D. Schürmann: Menschen, an denen Gott Freude hat - Psalm 1

Die Grundsätze, die in diesem Psalm vorgestellt werden, treffen auf alle zu, die Gott zu allen Zeiten fürchten, während der Herr Jesus verworfen ist. Trotzdem — eng ausgelegt — hat dieser Psalm den gottesfürchtigen jüdischen Überrest im Blick, der sich selbst inmitten einer Nation befindet, die in öffentlichem Aufruhr gegen Gott und Seinen Gesalbten steht. Er zeigt die moralischen Charakterzüge dieses gottesfürchtigen Überrests und das Handeln Gottes, durch welches der Böse gerichtet wird und der Gottesfürchtige in den Segen auf der Erde eingeführt wird.
Der hier beschriebene Mensch wird „glückselig“ genannt. Ein moderneres Wort dafür ist vielleicht „glücklich“. Normalerweise ist Glücklichsein ein positiver Erlebniszustand. Doch aufgrund der Tatsache, dass diese Welt grundsätzlich ein Tal der Tränen ist, wird beim Glücklichsein meist an die Abwesenheit von negativen Zuständen gedacht: kein Schmerz, keine Trauer, keine Krankheit, keine Enttäuschung. In dieser Hinsicht beugt Sich Gott sogar zu unserer Schwachheit herab und beschreibt den zukünftigen ewigen Zustand der Glückseligkeit mit den Worten: „… und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.“
Die Quelle all dieser unglücklichen Zustände ist die Sünde. Wenn die Sünde nicht in die Welt gekommen wäre, hätte es keinen Schmerz und kein Unglück gegeben. Keine Träne wäre dann geflossen. Seit allerdings die Sünde in die Welt gekommen ist, gibt es keine Möglichkeit mehr, diesen Folgen zu entgehen, auch nicht durch persönliches Abstehen von der Sünde. Der größte Beweis dafür ist der, „der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Munde gefunden“. Er war „der Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut“. Aber zweifelt irgendjemand an seinem Glücklichsein? Und wenn auch dieser Psalm vom Grundsatz her auf jeden Gottesfürchtigen zutrifft, so könnte man sich allerdings fragen, hat es bisher jemals einen Menschen gegeben, auf den dieser Psalm komplett zutraf? Und — wird es in Zukunft wohl einen geben? Die Antwort ist uns wohl schon deutlich. In Vollkommenheit fand sich dieser moralische Charakter nur in Christus Selbst, der Sich Selbst hier auf der Erde mit dem gottesfürchtige Überrest der Juden identifizierte — so wie der Überrest uns z. B. in Lukas 1 in Zacharias, Elisabeth und Maria gezeigt wird — und im Vorausblick auch mit dem in zukünftigen Tagen. Wenn also der Psalm sich auch nicht auf Christus persönlich bezieht, so zeigt er jedoch Christus moralisch. Der 1. Psalm zeigt uns also die Freude, die Gott an dem vollkommen Menschen Christus Jesus hat, der immer vollständig abgesondert war vom Bösen und in dem eine völlige Hingabe an Ihn und an Sein Wort war. So können wir auch verstehen, dass Psalm 2 uns zeigt, dass Gott diesen Menschen für den Thron bestimmt hat. Es macht uns glücklich, wenn wir an unser eigenes Versagen denken, dass Gott doch einen Menschen hatte, der Ihn vollkommen durch Sein Leben geehrt hat, der Ihm alles gegeben hat, was Gott an einem Menschen schätzen kann.
Und wie noch mehr werden wir als Christen glücklich, wenn wir daran denken, was die Gläubigen des AT nicht hatten, dass wir nämlich in Christus sind, dass Gott, wenn Er uns sieht, Christus sieht, in all dieser moralischen Schönheit.
