Corinna Petersen: Ein Recht auf Bitterkeit?

Es gibt viele verschiedene Arten von Reaktionen wie wir mit Verletzungen umgehen. Über manche Dinge kommt man ganz einfach hinweg und fragt sich hinterher, warum man sich eigentlich so aufgeregt hat. Man vergibt den Personen, und kann relativ schnell wieder weitermachen wo man aufgehört hat.
Manche Dinge jedoch sind so schrecklich, dass man scheinbar ewig daran rumknabbert. Irgendwann gibt man sich dann dem Schmerz und dem Selbstmitleid hin und trägt psychische Schäden davon, und oder aber man versteckt den Schmerz in der hintersten Ecke seines Herzen und versucht, sich nicht mehr sich damit auseinander zu setzen. Und dann tatsächlich, wenn man es tief genug vergraben hat, denkt man tatsächlich man hätte es überwunden.
Aber ich sag euch, unbewältigter Schmerz holt einem früher oder später wieder ein. Und dann mit solch einer Heftigkeit, wie man es nicht für möglich hielt.
Das einem dieser Schmerz einholen kann, dass wissen viele instinktiv, und versuchen alles zu vermeiden, was diesen Schmerz wieder hervor holen könnte. Situationen, Menschen, Orte oder sonstige Gegebenheiten. Alles wird gemieden.
Aber sind wir doch mal ehrlich
Ist nicht so, dass gerade dann, wenn wir denken, wir hätten alles getan um diesen Schmerz aus dem Weg zu gehen, alles getan haben um ihn so tief wie möglich zu vergraben, uns gerade dann alles wieder einholt?
Es kann nicht Sinn und Zweck sein, allem aus dem Weg zu gehen. Jesus hat uns dazu berufen, frei zu sein und nicht dazu, uns knechten zu lassen, von niemals endenden Schmerz. Auch nicht von der Angst vor weiteren Verletzungen.
Du kannst zwar versuchen, den Situationen/Personen/etc, dein Leben lang aus dem Weg gehen, aber Satan geht dir nicht aus dem Weg, wenn du Heilung in dem Bereich nicht zu lässt. Du gehst Situationen aus dem Weg, aber er wird immer wieder Wege finden, dich eiskalt in diesen Verletzungen zu erwischen und weiter drin rum zu bohren. Du wirst es nicht schaffen, durch Flucht und Vermeiden der Situationen/Personen/etc, nicht wieder verletzt zu werden.
Der einzige Weg, wie man in solchen Situationen als Überwinder und Sieger herauszugehen, ist der Weg den Jesus uns zeigt. Die Vergebung! Aus der Vergebung kommt die Heilung und aus der Heilung kommt der Sieg!!! Du denkst jetzt mit Sicherheit, ich weiss nicht wovon ich rede, und kann deinen Schmerz nicht nachvollziehen. Ich mag zwar nicht mit deinen Verletzungen geschlagen worden sein, aber dennoch habe ich selbst schlimmes ertragen müssen. Und durch Jesus habe ich gelernt, was es bedeutet, dass wenn er frei macht, wirklich von allem frei machen kann, wenn wir es wollen.
Was ich nun schreibe mag hart für dich klingen, aber ich weiss dass es in der Gnade und in der Kraft des Blutes Jesu möglich ist, das Martyrium zu überwinden und alles hinter sich zu lassen. Ich möchte nicht, dass der Eindruck erscheint, dass ich diejenigen verurteile, die es bisher noch nicht geschafft haben, durch Vergebung Heilung zu erfahren. So etwas würde ich mir nicht anmaßen. Ich möchte nur zeigen, dass es einen Weg aus diesem Dilemma gibt. Aber dieser Weg ist damit verbunden, dass wir einen Schritt in die Richtung tun, welche uns so unmöglich erscheint. Wir sind dazu aufgerufen, einen aktiven Part einzunehmen auf dem Weg zur inneren Heilung. Der Weg der Vergebung!
Jeden der soviel Leid erfahren musste wie du und ich, kann verstehen, wieviel Kraft das alles braucht und wie sehr es schmerzt. Aber Jesus möchte weder dass wir uns verausgaben noch unser Leben mit Schmerzen verbringen.
Es kostet vielmehr Kraft und tut viel mehr weh, wenn man in seiner Bitterkeit Menschen gegenüber bleibt. Es kostet viel mehr Kraft sein Leben lang immer wieder kurvige Wege zu gehen, um all solchen Faktoren aus dem Weg zu gehen. Es kostet viel mehr Kraft sein ganzes Leben auf der Flucht zu sein. Alles kostest viel mehr Kraft, als man eigentlich hat.
Es gibt einen Weg, der einem aber nicht leicht vorkommt. Denn im ersten Moment erscheint dieser Weg unmöglicher, als der Versuch sein ganzes Leben lang zu fliehen, etwas zu verstecken oder in der Bitterkeit zu verharren. Denn man denkt, man habe das Recht darauf, Menschen die einem verletzt haben, ein Leben lang sauer zu sein und vorwerfen zu können, sie seien Schuld, dass man das ist, was man nun ist. Sie hätten einem zu dem psychischen und körperlichen Wrack gemacht, das man nun ist.
