Christian Grimm: Der Innenarchitekt

Das machte Herrn J. allerdings nichts aus, im Gegenteil, er bot seinem neuen Vermieter sogar an, die Wohnung eigenhändig zu renovieren, da er zufällig Innenarchitekt war. Die beiden Parteien wurden sich schnell einig, und so begann ein sehr ungewöhnliches Mietverhältnis, wie sich für Herrn C. später noch herausstellen sollte.
Einige Tage waren vergangen, als Herr C. seinen Mieter aus Neugier besuchen kam. Als er die Wohnung betrat, stellte er äußerst positiv überrascht fest, dass Herr J. es sich richtig schön gemacht hatte. Dort, wo bis vor kurzem das reinste Chaos geherrscht hatte, kam Herrn C. jetzt eine Atmosphäre der Wärme und Freude entgegen. Er war sichtlich davon überrascht, wie verändert alles war.
Nach einiger Zeit kam Herr J. mit der Bitte zu Herrn C., eine störende und überflüssige Wand in der Wohnung abreißen zu dürfen. Das ging dem Vermieter dann allerdings doch zu weit. Etwas empört wies er die Bitte zurück. Nach einem höflichen Nachfragen von Seiten des Mieters sagte er diesem, dass an den Abriß der Wand auf keinen Fall zu denken sei, es könne ja eventuell das ganze Haus zusammenfallen, würde man einfach so eine Wand herausreißen.
Herr J. verabschiedete sich freundlich und ging wieder in seine Wohnung. So vergingen die nächsten Tage, die beiden Parteien hatten in dieser Zeit wenig Kontakt. Dennoch ließ es sich nicht vermeiden, dass man sich beim Müll rausbringen oder auf der Straße zufällig über den Weg lief. Dabei fragte Herr J. jedes Mal höflich aber bestimmt nach, ob man sich der Wand nicht vielleicht doch entledigen könne. Herrn C. fiel dabei auf, dass sein Mieter allerdings nie aufdringlich wirkte, im Gegenteil, es ergab sich oftmals wie von selbst, dass der kurze Smalltalk in diese Richtung mündete. Obwohl Herr C. dabei hart blieb und seine Entscheidung erst einmal nicht änderte, musste er sich doch eingestehen, dass die Argumente, die sein Mieter jedes Mal anbrachte, gar nicht so verkehrt waren. Im Grunde hatte er ja schon recht. Dennoch störte ihn der Gedanke massiv, die Wand einfach so zum Abriß freizugeben. Dies ging einige Zeit so weiter, doch eines Tages erinnerte sich Herr C. daran, dass Herr J. ja Innenarchitekt von Beruf war. Also musste er wissen wovon er redete. Nach einigem hin und her gab er dann nach und erlaubte Herrn J. schließlich doch, die Wand abzureißen.
Daraufhin begab sich der Mieter ans Werk. Man kann nicht behaupten, dass die Tage des Umbaus eine leichte Zeit für Herrn C. waren. Im Gegenteil, die Vibrationen der Einrißarbeiten waren im ganzen Haus zu spüren und der Baustellenlärm trug auch seinen Teil dazu bei. Dennoch blieb das Haus entgegen der Befürchtungen des besorgten Vermieters stehen. Nach ein paar Tagen waren die Umbaumaßnahmen dann endlich abgeschlossen. Voller Neugier wollte Herr C. natürlich wissen, ob sich das Ergebnis nun sehen ließ, und besuchte Herrn J. in der veränderten Wohnung.
Was er dort zu sehen bekam, ließ Herrn C. ins Staunen geraten. Die Wohnung wirkte nun sichtlich größer, alles schien nun noch offener und freundlicher zu sein. Selbst das Chaos, das sich hinter der ehemaligen Wand befand, hatte Herr J. schon beseitigt und den neugewonnenen Platz richtig wohnlich eingerichtet. Herr C. war sehr zufrieden.
In seiner Freude richtete er ein paar Worte an seinen Innenarchitekten: "Herr J., ich bin wirklich begeistert, sie hatten mit allem Recht. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich bei ihnen zu bedanken."
"Nun, ich tue nur das, was sie mir letzten Endes auch erlauben. Aber eine Bitte hätte ich dann doch noch. Vor den Fenstern und auf dem Balkon stehen noch einige lästige Büsche, welche die Sicht völlig versperren. Diese möchte ich noch entfernen."
