C.H. Mackintosh: Gnade und Heiligkeit Psalm 93,5

Danken wir Gott, dass wir unter der Gnade sind. Aber - sollte diese gesegnete Tatsache auch nur in irgendeiner Weise die Wahrheit abschwächen, dass Heiligkeit dem Hause Gottes auf immerdar geziemt? Ist das Wort nicht mehr gültig, das da sagt: Er ist ein Gott, gar erschrecklich in der Versammlung der Heiligen, und furchtbar über alle, die rings um Ihn her sind (Ps 89,7)? Ist der Maßstab der Heiligkeit für Gottes Kirche ein geringerer, als er für das alte Israel war? Ist es nicht länger wahr, dass auch unser Gott ein verzehrendes Feuer ist (Heb 12,29)? Wird Böses geduldet und toleriert, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Warum waren viele der Korinther schwach und krank? Und warum war ein gut Teil entschlafen (1Kor 11,30)?
Warum wurden Ananias und Sapphira mit einem Schlag niedergestreckt (Apg 5)? Tastete dieses feierliche Gericht die Wahrheit an, dass die Kirche unter Gnade war? Freilich nein! Die Gnade stellte sich dem Gerichtshandeln Gottes keinesfalls in den Weg. Gott kann kein bisschen mehr über Böses in Seiner Gemeinde hinwegsehen oder es tolerieren, als Er es in den Tagen Achans (Josua 7) tat.
Man sagt: "Wir dürfen keine Vergleiche über Gottes Handeln mit Seinem irdischen Volk und Seiner Gemeinde anstellen". Was haben denn folgende Worte in 1. Korinther 10 zu bedeuten? "Denn ich will nicht, dass ihr unkundig seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgegangen sind und alle auf Moses getauft wurden in der Wolke und in dem Meere und alle dieselbe geistliche Speise aßen und alle denselben geistlichen Trank tranken; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete. (Der Fels aber war der Christus.) An den meisten derselben aber hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind in der Wüste hingestreckt worden. Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, dass wir nicht nach bösen Dingen gelüsten, gleichwie auch jene gelüsteten" (1Kor 10,1-6).
"Alle diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf welche das Ende der Zeitalter gekommen ist" (1Kor 10,11).
Handelt es sich in dieser Stelle nicht darum, einen Vergleich zwischen Gottes Handeln mit Seinem irdischen Volk und Seiner Gemeinde in der Gegenwart anzustellen? Ja - tatsächlich; und wir alle tun gut daran, uns diesen Vergleich zu Herzen zu nehmen und uns ermahnen zu lassen. Es wäre wirklich traurig, wollten wir uns mit der reinen und überaus großen Gnade, in der wir stehen, herausreden, mit dem Ziel, den Maßstab für Heiligkeit etwas herunterzuschrauben. Wir sind berufen, den alten Sauerteig hinauszufegen (1. Kor. 5,7), auf der gesegneten Grundlage des "Auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet". Übrigens: Wird da nicht schon wieder ein Vergleich gezogen? Der Versammlung in Korinth wird befohlen - wehe ihnen, wenn sie abgelehnt hätten –, den Bösen von ihnen hinauszutun, ihn Satan zur Zerstörung des Fleisches zu überliefern.
Zugegeben, sie wurden nicht aufgerufen, ihn zu steinigen oder zu verbrennen; und hier finden wir eher einen Gegensatz als eine Parallele. Aber sie hatten ihn von sich selbst hinauszutun, wenn sie weiter die göttliche Gegenwart in ihrer Mitte haben wollten.
"Deine Zeugnisse sind sehr zuverlässig. Deinem Hause geziemt Heiligkeit, HERR, auf immerdar" (Ps 93,5).
Können wir Ihn nicht genauso für die Heiligkeit wie für die Gnade preisen? Können wir nicht - weil der Maßstab der Heiligkeit so gewaltig groß vor uns wird - mit einstimmen in den Lobgesang "Gepriesen sei der HERR ewiglich! Amen, ja, Amen!" (Ps 89,52)? Wir denken, das könnt ihr sicherlich.
Wir dürfen niemals, während wir in der Gnade stehen, vergessen, dass wir in Heiligkeit wandeln müssen; und was die Versammlung anbelangt, wenn wir es ablehnen falsche oder schlechte Lehre und schlechte Sitten zu verurteilen, wir überhaupt nicht mehr auf dem Boden der Gemeinde Gottes stehen. Die Leute sagen: Wir sollten nicht verurteilen. Gott sagt uns: Wir müssen urteilen: "Ihr, richtet ihr nicht, die drinnen sind? Die aber draußen sind, richtet Gott; tut den Bösen von euch selbst hinaus" (1Kor 5,12-13).
Wenn die Versammlung in Korinth es abgelehnt hätte, diesen Bösen auszuschließen, hätte sie jeglichen Anspruch, als die Versammlung Gottes angesehen zu werden, verspielt, und alle Gottesfürchtigen hätten sie verlassen müssen. In Wahrheit ist es eine sehr ernste Angelegenheit, sich auf den Boden der Versammlung Gottes zu stellen. Alle, die solches tun, sollten im Gedächtnis behalten, dass es hier nicht im Mindesten um die Frage geht, wen wir empfangen können oder was wir noch tolerieren, wozu wir (noch) schweigen können, sondern es hat um die Frage zu gehen: Was ehrt unseren Herrn und Gott? Heutzutage ist viel Gerede um den breiten und schmalen Weg. Wir sollten jedoch so breit und so schmal sein wie das Wort Gottes.
aus Short Papers, Believers Bookshelf
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Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von Sound Words
Autor: C.H. Mackintosh
Textbearbeitung Jürgen Motzkus, Redakteur bei www.glaube.de
Foto: soundwords
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