Hebräer 12,
15 Und sehet darauf, daß nicht jemand Gottes Gnade versäume, daß nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte, und viele durch dieselbige verunreiniget werden;
Wir haben keinerlei Recht darauf, diesen Menschen ein Leben lang ihre Fehler vorzuwerfen. Das Blut der Vergebung ist für alle geflossen! Für uns wie auch für sie! Wenn wir Vergebung von Gott erwarten, müssen wir bereit sein, sie selbst zu gewähren.
Matthäus 6,
14-15 Euer Vater im Himmel wird euch vergeben, wenn ihr den Menschen vergebt, die euch Unrecht getan haben. Wenn ihr ihnen aber nicht vergeben wollt, dann wird euch Gott eure Schuld auch nicht vergeben."
Zwar haben, all diese Umstände/Personen dazu beigetragen, dass man so am Ende ist, aber in dem Moment wo man zu Jesus kommt, heisst es nicht umsonst, dass :
2.Korinther 5,
17 Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
18 Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat,
19 [nämlich] daß Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnt hat, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat.
In dem Moment wo wir zu Jesus gehören, ist alles gebrochen was uns unser altes Leben angetan hat. Wenn wir in diesen Verletzungen bleiben, dann sind nicht mehr die daran Schuld, die uns verletzt haben, dass es uns schlecht geht, sondern wir sind dann diejenigen, die sich weigern, diese Verletzungen loszulassen. Klar ich weiss dass, der Prozess der Heilung meistens nicht von heute auf morgen passiert, aber die Heilung kann geschehen, wenn wir bereit sind, Heilung geschehen zu lassen. So lange wir denken, wir hätten das Recht dazu bitter zu sein, kann uns die komplette Heilung nicht erreichen. Heil zu sein, bedeutet, frei zu sein von jeder Bitterkeit. Heil zu sein bedeutet in der Vergebung zu leben.
Ich habe den Menschen vergeben, die damals einfach so über meinen Körper verfügten. Dass es heute nicht mehr weh tut wenn ich daran denke, hat damit zu tun, dass ich vergeben habe. Klar werde ich die Situationen nicht vergessen, sie stimmen mich immer noch traurig, aber genauso traurig bin ich darüber, dass dies Menschen sind, welche die Kraft des Blutes, die Erlösung und die Vergebung von Jesus genauso benötigen wie ich sie benötige, und sie teilweise noch nicht haben.
Vergebung ist so wichtig, auch wenn Verletzungen durch Mitchristen entstehen. In der Bibel steht nirgends, dass wir unseren Geschwistern nicht vergeben müssen, weil sie uns ja nicht verletzen dürfen. Gottes Wort sagt folgendes:
Matthäus 18,
22 Da fragte Petrus: "Herr, wie oft muß ich meinem Bruder vergeben, wenn er mir Unrecht tut? Ist siebenmal denn nicht genug?"
22 "Nein", antwortete Jesus. "Nicht nur siebenmal. Es gibt gar keine Grenze. Du mußt bereit sein, ihm immer wieder zu vergeben." (18:22 Wörtlich: Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzig mal sieben.)
Wir müssen uns klarmachen, dass wir alle Sünder sind. Alle Menschen mit Stärken und Schwächen sind. Wären wir so vollkommen, dass wir einander nicht mehr verletzen, so vollkommen, dass wir nur noch im und nach dem Willen Gottes leben, dann würde uns Gott per Expresspost in den Himmel holen, wie Henoch im alten Testament. Aber wir sind eben nicht vollkommen, und von daher ist die Tat der Vergebung um so wichtiger! Ohne Vergebung keine Heilung! Der eiternde Zahn tut solange weh, bis er samt Wurzel gezogen ist. Da bringt es nichts einfach zu sagen, die Süßigkeiten sind Schuld, dass der Zahn Karies bekam und dann irgendwann eiterte. Wir sind dazu aufgerufen, die Wurzel der Bitterkeit aus unserem Leben, durch gelebte Vergebung, zu reißen!!!!
Ich weiss, es ist kein leichter Schritt zu vergeben. Weil es bedeutet vieles aufzugeben, wovon wir denken, dass wir ein Recht darauf hätten. Aber ich kann euch sagen, es lohnt sich diesen Schritt zu wagen! Denn es wartet Heilung und Freiheit auf euch. Auch wenn sich nicht gleich ein Himmelhochjauchzengefühl einstellt, Vergebung ist eine Entscheidungssache. Eine Entscheidung, seine Herz vor Gottes Thron auszuschütten und allen Schmerz dort zu lassen, und sein Herz mit Liebe, Heilung, Trost und Freiheit füllen zu lassen. Wir sind dazu berufen, ein Leben in Freiheit zu führen, nicht ein Leben in Knechtschaft!
*************************************************************************
Ein Artikel von www.glaube.de.
Autorin: Corinna Petersen / Redaktionsmitarbeiterin Glaube.de
Veröffentlichungen im Internet oder in Print bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren bzw. Glaube.de.
Foto: www.sxc.hu - the leading free stock photosite
*************************************************************************
Weitere Glaube.de-Links zum Thema:
Bitterkeit im Herzensgarten






