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07-02-11

Barbara Dahlgren: Ihr sollt nun vollkommen sein

Wenn ich im Matthäusevangelium 5,48 lese: „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Elberfelder Bibel), werde ich mir meiner eigenen Unvollkommenheit bewusst, die nun wahrlich nicht von der Hand zu weisen ist.


Am verhasstesten ist mir dabei die Tatsache an sich, nicht vollkommen zu sein. Perfektionisten ist jenes Gefühl, nie wirklich gut genug zu sein, nur allzu bekannt. Wir gleichen Kindern, die anfangen, das Alphabet schreiben zu lernen, und das Geschriebene zerreißen, sobald sie merken, dass ihnen ein Buchstabe misslungen ist. Dabei spielt es dann keine Rolle, problemlos bis zum „R“ gekommen zu sein. Wenn das „S“ schlampig ausgefallen ist, geht das Ganze in den Müll. Perfektionisten sind da hart gegen sich selbst.

Aus psychologischer Sicht ist Perfektionismus an die Einstellung gekoppelt, Vollkommenheit sei erreichbar und sollte durchaus auch angestrebt werden. Wenn sich daraus jedoch die Ansicht verfestigt, alles, was nicht perfekt ist, sei inakzeptabel, wird es problematisch. Aus der Sicht eines Perfektionisten bemisst sich das Selbstwertgefühl eines Menschen an seiner Makellosigkeit. Natürlich gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, was als vollkommen gelten könnte. Perfektionisten stellen dabei hohe Ansprüche an sich selbst und manchmal auch an andere. Sie meinen, diesen nie gerecht zu werden. Eine meiner Lieblingskinostellen stammt aus dem Film Mary Poppins, in dem die Hauptdarstellerin die humorvolle Antwort gibt: „Wir praktisch vollkommenen Menschen machen nie Fehler.“ Wie die meisten verbindet Poppins Perfektion mit Fehlerlosigkeit. Manchmal unterliegen auch Christen beim Lesen der Bibel diesem Irrtum. Der Begriff „vollkommen“, der in der oben zitierten Textstelle der Elberfelder Bibel verwendet wird geht auf das griechische Wort telios zurück, das „vollendet“, „ausgewachsen“, „voll entwickelt“, „es an nichts fehlen lassend“ oder auch „zur Vollendung gebracht“ bedeutet. Dabei geht es nicht darum, ob man Fehler macht, oder darum, dass man nicht gut genug sei. Gott will, dass wir Vollkommenheit erlangen, indem wir geistig eins mit seinem Sohn Jesus Christus werden. Bei dieser Art von Perfektion geht es nicht darum, gut auszusehen oder fehlerlose Leistungen zu erbringen, sondern darum, dass Christus in uns lebt. Die gute Botschaft lautet, dass wir aus Gottes Sicht bereits Vollkommenheit erlangt haben. Sie ist ein Geschenk, das uns ohne Gegenleistung zuteil wird. Mit dem uns innewohnenden Christus haben wir die Vollendung erfahren, und es fehlt uns an nichts. Werden wir denn weiterhin Fehler machen? Sicher. Aber bei der Vollkommenheit, von der in diesem Bibelvers die Rede ist, geht es nicht um unser Tun, sondern um das Wirken Christi.

 

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Ein Artikel von www.glaube.de
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Autor: Barbara Dahlgren , mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Textbearbeitung:Jürgen Motzkus, Redakteur bei Glaube.de

Ein Artikel aus NACHFOLGE  1-3 2011
Foto: http://www.wcg.org/de/

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