Der Heilige Geist, dein Lehrer

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Johannes 14, 26).
Dabei hilft uns der Geist Gottes in all unseren Schwächen und Nöten. Wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen, damit es Gott gefällt! Deshalb tritt der Geist Gottes für uns ein, er bittet für uns mit einem Seufzen, wie es sich nicht in Worte fassen lässt. Und Gott, der unsere Herzen ganz genau kennt, weiß, was der Geist für uns betet. Denn der Geist vertritt uns im Gebet, so wie es Gott für alle möchte, die zu ihm gehören. (Römer 8, 26-27 HfA)
Zunächst schenkt der Heilige Geist den Kindern Gottes in der Wiedergeburt das neue Leben und sie werden als Söhne und Töchter im Vaterhaus Gottes aufgenommen. Das ist jedoch nicht das Ziel des Christenlebens, sondern der Beginn. Darum bestellt uns unser Gott einen Lehrer und Erzieher.
Schule - warum?
Warum müssen Kinder Gottes zur Schule gehen? Sie sollen Erkenntnis und Wissen erlangen.
Wozu ist das gut? Erkenntnis ist wie Licht. Wer im Dunkeln geht, ist orientierungslos, ist unsicher und hat Angst. Wissen ist Macht, hat Karl Marx behauptet. In gewisser Weise hat er recht: Wissen gibt uns nämlich Macht, über falsche Lehren und Irrwege nicht zu stolpern.
Viele Menschen werden wiedergeboren ohne biblisches Wissen. Ebenso wie ein Baby ohne Rechtschreibkenntnis und Rechenkunst auf die Welt kommt, so kommt auch ein frischer Christ oft ohne Theologie und Bibelwissen auf die geistliche Welt. Sein Herz ist lediglich mit der Liebe Gottes erfüllt. Er weiß selbst noch gar nicht, was mit ihm geschehen ist.
Christen, die beim Heiligen Geist in die Schule gehen, werden gefestigte und gegründete Menschen, die sich nicht von jedem Wind falscher Lehre hin- und her reißen lassen. Sie haben das Lehrbuch des Geistes gründlich studiert. Von ihnen kann gesagt werden: "Ihr habt nicht nötig, dass euch jemand belehre, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge." (1. Johannes 2, 27). Allerlei Lehrer wollen uns belehren, aber vom Heiligen Geist unterrichtete Christen wissen, was geschrieben steht.
Das Lehrbuch
Es ist der Heilige Geist, der die Kinder Gottes unterrichtet. Und so, wie in einer menschlichen Schule Lehrbücher benutzt werden, so benutzt der Heilige Geist ebenfalls ein Lehrbuch, das Wort Gottes.
Jesus versprach seinen Jüngern: Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Johannes14, 26). Das Neue Testament ist die niedergeschriebene Erfüllung dieser Verheißung. Die Autoren der Berichte und Briefe schrieben auf, woran der Heilige Geist sie erinnerte und was Jesus den Jüngern gesagt hatte. Sie schrieben auch darüber hinaus auf, was der Heilige Geist offenbarte bezüglich konkreter Lebensfragen genauso wie bezüglich der Zukunft dieser Welt. Wenn wir eine Bibel besitzen, dann haben wir das Lehrbuch, mit dem wir alles lernen können, was in unserem Verhältnis zu Gott und zu einander wichtig ist.
Es ist wichtig, die Bibel unter der Anleitung und mit der Hilfe des Heiligen Geistes zu lesen. Sonst bleibt die Heilige Schrift bestenfalls ein Geschichtsbuch, das nichts mit unserem Alltag und unserem Leben zu tun hat.
Praktische Übungen
Der Heilige Geist unternimmt auch praktische Übungen mit uns. So lässt Er uns von Zeit zu Zeit ein Praktikum der Heiligung absolvieren. Plötzlich geschehen Dinge, die wir nicht verstehen. Aber der Heilige Geist lehrt uns, wie alle Dinge zu unserem Guten mitwirken und mithelfen, in das Bild Jesu umgewandelt zu werden. Das ist das Ziel des Geistes, uns zur Herrlichkeit zu führen und uns in der Schule der Heiligung so zu trainieren, dass wir eines Tages vollkommen und vollendet dem Bild Christi gleichgemacht vor dem Vater stehen dürfen. Der Heilige Geist erzieht also auch.
