Dirk Koeppe: Gottesbeweise

Daraus resultieren weitere Denkweisen und Verhaltensweisen. Im Namen eines Gottes wurden und werden Kriege geführt, im Namen eines Gottes wurden und werden Leben gerettet. Daher kann diese Frage wohl als eine der wesentlichsten Fragen der Menschheit angesehen werden.
Weiterhin ist die obige Frage in einer durch die Aufklärung und Naturwissenschaft geprägten Gesellschaft geradezu brandaktuell. Es ist eine Gesellschaft, in der es ein Nebeneinander von Denksystemen gibt, die, solange diese gegenseitig als eine Möglichkeit von vielen hingenommen werden, als akzeptabel gelten. Ob im jeweiligen Denksystem der Begriff "Gott" auftaucht oder nicht, scheint dabei zweitrangig zu sein, soweit eben die gegenseitige Akzeptanz aufgebracht wird. Umso wichtiger ist es aber, in diesem Wust von Glaubensrichtungen eine Klarheit zu schaffen, ob letztlich der Glaube an einen Gott genauso richtig ist wie das atheistische Zeugnis. Dahinter steckt die Frage nach der Wahrheit, die im Sinne von "Wirklichkeit ist Wahrheit" auch von derselben Motivation betrieben wird, die den Naturwissenschaften zu eigen ist.
Diesbezüglich wird davon ausgegangen, dass es die Möglichkeit der Wahrheitsfindung gibt und sich die Wahrheit unter anderem durch logische Schlussfolgerungen und Indizienführungen erkennen bzw. erahnen lässt. Dies aber auch nur unter der Einschränkung, dass der Mensch ein beschränktes Wesen ist, das zwangsläufig auch nur zu beschränkten Aussagen kommen kann.
B. Die Beweisbarkeit Gottes
I. Was ist ein Beweis?
Gefragt wird nach der Beweisbarkeit Gottes. Dies impliziert den Begriff "Beweis".
Mit einem Beweis soll ein tatsächliches Geschehen der Vergangenheit oder Gegenwart bestätigt werden. Dafür gibt es verschiedene Arten des Beweises.
Im deutschen Rechtssystem gibt es folgende Arten von Beweisen, die je nach ihrer Qualität unterschiedlich bewertet werden müssen: Augenscheinsbeweis, Zeugenbeweis, Sachverständigenbeweis, Urkundenbeweis, z.T. auch die Einlassung eines Beschuldigten im Strafprozess. Bekannt ist hier auch der Begriff des "Indizienbeweises", was beinhaltet, dass aufgrund einer gewissen Wahrscheinlichkeit und durch Schlussfolgerungen ein Urteil gefällt wird, ohne den schlagenden Beweis zu haben.
Der Beweis im naturwissenschaftlichen Sinne ist hingegen an eine Reproduzierbarkeit geknüpft. Ein bestimmter Vorgang muss also unter Beobachtung und unter gleichen Umständen stets gleich ablaufen, um als Beweis gelten zu können. Wissenschaftlich betrachtet kann es dennoch nur um Arbeitshypothesen gehen, da zumindestens die theoretische Möglichkeit besteht, dass eine Beobachtung revidiert werden muss.
Im Rahmen dieser kurzen Differenzierung zum Begriff des Beweises wird deutlich, dass eine Beweisbarkeit Gottes schon an der Verwendung eines bestimmten Beweisbegriffes scheitern kann. Um es platt zu formulieren: " Ist Gott reproduzierbar?"
Diese einfach gehaltene Frage verdeutlicht, dass eine bestimmte Vorangehensweise bestimmte Ergebnisse von vornherein ausschließen kann. Die Antwort auf die eben gestellte Frage wird wohl sein: "Gott ist nicht reproduzierbar, da er auch nicht produzierbar ist."
Das heißt, dass eine Beweisbarkeit im naturwissenschaftlichen Sinne bei der Frage nach Gott scheitern muss, da die Voraussetzungen so eng gefasst sind, dass sie das Größere nicht ergreifen können. Dennoch mag es hilfreich sein, naturwissenschaftliche Erkenntnisse anzuwenden und auch auf naturwissenschaftliche Arbeitsweisen zurückzugreifen.
Mit dem Zurücktreten der Art des naturwissenschaftlichen Beweises treten umso stärker andere Beweismöglichkeiten hervor. Dies sind grundsätzlich die im deutschen Rechtssystem gültigen Beweisarten.
Der Augenscheinsbeweis wird vom Untersuchenden selbst geführt. Das heißt, es wird das als Beweis herangezogen, was selbst mit den körperlichen Sinnen wahrgenommen werden kann.
Der Zeugenbeweis stützt sich auf die Erlebnisse anderer Personen, welche diese mit ihren Sinnen erlebt haben.
Der Sachverständigenbeweis ist wohl der Beweis, der sich dem naturwissenschaftlichen Beweis am meißten annähert. Hier wird nach dem Urteil eines fachkundigen Experten gefragt, der bezüglich des zu untersuchenden Themas überdurchschnittlich viel Wissen und Erfahrung sammeln konnte.
Der Urkundenbeweis orientiert sich am Vorhandensein von Dokumenten, die bestimmte Geschehnisse darstellen und somit auch als "Textzeugen" herangezogen werden können.
Letztlich gibt es noch die Einlassung eines Beschuldigten im Strafprozess, die im eigentlichen Sinn kein Beweismittel darstellt, aber benutzt werden kann, um anderes Beweismaterial zu stärken bzw. zu erlangen.
