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12-12-06

André Buschbeck: Josef - typisch Mann

Und so wurde Jesus Christus geboren: Seine Mutter Maria war mit Joseph verlobt. Noch vor der Ehe erwartete Maria - durch den Heiligen Geist - ein Kind. Josef wollte nach Gottes Geboten handeln, aber auch Maria nicht öffentlich bloßstellen. So überlegte er, die Verlobung stillschweigend aufzulösen. Noch während er nachdachte, erschien ihm im Traum ein Engel Gottes und sagte:


Josef, du Nachkomme Davids, zögere nicht, Maria zu heiraten! Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn bekommen, den sollst du Jesus nennen. Denn er wird die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien. Dies alles geschah, damit sich erfüllte, was der Herr durch seinen Propheten vorhergesagt hatte: Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Den wird man Immanuel nennen. Das bedeutet: Gott ist mit uns!
Als Josef erwachte, tat er, was ihm der Engel befohlen hatte und heiratete Maria. Er schlief aber nicht mit ihr bis zur Geburt ihres Sohnes. Josef gab ihm den Namen Jesus.
(Matthäus 1, 18-25)

Typisch Mann
Josef reagiert wie ein Mann: "Da ist ein Problem, in das ich geraten bin. Wie werde ich es am besten wieder los? Wie lautet die Lösung?"
Die unerklärliche Schwangerschaft wäre eigentlich ein Grund, sie anzuklagen. Das würde dem geltenden Gesetz entsprechen. Maria hätte als Strafe die Steinigung oder die Erdrosselung zu erwarten. Ihr Tod und der Tod ihres Kindes wären unausweichlich. Der Gedanke ist auf den ersten Blick gar nicht so abwegig, denn damit käme Josef am besten raus, er wäre gerechtfertigt und stünde sauber da. Doch er hat ein gutes Herz, das nicht hart geworden ist und sich nur an Gesetzen, Recht und Unrecht orientiert. Deshalb will er diese Lösung nicht wählen.
Wie sollte es weitergehen, wenn die öffentliche Anklage von Maria nicht die Lösung ist? Er grübelt darüber nach, fühlt seine Ohnmacht, mit der die Situation ihn überrumpelt, ist wütend, schimpft leise in sich hinein. Hätte er nicht vorher etwas ahnen müssen, war er zu naiv gewesen? Das hatte er nun von seiner Gutgläubigkeit! Er hatte Maria zu viel vertraut. Er dachte, er würde sie kennen, doch jetzt ist er empört und könnte sie vor Wut in Stücke reißen.
Doch er läst es nicht zu, dass seine Wut ihn regiert. Warum ist er eigentlich so wütend? Er hatte sich mit ihr die Zukunft ausgemalt, sie war die Frau, mit der er sein Leben verbringen wollte. Ja, er liebt sie immer noch, und gerade diese Liebe verursacht den Schmerz in ihm. In dem Moment, in dem er seine Enttäuschung umfassend wahrnimmt, wird er sich bewusst, wie sehr er sie liebt. Am liebsten würde er die Zeit zurückdrehen und die Schwangerschaft verhindern, aber wie? Seine Gedanken kreisen und suchen nach einem Ausweg, so wie eine Fliege, die sich in einer Lampe verfangen hat, den Ausgang sucht. Je schneller er denkt, desto wirrer entwickeln sich seine Ideen.
Josef liebt Maria und ist auch fähig, diese Liebe zu zeigen. Mit welcher Lösung würde er also seine Liebe zu Maria zeigen können? Da endlich kommt er zu einer guten Lösung. Seine Lösung beweist Charakter, und der ist gut. Er überlegt nicht nur, wie er selbst wieder heil aus der Sache herauskommt, sondern sieht auch die anderen Personen - Maria und das ungeborene Kind. Er wird sich von Maria trennen, stillschweigend, ohne Aufsehen zu erregen. Er klagt sie nicht an, so können sie und ihr Kind vielleicht am Leben bleiben. Was die Leute über ihn reden, das ist ihm egal, damit wird er schon fertig werden. Aber er ist sich nicht sicher, ob er diese Geschichte mit Maria jemals überwinden wird. Wie sollte er jemals eine andere Frau lieben können?

