Daniel Müller: Immer in des Meisters Hand!

Im Lukasevangelium in Kapitel 24,13 - 35 lesen wir von den Emmaus-jüngern. Diese Jünger sind – am Auferstehungstag – von Jerusalem nach Emmaus gegangen, sie wussten nichts von der Auferstehung. Sie waren offensichtlich resigniert oder auch enttäuscht von Jesus, der ihnen doch so viel Hoffnung gemacht hatte. Während sie gingen, kam Jesus dazu und unterhielt sich mit ihnen, doch sie erkannten ihn nicht. Als sie in Emmaus eintrafen, baten sie ihn, dass er bleiben soll und Jesus blieb. Er brach mit ihnen das Brot – und dann erkannten sie ihn!
Es waren keineswegs Ungläubige, die ihn nicht erkannten, es waren seine engsten Jünger. Wie ist es mit uns? Wir beschäftigen uns mit theologischen Details und erkennen Jesus oft nicht! Diejenigen, die am meisten von ihm wussten, haben ihn nicht erkannt! Als Jesus z.B. während eines Sturms auf dem See auf sie zuging, schrieen sie „ein Gespenst“. Wenn uns Christus anders begegnet, als wir es uns vorstellen (oder erwarten), haben wir ein Problem, ihn zu erkennen. Er erscheint uns auch heute noch in unterschiedlichster Weise in den unterschiedlichsten Situationen!
Die Emmausjünger taten das, was auch wir heute tun: Sie erzählten Jesus von Jesus. Tun wir das nicht auch in unseren Gebeten? Wir wissen alles, was Jesus tun kann, aber wir erkennen ihn nicht, obwohl er uns so nahe ist! Warum haben die Jünger nicht seine Nägelmale gesehen, die Wunden in den Händen und Füßen oder seine Stimme erkannt? Wer sonst außer Jesus sprach wie Jesus! Der tote Lazarus erkannte seine Stimme und kam aus dem Grab. Maria erkannte seine Stimme am Auferstehungsmorgen. Zwölf Kilometer – von Jerusalem nach Emmaus – ging Jesus mit ihnen und lehrte sie und sie erkannten ihn nicht. Sie „kannten“ ihn zwar, aber sie erkannten ihn nicht!
„Bleibe bei uns“ sagten sie. Ihr Herz verlangte nach Jesus. Er saß mit ihnen zu Tisch. Er nahm das Brot – segnete es – brach es – und gab es ihnen. Plötzlich erkannten sie ihn „in der Art wie er das Brot brach“. Warum sahen sie nicht schon lange vorher die Nägelmale und die Wunden in den Füßen? Wir sind auch oft so mit uns beschäftigt, dass wir Jesus nicht erkennen, obwohl er mit uns den Weg geht. Es war für die Jünger sogar ein Weg des Aufgebens – von Jerusalem zurück nach Hause. Sie erkannten Jesus erst beim einfachen Brotbrechen. Es war die Art wie er es tat! ER nahm es – segnete es – brach es und gab es. Es war genau wie beim letzten Abendmahl.
Wir fnden diese Handlung oft in der Bibel. Hier einige Beispiele: Die Speisung der 5000. Er nahm die 5 Brote und 2 Fische, segnete sie, brach sie und gab sie zum verteilen. Genau wie in Emmaus oder beim Abendmahl. Ein weiteres Beispiel: Gott nahm Abraham aus Ur, segnete ihn mit Reichtum, brach ihn mit einer Frau, die unfruchtbar war und gab ihm aus ihr den verheißenen Sohn. Diesen Sohn Isaak nahm Gott aus dem Leib der unfruchtbaren Sarah, segnete ihn als den verheißenen Sohn, brach das ganze „Ich“ des Abrahams, als er Isaak opfern sollte und gab ihn dem Volk Israel.
Gott nahm Jakob aus dem Leib seiner Mutter, segnete ihn mit dem Erstgeburtsrecht, brach ihn in Pnuel (in der Nacht bevor er seinem Bruder begegnete und im Kampf die Hüfte ausrenkte) und gab ihn dem Volk Israel als Stammvater der 12 Stämme Israels. Gott nahm Joseph aus der Grube, segnete ihn im Haus Potiphars, brach ihn, als er unschuldig ins Gefängnis musste und gab ihn als 2. Herrscher über Ägypten und als Retter seiner Familie und damit des ganzen Volkes
Israel. Gott nahm Mose aus dem Nil, segnete ihn im Haus Pharaos, brach ihn 40 Jahre in der Wüste und gab ihn dem Volk Israel als Leiter, der sie aus der Sklaverei führte.Der Vater in dem Himmel nahm Jesus, segnete ihn mit Zeichen und Wundern, brach ihn am Hügel Golgatha und gab ihn an Pfngsten der ganzen Menschheit!
So handelt Gott mit jedem Mann oder jeder Frau den/die er gebrauchen möchte. Er möchte uns aus unserer Bequemlichkeit herausreißen. Er nimmt uns, weil er uns liebt, er segnet uns, weil er uns liebt, er zerbricht uns, weil er uns liebt und er gibt uns einer Welt als ein lebendiges Zeugnis – mit dem Geist Gottes – erfüllt. Vielleicht sagen Sie: „Oh Gott ich bete um Segen und du zerbrichst mich, meinen Stolz, mein Fleisch, meinen Willen?“ Wir müssen begreifen, dass Zerbruch der wirkliche Segen ist! Erst wenn wir zerbrochen werden, lernen wir, ihm ganz zu vertrauen. Erst dann begreifen wir, dass es nicht durch Heer oder Macht, sondern durch seinen Geist geschieht. Er selbst ist die „Segnung“! Vielleicht „bricht“ er uns von Leuten weg, auf wir uns verlassen. Beim Zerbruch erkennen wir, dass nicht wir es sind, sondern er es ist. Er gab den Leuten immer „zerbrochenes“ Brot.
Jakob sagte glücklich – „ich hinke zwar, aber ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen.“ Wir können nicht zum Segen sein, wenn ER uns nicht zerbrechen kann.
Lieber verletzter, hinkender, verwundeter Christ, Gott nimmt Sie von Dingen weg, von denen Sie dachten, dass Sie sie nie lassen können. Der Maßstab ist nicht, wie gesegnet wir sind, sondern –konnte ER uns zerbrechen? Sie sind vielleicht gerade in so einer Zerbruchsphase und sie meinen, Gott sei nicht da. Das möchte Ihnen der Teufel einreden, aber der ist ein Lügner und er kann nichts anderes als lügen. Egal in welchem Stadium das Brot war, ob Jesus es genommen, gesegnet, zerbrochen oder gegeben hat, es war immer in des Meisters Hand! Egal wie es Ihnen geht,
Sie sind in des Meisters Hand! Wunder geschehen, wenn wir nach dem Zerbruch für andere gegeben werden. Erst nach dem Zerbruch sind wir brauchbar. „Plötzlich erkannten sie ihn in der Art wie er das Brot brach.“ Erkennen Sie ihn, in ihrer Situation, vielleicht sogar auf dem Weg der Verzweifung. Jesus, Ihr Helfer, ist mit Ihnen.
Daniel Müller
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Ein Service von Glaube.de
mit freundlicher Genehmigung vom Missionswerk Karlsruhe
Autor: Daniel Müller
Bearbeitung: Jürgen Motzkus, Redakteur bei Glaube.de
Foto: sxc.hu
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