Ps 1,1: Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rate der Gottlosen, und nicht steht auf dem Wege der Sünder, und nicht sitzt auf dem Sitze der Spötter, …
So beginnt der Psalm nicht — wie wir es vielleicht erwartet hätten — mit: Glücklich der Mann, der keine Schmerzen hat, keine Tränen vergießen muss und keinen Verlust erleiden braucht. Nein! „Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rate der Gottlosen, und nicht steht auf dem Wege der Sünder, und nicht sitzt auf dem Sitze der Spötter.“ Hier werden uns drei Stufen für die Entwicklung der Ungöttlichen gezeigt. Diese drei Stufen scheinen auch eine Steigerung anzudeuten. Zuerst in der Art und Weise, wie sie bezeichnet werden: Gottlose — Sünder — Spötter. Dann aber auch in Bezug auf ihre Haltung: wandeln — stehen — sitzen. Und drittens ihre Beschäftigung: Sie haben ihre Beratungen; den Weg, auf dem sie ihre Pläne ausführen; und sie sitzen in Ruhe an einem Ort der Macht, spottend über die Autorität Gottes. Sie brauchen Ihn nicht. Sie brauchen kein „so wahr mir Gott helfe“.
Die „Gottlosen“ sind die am wenigsten Schuldigen in dieser Aufzählung des Bösen. Ihr Problem liegt darin, dass sie Gott nicht kennen, nicht lieben und nicht ehren. Er besteht nicht in ihren Gedanken. Sie wollen nicht an Ihn erinnert werden, Seinen Willen kennenlernen oder Seinen Geboten gehorchen. „Ohne Gott in der Welt“ — das ist das ernste Portrait ihres Zustands. Solche Leute haben ihren Rat, ihre Beratungen — ihre Philosophien, ihre „wissenschaftlichen Handlungsbegründungen“ — ihren Moralkodex. Aber Gott hat bei all diesem keinen Platz (wissentlich oder unwissentlich): Sie sind gott-los. Diese Leute sind nicht durch grobe Sünden gekennzeichnet, nein, es sind die Anständigen, die sich auch bei ihren Beratungen überlegen, was sie tun. Aber die Quelle ihres Handelns ist nicht Gott und Sein Wort, sondern sie selbst — ihr eigener Rat.
Selbst mit dem Abstehen von den groben Sünden ist das der Fall. Solche Leute begehen keinen Raubüberfall. Sie wissen, dass sie in den allermeisten Fällen sowieso erwischt werden. Ihr Rat sagt ihnen, dass es unklug ist, so etwas zu versuchen. Sie betrinken sich auch nicht — dies schädigt nämlich die Gesundheit und das Image. Aber das Image würde auch geschädigt, wenn sie eine Gebetsstunde mit einfachsten Leuten auf einem Hinterhof besuchen würde. Deswegen kommt das auch nicht in Frage. Eine Messe im Kölner Dom? Ja, das ist schon was anderes. Das ist genauso respektabel wie der Besuch einer Theatervorstellung oder eines Musicals, obwohl Letztere, da sie mehr Vergnügen bereiten, vorgezogen werden. Für alles haben sie kulturelle, wissenschaftliche oder ethische Begründungen — es ist ihr Rat. Doch Gott spielt darin keine Rolle.
Die „Sünder“ fügen der Gottlosigkeit noch böse Wege hinzu, um ihre Ziele zu erreichen. Betrug, List, Gewalt, Maßlosigkeit, Gier, Lüge werden eingesetzt, wo es sinnvoll erscheint, um schnell seine Ziele zu erreichen. Der konkurrierende Kollege wird mit Mobbing schachmatt gesetzt. So kommt man in der Karriere schneller vorwärts. Mit Bestechung, Schwarzarbeit und Steuermogelei wird das Eigenheim billiger fertig.
Die „Spötter“ haben sich schon so gegen Gott verhärtet, dass sie Spaß haben an der Sünde, die Frömmigkeit der Gottesfürchtigen belächeln und sich über heilige Dinge lustig machen. Die Warnungen der Propheten Gottes vor einem kommenden Gericht werden spöttisch als fundamentalistisches apokalyptisches Denken abgetan. „Indem ihr zuerst dieses wisset, dass in den letzten Tagen Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an“ (2Pet 3,3-4).
