Dr. Arnd Kischkel: Der Weg zum wahren Licht

Das Geläut vom Kirchturm schien nicht direkt zur Christvesper einzuladen. Denn es war noch nicht Heilig Abend und der eine oder andere richtete erst noch den Weihnachtsbaum auf und schmückte ihn. Ein wenig war es verwunderlich, warum in dieser Vorbereitungszeit wohl schon die schönsten Glocken läuteten?
Ein Weihnachtsmann, wie man ihn so kennt, mit rotem Umhang, einer großen Kapuze und weißem Rauschebart erschien. Und er stellte seinen Sack mitten vor der Kirche auf dem Platz ab. Was hatte denn so ein Weihnachtsmann vor dieser Kirche und ihrem herrlichen Geläut zu suchen?
Er schien in seinem großen Sack zu kramen. Dann zog er behutsam ein ganze Reihe von Geschenken heraus, die er eigentlich an Kinder und auch Ältere verteilen wollte. Er breitete alles aus. Dann blickte er kurz in den abendlichen Himmel. An diesem funkelten zu dieser Zeit bereits einige Sterne und der Mond warf ein fahles Licht auf all das, was der Weihnachtsmann vor der Kirche abgestellt hatte.
Kurz darauf öffnete sich die große Flügeltür der Kirche und der Küster trat heraus. In seiner Hand hielt er ein brennendes Licht, das er vor der Kirche aufstellen wollte. Die erwarteten Besucher sollten den Weg gut finden und die Stufen zur Kirche sicher hochgehen können.
Der Küster sah noch, wie sich der Weihnachtsmann gerade davonstehlen wollte. "Hallo",rief er, "Weihnachtsmann! Sie haben ja ihre Sachen hier vergessen. Und ihr Sack ist ja ganz leer. Wollen sie denn so zu den Leuten gehen, die auf sie warten?"
Der Weihnachtsmann drehte sich um, dann zog er einen Zettel aus einer tiefen Tasche in seinem Mantel. Er wartete, bis der Küster mit seinem Licht an seiner Seite stand. Dann blickten beide auf den kleinen zerknitterten Zettel und lasen:
"Wenn du zu Gott, dem Allmächtigen, umkehrst, wird er dich aufrichten. Mach alles Unrecht wieder gut, das du zu Hause begangen hast! Wirf dein kostbares Gold weg, versenk es irgendwo im Fluss! Dann ist Gott selbst dein kostbarer Schatz, dann bedeutet er dir mehr als alles Gold und Silber.
Er wird die Quelle deiner Freude sein, und du kannst wieder zu ihm aufschauen.
Wenn du zu ihm betest, wird er dich erhören; und du wirst erfüllen, was du ihm in der Not versprochen hast.
Deine Pläne werden gelingen; hell strahlt das Licht über allen deinen Wegen!
Wenn andere am Boden liegen und du betest: 'Herr, stärke sie wieder!', dann wird Gott die Niedergeschlagenen aufrichten. Sogar einen schuldbeladenen Menschen wird Gott retten, weil du mit reinem Herzen für ihn gebetet hast (Hiob 22,23-30)!"
"Dies gab mir vor kurzem ein junger Christ. Ich wollte ihm gerade einen Apfel mit Zuckerguss in die Hand drücken. Aber er lehnte dankend ab und gab mir dieses Wort. Er sagte, wenn ich den wahren Schatz im Leben kennen würde, dann würde ich an Kinder und Jugendliche nicht irgendwelche Süßigkeiten verteilen, dann würde ich an sie etwas von Gottes Gaben austeilen."
Das Licht in der Hand des Küsters leuchtete, beide Männer schauten auf die Geschenke, die verstreut vor der Kirche lagen. "Ich wollte diese Sachen zur Kirche bringen", sagte der Weihnachtsmann. Ich hab es nicht fertig gebracht, sie in den Fluss zu werfen. Ich dachte mir, ich stelle sie vor der Kirche ab, dann wird sie jemand auf dem Weg zum wahren Licht und zur wahren Freude finden."
In diesem Moment kam dem Küster eine Idee. "Wie wäre es, wenn sie in unserem Weihnachtsgottesdienst den Besuchern davon erzählen, wie sie immer wieder junge Menschen beschenkt haben? Aber wie ihnen dies nicht wirklich Zufriedenheit schenken konnte. Und wie sie den Weg zur Kirche gefunden haben und Gott diese Geschenke gebracht haben."
Der Weihnachtsmann besann sich eine Weile, dann stimmte er zu. Als der Heilige Abend gekommen war, war wieder dieses klare, wundervolle Geläut zu hören und viele Menschen strömten zum Gottesdienst in die Kirche.
Um ein wirkliches Zeugnis zu geben, trat dann nach der Anbetung der ehemalige Weihnachtsmann noch einmal in seinem roten Mantel und seinem großen Rucksack vor die Gemeinde. Und Jung und Alt staunten nicht schlecht, wie sie ihn vor dem Altar stehen sahen.
"In jedem Jahr zu Weihnachten habe ich mir diesen Mantel angezogen und habe an viele Menschen Geschenke ausgeteilt. Viele haben kurz ´Danke´ gesagt, aber viele haben mich auch gefragt, ob ich noch mehr hätte. Und irgendwann habe ich mich gefragt, was ich eigentlich wirklich zu geben habe, und woher ich es selbst bekomme. Und da hat mir ein ganz junger Mann von Jesus erzählt. Und da hab ich gemerkt, wie leer ich eigentlich bin und wie sehr ich ihn brauche."
Die Kinder, die auf den ersten Bänken der Kirche saßen, waren schon ganz unruhig geworden. Sie scharrten mit den Füßen und streckten ihre Köpfe über die Bank hinaus. Weihnachtsmann hin oder her, es hätte sie doch zu sehr interessiert, was sich wohl in dem großen Sack befand.
Der Weihnachtsmann aber zog zunächst seinen roten Mantel aus, nahm seinen weißen Bart ab, dann öffnete er den Sack und zog als erstes eine Bibel heraus. Diese legte er auf den Altar. Dann nahm er ein Gesangbuch, schlug es auf und lud alle ein, mit ihm ein Weihnachtslied zu singen, um Gott zu ehren über der Geburt seines Sohnes.
Und dann rief er zusammen mit dem Pfarrer die Kinder nach vorn, und jedes erhielt einen kleinen Strohstern, eine Süßigkeit und einen Zettel mit einem Wort aus der Bibel. Und die Kinder staunten darüber, wie solch ein Wort jemanden verändern kann. So erkannten viele von ihnen ihres als kostbare Gabe und zogen damit freudestrahlend aus dem Gottesdienst nach Hause.
***********************************************************
Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen im Internet oder in Print bedürfen der vorherigen
Genehmigung der Autoren bzw. Glaube.de.
Textbearbeitung: Diana Bauer / Redaktionsleitung
***********************************************************
Autor: Dr. Arnd Kischkel
Dr. Arnd Kischkel ist Arzt und Psychotherapeut in der christlichen
DeIgnis Fachklinik in Egenhausen.
Er ist zudem in Seminaren im Bereich innere Heilung und im Gebet für
Deutschland ("Wächterruf") engagiert.
Herausgeber: Dr. Arnd Kischkel, www.gebetswaechter.de
***********************************************************






