Derek Prince: Der Heilige Geist - Teil 1
Ewig
Zum Schluß eines der ersten Pfingstgottesdienste, die ich besuchte, fragte mich der Prediger: "Glauben Sie, dass Sie ein Sünder sind?" Zu jener Zeit war ich beruflich Philosoph und hatte eben meine Dissertation über "Definitionen" an der Cambridge Universität vollendet. Unverzüglich suchte ich in meinem Denken einige der möglichen Definitionen eines "Sünders". Ihrer alle trafen exakt auf mich zu! Also antwortete ich: "Ja, Ich glaube ein Sünder zu sein!"
Der Prediger fuhr fort: "Glauben Sie, dass Christus für Ihre Sünden gestorben ist?" Ich überdachte die Frage und antwortete: "Um ganz ehrlich zu sein, verstehe ich nicht, was denn der Tod von Jesus Christus vor neunzehn Jahrhunderten mit den Sünden zu tun haben könnte, die ich während meiner Lebzeit begangen habe."
Der Prediger war weise genug, seine Argumente nicht weiter zu ziehen. Ich aber weiss, dass er für mich betete! Einige Tage später hatte ich eine mächtige Begegnung mit Jesus Christus, welche den Kurs meines Lebens radikal veränderte. Vor allen Dingen wurde die Bibel ein lebendiges, brisantes Buch für mich.
Einige Zeit später las ich in Hebräer 9,14 von "Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist ohne Fehler Gott dargebracht hat." In dem Augenblick verstand ich die Signifikanz des Wortes "ewig". Seine Bedeutung gründet so viel tiefer als etwas, das extrem lange andauert. Es weist auf etwas hin, das jede Zeiteinschränkung sprengt - etwas, das gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinschliesst.
Jesu Opfertod am Kreuz war nicht an jenen Zeitpunkt des Geschehens gebunden. Vielmehr wurden dadurch die Sünden der ganzen Menschheit zu allen Zeiten - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - miteingeschlossen. Dazu gehörten auch restlos alle Sünden, die ich 19 Jahrhunderte später begehen würde.
Das griechische Adjektiv "ewig" hat eine unergründliche Tiefe an Bedeutung. Es ist abgeleitet vom Hauptwort aion, woher das englische Wort "aeon" (Àon, die Ewigkeit) kommt. Ein aion ist eine Zeitmessung und taucht in verschiedenen Ausdrücken auf, wie z.B. in den folgenden buchstäblichen Übersetzungen:
- Hebräer 7,24: "für das Zeitalter" (NKJ "für immer") - das bedeutet für die Dauer des gegenwärtigen Zeitalters.
- Judas 25: "vor Beginn jedes Zeitalters, und jetzt, und auf alle Zeit hin" (NKJ "jetzt und für immer").
- Galater 1,5: "bis auf alle Zeit der Zeiten" (NKJ "für immer und immer").
Es fällt auf, dass die englischen Übersetzungen der Bedeutungstiefe der griechischen Bezeichnungen nicht annähernd gerecht werden. Diese und ähnliche Aussagen erfüllen mich mit Ehrfurcht. Ich komme mir vor wie ein winziger Tropfen in der Schwebe über einer bodenlosen Kluft, die 2 für mich unerreichbar hohe Berge trennt. Mein Verstand vermag nicht einmal das eine Zeitalter zu erfassen, das aus mehreren entstanden ist, verschwiegen denn weitere Zeitalter, die aus solchen hervorgegangen sind. Der Heilige Geist jedoch umfaßt sie alle von der unermeßlichen Vergangenheit bis hin zur unendlichen Zukunft.
Erst jetzt beginne ich auf eine neue Weise etwas von der Anrede zu verstehen, unter welcher Gott im Himmel ununterbrochen angebetet wird: "Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt!"1
Allwissend
Nahe verwandt mit der ewigen Natur des Heiligen Geistes ist Seine Allwissenheit. In 1. Joh. 3,20 konfrontiert uns der Apostel mit einer tiefgründigen, jedoch schlichten Offenbarung: Gott weiss alle Dinge. Es gibt nichts, das Gott nicht weiss. Vom kleinsten Insekt der Erde bis hin zum entferntesten Stern im Weltall gibt es nichts, worüber Gott nicht vollumfänglich Bescheid weiss.