Diese drei Gruppen charakterisieren auch bestimmte Menschengruppen besonders. So heißt es von den Heiden, dass sie „ohne Gott in der Welt“ waren (Eph 2,12) — Gottlose; von den Juden: „Wir wandten uns ein jeder auf seinen Weg“ (Jes 53,6), — Sünder, und von dem Höhepunkt des Bösen heißt es, dass er sich in den Tempel setzen wird und behaupten wird, dass er selbst Gott sei (2Thes 2,4), die höchste Form der Verspottung Gottes.
Der Höhepunkt, der sich aus der Haltung der Ungöttlichen ergibt, ist genauso erschreckend.
Solange noch Bewegung da ist („wandeln“), solange gibt es vielleicht noch ein bisschen Hoffnung auf eine Umkehr. Wenn allerdings jemand den bösen Weg bewusst gewählt hat und darauf steht, dann ist es nicht mehr weit, bis er in völliger Ruhe eines verhärteten Gewissens auf dem Sitz der Spötter sitzt, wo Gott und Christus, Himmel und Hölle vielleicht nur noch in Verbindung mit einem Witz genannt werden. Das ist die Krönung einer Haltung, wo Gutes „böse“ und Böses „gut“ genannt wird.
Wie sieht unter solchen Umständen nun das äußere Leben, das innere Leben und die Entwicklung des Gottesfürchtigen aus?
Äußerlich ist sein Leben dadurch gekennzeichnet, dass er sich von obigem Personenkreis fernhält. Freundschaften werden zu solchen Menschen nicht gesucht (es sei denn Bekanntschaften, um sie für das Evangelium zu gewinnen). Der Gottesfürchtige nimmt auch nicht teil an ihren Beratungen, an ihren Wegen oder ihre gottlosen Ruhe.
Ps 1,2: ..… sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!
Der Gottesfürchtige hält sich von diesen Dingen nicht nur äußerlich und formal fern. Er öffnet sich viel mehr dem inneren Leben der Hingabe an Gott. Seine Freude — das wahre Geheimnis für seine Glückseligkeit (sein Glücklich-Sein) hat der Gottesfürchtige an dem Wort (Gesetz) des Herrn.
Der Mensch ist mit Verstand und Empfindungen ausgestattet, und diese brauchen irgendeinen Gegenstand, mit dem sie sich beschäftigen können. Unsere Gedanken müssen etwas haben, woran sie arbeiten können. Und von der Art und Weise dieser Beschäftigung unserer Gedanken hängt es mehr als alles andere ab, ob wir glücklich sind oder nicht. Luxus oder wenigstens Bequemlichkeit oder körperliches Wohlbefinden allein machen uns noch nicht wirklich glücklich. Wenn allerdings unsere Empfindungen und Gedanken ihren passenden Gegenstand haben, dann sind die Umstände sehr oft zweitrangig. Verlobte, die oft große Mühen auf sich nehmen müssen, um einander zu sehen, können davon manches berichten.
Eine unvergängliche und immer zur Verfügung stehende Beschäftigung unserer Gedanken und Empfindungen ist das Wort Gottes, das hier „das Gesetz des HERRN“ genannt wird. Bei dem Ausdruck „Gesetz“ sollten wir nicht zu eng an das mosaische Gesetz denken oder gar an die Zehn Gebote, sondern daran, dass die Thora das ganze Wort Gottes umfasst, die Offenbarung, die Gott von Sich Selbst zu einer bestimmten Zeit gegeben hat. Es ist das Gesetz „des HERRN“, des Gottes, zu dem Israel in einer Bundesbeziehung steht (auch wenn Israel während der Zeit der Gemeinde ein verworfenes Volk ist, so wird Gott doch Seines Bundes noch gedenken), der Gott, von dem der Israelit wusste, dass Er eine Beziehung zu ihm haben wollte. Und die Liebe zu diesem Gott führte ihn dazu, auch dessen Gesetz zu lieben.
