Christine Joosten: Die Gratwanderung eines Christen

16 07-09.2010 | NACHFOLGE www.wcg.org/de
Vor kurzem gab es im Fernsehen eine Reportage über einem Mann in Sibirien, der sich dem „irdischen Leben“ entzog und in ein Kloster ging. Er verließ seine Frau und seine Tochter, gab seine kleine Firma auf und widmete sich ganz und gar der Kirche. Der Repor ter stellte ihm einige Fragen, z.B., ob er manchmal von seiner Frau besucht wird. Er sagte nein, Besuche von Frauen seien nicht erlaubt, da man ja in Versuchung geraten könnte.
Nun, wir mögen denken, so etwas könnte uns nicht passieren. Vielleicht würden wir uns nicht gleich in ein Kloster zurückziehen. Und doch kann diese Geschichte eine Ähnlichkeit mit unserem Leben haben.
Als Christen leben wir in zwei Welten, der irdischen und der himmlischen, unser Glaubensweg gleicht einer Gratwanderung. Die Gefahren, zu sehr auf die eine oder die andere Seite zu geraten, begleiten uns auf unserem irdischen Lebensweg. Gleiten wir auf der einen Seite ab, sind wir zu irdisch, gleiten wir auf der der anderen Seite ab, sind wir zu himmlisch. Entweder neigen wir dazu, weltfremd zu leben oder weltlich zu reagieren.
Welche Gefahren können den zu „himmlisch“ Gesinnten auf seiner Gratwanderung begegnen? Ein Mensch, der zu „himmlisch“ gesinnt ist und nur ausharren möchte bis zum Ende, kann die schönen Dinge, die uns Gott in diesem Leben geschenkt hat, nicht mehr schätzen oder sich daran erfreuen. Er denkt: Sagt nicht Gott, wir sollen uns von dieser Welt fernhalten, sein Reich ist nicht von dieser Welt, es ist eine gefallene Welt? Was gehört nun zum Wesen dieser Welt? Menschliche Leidenschaften, die Gier nach Besitz und Macht, überhaupt ein Leben voller Selbstgefälligkeit und Hochmut. All dies kommt nicht von Gott, sondern gehört zur Welt.
Der zu „himmlisch“ Gesinnte neigt dazu, dass er sich unbewusst von dieser Welt zurückzieht, seine Familie und Freunde vernachlässigt und nur mehr mit Bibelstudium und Meditation beschäftigt ist. Besonders wenn es uns schlecht geht und wir Probleme haben, wollen wir dieser Welt entfliehen. Es kann ein Fluchtweg sein, da wir das Leid und die Ungerechtigkeit um uns herum nicht mehr ertragen können.
Doch Jesus Christus kam auf diese gefallene Welt, erniedrigte sich und wurde Mensch. Er erlitt einen grausamen Tod, so dass alle Menschen gerettet werden können. Er kam, um ein Licht zu sein, um Hoffnung zu geben und Leid zu stillen. Obwohl Gott wusste, wie es um diese Welt stehen wird, hat er so vieles für den Menschen erschaffen, damit dieser sich daran erfreuen kann, wie Musik, Düfte, Speisen, Menschen, die wir lieben, Tiere und Pflanzen.
In Psalm 8,4–5 preist David Gottes Schöpfung: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, dem Mond und die Sterne, die du bereitet hast, (Vers 9) die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.“ Auch unser sterblicher Körper ist wunderbar geschaffen, wie David es in Psalm 139,13–14 ausdrückt und Gott dafür dankt: „Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleib. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.“
Eine der größten Gaben, die Gott uns gegeben hat, ist es, sich freuen und genießen zu können. Er hat uns mit fünf Sinnen und mit Gefühlen ausgestattet, damit wir uns am Leben erfreuen können.
Welche Gefahren begegnen den zu „irdisch“ Gesinnten?