Wie heißt es? "Wen der Herr lieb hat, dem macht er reich?" Oder: "Wen der Herr lieb hat, den lässt er niemals krank werden?" Nein! Es heißt: "Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er!" (Hebräer 12, 6 ff) Die Liebe des Vaters offenbart sich also in der Erziehung Seiner Kinder. Und für diesen Dienst hat Gott den Heiligen Geist eingesetzt.
Direktes Reden
Der Heilige Geist spricht auch konkret in Situationen und Probleme hinein, um Gottes Sicht und Wege deutlich zu machen.
Als die Jünger in Jerusalem nach der Auferstehung beisammen waren, stellte Petrus sehr richtig fest: Jesus hatte 12 Apostel berufen, und einer von ihnen hat Selbstmord begangen. Petrus meinte nun, dass Judas Ischariot durch einen anderen Mann ersetzt werden sollte.
Interessant ist, dass überhaupt kein Auftrag Jesu dazu vorlag. Jesus hatte schon vor dem Verrat gebetet: "Als ich bei ihnen war, bewahrt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast; und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verloren als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde." (Johannes 17,12) Jesus wusste sehr genau, was geschehen würde. Hätte er nicht seinen Jüngern spätestens beim Abschied nach der Auferstehung gesagt: "Während ihr auf die Verheißung des Vaters wartet, sucht euch schon mal einen Ersatz für Judas Ischariot aus."?
Keineswegs tat er das. Aber da die Jünger zu dieser Zeit noch ohne den Heiligen Geist lebten, fanden sie eben eine menschliche Lösung für ihr vermeintliches Problem und warfen das Los. Wir lesen: "...und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt." (Apostelgeschichte 1, 26)
Matthias war ein von Menschen nach dem Zufallsprinzip gefundener Amtsträger. Der nächste von Gott später berufene und bestätigte Apostel war jemand ganz anderes: Paulus von Tarsus.
Die Jünger hätten schlicht und einfach warten sollen, bis sie mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, dann hätte er ihnen den richtigen Rat gegeben.
Wie sich dann im Verlauf der Apostelgeschichte und der Kirchengeschichte zeigte, war die Zahl der Apostel überhaupt nicht auf zwölf beschränkt, sondern je mehr Christen es gab, desto mehr Apostel berief Gott in ihren Dienst.
Als es später, nach dem Kommen des Heiligen Geistes, in der wachsenden Gemeinde erneut Personalprobleme gab, passiert etwas ganz anderes. Wie lesen in Apostelgeschichte 6 über die Einsetzung der Diakone, dass man Männer voll Heiligen Geistes auswählte, und dass diesen dann, nachdem die Apostel über die Sache gebetet hatten, segnend die Hände aufgelegt wurden. Von einem dieser Diakone lesen wir noch vieles in der Bibel, Stephanus. Es heißt über ihn: "Stephanus, voller Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk." (Apostelgeschichte 6, 8).
Von dem durch das Los gefundenen Matthias lesen wir nichts Derartiges - was aber nicht heißt, dass er nicht segensreich gewirkt hat. Die Bibel schweigt nur bezüglich dieses ausgelosten Apostels.
Der Heilige Geist tut heute, im Jahr 2003, noch den gleichen Dienst wie damals in der Apostelgeschichte. Gott spricht zu seiner Gemeinde und zu Einzelnen durch prophetische Worte, Worte der Erkenntnis, Bilder, Visionen, Auslegungen von Sprachenreden und auf andere Weise. Er ist unsere Beistand und unser Lehrer in ganz konkreten Situationen.
Ein Beispiel, wie der Heilige Geist uns lehrt.
Nehmen wir einmal das Gebet. "Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäß." (Römer 8, 26-27).
Diese Worte des Paulus zeigen uns, dass es Zeiten gibt, in denen wir so schwach sind, dass wir nicht wissen, in welcher Weise wir in bestimmten Situationen beten sollen. Dann hilft uns der Heilige Geist, indem er uns deutlich macht, wie wir beten sollen, oder er betet an unserer Stelle, also mit den Worten, die wir selbst nicht finden und aussprechen können.