Die Bedeutung dieser Beweisarten hängt stark von ihrer jeweiligen Qualität ab, womit also auch nach der Zuverlässigkeit des Beweises gefragt wird.
Unter den genannten Gesichtspunkten kann nach der Beweisbarkeit eines Gottes geforscht werden, da es die Möglichkeiten der Beweisführung zulassen, eine Wahrscheinlichkeit zu begründen, aufgrund derer ein Urteil möglich sein kann.
II. Gott
Wenn nach der Beweisbarkeit Gottes gesucht wird, dann muss eine weitere Prämisse eingebaut werden, die mit dem Verständnis des Wortes "Gott" zusammenhängt.
Es ist bekannt, dass das Wort "Gott" nicht nur verschiedene Asoziationen aufweckt, sondern tatsächlich verschiedenste Glaubensrichtungen ihren Inhalt und ihre Form vom jeweiligen Gottesverständnis beziehen.
Zur Verdeutlichung: Wird nur nach einem Gott gefragt? Oder wird die Möglichkeit vieler Götter ebenfalls in Betracht gezogen? Welche Grundannahmen werden von "Gott" erwartet? Nach welcher Art von Gott wird gesucht?
Je nach Umschreibung des Begriffes "Gott" wird das Feld der Beweissuche eingeschränkt oder geweitet. Für antike Völker konnte schon eine Holzstatue ein Gott sein. Hier wäre ein "Gottesbeweis" schnell erbracht. Man würde lediglich nach der Handlungsfähigkeit dieses Gottes fragen. Oder wird vorausgesetzt, dass dieser Gott unsichtbar ist und ein Teleskop von vornherein unbenutzt bleiben darf?
Die Schwierigkeit liegt darin, dass je nach Gottesverständnis bestimmte Beweismethoden nicht oder nicht voll zur Anwendung kommen, obwohl sie möglicherweise einen wichtigen Beitrag liefern könnten.
Dennoch scheint es gewisse Übereinstimmungen einer Sichtweise von Gott zu geben.
Einigkeit besteht darin, dass Gott übermenschliche Fähigkeiten hat und letztlich Nicht-Mensch ist. Damit wird gesagt, dass Gott anders als der Mensch ist und in gewisser Weise über dem Menschen steht. Gott ist das Höhere, das Andere, das Unfassbare.
Ob es sich dabei um den Gott Israels handelt oder um eine der vielen hinduistischen Gottheiten oder um etwas noch ganz anderes, ist somit nicht festgeschrieben.
III. Möglichkeit der Beweisbarkeit
Wenn Gott aber das Übermenschliche ist, dann beinhaltet es die Möglichkeit, dass Gott nicht fassbar, d.h. nicht beweisbar ist. Dies ist das Risiko der Suche.
Problematisch ist es im Hinblick auf die Unfassbarkeit Gottes, dass der Mensch lediglich eingegrenzte Sachen/ Personen erfassen kann. Es scheint nahezu unmöglich, etwas zu definieren, was schon von der Begrifflichkeit undefinierbar sein muss. D.h., das Unfassbare kann nicht mit Worten und Sinnen erfasst werden. Deshalb muss in Anerkennung dieser Beschränkung vielleicht eher vom "Ahnen" als vom "Begreifen" gesprochen werden. Ob sich die Suche dennoch lohnt, sollen die weiter unten aufgeführten Gedanken zeigen ("C. Die Beweise").
Das Risiko der Suche gilt auch für das "Wie" des Erkennens. D.h. wie können wir Gott eigentlich erkennen? Diese Frage der Erkenntnislehre soll hier nicht vertieft erörtert werden. Deshalb wird nur darauf hingewiesen, dass in Verbindung mit der Idee des Seins und dem Prinzip der Widerspruchslosigkeit die Wirklichkeit mit Hilfe der Logik wenigstens teilweise erkannt werden kann. Die Logik, die mit dem Sein zusammentrifft, zeigt also den Weg des "Wie" auf.
Wenn hier von Wirklichkeit im Zusammenhang mit Gott gesprochen wird, dann wird bei der Suche nach Gott vorausgesetzt, dass dieser Gott (oder auch: die Götter), wenn er denn irgendwie Interesse an der Welt hat, mit der Wirklichkeit in Berührung stehen muss. Wenn eine Beziehung zwischen dem unfassbaren Gott und der fassbaren Welt nicht gegeben ist, dann lohnt sich das weitere Nachdenken über eine Gott-Existenz nicht. Denn ein Gott, der in der Wirklichkeit keine Spuren hinterlässt, kann auch für den Menschen nur unfassbar und irrelevant sein.
IV. Zwischenbilanz
Es wurde festgestellt, dass Indizien genügen können, um eine Wahrscheinlichkeit begründen zu können - eine Wahrscheinlichkeit, die für oder gegen die Annahme eines Gottes spricht. Unter dieser Voraussetzung darf sich der beschränkte Mensch auf die Suche nach Gott machen - stets in dem Bewusstsein, dass mit menschlicher Sprache, die begrenzt ist, ein Wesen erfasst werden soll, das wohl unbegrenzt ist.
