Dennis Gordon: Gottes Werk - Intelligent Design in den Naturwissenschaften

In den letzten Jahren ist Intelligent Design (ID) zu einem Dauerbrenner in den Schlagzeilen geworden. In Artikeln der größten Wo chenzeitschriften wie Time sowie in denLeitartikeln anderer Magazine und Zeitungen wurden die Argumente der – insbesondere in den Vereinigten Staaten – vehement und kontrovers geführten Debatte diskutiert.
Was ist Intelligent Design? Es ist das Konzept, demzufolge Universum und Leben aufgrund ihrer Komplexität die bewusste Schöpfung einer höheren Macht sein müssen. Diese Macht wird von den engagierten Verfechtern dieser Theorie gemeinhin nicht als Gott bezeichnet – entscheidend ist bei Intelligent Design, dass als Gegenentwurf zur Evolutionstheorie lediglich die Bezeichnung eines nicht notwendigerweise näher spezifizierten Schöpfers bzw. Designers Einzug in die naturwissenschaftliche Lehre finden soll.
Erwartungsgemäß reagierte die Wissenschaft mit Vehemenz. Ihr zufolge stehe dahinter lediglich eine Strategie, die kreationistische Interpretation allen Ursprungs in den Bildungsbereich einzuführen. [Genau genommen stellt der Kreationismus eine besondere Auslegung des 1. Kapitels der Bibel im 1. Buch Mose dar. Die so genannten Junge-Erde-Kreationisten argumentieren, Universum, Erde und alles Leben seien innerhalb von nur sechs Tagen vor etwa 10.000 Jahren erschaffen worden. Der Begriff „Kreationismus“ wird jedoch auch von den Alte-Erde-Kreationisten verwendet, die zwar die wissenschaftliche Tatsache anerkennen, das Universum sei Milliarden von Jahre alt, nichts destotrotz aber argumentieren, Gott habe alles, was existiert, durch einzelne Schöpfungsakte („Es werde ...“) während dieser Zeit erschaffen.]
Andererseits postulieren die meisten Wissenschaftler, darunter auch viele christlich orientierte, die Existenz Gottes könne nicht wissenschaftlich bewiesen werden, und so erkläre man eigentlich gar nichts, wenn man sich auf ihn berufe, um Naturphänomene, die man bislang noch nicht begreifen könne, zu erklären. Wenn man dies täte, brächte man sämtliche wissenschaftlichen Untersuchungen zum Stillstand. Ironischerweise mögen diese Wissenschaftler die Heilige Schrift auf ihrer Seite wissen.
Jesus Christus sagte explizit: „Gott ist Geist.“
Das bedeutet, dass Gott, der Zeit, Raum und Materie erschuf, außerhalb von Zeit und Raum steht und nicht materiell ist; deshalb ist er nicht mit wissenschaftlichen Methoden nachweisbar. Er kann nicht gesehen, gemessen, gewogen, quantifiziert oder objektiviert werden. Mit wissenschaftlichen Mitteln lässt sich nicht auf schwer zu erklärende Er kenntnislücken verweisen und urteilen: „An dieser Stelle ist zweifelsfrei messbar und objektivierbar erwiesen, dass Gott für die Existenz von ... verantwortlich ist.“ Der Satz ließe sich wie auch immer ergänzen, z.B.: die fundamentalen Naturkräfte, die Sternbildung, Proteine und Nukleinsäuren, lebende Zellen, komplexe Organe wie das Auge, die Arten usw. Das heißt nicht, dass Gott nicht hinter allen diesen Erscheinungen stehen kann –, sondern nur, dass wissenschaftliche Methoden dafür keinen wie auch immer ge arteten Nachweis erbringen können.
Hinsichtlich des christlichen Glaubens tut sich darin kein Problem auf. Christliche Glaubensgelehrte und Exegeten verweisen darauf, dass aus der Bibel hervorgehe, Gott sei nur in geistlicher und persönlicher Beziehung zu erfahren. Wenn die Heilige Schrift eindeutig aussagt, die Schöpfung sei das Werk Gottes, und seine Existenz eindeutig nachweist, so ist dies im Sinne der generellen Offenbarung zu verstehen. Deshalb haben christlich orientierte Wissenschaftler beispielsweise keine Schwierigkeiten mit der biologischen Evolutionstheorie und argumentieren, Gott habe die Schöpfung mit der Fähigkeit des Seins und Werdens ausgestattet. Sie unterscheiden zwischen der Evolution (einem natürlichen Prozess, der seinerseits Ergebnis eines Schöpfungsaktes sein mag) und Evolutionismus einer atheistischen Philosophie, die die Möglichkeit der Existenz eines Schöpfers in Abrede stellt).
Wie auch immer, viele Theologen stimmen ihrerseits darin überein, dass das Gedankengut des Intelligent Design nicht Einzug in die naturwissenschaftliche Lehre halten dürfe, wohingegen ihr sicher ein Platz im Religionsunterricht bzw. in der kulturgeschichtlichen Unterweisung einzuräumen sei. Vor diesem Hintergrund stellte der Vatikani sche Chef-Astronom und Astrophysiker George Coyne am 18. November 2005 fest,
Intelligent Design sei keine Wissenschaft und gehöre nicht in den naturwissenschaftlichen Unterricht. Er untermauerte die Rolle Gottes in der Schöpfung, wies jedoch darauf hin, dass die Wissenschaft die Geschichte des Universums erkläre. Selbst die konservative US-amerikanische Glaubensgemeinschaft Reasons to Believe stellte kürzlich fest: „Nach gegenwärtigem Stand der Dinge vertreten wir die Auffassung, ID sollte nicht Einzug in den Biologieunterricht halten. Das soll nicht heißen, dass wir glauben, die Zeugnisse der Natur führten keine Beweise für das Werk eines Intelligent Designers an. Durchaus nicht! ... Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat ID jedoch nicht den Sta tus einer wissenschaftlichen Theorie erlangt. So hat dieses Konzept kein Modell der Entstehung aller Existenz mit wissenschaftlich belegbaren Behauptungen und widerlegbaren Prognosen vorzuweisen. Keine ID-Theorie erklärt die Geschichte des Universums und des Lebens. Es gibt keine ID-Prognosen darüber, worauf Wissenschaftler bei ihrer Untersuchung der Zeugnisse der Natur stoßen sollten. Ohne ein nachprüfbares Gedankenmodell kann ID nicht richtungweisend für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen sein.“
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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autor: Dennis Gordon, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: sxc.hu
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