchmal mehr als eine richtige Antwort geben. Dies ändert jedoch noch immer nicht die Tatsache, dass die Wahrheit definitionsgemäß ausschließend ist. Auch wenn es mehr als eine richtige Antwort geben kann, wird es immer noch viele andere Antworten geben, die falsch und daher ausgeschlossen sind.

Dieses Konzept, dass Wahrheit exklusiv ist, kommt in unserer modernen, liberalen Gesellschaft nicht gut an. Man kann Leute oft philosophieren hören, dass das, was für uns Wahrheit ist, nicht unbedingt Wahrheit für sie ist. Oberflächlich betrachtet, erscheint dies wunderbar, aber es ist beklagenswert falsch. Anders ausgedrückt, man kann keinen Wahrheitsanspruch beteuern, wenn die Wahrheit nicht ausschließt, sonst ist es bloß eine persönliche Meinung. Die Vorzüge der Wahrheit stehen nicht zur Debatte. Der Kern einer solchen Argumentation besteht oft darin, dass Menschen tun möchten, was sie wollen. Sie mögen es nicht, wenn ihnen gesagt wird, was richtig und was falsch ist. Es läuft oft auf die wahren Fragen der Moral hinaus und dass man eine höhere Macht anerkennt, der gegenüber wir letztendlich alle verantwortlich sind.

Jesus Christus sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Er sagte nicht: „Ich bin ein Weg, eine Wahrheit und ein Leben“. Jesu Aussage ist ausschließend und dies ärgert Menschen. Bei Jesus geht es um alles oder nichts. Viele östliche Religionen wie der Hinduismus und der Buddhismus (sowie die westliche New Age-Bewegung, die von östlichen Religionen durchdrungen ist) sind ganz zufrieden damit zu behaupten, dass sie „ein Weg und eine Wahrheit“ sind, und sie sind auch zufrieden damit, sich zu vermischen, sich anzupassen und Kompromisse einzugehen. Sie sind der Meinung, dass wir alle letztendlich ein Stück desselben Elefanten erwischt haben.
Sollten Christen exklusiv sein?

Dies wirft für uns Christen gewöhnlich zwei Fragen auf: Erstens, wir werden oft beschuldigt, dass wir exklusiv sind, was hauptsächlich zur Aussage „so meint ihr also, ihr seid besser als ich?“ führt. Zweitens, sollten wir als Christen exklusiv sein?

In Bezug auf die Anschuldigung – alle Religionen (einschließlich Clubs und Gesellschaften, was das betrifft) sind in dem einen oder anderen Grad ausschließend. Der Islam ist im Hinblick auf die Anspruch der Autorität des Korans ausschließend und die meisten Moslems verbieten andere Religionen wie etwa das Christentum. Das Judentum schließt andere Menschen und Religionen aus, wenn es um die Einhaltung ihrer Traditionen und Bräuche geht. Sogar Atheisten sind exklusiv – sie schließen Menschen aus, die an Gott glauben. Daher ist die Anschuldigung gegen das Christentum unbegründet.
Noch wichtiger: Als Christen sollten wir Unwahrheit und Falschheit, aber niemals Menschen ausschließen.

Christus stellte sich gegen eine Gesellschaft, die gewisse Menschen oder Gruppen ausschloss. Er setzte sich hin und sprach mit einer Frau, noch dazu mit einer samaritanischen Frau (Joh 4,5–27). Er berührte und sprach freundlich mit den Kranken und Ausgestoßenen (Mt 20,30–34). Er besuchte Sünder und Zöllner und aß mit ihnen (Lk 5,29–30). Jesus hat nie jemand ausgeschlossen, sondern zeigte Liebe und Mitgefühl für alle. Als seine Jünger müssen wir das Gleiche tun. Wir müssen sowohl die Wahrheit als auch Menschen bereitwillig annehmen.

Es gibt für uns Christen eine echte Gefahr, stolz oder von sich eingenommen zu sein, weil wir glauben, dass wir eine gewisse exklusive Erkenntnis oder Wahrheit haben. Etwas zu wissen, was jemand anders nicht weiß, macht uns verantwortlich – nicht überlegen. Die gute Nachricht, die wir der Welt bringen müssen, besteht darin, dass Gottes Liebe und sein Heil durch das Opfer Christi nicht exklusiv sind. Christus kam, um für alle Menschen zu sterben (Joh 3,16; 2Kor 5,14–15).

Ein abschließender Gedanke
Wenn Sie mit jemandem, der sich offen für Glaubensfragen zeigt, über Gott, die Bibel und über Religion sprechen, müssen Sie an einem bestimmten Punkt klarstellen, dass nicht alle Religionen dasselbe sind. Um dies effektiv zu tun, braucht es etwas Mühe und Zeit von Ihrer Seite, indem Sie einige Recherchen vornehmen und einige Materialien lesen, um festzustellen, was einige der grundlegenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Religionen, besonders der bedeutenderen, sind.

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Ein Artikel von www.glaube.de
Autor: Johannes Maree
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Ein WKG Artikel mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto:www.sxc.hu
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