Erwartungen

Stelle dir nun folgende Situation vor:
Besagter Sonntag, der Prediger predigt wie gewohnt und hört auf einmal einfach so mitten im Satz auf.
Frage: Wie lange wird die gesamte Zuhörerschaft wohl da ruhig und muksmäuschen still sitzen und an seinen Lippen kleben und erwarten, hoffen, fast schon beten, dass sie sich endlich weiter bewegen?
Was wird in den Köpfen der Leute so vor sich gehen, wenn sie sich diese stille Gestalt da vorne anschauen? Die Leute werden sich wohl fragen, wie er dazu kommt jetzt auf einmal, so mir nichts dir nichts, eine Überraschung zu liefern und einfach mal still zu sein. Was hat ihn die letzten paar Tage bewegt, was hat ihn beschäftigt? Hat er jetzt einen Eindruck, ist ihm jetzt ein Licht aufgegangen? Hat er gerade eine Vision? Sieht er auf einmal den Himmel offen wie Stephanus? Oder wird er gerade vom Heiligen Geist von seinen Sünden überführt, weil gerade sein jetztiges Thema ihn persönlich mehr berührt, als er es geahnt hat? Oder hat er ganz einfach den roten Faden verloren? Sucht er nach den richtigen Worten? Fragen über Fragen über Fragen, alle könnten zutreffen?
Der Kerl steht da vorne und keiner wird ihn auch nur ein kleines bisschen daran hindern genau das zu machen, was er gerade macht, auch wenn es in diesem Falle abrupt gar nichts mehr macht und sagt.
Er steht da vorne, bewegt sich vielleicht ein bisschen, schaut hier her, schaut da her, schaut in die Menge, schaut einzelne Leute an, bekannte Gesichter, neue Freunde, seine Familie, Gäste, dreht sich vielleicht um und schaut sich die Bühne an, guckt vielleicht nach draußen? Jede seiner Bewegungen wird peinlichst genau verfolgt, als ob dies schon allein eine Offenbarung an sich ist.
Es liegt Spannung in der Luft, die Erwartungen steigen, jeder erwartet jetzt ein Wort, dass wie eine Atombombe gleich der kinetischen Energie der Sonne einschlägt. Die etwas mehr geistlich gestimmten Leute werden wohl ein mächtiges Wort der Erkenntnis, der Weisheit, wohl ein prophetisches Wort erwarten, die passenden Worte zum richtigen Zeitpunkt, Worte, die verschlossene Herzen sprengen, Mauern niederreißen, Festungen einstürzen lassen, Ketten sprengen werden, Worte, deren Konsequenz wohlmöglich eine neue Erweckung folgen lassen? Paar andere bleiben wohl höfflich sitzen und warten darauf endlich gehen zu dürfen?
Du sitzt da auf deinem Stuhl und erwartest in aller Stille etwas.
Du weißt vielleicht anfänglich nicht was, aber insgeheim erwartest du etwas. Vielleicht entwickelt sich bei dir eine Erwartung, wird größer und umfangreicher, erreicht vielleicht sogar unvorstellbare Ausmaße.
All dies spielt sich ab, während der Prediger da vorne steht und einfach nur still ist.
Frage: Wie lange würdest du so da sitzen und warten, wenn du ganz genau wüsstest, dass du etwas bekommst, etwas von unvorstellbarem Wert, etwas, was sich so tief in dein Herz verwurzelt, dass du es mit keinem Schatz der Welt eintauschen würdest?
Noch eine Frage: Wie lange würdest du da so sitzen und warten, wenn du das nicht wüsstest bzw. diese Erwartung nicht hättest?
Deine Erwartung ist an deinen Glauben geknüpft, denn du würdest wohl nichts erwarten, wenn du nicht genau wüsstest, dass du auch etwas bekommst. Du glaubst einfach daran, deswegen fällt es dir einfach zu erwarten, und da zu sitzen, stille zu sein, zu warten, bis du es endlich bekommst, egal wie lange es dauern wird.
Noch eine Frage: Wieviel mehr würdest du zusätzlich erwarten, von Mal zu Mal, von Sonntag zu Sontag, und irgendwann auch von Monntag zu Dienstag zu Mittwoch zu Donnerstag zu Freitag zu Samstag zu Sonntag zu Montag zu Dienstag? Wieviel mehr würdest du zusätzlich erwarten, wenn du wüsstest, dass du auch mehr bekommen kannst?
Übrigens, passt irgendwie:
Hebräer 11, 6: Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.
Psalm 37, 7: Sei still dem HERRN und harre auf ihn!
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Ein Beitrag von Glaube.de
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