C. Die Beweise
I. Die Ordnung der Welt - der teleologische Gottesbeweis
Es ist beobachtet und beschrieben und letztlich täglich selbst erlebt, dass dieser Welt eine Ordnung inne wohnt. Der durchschnittliche Tag in unseren Breitenkreisen ist vom Wechsel Tag - Nacht geprägt. In anderen Breitenkreisen mag sich der Begriff Tag ein wenig dehnen, und doch gibt es auch dort einen regelmäßigen Wechsel. Andere Ordnungen sind der Wechsel der Jahreszeiten, der gleichmäßige Herzschlag eines gesunden Menschen, die Flugformationen mancher Vogelschwärme. Auch die Genetik erkennt selbst in kleinsten Bausteinen des Menschen eine Ordnung, die so kompliziert und umfangreich aufgebaut ist, dass die genetischen Informationen eines einzigen Menschen 1000 Bände mit je 500 Seiten füllen würden, wenn man sie in Buchstaben und Begriffe formulieren würde. Die Beispiele ließen sich noch wesentlich ausweiten und verdeutlichen nur das von uns Erlebte: das Leben hat eine Ordnung inne, die auch die winzigsten Elemente des Daseins bestimmt.
In diesem Zusammenhang taucht dann die Frage auf, woher diese Ordnung kommt. Was ist die Quelle für diese Ordnung?
Dazu gibt es letztlich nicht viele Erklärungsmodelle. Grob gesagt, gibt es auch hierzu drei grundsätzliche Denkmöglichkeiten. Das ist die atheistische, die agnostische und die religiöse Sichtweise.
Die atheistische Sichtweise würde den Begriff des Zufalls heranziehen. Die Welt samt ihrer Ordnung sei zufällig entstanden. Aus dem Nichts. Die Weltentstehung habe nichts mit einem Gott zu tun.
Würde das Wort "Zufall" lediglich so definiert werden, dass etwas geschehen ist, dass man so nicht hervorgesehen hat bzw. dass man sich nicht erklären kann, dann mögen sich darin viele Menschen mit ihrem Denken identifizieren können, da das Wort "Zufall" von einer Entscheidung hinsichtlich einer Gott-Existenz nicht zwangsläufig abhinge.
Die atheistische Anschauung aber meint mit dem Begriff des Zufalls wesentlich mehr. Zufall heißt dort, dass hinter dieser Ordnung im Kern keine andere Ordnung steckt. Es gibt nach dieser Ansicht keine übermenschliche Intelligenz, d.h. göttliche Intelligenz. Ausgangspunkt dieser Welt sei das Chaos. Also die wahrnehmbare Ordnung sei durch Chaos entstanden.
Schwierig ist an der atheistischen "Zufallslösung", dass im Kern eine naturwissenschaftliche Aussage getroffen wird, die so nicht beobachtet wird. Die Aussage, das sich das Sein aus dem Nichtsein erschafft bzw. dass Unordnung von selbst Ordnung schafft, entspricht keiner anderen Beobachtung. Die atheistische Sichtweise bemüht sich somit Erklärungen zu bringen, die aber wissenschaftlichen Untersuchungen nicht standhalten.
Der Agnostiker würde sich wahrscheinlich daran halten, dass der letzte Ursprung der Welt nicht erkennbar sei, weil damit eben auch eine religiöse Frage auftaucht: der Agnostiker müsste einen bewussten Glaubensschritt wagen, den er aber aus Gründen der Nichtnachweisbarkeit nicht tut. Eine Nichtentscheidung mag ehrenwert sein, hilft hier aber nicht weiter. Zumal auch die Entscheidung, sich nicht festlegen zu wollen, eine Entscheidung ist.
Die religiöse Sichtweise stellt fest, dass der Welt eine Präzision innewohnt, die einen dahinterliegenden Plan einer höheren Intelligenz vermuten lässt. Die Reflexion über die Welt könne einen Gott als Ursprung aufweisen. Bestärkt sieht sich diese Sichtweise darin, dass alle anderen Erklärungsmodelle keinen nachweisbaren Sinn ergäben. Wenn natürliche Erklärungen nicht fruchten, dann erscheint der Rückgriff auf eine übernatürliche Lösung naheliegend.
Trotz gleicher Beobachtung, die eine grundlegende Ordnung dieser Welt feststellt, sind verschiedene Sichtweisen möglich. Der Agnostiker zieht sich bei der Bewertung der Beobachtungen letztlich zurück, der Atheist stellt eine These auf, die vom Prinzip her nie wissenschaftlich bestätigt wurde und der Gottgläubige liefert eine Erklärung, die zwar durch keine Beweismethode bestätigt werden kann, da sich der Ursprung der Welt unserem Erleben entzieht, die aber nachvollziehbar ist. Die Schöpfung kann daher als ein Zeichen auf Gott hin gedeutet werden, ohne dass dies im krassen Widerspruch zu den gängigen naturwissenschaftlichen Beobachtungen stehen würde.
II. Gesetz von Ursache und Wirkung - der kosmologische Gottesbeweis
Im Zusammenhang mit der Ordnung der Welt taucht auch ein logisches Argument auf, das hier explizit aufgeführt wird, weil es nicht nur naturwissenschaftlichen, sondern auch einen philosophischen Charakter hat. Die Logik unternimmt folgende Gedankengänge:
1. Alles, was entsteht, hat eine Ursache.
2. Die Welt ist entstanden.
3. Die Welt hat eine Ursache.
Die Logik kommt also zu dem Schluss, dass hinter der wahrzunehmenden Welt-Ordnung eine letzte Ursache stehen muss, die selbst Ordnung ist. Oder religiös formuliert: Gott ist die Ursache.
