Dr. Joseph Tkach: Das Messiasgeheimnis

Jesus heilte einst einen Leprakranken und wies ihn sodann an, keinem davon zu erzählen. Anstatt jedoch das Geheimnis zu bewahren, wandte sich der Mann offen bekundend, was ihm widerfahren war, an jedermann, der seinen Worten Gehör schenken wollte. Im Hinblick auf diese Geschichte kommen einem mehrere Fragen in den Sinn; die bedeutungsschwerste aber ist: Warum wollte Jesus nicht, dass der gesundete Leprakranke von seiner Heilung berichtete? „Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst“, hatte Jesus ihm geboten. Der genesene Leprakranke aber gehorchte ihm nicht; sogleich machte er sich auf, um die Nachricht zu verbreiten. Infolge des Nichtbefolgens seiner Weisung konnte „Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen ...; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden“, wie es im Markusevangelium 1, 45 heißt.
Heutzutage wollen wir, dass jedermann von Jesus weiß. Zu seiner Zeit aber war ihm selbst nicht daran gelegen. Zuvor im Kapitel lesen wir in Vers 34, dass er die Geister nicht reden ließ, da sie wussten, wer er war. Und in Kapitel acht wird uns berichtet, dass Jesus seine Jünger fragte, wer er denn nach Meinung der Leute sei, und Petrus antwortete: „Du bist der Christus“ (Mk 8, 29). Jesus gebot ihnen jedoch, keinem von ihm zu berichten.
War es dafür jedoch nicht der beste Zeitpunkt überhaupt? Warum sollte Jesus nicht gewollt haben, dass seine Jünger anderen von ihm berichten? Hier war der für alle in Fleisch und Blut sichtbare Heiland, der Wunder vollbrachte und im ganzen Land predigte. War es nicht der beste Zeitpunkt für seine Jünger, die Menschen zu ihm zu führen und ihnen zu offenbaren, wer er ist? Markus zufolge aber machte Jesus ganz unmissverständlich und in durchaus auch eindringlichen Worten deutlich, man möge keinem offenbaren, wer er sei. Er wusste etwas, was weder der breiten Öffentlichkeit noch seinen Jüngern bekannt war. Der Messias sollte sich sehr vom Erwartungsbild der Menschen unterscheiden. Im Markusevangelium 11, 8 – 10 wird berichtet, dass zum Ende seines geistlichen Wirkens auf Erden, als er in der Woche vor seiner Kreuzigung in Jerusalem einzog „...viele ... ihre Kleider auf den Weg [ausbreiteten], andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten. Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe!“ Als die Menschen hörten, dass Jesus der Messias war, freuten sie sich über diese Botschaft. Das Problem war nur, dass sie damit andere Vorstellungen und Erwartungen verbanden. Sie rechneten mit einem König, der das Volk einend um sich scharen, es mit Gottes Segen zum Sieg über die römischen Eroberer führen und das Reich Davids in all seiner Pracht wiederherstellen sollte. Ihr Messiasbild unterschied sich von dem Gottes. Und als sie den Begriff hörten, verkannten sie seine Bedeutung, weil ihre Erwartung eine andere war. Deshalb wollte Jesus nicht, dass seine Jünger beziehungsweise die von ihm Geheilten die mit ihm verknüpfte Botschaft allzu früh verbreite- ten. Es war noch nicht an der Zeit, dass die Menschen sie hören. Der rechte Zeitpunkt für ihre Verbreitung sollte erst nach seiner Hinrichtung und Auferstehung von den Toten kommen. Erst von da an konnte die wunderbare Wahrheit, dass Israels Messias der Sohn Gottes und Erlöser der Welt ist, in ihrer ganzen Größe verstanden werden.
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Ein Artikel von www.glaube.de
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Autor: Joseph Tkach, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: Weltweite Kirche Gottes
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