Gott weiss über Dinge in unserem Leben Bescheid, wovon wir selber keinerlei Kenntnis haben. Zum Beispiel kennt Er die Anzahl Haare auf unserem Kopf.2
Gott kannte die genaue Einwohnerzahl von Niniveh (Jona 4,11). Er kannte - und kontrollierte - den Wuchs jener Pflanze, die Jona Schatten gab. Er wußte ebenfalls - und kontrollierte - die Aktivität des Wurmes, welche die Pflanze zerstörte.3
In 1 Kor. 2,9-10 redet Paulus über Dinge, die "kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist". Dann fährt er fort: "Uns aber hat Gott es geoffenbart durch den Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes".
Der Heilige Geist ergründet die tiefsten Tiefen und erklimmt die höchsten Höhen aller Dinge, die waren, die sind, und die kommen werden. Sein Wissen ist unendlich.
Im Licht dieses unendlichen Wissens muß jeder von uns Rechenschaft vor Gott abgeben. "Und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben."4
Das übernatürliche Wissen und die Weisheit des Heiligen Geistes offenbarten sich durch den gesamten irdischen Dienst Jesu. Dies aber wurde kaum so sehr verdeutlicht wie im Umgang mit Judas Iskariot. Als der Jünger Jesus sagte, "und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist",5 gab Jesus ihnen zur Antwort, dass es das Los des Messias sei, von einem seiner eigenen Jünger verraten zu werden: "Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel. Er sprach aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot; denn dieser sollte ihn überliefern, einer von den Zwölfen."6 Jesus wußte durch den Heiligen Geist, dass Judas ihn verraten würde, sogar bevor es Judas selbst wußte.
Dennoch vermochte Judas seinen Plan nicht eher auszuführen, bis Jesus ihn (Judas) durch ein bestimmtes Wort zur Tat freisetzte. Beim letzten Abendmahl warnte Jesus seine Jünger, "Einer unter euch wird mich verraten." Jesus antwortete auf ihre Frage, wer es denn sein werde:
"Der ist es, für den ich den Bissen eintauchen und ihm geben werde. Und als er den Bissen eingetaucht hatte, nimmt er ihn und gibt ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr dann der Satan in ihn. Jesus spricht nun zu ihm: Was du tust, tu schnell!" Als nun jener den Bissen genommen hatte, ging Judas sogleich hinaus - Jesus zu verraten.7
Die Erkenntnis überwältigt mich, dass Judas seinen Plan, Jesus zu verraten, nicht ausführen konnte bis zu dem Zeitpunkt, als Jesus selbst das Wort sprach, wodurch Judas seine Tat vollbringen konnte. Diese ganze Szene zeigt uns auf, wie eben nicht der Verräter, sondern der Verratene in Kontrolle war.
Wenn wir die Vollständigkeit der Erkenntnis Gottes erfassen - und insbesondere Seine Vorkenntnis - wird uns zu tiefst bewußt, dass, was immer auch geschehen mag, Gott sich nie und nimmer überraschen lässt. Im Himmelreich gibt es schlichtweg keine unerwarteten Ereignisse (Notfälle). Gott kennt nicht nur das Ende vom Anfang, Er selbst ist der Anfang und das Ende.8 Und Er behält immer die totale Kontrolle.
Vor allen Dingen kennt Gott jene, die Er auserwählt hat, um mit Ihm die Ewigkeit zu verbringen. "Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern." 9
Wenn wir dank der Barmherzigkeit und Gnade Gottes jenes herrliche ewige Ziel erlangen, wird Jesus bestimmt keinen mit den Worten empfangen: "Dich habe ich hier nie erwartet!" Vielmehr wird Er sagen: "Mein Kind, ich habe auf dich gewartet. Wir konnten uns so lange nicht zum Hochzeitsmahl setzen, bis du gekommen bist."
Ich glaube, dass jedes Gedeck an der Hochzeitstafel mit Personennamen versehen sein wird.