Sofort kamen Herrn C. wieder einige Bedenken in den Kopf, denen er dann auch Raum gab: "Aber wenn sie die Büsche entfernen, dann kann doch jeder der Nachbarn ungehindert in die Wohnung schauen. Das würde sie doch bestimmt stören!"
"Bestimmt nicht," entgegnete Herr J. "ich habe nichts zu verbergen. Und gerade jetzt, wo diese Wohnung so schön ist, sollten wir da die Nachbarn nicht auch an dieser Schönheit teilhaben lassen?"
Unser persönlicher Innenarchitekt
Seien wir ehrlich, jeder von uns kann sich eigentlich mit Herrn C. identifizieren. Er steht für jeden Christen, der in seinem Leben einmal die Entscheidung getroffen hat, Jesus (Herrn J.) in sein Herz einzuladen. Diese Einladung nimmt Jesus sehr ernst. Dass dabei immer wieder Anfragen von Seiten unseres Erlösers kommen, die ein oder andere Veränderung in unserem Herzen vornehmen zu dürfen, kennen wir auch alle nur zu gut. Wie oft überführt er uns doch. Wie in der Geschichte gezeigt, wohnt Jesus regelrecht in unserem Herzen. Laßt uns das noch einmal ganz deutlich vor Augen führen:
Er, der Schöpfer des Universums, möchte es sich in unserem Herzen bequem machen. Wenn Er also die eine oder andere Sache in dieser "Wohnung" ändern möchte, dann geschieht das nicht nur, damit es uns besser geht, sondern darüber hinaus auch noch deswegen, weil sich Gott in unserem Herzen wohl fühlen möchte. Gerade diesen letzten Aspekt vergessen wir gerne, wenn wir uns anfangs gegen gewisse Veränderungen auflehnen, oder die ein oder andere Sache bewusst nicht zulassen möchten.
Gerade die Sache mit den Wänden, ist wohl jedem von uns bekannt. Im Laufe unseres Lebens wurden wir alle einmal irgendwo verletzt, das Fazit davon waren oftmals Wände, die wir uns zum Schutz aufgebaut haben. Dabei haben wir allerdings oft nicht bemerkt, wie sehr wir die Wohnung in unserem Herzen damit verbaut haben. Nun kommt Jesus und möchte diese Wände einreißen. Sofort sträuben wir uns dagegen, dies geschehen zu lassen. Oftmals denken wir sogar, wir würden besser wissen, was in unser Herz gehört und was nicht. Nur eins vergessen wir dabei sehr oft: Gott ist der eigentliche Spezialist in Sachen "Innenarchitektur", schließlich hat er den Menschen erschaffen und ist besser mit dem "Bauplan" vertraut, als irgendjemand anderes.
Sicher wird es oft weh tun, wenn wir es zulassen, dass Er Wände einreißt, zum einen, weil viele dieser Wände tatsächlich schon zu so etwas wie Grundpfeiler in unserem Herzen geworden sind, und zum anderen, weil wir oft Angst davor haben, dass jemand das entdeckt, was hinter diesen Mauern liegt. Aber wie in der Geschichte ist es wieder unser Herr, der fast schon selbstverständlich auch das Chaos hinter der Wand entsorgt und es sich wohnlich einrichtet.
Natürlich verlieren wir dadurch den Schutz, zu welchem wir diese Wände eigentlich aufgebaut haben, aber das muss uns doch überhaupt nicht stören. Schließlich wohnt Gott in unserem Herzen, und wir können sicher sein, dass Er auf seine Wohnung ganz besonders aufpaßt. Wenn Gott plötzlich mitten in der Wohnung steht, würde da nicht jeder Einbrecher das Weite suchen? Laßt uns öfter daran denken, dass unser Herz mit jeder eingerissenen Wand größer wird.
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Ein Artikel von www.glaube.de
Used by permission.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors für Glaube.de
Quelle: www.pray.de
Autor: Christian Grimm ist 22 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Alexandra in der Nähe von Heidelberg. Er hat ein großes Herz und eine Vision für die Techno- und Raveszene in Deutschland. Ihm ist es wichtig, das Evangelium unter die Raver zu bringen. Daher ist er Teil des Technochrist-Teams, welches in ganz Deutschland christliche und evangelistische Technopartys veranstaltet und eigene Technotracks mit christlichem Inhalt produziert [ pyraze.de.vu ]. Seine Heimatgemeinde ist die Freie Christengemeinde "Die Taube" in Heidelberg.
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