Mit dem Latein am Ende
Nicht wissen, wie man beten soll? Eine solche Schwachheit ist keine Sünde. Wir lesen sogar von Jesus, wie Er darin Hilfe suchte. "Jetzt ist meine Seele bestürzt. Und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen." (Johannes 12, 27).
Jesu Frage war: "Was soll ich sagen oder wie soll ich beten?" Natürlich liegt das Gebet um Befreiung aus dieser Qual auf der Hand. Wer würde nicht sofort beten wollen: "Herr, erlöse mich von diesem Terror?" Aber der Herr folgte der Belehrung des Geistes: "Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" (Lukas 22, 42). Jesus unterwirft sich also voll und ganz dem Willen des Vaters. Er ruft nicht zehntausend Engel zu Seiner Befreiung, was Er selbstverständlich hätte tun können. Nicht die Beseitigung Seines Problems war Ihm erste Priorität, sondern der Wille Seines Vaters.
Es war der Heilige Geist, der dem Sohn Gottes aus Seiner Schwachheit heraus half, recht zu beten. Im Hebräerbrief heißt es über Christus: "Er hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dar gebracht, der ihn aus dem Tod erretten kann, und ist um seiner Gottesfurcht willen erhört worden und lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam." (Hebräer 5, 5-8). Obwohl er Gottes Sohn war, lernte Er durch Leiden Gehorsam und auch, nach dem Willen des Vaters zu beten.
Es gab unter den heiligsten Männern der Bibel oftmals Verwirrung, wie sie beten sollten. Denken wir an Mose. Er wollte als langjähriger Leiter, der das Volk Gottes aus der Sklaverei Ägyptens herausgeführt hat, auch ins verheißene Kanaan kommen. Kann man diese Sehnsucht des alten Mannes verstehen? Und so erzählt er dem Volk Israel, wie er deswegen gebetet hatte: "Und ich flehte zu jener Zeit zum HERRN um Erbarmen: Herr, HERR, du hast begonnen, deinen Knecht deine Größe und deine starke Hand sehen zu lassen. Denn wo im Himmel und auf Erden ist ein Gott, der so etwas wie deine Werke und wie deine Machttaten tun könnte? Ich möchte doch auch hinüber ziehen und das gute Land sehen, das jenseits des Jordan liegt, dieses gute Bergland und den Libanon. Aber der HERR war euretwegen über mich erzürnt und hörte nicht auf mich. Und der HERR sprach zu mir: Lass es genug sein! Rede mir nicht mehr weiter von dieser Sache." (5. Mose 3, 23-26).
Das Gebet dieses großen Gottesmannes war verkehrt und Gott lehrte ihn, recht zu beten.
Auch Paulus wusste manchmal nicht, wie es recht war zu beten. Ihr erinnert euch an den "Dorn im Fleisch", wir wissen nicht genau, was es war, aber aus den Worten des Apostels können wir auf eine schwere und deutlich spürbare Krankheit oder Behinderung schließen.
Wer wird nicht um Heilung oder Befreiung von einem solchen Leiden beten? Und so tat es auch der Apostel. Aber er schrieb dazu später: "Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, dass er von mir ablassen möge. Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne." (2.Korinther 12, 7-9).
War Gott nun nicht gut zu Paulus? Er war sehr gut zu ihm. Konnte Gott im Leben des Paulus keine Wunder tun? Durch den Dienst des Apostels konnte Gott sogar Tote auferwecken, nicht nur Kranke heilen.
Der Heilige Geist hatte aber den vollmächtigen und erfolgreichen Diener Gottes gelehrt, seinem Gebet eine andere Richtung zu geben. Denn Gott wollte die eigene Kraft des Paulus schwächen, damit er sich ganz allein auf die Kraft Christi verlassen sollte. Das war nebenbei bemerkt auch der Grund, warum Gott dem Jakob die Hüfte verrenkte und ihn zum Krüppel machte.
Ein anderes Mal wusste Paulus auch nicht, wie er beten sollte. Es waren zwei Dinge, die ihn gleichermaßen bewegten. Welches nun war der Wille Gottes? Er schreibt: "Ich werde aber von beidem bedrängt: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn es ist weit besser." (Philipper 1, 23). Paulus war seit langem im Gefängnis, körperlich sehr angegriffen, und war vor der Zeit ein alter Mann geworden! Kann man sich da denken, dass er nach Hause in seine himmlische Heimat wollte? Ja, er hatte Sehnsucht und Lust, abzuscheiden, um auf immer bei Christus zu sein. Aber sein Lehrer, der Heilige Geist, korrigierte ihn. Und so schrieb er: "Das Bleiben im Fleisch aber ist nötiger um euretwillen. Und im Vertrauen hierauf weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen bleiben werde zu eurer Förderung und Freude im Glauben." (Philiper 1, 24-25).