Wie kennen wir Christen Gott? Als einen Gott, der in eine Bundesbeziehung zu uns getreten ist? Weit darüber hinaus! Als einen Gott, der Sich als Liebe geoffenbart hat in der Person Seines Sohnes, als Gott, der in Christus unser Vater geworden ist, zu dem wir als Kinder kommen können und „Abba, Vater“ sagen können. So kennen wir die Offenbarung Gottes in der Person des Sohnes Gottes Selbst den, den wir als unsern Herrn und Heiland kennen und lieben und nicht nur das Gesetz — das geschriebene Wort, und wir kennen Gott nicht nur als den HERRN, sondern als Vater, Sohn und Heiligen Geist.
Da das Wort, an dem er Freude hat, wird der Gegenstand, worüber er Tag und Nacht nachdenkt. Bedeutet das nun, das er nicht mehr arbeitet und nicht mehr schläft, sondern vierundzwanzig Stunden im Sessel sitzt und meditiert? Sicher nicht! Das hat der Herr Jesus auch nicht getan. Wer hat so viel gearbeitet wie Er? Er kam teilweise nicht einmal zum Essen, weil Er so viel arbeitete (Mk 3,20). Aber es besagt doch, dass der Gottesfürchtige ständig damit beschäftigt ist, sich zu fragen, wie denkt Gott über das, was ich jetzt sehe, höre, fühle, erlebe usw.? Was ist meine Aufgabe heute? Was zeigt der Herr mir in Seinem Wort darüber? Das Erste, was wir von dem Tun des Herrn Jesus auf der Erde lesen, war, dass Er Sich damit beschäftigte, wo Ihn der Vater haben wollte, — wie Er zu Seinen Eltern sagt: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Bevor Er dann Seinen öffentlichen Dienst begann und der Teufel Ihm anbot, aus Steinen Brot zu machen, da tut Er es nicht, weil Er keinen Auftrag von Seinem Vater dazu hatte und antwortet dem Teufel mit einem Wort aus dem Gesetz Gottes. Auch da war wieder die Frage in Seinem Herzen gewesen: Ist es der Wille meines Gottes, meines Vaters, jetzt auf diese Weise meinen Hunger zu stillen? — Die einfachsten Dinge: Sein Aufenthaltsort, Sein Essen: Alles war für Ihn eine Frage nach dem Wort und Willen Seines Gottes. Er hat als König Israels wirklich das getan, was dem König im Gesetz vorgeschrieben war: „Und es soll bei ihm sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen, auf dass er den HERRN, seinen Gott, fürchten lerne, um zu beobachten alle Worte dieses Gesetzes und diese Satzungen, sie zu tun“ (5Mo 17,19). Als verantwortlicher Mensch, der unter Gesetz geboren war, hat Er das Gesetz des HERRN als Seine Leitschnur genommen. Er konnte sagen: „Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens“ (Ps. 40,8). Ja, es war Seine Speise, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte (Joh 4,34). Welch eine wundersame Tragik, dass über Ihn, der allein in vollstem Maße dieses Gesetz geliebt und beachtet hat, gerade der Fluch des Gesetzes gekommen ist!
Ps. 1,3: Und er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Blatt nicht verwelkt; und alles, was er tut, gelingt.
Weiter ist das Leben des Gottesfürchtigen ein Leben der Abhängigkeit von den nie versagenden Hilfsquellen Gottes, genauso wie ein Baum, der an einem Wasserbach gepflanzt ist, nicht davon abhängig ist, ob es regnet oder nicht, sondern immer frisch die Nährstoffe und das Wasser direkt in seiner Nähe zur Verfügung hat. Da der Gottesfürchtige nicht auf Menschen vertraut, sondern auf Gott, ist er auch nicht von der wechselnden Laune oder Fähigkeit seiner Mitmenschen abhängig.
Der Vergleich des Gottesfürchtigen mit einem Baum zeigt uns natürlich auch die Stabilität, mit der dieser ausgerüstet ist, das Bleiben von Vers 6 wird damit schon vorweggenommen. Im Gegensatz dazu steht die — im Vergleich mit vom Wind — weggetriebener Spreu bei dem Gesetzlosen: ein schlagender Vergleich, um die Instabilität zu zeigen. Dies ist eine besondere Ermunterung während einer Zeit, wo es nach außen hin eher umgekehrt aussieht.