Ein anderer Gedankengang der Logik sieht folgendermaßen aus:
1. Es ist ein Unterschied zwischen Sein und Nichtsein. Beides ist nicht deckungsgleich.
2. Gleiches kann nur Gleiches hervorbringen. Es ist eine vielfach erfahrene Tatsache, dass aus einer Materie nur die gleiche Materie verursacht werden kann, es sei denn, der ersten Materie wird eine weitere andersartige Materie hinzugefügt. Simpel gesagt: Wasser kann nur Wasser "hervorbringen", aber Wasser kann nicht ohne weiteres zu Wein werden. Oder anders: Sein kann nur Sein hervorbringen, aber Nichtsein kann nicht Sein verursachen.
3. Diese Welt hat eine Ordnung.
4. Ordnung kann nur durch Ordnung hervorgerufen werden.
5. D.h. die Ordnung der Welt wurde durch eine andere Ordnung verursacht.
Kritiker mögen einwenden, dass die Logik eine menschliche Art des Denkens ist, die sich mit der Wirklichkeit aber nicht decken muss. Grund dieser Skepsis ist die Erkenntnis, dass die Reichweite unserer Vernunft beschränkt ist. Also: Woher wissen wir, dass wir richtig denken?
Die Antwort wird sich wohl darauf erstrecken, dass sich die menschliche Art des Denkens nicht von der Wirklichkeit losgelöst entwickelt hat, sondern durch die Wirklichkeit geformt wurde. Die Logik zu verneinen hieße, dass alles bedeutungslos wäre - sogar die Bedeutungslosigkeit wäre bedeutungslos und selbst Sprache würde sinnlos sein. Die Logik ist somit das Werkzeug, mit dem wir uns die Wirklichkeit "erarbeiten" können.
III. Die Sehnsucht
Eine weitere Beobachtung ist die, dass fast jeder Mensch, um nicht zu sagen jeder Mensch, das Verlangen nach etwas Höherem hat. Das Höhere, das über den Menschen hinausgeht, ist eine Sehnsucht im Menschen, womit es sich hierbei um eine psychologische Sichtweise handelt. Der Großteil der Weltbevölkerung bekennt sich zu einem Gottglauben bzw. Götterglauben. Manche sehen darin eine Art historischen Gottesbeweis. Lediglich ein geringer Anteil der Menschheit, der durch die Aufklärung und den Atheismus geprägt ist, hat sich vom reinen Gottglauben verabschiedet, aber sucht in der Regel auf andere Weise Ersatz. Ideologien und manche philosophischen Systeme treten dann an die Stelle des Gottglaubens. Und selbst wenn mancher meint, keinem bestimmten Glauben anzuhängen, so fängt oft auch der ganz rational geprägte Mensch in Notzeiten zu Beten an oder schielt heimlich zu einem angeblichen Glücksbringer. Wieso ist dieses Bedürfnis nach dem Höheren dem Menschen innewohnend?
Manche mögen den Glauben an einen Gott für das Produkt einer Einbildung halten. Sie meinen, dass sich Menschen wegen ihrer Sehnsucht einen Gott projezieren, der tatsächlich nicht existent ist.
Diese Annahme ist aber genauso stark oder schwach beweisbar wie die These, dass sich etliche Menschen wünschen, dass da kein Gott ist und daher die Existenz Gottes leugnen. Projektionen können eben in Richtung unserer Wünsche, aber auch unserer Ängste gehen.
Die Vertreter der letztgenannten These untermauern ihre Ansicht, dass die Sehnsucht des Menschen nach etwas Höherem ein Indiz für die Realität Gottes ist, damit, dass jede andere Sehnsucht des Menschen in der Wirklichkeit ihr Gegenüber hat. Angefangen vom Bedürfnis nach Essen und Trinken bis hin zum Bedürfnis nach Anerkennung bzw. Zärtlichkeit. Für den Hunger und Durst gibt es tatsächlich Nahrung. Für das weniger stoffliche Bedürfnis nach Anerkennung gibt es andere Menschen, die trotz aller Destruktivität zum Loben und Schulterklopfen fähig sind. Und, so wird argumentiert, für das Bedürfnis nach etwas Höherem gibt es Gott. Gott habe den Menschen so angelegt.
Auch dieses Argument kann lediglich als Indiz herangezogen werden, da es zwar Schlussfolgerungen zulässt, aber nicht zwingend auf eine Tatsache der Existenz Gottes hinweist.
IV. Das Denken - der ontologische Gottesbeweis
Verwandt mit dem menschlichen Streben nach dem Höheren ist der ontologische Gottesbeweis, da auch er im Menschen verankert ist. Dieser geht davon aus, dass, wenn ein vollkommenes Wesen als Idee denkbar ist, dann muss es dieses Wesen auch geben.
Zwar ist in diesem Zusammenhang die Frage berechtigt, wie es im Menschen dazu kommt, dass er ahnende Vorstellungen von Vollkommenheit haben kann, doch scheint der ontologische Gottesbeweis von Anselm von Canterbury einen wichtigen gedanklichen Haken zu haben: Die Vorstellung eines "Etwas" bedeutet nicht, dass es dieses "Etwas" auch gibt. Beispielhaft gesagt: Nur weil Menschen sich Monster-Außerirdische ausdenken, muss es sie nicht zwangsläufig geben. Anselm von Canterbury setzte bei seiner These wohl die Existenz Gottes voraus, was aber letztlich auf einen Zirkelschluss hinausläuft. Als Beweis ist der ontologische Gottesbeweis kaum haltbar.