Kannst du dir vorstellen, aus keinem anderen Grund auf dieser Welt bleiben zu wollen als allein aus dem, andere Christen in ihrem Glauben fördern? Solche Dinge kann dich auch nur der Heilige Geist lehren. Darum bitte Ihn, dein Lehrer zu sein. Und das gerade auch im Gebet und wie schon vorhin angedeutet vor allem dann, wenn es schwierig wird in deinem Leben.
Es gibt einige grundsätzliche Orientierungspunkte:
Gebete, die immer recht vor Gott sind.
Wir dürfen gewiss unser Herz vor Gott wegen unserer eigenen Angelegenheiten ausschütten, aber nicht dabei besorgt sein. "Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft." Gott versorgt uns mit allem, was für uns gemäß Seines Planes, den Er mit uns hat, nötig ist. Wir werden nie Mangel leiden. Und wenn wir ihn leiden, dann nur, weil wir dadurch etwas zu unserem geistlichen Vorwärtskommen lernen sollen. Dann ist unser vermeintlicher Mangel in Wahrheit ja auch kein Mangel, sondern Schule des Heiligen Geistes.
Geistliche Gebetsanliegen sind: Die Ausbreitung des Wortes Gottes, die Bitte um Wachstum in der Erkenntnis Christi und Seiner Liebe, die Bitte um verstärkte Heiligung und ein umgewandeltes Leben. Die Bitte um ein gehorsames Herz und um Kraft zur Mitarbeit in der Gemeinde. Die Bitte um die Früchte des Geistes in meinem persönlichen Leben und um die Gaben des Geistes in der gesamten Gemeinde. Solche Gebete unterstützt der Heilige Geist immer, denn das ist, was Gott wohl gefällt.
Gebete, die von vorne herein verkehrt sind.
Sie hatten Manna, aber sie wollten Fleisch. Im Vers zuvor heißt es: Sie gierten voller Begierde in der Wüste, versuchten Gott in der Einöde. (Psalm 106, 14).
Paulus sagt, dass wir uns genügen lassen sollen. Aber oft treibt uns die Lust und dann bestürmen wir Gott, dass Er uns unsere Begierden erfüllen soll. Der Heilige Geist lehrt uns nicht, Gebete zu sprechen, deren Erhörung uns zur Versuchung wird. Aber Gott erhört zur Erziehung und Besserung manchmal solche Gebet und sendet ihnen, was die Beter wollen und es wird ihnen zur Schwindsucht.
Oft wird die bittende Witwe (als Widerspruch zu dieser These) angeführt. Wenn ihr euch dieses Gleichnis (Lukas 18, 1-8) anschaut, geht es um die endliche Bewahrung der Auserwählten Gottes. Es handelt sich also um ein geistliches Gebet. Jesus sagt: "Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und sollte er es bei ihnen lange hinziehen." (Lukas 18, 7). Damit sagt Jesus, dass das Erbrecht der Kinder Gottes nicht in Frage gestellt wird. Er wird sie sicher eingehen lassen in die ewige Herrlichkeit. Aber für Dinge, für die wir keine Verheißung haben, sollte man nicht zu Gott schreien.
Wir leben aus der Gnade und nicht aus Rechtsansprüchen. Jemand betete einmal: "Herr, hier gehe ich nicht hinaus, bevor ich nicht das und das erhalten habe!" Das ist Erpressung. Oder: "Herr, wenn Du mir das und das gibst, dann will ich Dir dienen!"
Was hast du Gott zu geben, was Ihm nicht sowieso schon gehört? Willst du Ihm dein Leben geben, das Er sich ohnehin nehmen kann, weil es dir nur geliehen wurde? Beten heißt, sich vor Gott zu beugen, eigene Abhängigkeit und Bedürftigkeit zu erklären. Beten heißt, sich Gott in allen Dingen zu unterwerfen und Ihn in demütigem Geist um etwas zu bitten. Das ist Auslieferung an Ihn und Seinen Willen. Glaube ist, Gott mit dir machen zu lassen, was Ihm gefällt weil du überzeugt bist, dass er es sowieso besser weiß als du selbst.