Bis die Zahl der Erlösten erfüllt ist, wartet Gott mit unermeßlicher Geduld, "da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Busse kommen." 10
Allgegenwärtig
Wenn wir sagen, dass Gott allgegenwärtig ist, meinen wir, dass er überall gleichzeitig präsent ist. In Jeremia 23, 23-24 bestätigt Gott selbst folgendes:
"Bin ich nur ein Gott aus der Nähe", spricht der Herr, "und nicht auch ein Gott aus der Ferne? Oder kann sich jemand in Schlupfwinkeln verbergen, und ich, ich sähe ihn nicht?" spricht der Herr. "Bin ich es nicht, der den Himmel und die Erde erfüllt?" spricht der Herr.
Wie ist das möglich? Wir wissen, dass Gott auf seinem Thron im Himmel sitzt, mit Jesus zu Seiner Rechten. Wie also vermag Er Himmel und Erde mit Seiner Gegenwart zu füllen?
In Psalm 139,7-12 liefert David die Antwort. Zuerst fragt er: Wohin sollte ich gehen vor deinem Geist? Oder wohin fliehen vor deinem Angesicht? Daraus erkennen wir, dass sich Gottes Gegenwart durch Seinen Geist überall gleichzeitig offenbart. Dann ergänzt David mit weiteren Details: Stiege ich zum Himmel hinauf, so bist du da. Bettete ich mich in dem Scheol, siehe, du bist da. Erhöbe ich die Flügel der Morgenröte, ließe ich mich nieder am äußersten Ende der Meere, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen. Und spräche ich: Nur Finsternis möge mich verbergen und Nacht sei das Licht um mich her: Auch Finsternis würde vor dir nicht verfinstern, und die Nach würde leuchten wie der Tag, Die Finsternis wäre wie das Licht. Ganz egal wo wir auch hingehen, Gott ist dort durch Seinen Geist - unsichtbar, oft nicht wahrnehmbar, aber unentrinnbar. Dem Ungläubigen kann dies ein beängstigender Gedanke sein, aber für den Glaubenden bedeutet es tröstende, stärkende Gewißheit. Unabhängig davon, wo wir uns befinden, "auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen."
Im N.T. versichert uns Jesus selbst: "Ich will dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen."11 Es gibt Zeiten, in denen wir uns in keiner Weise der Gegenwart Gottes bewußt sind, aber durch Seinen Heiligen Geist ist Er da. Unsere Umgebung mag finster erscheinen, aber "die Finsternis würde vor dir nicht verfinstern...." Jeder von uns bedarf der Pflege einer inneren Sensibilität gegenüber dem Heiligen Geist, die nicht von äusseren Empfindungen abhängig ist. Wenn unsere Sinne uns nichts über Seine Gegenwart sagen oder Ihn auch zu negieren scheinen, sollte es ein Bereich im Innersten unseres eigenen Geistes geben, worin wir uns ununterbrochen der Gegenwart des Heiligen Geistes bewußt sind. Erst dann werden wir umfassender verstehen, weshalb Ihm die Bezeichnung "der Tröster" 12 oder "der Helfer" anhaftet. 13 Gibt es denn ein passenderes Briefende als unseren gemeinsamen Dank gegenüber dem Vater und dem Sohn, dass sie uns den Heiligen Geist gesandt haben? Wollen wir dies gemeinsam tun!
In meinem nächsten Brief werde ich über den Dienst des Heiligen Geistes in der Gemeinde sprechen. Herzlich verbunden in Jesu Dienst
Derek Prince
1 Offenbarung 4,8
2 Matthäus 10,30
3 Jona 4,6-7
4 Hebräer 4,13
5 Johannes 6,69
6 Johannes 6,70-71
7 Johannes 13,21-30
8 Offenbarung 21,6
9 Römer 8,29
10 2 Petrus 3,9
11 Hebräer 13,5
12 Johannes 14,26
13 Johannes 14,26
Zum erweiterten Studium empfehlen wir das Buch Der Heilige Geist in Dir.
Quelle: Internationalen Bibellehrdienst