V. Das moralische Empfinden - der moralische Gottesbeweis
Der moralische Gottesbeweis stellt fest, dass nahezu allen Menschen ein Gewissen gegeben ist und dass das menschliche Empfinden für Recht und Unrecht ein Beweis für eine höhere moralische Instanz ist.
Natürlich weist auch diese These Schwierigkeiten auf. So sind schon die Begriffe der Moral und des Gewissens interpretationsbedürftig. Die Menschheit mit ihren Geschichten von Kriegen und Folterungen könnte ebenso als Beispiel für eine Gewissenslosigkeit herangezogen werden.
Dennoch wird es nicht abstreitbar sein, dass jede menschliche Kultur einen gewissen Sittenkodex hat. Die Überschreitung dieses Kodex dürfte stets als unmoralisch gelten. Solch ein Sittenkodex zeigt zumindestens, dass ein Bewusstsein für Recht und Unrecht gegeben ist.
Auch hier entsteht die Frage nach dem Grund der Moral. Manche deuten den Grund für einen Sittenkodex evolutionistisch. Kurz formuliert heißt das: Weil der Mensch nur in Gemeinschaft mit anderen Menschen überlebt, muss es ein Mindestmaß an Einigkeit geben, damit das Überleben gesichert ist. Moral ist hier also rein zweckgebunden und dient nur der Existenzsicherung. Problematisch ist diese Sichtweise bei Phänomenen, die mit der eigenen Überlebenssicherung nichts zu tun haben: Wenn Menschen anderen Menschen helfen, ohne denen es dem Helfenden besser gehen würde. Die Spitze ist die Feindesliebe, die zwar selten praktiziert wird, aber nicht unbekannt ist. Berühmte Persönlichkeiten sind u.a. Jesus von Nazareth, Mutter Teresa, Gandhi mit der gewaltfreien und auf Rache verzichtenden Revolution und viele Namenslose. Wie sind solche ethischen Handlungen evolutionistisch zu erklären? Der eigenen Existenzsicherung dient die Feindesliebe nicht, eher sogar der Existenzaufgabe.
Ein verbreiteres Phänomen ist, dass der Einzelne oft aufschreit, sobald ihm Unrecht widerfährt. Das mag großes Leid sein, äußert sich aber auch im Alltag: Der Passant, dem die Bustür nicht mehr geöffnet wird, obwohl der Passant doch so schnell zum Bus gerannt ist, fühlt sich oft benachteiligt bzw. zu Unrecht ausgestoßen. Sofort flammt ein Bewusstsein von Recht und Unrecht auf, das wiederum ein Kennzeichen des Gewissens ist. Und das, obwohl die verhinderte Busfahrt grundsätzlich nichts mit dem persönlichen Überleben zu tun hat. Das war nur ein alltägliches Beispiel von vielen, die eine rein evolutionistische Sichtweise der Moral äußerst zweifelhaft erscheinen lassen. Somit kommen auch die Vertreter der Evolution an ihre Grenzen.
Auch die Befürworter des moralischen Gottesbeweises vertreten letztlich nur eine These, die im Endzug nicht bewiesen werden kann. Aber ein Gott als letzte Ursache für Moral ist wenigstens eine Erklärung, die schlüssig, aber ebenfalls nicht zwingend ist.
D. Zwischenbilanz
Die oben genannten Hinweise von der Ordnung der Welt, über die logische Herangehensweise bis hin zum Bereich der Sehnsüchte des Menschen und all die weiteren Denkansätze zeigen Folgendes auf:
Es ist nicht zwingend, von einem Gott auszugehen. Es gibt andere Denkmöglichkeiten, die hier nur kurz angerissen wurden. Die Gottesbeweise entpuppen sich grundsätzlich nicht als Beweise, weder im naturwissenschaftlichen Sinn noch in einem anderen Sinn.
Aber diese Hinweise sind zusammengenommen eine gute Basis, um die nicht nur geringe Wahrscheinlichkeit zu begründen, dass es einen Gott gibt.
Der Gottglaube ist demnach wenigstens genauso vernünftig wie die Leugnung einer Gott-Existenz. Je nach Bewertung der Überlegungen kann sogar von einer Wahrscheinlichkeit für die Annahme eines Gottes ausgegangen werden, die höher ist als die Nichtexistenz eines Gottes. Das übernatürliche Erklärungsmodell kann die einzelnen Indizien sinnvoll verknüpfen. Die Vertreter der Gottesbeweise haben letztlich eine mehr oder weniger stichhaltige These anzubieten, während die argumentativen Gegner oft mit leeren Händen dastehen oder an ihre Grenzen stoßen.
Und doch bliebe für die Gottesanhänger die Frage nach dem Wesen des Gottes bzw. der Götter. Ist es nur ein Gott? Sind es mehrere Götter? In welcher Beziehung steht dieser Gott zu den Menschen? Ist dieses Wesen kühl-distanziert oder leidenschaftlich liebend?
Allein das Wissen bzw. Erahnen eines göttlichen Wesens begründet noch keinen Grund für menschliche Verhaltensweisen.
E. Die christliche Antwort
Im ersten Teil dieser Abhandlung wurde ansatzweise aufgezeigt, dass das Wesen des möglicherweise existenten Gottes durch das reine Beobachten der Welt, der Vernunft und der Seele nicht entblößt werden kann. Selbst wenn ein Gott existiert, bleibt doch die Frage nach seinem Wesen. Daher ist es naheliegend, in den Weltreligionen nachzufragen, die sich "professionell" mit dem Gottglauben auseinandersetzen.