Das Sich-Fernhalten vom Bösen, die Hingabe an Gott und die Abhängigkeit von Gott bilden zusammen eine Frucht, über die Gott Sich freut. Und diese Frucht entspricht einem normalen von Gott gegebenen Wachstum und kommt daher zu seiner Zeit. Da gibt es nichts Künstliches, nichts Angelerntes, rein Nacherzähltes, sondern ein von Gott gebildeter geistlicher Charakter, dem man es anmerkt, dass er aus der Nähe Gottes kommt. Aber auch vor den Augen der Menschen ist das Bekenntnis zur Frömmigkeit — wie uns das in den Blättern vorgestellt wird — nicht beschädigt oder verdorben („verwelkt“) durch inkonsistentes Verhalten.
Schließlich hat er Gelingen in allem, was er tut. Das ist sicherlich eine schwierige Aussage, Wenn wir an manche treue Gläubige heute denken, die wirklich dieses Sich-Fernhalten vom Bösen praktizieren und in Gemeinschaft mit Gott leben, aber auf die das doch nicht zuzutreffen scheint. Sicher, ein Joseph und ein Daniel haben die Wirklichkeit dieser Aussage erfahren. Aber wenn etwas nicht gelingt, bedeutet das dann, dass wir uns nicht genug ferngehalten haben vom Bösen oder die Gemeinschaft nicht ganz so in Ordnung war? Sicherlich nicht zwingend. Der beste Beweis dafür ist der Herr Jesus selbst, der prophetisch in Jesaja 49 sagt: „Umsonst und für nichts habe ich meine Kraft verzehrt“ — was z.B. wohl auch für Jeremia zu seiner Zeit galt. Und doch wie riesig ist letztendlich die Frucht, die Er gebracht hat und noch bringen wird! Ja, wir selbst dürfen wissen, dass wir ein Teil dieser Frucht sind. Doch gilt dieses alles auch für alle, die auf Gott vertrauen. Jeremia 17,7-8 sagt: „Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Vertrauen der HERR ist! Und er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt und sich nicht fürchtet, wenn die Hitze kommt; und sein Laub ist grün, und im Jahre der Dürre ist er unbekümmert, und er hört nicht auf, Frucht zu tragen.“
Nun müssen wir, wenn es um das In-allem-Gelingen-Haben geht, natürlich auch wieder daran denken, dass die Psalmen zum Gesetz gehören und für solche gelten, die unter Gesetz stehen (siehe den Artikel „Die Psalmen richtig verstehen“). Denen war verheißen worden, dass, wenn sie gehorsam sein würden, sie dann dieses Gelingen haben würden. Ausführlich finden wir das in 5. Mose 28,1-14 beschrieben. Das war eine Verheißung, die Israel als Ganzes bisher nicht in Anspruch nehmen konnten, weil sie den Bedingungen nicht entsprochen hatten. Bald jedoch wird ein Überrest, unterschieden von dem bösen Teil des Volkes, dadurch dass er den Charakter dieses individuellen Gottesfürchtigen trägt, die Nation Israel werden, wenn das Gericht die Ungöttlichen weggefegt hat. Somit wird selbst für den zukünftigen gläubigen Überrest diese Aussage erst dann eine wirkliche Realität, wenn das Gericht Gottes an den Ungläubigen vollzogen worden ist.
Für uns Gläubige heute — die wir nicht wie die Israeliten grundsätzlich irdische Verheißungen haben — gilt dieser Vers modifiziert. Wir dürfen wissen, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“, und: „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns? Er, der doch seines eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: Wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ Alles, was gut für uns ist, wird Er uns auch gelingen lassen.