Vermutlich gehören wir zu denjenigen, die keine Probleme haben, Menschen auf gleicher Augenhöhe zu erreichen, wir sind Beziehungsmenschen. Vielleicht neigen wir aber dazu, Kompromisse zu machen, um Anderen zu gefallen oder einen geliebten Menschen nicht zu verlieren. Vielleicht nehmen wir uns zu viel Zeit für Familie und Freunde und vernachlässigen unsere stille Zeit mit Gott. Natürlich sollten wir anderen helfen und für sie da sein, doch wir sollten ihre Bequemlichkeit nicht unterstützen oder uns ausnutzen lassen. Auch als Christen müssen wir lernen, „Nein“ zu sagen und unsere Prioritäten richtig setzen. Das Wichtigste ist unsere Beziehung zu Gott, alles andere sollte untergeordnet sein. In Lk 14,26 macht Jesus deutlich, was er von uns fordert: „Wenn einer mit mir gehen will, so muss ich für ihn wichtiger sein als alles andere in seinem Leben; wichtiger als seine Eltern, seine Frau (Mann), seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das Leben selbst“.
Liebe zu Gott
Unsere Liebe zu Gott ist das Bedeutungsvollste, doch auch unsere Mitmenschen sollen wir lieben. Nun, wie können wir diese Gratwanderung meistern, ohne auf der einen oder anderen Seite abzustürzen? Der Schlüssel dazu ist Ausgeglichenheit – und der ausgeglichenste Mensch, der je gelebt hat, war Jesus Christus, der Menschensohn. Nur durch sein Wirken in uns können wir diese Ausgeglichenheit erreichen. In Joh 15 verkündet Jesus: ... ohne mich könnt ihr nichts tun. Er zog sich oft zurück und verbrachte viel Zeit im Gebet mit dem Vater. Er verherrlichte Gott durch seine Werke und Heilungen. Er litt mit den Leidenden und freute sich mit den Fröhlichen. Er konnte mit Reichen und mit Armen umgehen.
Sehnsucht nach neuem Leben
In 2 Kor 5,2 offenbart Paulus seine Sehnsucht „Voll Verlangen sehnen wir uns danach, den neuen Leib anzuziehen wie ein Kleid...“ Ja, wir sehnen uns danach, unserem Schöpfer zu begegnen, in Ewigkeit bei ihm zu sein. Wir sehnen uns nach der Zeit, wenn all dasLeid in dieser Welt vorbei ist und Gottes Gerechtigkeit herrscht. Wir sehnen uns danach, von der Sünde befreit und mehr und mehr der Neue Mensch zu werden. Wie würde Jesus Christus das Leben des Mannes beurteilen, der seine Familie im Stich lässt, seinen irdischen Verantwortungen entflieht und sein eigenes Heil sucht? Wie passt dies zu dem Auftrag, den Gott uns gegeben hat, Menschen für Ihn zu gewinnen? Es kann jeden von uns passieren, dass wir unsere Familie oder andere Menschen vernachlässigen und uns nur dem Bibelstudium zuwenden. Wir werden weltfremd und können die Sorgen und Nöte der Menschen nicht verstehen. Doch wir müssen uns fragen, wie Jesus Christus unser Leben in dieser Welt sehen möchte? Welchen Zweck hat es? Wir sind da, um einen Auftrag zu erfüllen – Menschen für Gott zu gewinnen.
Auftrag
In Mt 4,19 rief Jesus den Brüdern Simon und Andreas zu: Kommt mit mir! Ich will euch zeigen, wie ihr Menschen für Gott gewinnen könnt. Jesus konnte die Menschen erreichen, indem er in Gleichnissen sprach. Alles, was er tat, hat er dem Willen seines Vaters untergeordnet. Mit seiner Hilfe können wir diese Gratwanderung bewältigen. Bei allem, was wir tun, und bei allen Entscheidungen, die wir treffen, sollten wir wie Jesus Christus sagen (in Lk 22,42 letzter Teil): Aber nicht was ich will, sondern was Du willst, soll geschehen, oder noch zutreffender: Dein Wille geschehe!
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Ein Artikel von www.glaube.de
Autor: Christine Joosten
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus, Redakteur bei www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Ein WKG Artikel mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
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