Die Weltreligionen geben zum Gottwesen unterschiedlichste Antworten. Da gibt es die Möglichkeit, dass Krishna Gott ist, der unter anderem Jugendabenteuer mit Hirtinnen gehabt haben soll. Oder auch Allah könnte Gott sein, der dem Menschen die Erlösung schenken kann, wenn der Mensch genügend gute Werke vorzuweisen hat. Aber nahezu allen Glaubensrichtungen ist eines gemeinsam: selbst der jeweilige Religionsstifter verweist auf das höhere Wesen. Mohammed zeigt auf Allha und den Koran. Buddha zeigt auf den edlen achtfachen Pfad. Die Erzväter Israels verweisen auf Jahwe.
Und darin unterscheidet sich das Christentum. Denn Jesus Christus verweist auf sich selbst, wenn er unter anderem sagt: " Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." (Johannes 14,6)
Aufgrund dieses für viele Menschen gewagten Anspruches ist es berechtigt, die christliche Gottesvorstellung näher zu betrachten und diese einer Prüfung zu unterziehen. Diese Prüfung wird nur knapp abgehandelt, um das Wesentlichste darzustellen.
I. Beweisbarkeit Gottes durch das Christentum
1. Die Bibel
Die Bibel ist das Buch, in dem Menschen ihre Gotteserfahrungen niedergelegt haben. Viele Bücher der Bibel stammen aus erster Hand, andere wurden erst spätere Zeit schriftlich festgehalten. Hier tauchen also Menschen auf, die für sich in Anspruch nehmen, dem Schöpfergott begegnet zu sein. Die Bibel ist also Urkundsbeweis und Zeugenbeweis in einem.
Dabei taucht zuerst die Frage auf, ob diese überlieferten Berichte denn historisch zuverlässig sind, d.h. ob der Beweis glaubwürdig und glaubhaft ist.
Auffällig ist in diesem Rahmen das umfangreiche Textmaterial, das aus vergleichsweise früher Zeit vorhanden ist. Es sind Fragmente und vollständige Abschriften, die recht nah an den berichteten Ereignissen dran sind. Vom Neuen Testament existieren fast 25.000 Manusskripte aus den ersten Jahrhunderten in verschiedenen Sprachen. Damit ist das Neue Testament so gut bezeugt, wie kein anderes antikes Dokument. Durch die vielen Übersetzungen und andere Methoden der Abschriftfertigung ist der heutige Text des Neuen Testamentes gesichert. In der gesamten Überlieferungskette kam es nicht zu strittigen Lesarten hinsichtlich grundlegender christlicher Lehren. Hinzu kommen außerbiblische Dokumente, die teilweise sogar von christenfeindlichen Autoren geschrieben wurden, die aber wichtige Elemente, wie z.B. die Existenz Jesu bestätigen. Archäologische Entdeckungen zeigen, dass biblische Angaben zu Orten und Völkern und Einzelpersonen der Wirklichkeit entsprechen. Dabei ist Jerusalem wohl noch die bekannteste Stadt, die in der Bibel erwähnt ist und heute noch existiert. Die Festung von Gibea, der Festung Sauls, wurde ausgegraben, archäologische Hinweise bestätigen die Existenz von Sodom und Gomorra und viele andere biblische Berichte werden durch die Archäologie gestützt. Damit kann die Bibel eine Glaubwürdigkeit für sich in Anspruch nehmen wie kein anderes Buch der Antike. Die Versuche, die Bibel in ein schlechtes Licht zu rücken, sind mitunter nicht sachgemäß und von starker Polemik geprägt. Ein Beispiel dafür ist in der Zeitschrift "Der Spiegel" Nr.52/ 21.12.2002 zu finden. Es werden oft Thesen aufgestellt, die mangelndes biblisches Wissen aufzeigen. Sachlichere Kritik orientiert sich oft an einzelnen Versen der Bibel, von denen manche unterschiedlich übersetzt werden und gedeutet werden können. Manche Diskussionen entbrennen um Verfasser- und Datierungsfragen. Aber neben diesen kleineren Forschungsscharmützeln sind schlagende Argumente, die die Bibel im Kern vernichten könnten, bislang nicht aufgetaucht. Die Bibel ist somit tauglich, um als Dokument und als Textzeuge herangezogen zu werden.
2. Jesus
In der Bibel wird von Jesus, dem Christus berichtet. Die Geschichtlichkeit von Jesus aus Nazareth wird von Wissenschaftlern heute nicht mehr ernsthaft bestritten. Jesus Christus wird als Sohn Gottes und gottgleich beschrieben. Aber diese Identität mit Gott wird ihm nicht nur von seinen Nachfolgern in den Mund gelegt, sondern nach Aussage der damaligen Zeugen hat Jesus die Gott-Identität für sich vorausgesetzt. Seine Taten und Worte weisen unzweifelhaft daraufhin: Er vergab anderen Menschen ihre Verfehlungen, was nach jüdischem Verständnis nur Gott zuteil kommen konnte. Jesus ließ sich von Menschen anbeten und verwies auf sich als Mittler zwischen Menschen und Gott, dem Vater. Also alles Verhaltensweisen, die auf eine extreme Exklusivität hinweisen, die durch eine denkbare nachträgliche Legendenbildung nicht erklärt werden können, da diese im Rahmen des Neuen Testamentes nicht stattgefunden hat.