Gottes Lösung
Mitten in seiner scheinbar guten Lösung redet ein Engel im Traum zu ihm und erklärt ihm, was das alles zu bedeuten hat: Gott ist hier am Wirken, deshalb ist seine Situation mit menschlichem Verstand alleine nicht zu begreifen. Gott hat einen Plan, den er bisher noch nicht gesehen hat. Das erschreckt Josef, und zugleich fegt es alle seine menschlichen Lösungen hinweg. Die sind jetzt nicht gefragt, denn sie würden alles nur noch schlimmer machen. Hat er da richtig gehört, was Gott von ihm erwartet? Er soll zu Maria stehen, sie weiterhin lieben und gerade jetzt, da es schwierig wird, nicht die Kurve kratzen. Das leuchtet ihm ein, und er ist bereit dazu. So wie er die Situation jetzt sieht und versteht, gibt es keinen Grund, enttäuscht zu sein. Seine Liebe zu Maria ist gerettet. Deshalb wirft er am nächsten Morgen die eigenen Pläne über Bord und tut, was Gott von ihm erwartet. Er vertraut sich Gottes Führung an, ordnet sich Gottes Plänen unter und überläst Gott die Kontrolle über die Situation. Jetzt ist er Teil des Geschehens, kein Statist am Rande; er erlaubt Gott, in sein Leben hineinzureden, er setzt sich Gottes Handeln aus. Es geht ihm nicht mehr um sich und wie er dabei gut wegkommt. Er ist bereit für Gottes Wirken an sich, in dem er seinen Werdegang Gott anvertraut. Damit hat er Teil an Gottes Handeln in der Welt und an anderen Menschen.

Der typisch männliche Weg und Gottes Weg
Zusammenfassend sieht man hier, wie Josef in der Situation hin und her gerissen ist. Da ist einmal der gewohnte, so typisch männliche Weg:
? Eigene Ideen und Pläne gilt es zu haben und zu verwirklichen.
? Schwierigkeiten und Konflikte führen zu Grübeleien und dann: Kopf unter die Decke oder mit dem Kopf durch die Wand!
? Es geht darum, möglichst ungeschoren wieder raus aus der Risikozone zu kommen und die Situation schnell wieder unter Kontrolle zu bringen.

Der neue, auf Gottes Führung eingehende Weg sieht anders aus:
? Ich nehme meine Erwartungen, Gefühle und Reaktionen bewusst wahr und halte sie aus.
? Ich widerstehe der Versuchung, aus der unangenehmen Situation und Gefühlslage zu flüchten.
? Mitten in der Situation suche ich Gottes Reden und höre darauf. Ich tue das Gehörte nicht leichtfertig ab.
? Ich kneife nicht, sondern stelle mich der Herausforderung, die Gott mir zumutet. Ich übe mich im Gehorsam, trotz des Risikos.

Das Ergebnis ist Wachstum in meinem Vertrauen zu Gott, Reifung meines Charakters. Es entsteht ein realistischeres Bild von mir selbst - ich habe nicht alles im Griff. Mir wird bewusst, dass ich auf Gottes Handeln angewiesen bin.

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Ein Artikel von Glaube.de
Quelle: Adam online, die Zeitschrift für den Mann mit Werten.
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Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de
Autor: André Buschbeck ist Einzel- und Teamcoach, bei Campus für Christus als Leiter für Personal & Training tätig. Er ist verheiratet, hat fünf Söhne und lebt in Hohenahr.
Infos über Seminare und Coaching unter www.campusd.de und www.buschbeck-coaching.de
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