Eine Anmerkung scheint mir hier wichtig: Es geht hierbei nicht darum, mit Freimut vor den Thron der Gnade zu kommen. Das sollen und dürfen wir tun. Wir dürfen und sollen Gottes Verheißungen in Anspruch nehmen. Aber dort, wo es gar keine Verheißung gibt, haben wir auch nichts zu beanspruchen.
Woher weiß ich nun, wie ich beten soll?
Wie ist es also nun mit der Schule, in der der Heilige Geist der Lehrer ist? Uns allen gilt das Angebot, uns von ihm unterrichten zu lassen, uns von ihm helfen zu lassen, uns von ihm trösten zu lassen und uns von ihm ausrüsten zu lassen.
Aber niemals wird Gott uns zu etwas zwingen, was wir nicht selbst wollen, selbst wenn dieser Zwang zu unserem Besten wäre.
Gott könnte dies tun, da er ja allmächtig ist, aber es entspricht nicht seinem Wesen. Er hat uns geschaffen mit einem freien Willen und der Fähigkeit, zu urteilen und zu entscheiden.
Der Heilige Geist drängt sich nicht auf, obwohl es gut für die Gemeinde wäre, wenn er mit seinen Wirkungen immer und uneingeschränkt gegenwärtig sein könnte. Er ist da, steht zur Verfügung, aber wir müssen ihn aktiv und bewusst einladen und nach den Gaben und der Ausrüstung streben, die er uns anbietet.
Paulus fordert die Gemeinde auf: Strebt nach der Liebe; eifert aber nach den geistlichen Gaben, besonders aber, dass ihr weissagt. Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse. So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben eifert, so strebt danach, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Gemeinde. (1. Korinther 14, 1, 2, 12)
Der Heilige Geist gibt seine Gaben zur Erbauung der Gemeinde und zur Verherrlichung Jesu in unserem Leben. Wenn wir ihn ablehnen und für unnötig halten, lehnen wir Gott selbst ab, denn er ist ja derjenige, der den Heiligen Geist gesandt hat und der Heilige Geist ist, wie wir in der letzten Abendbibleschule von Martin gehört haben, untrennbarer und gleichberechtigter Teil des dreieinigen Gottes.
Uns geht, wenn wir den Heiligen Geist ignorieren oder ablehnen, als Gemeinde und als einzelnen Christen eine Menge Segen verloren, den Gott uns so gerne geben würde. Und uns geht die Fähigkeit verloren, ein fruchtbares und siegreiches Leben zu führen, von dem Jesus sagt, dass es ein guter Ackerboden sei.
Ich hoffe, ich konnte ein wenig aufschließen, was es mit der Schule Gottes und dem Lehrer in dieser Schule auf sich hat. Und ich hoffe noch viel mehr, dass es dem Heiligen Geist gelingt, dieses Wissen zu einem lebendigen Teil des Alltags zu machen. Denn alles Wissen und alle Erkenntnis bleibt tot, solange sie nicht in unserem privaten und gemeindlichen Alltag wirksam wird.
Der Heilige Geist drängt sich genauso wenig auf wie Jesus oder der Vater. Er lädt uns stattdessen ein, uns beschenken, ausrüsten und helfen zu lassen.
Ich möchte Euch vorschlagen, in den nächsten Tagen ganz bewusst die Bibel daraufhin zu lesen, was sie über den Heiligen Geist und seine Gaben und Wirkungen im Leben der Christen und der Gemeinde sagt.
Und dann redet mit Gott darüber, ob ihr das, was ihr in der Bibel lest, im eigenen Leben wiederfindet und was sein Wille diesbezüglich ist.
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Ein Artikel von www.glaube.de
Dies ist die Abschrift eines Beitrages zur Abendbibelschule einer Berliner Gemeinde, den ich vor circa zwei Jahren gehalten habe. Die Quelle, auf die ich damals zurückgegriffen habe: Eine Predigt von Pastor Wolfgang Wegert aus der Arche vom Sonntag, dem 23.02.1997, ich habe zum Teil den Wortlaut von Pastor Wegert übernommen.
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