Die Göttlichkeit Jesu Christi ist wohl der größte Anstoß, den man an ihm haben kann. Solange er nur als Morallehrer oder guter Mensch, als Rebell oder Prophet gesehen wird, findet man nahezu nur entgegenkommende Reaktionen. Doch die Einheit Jesu mit Gott ist vielen ein Dorn im Auge und verdient daher eine weitere Betrachtung.
3. Jesu Göttlichkeit
Es kann festgehalten werden, dass die Bibel zuverlässig überliefert wurde und Jesus eine Gestalt der Geschichte war. Fraglich ist aber, ob Jesus auch gottgleich war.
Laut der Textzeugen des Neuen Testamentes trifft dies unzweifelhaft zu. Ihre Verkündigung der Auferstehung des gestorbenen Messias ist ein Phänomen, das im Rahmen der damaligen jüdischen Kultur wohl beispiellos ist, aber gerade wegen dieser Einzigartigkeit so hervorsticht. Anders ist letztlich auch die rasante Entstehung der Kirche nicht zu erklären. Auch ist die Berichterstattung von Jesu Auferstehung im Vergleich zu antiken Mythen völlig frei von märchenhaften Verschmückungen, was auch für die Seriösität der Überlieferung spricht. Die Auferstehung Jesu ist deshalb von grundlegender Bedeutung, weil mit ihr der Gottesanspruch Jesu steht und fällt. Alle Theorien, die bislang angeführt wurden, um das Zeugnis der Auferstehung zu eliminieren, scheitern an entsprechenden Hinweisen, geschweige denn Beweisen. All diesen Leugnungstheorien ist auch gemeinsam, dass sie einer genauen Betrachtung nicht standhalten. Ob es die Ohnmachtstheorie ist, die den Gekreuzigten als nur ohnmächtig geworden abstempelt, aber spätestens dann ins Rudern gerät, wie ein Halbtoter als Auferstehungssieger erscheinen soll, der seine Jünger so motiviert, dass sie für ihn den Märtyrertod sterben. Oder die Halluzinationstheorie, die aus den genau beobachtenden Jüngern wie Lukas und Johannes Menschen macht, die zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten mit allen anderen Jüngern eine Massenhalluzination vom Auferstanden gehabt haben sollen. Oder die altjüdische Diebstahlstheorie, die von einem Diebstahl des Leichnams Jesu durch seine Jünger ausgeht, aber eigentlich nicht erklären kann, warum sie das getan haben sollten, geschweige denn, warum sie sich dann für eine selbst erfundene Lüge haben hinrichten lassen.
Die Auferstehung Jesu Christi lässt sich durch natürliche Erklärungen gar nicht oder nicht befriedigend deuten. Woher kam dann aber die Botschaft der Auferstehung?
Es muss erinnert werden, dass die Juden streng monotheistisch waren. Die Jünger Jesu waren selbst Juden und wussten, dass der Glaube an einen gottgleichen Menschen lebensgefährlich war, da auch ihr Herr gekreuzigt wurde. Warum verkündeten sie dennoch die Auferstehung Jesu, wenn sie wussten, dass darauf Strafe folgen würde? Was war das ausschlaggebende Ereignis, das sie letztlich in den Märtyrertod trieb?
Ähnlich wie bei den Erörterungen zu den klassischen Gottesbeweisen kommen die Vertreter natürlicher Erklärungen (z.B. Ohnmachtstheorie, Diebstahlstheorie etc.) an ihre Grenzen. Diesen Erklärungen ist gemeinsam, dass mancher Gedankenansatz gut ist, aber einer näheren Überprüfung nicht standhält.
Es bleibt der Schluss, dass die Auferstehung einen übernatürlichen, d.h. einen göttlichen Ursprung hat, was wiederum den Anspruch Jesu auf seine Gott-Identität untermauert. Will man den Gottesanspruch Jesu negieren, muss man die Auferstehung Jesu "wegschaffen". Das hat seit den ersten jüdischen Diebstahlsgerüchten im 1./2. Jahrhundert bis heute nicht funktioniert. Hinweise für die Realität der Auferstehung gibt es einige, Hinweise für ein belegtes Grab Jesu gibt es nicht.
Ein anderer Knackpunkt bei der Überlegung, ob Jesus tatsächlich Gott war bzw. ist, ist das Vorhandensein alttestamentlicher Prophetien, die auf den erwarteten Messias hindeuten. Nun mag nicht jede Prophetie des Alten Testamentes gleichermaßen geeignet sein, als Prophetie erkannt zu werden, doch genügen schon einige wenige messianische Angaben, die Jahrhunderte vor der Geburt Jesu Christu gemacht wurden, um die Exaktheit der Identität mit dem Leben Jesu zu erkennen. Diese Übereinstimmung kann nicht als bloßer Zufall abgetan werden, da schon die Erfüllung von acht Prophezeiungen in einer Person eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1017 hat, was also eine sehr große Unwahrscheinlichkeit begründet. Da es aber wesentlich mehr als nur acht Prophezeiungen auf den Messias hin gibt, und sich alle Vorhersagen in Jesus erfüllt haben, erscheint die Annahme eines Zufalls fast ignorant.
Beispielhaft sollen zwei Prophezeiungen aus dem Alten Testament angeführt werden:
" Und du, Betlehem Ephrata, du bist zwar klein, um unter den Hauptorten Judas zu sein; aber aus dir soll mir hervorgehen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Ursprung von Anfang, von Ewigkeit her gewesen ist." (Micha 5,1)
Die Erfüllung wird u.a. in Matthäus 2,1 beschrieben:
" Jesus wurde in Betlehem in Juda geboren."
