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24-01-06

China: Verwirrende Religionspolitik

Jeden Sonntag rufen die Glocken der evangelischen Chongwenmen-Kirche und die Christen gehen ungehindert zum Gottesdienst. Das ist die eine Seite.

Am 17. Juni 2004 wurde die Evangelistin Jiang Zongxiu auf dem Marktplatz verhaftet. Sie hatte es gewagt, Religionsfreiheit ernst zu nehmen und Bibeln verteilt. "Störung der sozialen Ordnung" - damit kann jeder jederzeit verhaftet werden. Das ist das andere China.


Wer interessiert ist, kann in China kirchliche, erbauliche Schriften bekommen. Die halbstaatliche "Drei-Selbst-Bewegung" druckt und verteilt Bibeln und christliche Zeitschriften. Soweit ist alles gut. Gleichzeitig erhielt die Kirchenleiterin Li Ying eine 15-jährige Haftstrafe, weil sie ein nicht genehmigtes Gemeindeblatt herausgab. Und schon ist unser Bild von China wieder anders.

Wenn die ganze Welt komplizierter wurde, warum sollte China eine Ausnahme machen? Das Verhältnis der chinesischen Machthaber zur Religion, speziell zu den Christen, ist sehr widersprüchlich. Manchmal gleichgültig, manchmal streng, manchmal generös, manchmal brutal. Es gibt Zuckerbrot und Peitsche, Aufmunterung und Drohung.

Für die Evangelistin Jiang Zongxiu endete die brutale Willkür tödlich. Die Polizisten machten sich einen Spaß daraus, die junge Frau und ihre mitinhaftierte Schwiegermutter stundenlang zu quälen. Am Ende starb die entkräftete Jiang. Die Behörden sprechen offiziell von "natürlicher Todesursache". Doch damit will sich ihre Familie nicht zufrieden geben. "Wir sind einfache Christen und nicht sehr gebildet", sagt Jiangs Schwägerin, "aber wir wollen Gerechtigkeit. Warum musste Jiang sterben? Warum muss ihr vierjähriger Sohn ohne Mutter aufwachsen?"


Ähnlich verwirrend ist die Situation bei der Ausbildung des theologischen Nachwuchses. Es gibt Bibelschulen der "Drei-Selbst-Kirche", die mit dem Staat kooperieren. Einige von ihnen lehren biblisch und gut. Andere sind Politschulen "mit höheren Weihen". Manche Untergrund-Christen zweifeln an dem ganzen Konzept der Drei-Selbst-Bewegung und gründen eigene Bibel-Schulen. Diese werden von der Polizei misstrauisch beäugt, denn unkontrollierte Glaubensschulen kann der Staat nicht akzeptieren. Es kommt zu Bespitzelungen und Verhaftungen. Wer sich nicht beugen will, der soll in Umerziehungslagern gebrochen werden.

Die Christen Chinas brauchen Rechtssicherheit. Ein bloßes Dulden der Hausgemeinden, wie es an vielen Orten geschieht, reicht nicht aus. Die Gläubigen brauchen verlässliche Zusagen, nur dann werden sie ihre Verstecke verlassen.


Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Chinas, dafür sollten wir beten, kann und soll ein geistlicher Aufschwung einhergehen, damit in diesem riesigen Volk Christen nicht nur frei und ungehindert sein können, sondern auch eine große Ernte für das Reich Gottes eingebracht werden kann. Freut euch, ihr Nationen, mit seinem Volk (Israel)! Lobt den Herrn, alle Nationen, und preist ihn, alle Völker! Es wird kommen die Wurzel Isais und der, welcher aufsteht, um über die Völker zu herrschen; auf ihn werden die Nationen hoffen. (Römer 15, 10-12)



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Ein Artikel von glaube.de.

Quelle: Stimme der Märtyrer.
Herausgeber.: Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK) e.V., Tüfinger Str. 3, 88690 Uhldingen-Mühlhofen, Heft Nr. 10 / 2005, S. 11

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