Ps 1,4-5: Nicht so die Gesetzlosen, sondern sie sind wie die Spreu, die der Wind dahintreibt. Darum werden die Gesetzlosen nicht bestehen im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
Ganz anders ist es mit dem Ungöttlichen — sie stehen in der Mehrzahl. Der Gerechte muss gesucht werden. Der Gesetzlosen gibt es viele. Manchmal sieht es so aus, als ob sie an dem Ort der Autorität bestätigt werden, wenn man sie dort in Ruhe sitzen sieht. Wenn Gott jedoch die Regierung auf der Erde direkt übernehmen wird, werden sie wie Spreu vor dem Wind weggetrieben werden. Welch ein Unterschied auch zwischen den beiden Bildern: Spreu, vom Wind weggetrieben und ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen.
Gegenwärtig kann es zwar sein, dass die Bösen Gelingen haben und die Gottesfürchtigen leiden müssen, und es sieht so aus, als ob die Regierung Gottes versagt, als ob Gott die Dinge aus dem Ruder laufen. Das offenbart jedoch den wichtigen Grundsatz, dass wir für die volle Entfaltung der heiligen Regierung Gottes — sei es im Segen für den Gottesfürchtigen oder im Handeln mit dem Bösen — warten müssen, bis Gott in der Zukunft im Gericht interveniert. Dann wird es gesehen werden, dass der Gottlose nicht standhalten wird im Gericht, während der Gottesfürchtige sein Erbteil bekommt und als von Gott anerkannt gesehen wird und in den Segen eingeführt wird in der Versammlung der Gerechten. Das ist das Gericht von Lukas 17,24-37 bzw. Matthäus 24,37-41.
Die Hoffnung des Christen ist umgekehrt: Er wartet nicht darauf, dass die Bösen aus der Welt weggenommen werden und er übrig bleibt für den Segen, sondern dass er in den Himmel mit all seinen Segnungen entrückt wird und die Bösen hier für das Gericht übrig bleiben.
Jetzt muss von dem Gerechten noch in der Einzahl gesprochen werden, „der“, „er“, während von den Bösen in der Mehrzahl gesprochen wird. Tatsächlich haben wir gesehen, dass dieser Psalm in Vollkommenheit wirklich nur auf einen einzigen Gerechten zutrifft. Aber auch solche, die in Seiner Nachfolge sind und etwas von dieser Gottesfurcht in ihrem Leben zeigen, fühlen sich oft einsam und allein inmitten einer großen Schar von Gottlosen. Aber es wird eine Zeit kommen, wo die Verhältnisse sich umkehren werden. Dann werden die Gesetzlosen komplett verschwinden und es wird eine Gemeinde von Gerechten geben. Für die Christen hat diese Gemeinde noch den besonderen Charakter, dass es die Gemeinde der Erstgeborenen ist (Heb 12,23), und im Geist sind wir jetzt schon dahin gekommen. Für Israel wird es so sein, dass nach dem Gericht das ganze Volk nur aus Gerechten bestehen wird (Jes 60,21).
Ps 1,6: Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gesetzlosen Weg wird vergehen.
Gegenwärtig hat der Gottesfürchtige seinen Trost in der verborgenen Gemeinschaft mit dem Herrn, denn der Herr kennt den Weg des Gerechten. Und das, was der Herr bestätigt, wird bleiben. Alles andere wird vergehen. „Die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“ (1. Joh. 2,17). Ja, es kommt auf das Ende des Weges an. Danach richtet sich, ob der Weg Bestand haben wird. Manche Wege von Gläubigen sehen heute sehr verschlungen, sehr mühsam und wenig Erfolg versprechend aus. Was zählt, ist jedoch das Ende: Bleibt der Weg oder muss er vergehen! Und der Herr kennt jedes dunkle Wegstück, weiß um jeden mühsamen Umweg, den wir gehen müssen. Das ist unser Trost, solange wir das Ende des Weges noch nicht erreicht haben.
Anmerkung der Redaktion von Soundwords: Diese Gedanken gehen zurück auf Schriften vergangener Jahrhunderte wie auch auf Vorträge zeitgenössischer Bibelausleger.
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Mit freundlicher Genehmigung von Sound Words
Autor: D. Schürmann
Bearbeitung: Jürgen Motzkus Redakteur bei www.glaube.de
Foto: soundwords
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