Eine Prophezeiung, die sich auf den Tod Jesu bezieht steht u.a. in Jesaja 53,5:
"...aber er wurde durchbohrt um unserer Übertretung willen, zerschlagen wegen unserer Missetat; die Strafe, uns zum Frieden, lag auf ihm, und durch seine Wunden sind wir geheilt."
Hier die Erfüllung:
" Da gab er ihnen den Barrabas frei; Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kreuzigung." (Matthäus 27,26)
Schon bei diesen beiden Prophezeiungen, die Jahrhunderte vor Jesu Geburt aufgeschrieben wurden, verdeutlichen die große Unwahrscheinlichkeit einer Erfüllung. Denn wie soll ein Mensch Einfluss auf seinen Geburtsort nehmen können? Wie soll ein Mensch die Art seines Todes vorherbestimmen können (Selbstmord ausgeschlossen)? Wie soll ein Mensch auf beide Faktoren Einfluss haben?
Die Prophezeiungen, derer es wie gesagt noch etliche mehr gibt, stehen im Raum und bedürfen einer Erklärung. Die christliche Erklärung ist, dass die Prophezeiungen göttlichen Ursprungs sind und die Göttlichkeit Jesu bestätigen.
Neben der Auferstehung und den Prophezeiungen existiert der überlieferte Gottesanspruch von Jesus selbst. Durch Sätze wie "Wer mich sieht, sieht den Vater"(Johannes 14,9) oder "Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Johannes 3,16) und diverse andere Formulierungen fordert Jesus zu einer Entscheidung heraus. Er will nicht nur als Morallehrer gesehen werden. Er will, dass die Entscheidung für ihn ausfällt, was aber auch bedeutet, seine Göttlichkeit anzuerkennen.
Zu dieser Herausforderung kann nur ein Irrer, ein böswilliger Manipulator oder eben der Messias selbst rufen. Anzeichen für Geisteskrankheit oder Machtgelüste sind bei Jesus in den Evangelien nicht zu finden. Alles deutet auf das Gegenteil hin: Scharfsinn und Demut kennzeichnen sein Wesen. Was bleibt ist das Vertrauen auf seine Göttlichkeit.
II. Zusammenfassung der christlichen Sichtweise
Aufgrund der historischen Zuverlässigkeit des Textzeugens "Bibel" können die Gottesberichte der Bibel ernstgenommen werden. Eine Verdichtung findet dann im Neuen Testament hinsichtlich der Person Jesu Christi statt. Seine Auferstehung, die Prophetien und sein Charakter sind starke Indizien für die Existenz eines Gottes. Kann hier auch von Beweisen gesprochen werden? Wie schon besprochen, schafft der naturwissenschaftliche Beweisbegriff keine Klärung. Zieht man aber die anderen Beweismöglichkeiten wie den Urkundsbeweis und Zeugenbeweis heran, zusätzlich noch den Sachverständigenbweis für die historische Zuverlässigkeit der Bibel und die Einlassung Jesu selbst, dann bleibt Folgendes festzuhalten:
1. Die Bibel ist auf jeden Fall in wesentlichen Dingen zuverlässig.
2. Die Berichte über Jesus sind zuverlässig.
3. Die Auferstehung Jesu lässt sinnvoll nur eine übernatürliche Erklärung zu.
4. Die alten Prophetien finden Jahrhunderte später Erfüllung in Jesus Christus. Ebenfalls ein Indiz für ein übernatürliches Eingreifen.
5. Jesus Christus nimmt Göttlichkeit für sich in Anspruch.
Die christliche Sichtweise kann demnach auch als Gottesbeweis herangezogen werden, da die Wahrscheinlichkeit, dass die biblischen Behauptungen über Gott in Jesus Christus der Wirklichkeit entsprechen größer ist als alle anderen Erklärungsversuche.
Bemerkenswert an der christlichen Sichtweise ist weiterhin, dass durch Jesus Christus ein Gott dargestellt wird, der sich selbst im Menschen und daher menschlich offenbart, um von Menschen verstanden werden zu können. Man könnte von einer Art Selbstbeweis sprechen, indem Gott sich in seinem Namen und Wort gezeigt hat. Jesus Christus enthüllt den einen Gott und sein göttliches Wesen.
F. Schluss
Im Rahmen dieser kurzen Abhandlung über die Beweisbarkeit Gottes konnte festgestellt werden, dass es verschieden brauchbare Beobachtungen gibt, die auf die Möglichkeit der Existenz eines Gottes hinweisen. Ein "Gesicht" bekommt dieser Gott durch die christlichen Überlieferungen von Jesus Christus. Etliche Überlegungen, die hier nur angerissen wurden, führen zu dem Schluss, dass gerade das christliche Zeugnis dazu tauglich ist, auf einen Gott hinzuweisen und ihn trotz aller Unfassbarkeit auch darzustellen: Jesus Christus ist Gott. Der Annahme, dass allein der Beweis eines göttlichen Wesens keine zwingenden Folgen für das menschliche Handeln haben muss, wird von christlicher Seite entgegengetreten. Denn Jesus Christus fordert dazu auf, sich zu ihm zu stellen oder in der Ewigkeit getrennt von Gott zu sein. "Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Johannes 3,16).
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Ein Artikel von www.glaube.de
Eingereicht von Dirk Koeppe, Mitgleid bei Glaube.de
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