Frank Krause: Männererweckung

Ihre Präsenz im Jetzt und Hier ist dadurch ziemlich relativ. Nur ein Teil von ihnen ist tatsächlich im Heute angekommen und fähig, auf die Erfordernisse des Augenblickes einzugehen. Der Rest von ihnen steckt in vergangenen Ereignissen, traumatischen Erfahrungen und unverarbeiteten Erlebnissen fest. Das führt zu einer inneren Zerrissenheit, die das Leben ganz entscheidend einschränkt.
Nun wissen wir als Christen natürlich, dass wir alle Sünden und Verletzungen der Vergangenheit "ans Kreuz" bringen können, um davon frei zu werden. Ich habe aber festgestellt, dass Viele diesen Prozess der Befreiung weder richtig verstehen noch praktizieren, sodass ihre Seele nicht viel freier ist als die der Noch-nicht-Christen. Ihr Leben lahmt immer noch ... .
Einige Gemeinden lehren, dass mit der Bekehrung die Vergangenheit wie "ausgelöscht" und "alles neu" geworden ist. Was gewesen war, sei nicht mehr relevant und müsse uns nicht weiter beschäftigen. Sie vergessen jedoch, dass in der Wiedergeburt nicht unsere Seele neu geworden ist, sondern unser Geist. Auch unser Körper ist offensichtlich noch der Alte. Wie aber fließt die Erlösung von unserem Geist in unsere Seele? Und wie von unserer Seele in unseren Körper?
Routine und Zerrissenheit
Die Antwort auf diese Fragen hat entscheidend damit zu tun, dass wir uns unseres Geistes überhaupt bewusst werden. Geschieht das nicht, kann unsere Seele – unser Denken, Fühlen und Wollen – sich daran nicht neu orientieren und bleibt in ihren gehabten Konditionen sitzen. So lebt in einem Menschen eine alte Seele neben einem neuen Geist – und die Beiden kommen in keine Harmonisierung. So kommt es, dass sich viele Christen nach der Bekehrung noch zerrissener fühlen als vorher.
Diesen Zustand schieben dann viele "Geschwister im Glauben" auf Anfechtungen ab und laufen damit völlig an der Sache vorbei. Dem neu geborenen Christen vermittelt sich dadurch der Eindruck, dass er "dem Feind" völlig unterlegen und ausgeliefert ist. In Wahrheit ist das keineswegs der Fall, denn der Feind ist entmachtet. Aber er nutzt die Verwirrung der Seele und Zerrissenheit im Inneren für seine Zwecke aus.
Um uns unseres eigenen Geistes, der in der Wiedergeburt erneuert wurde, bewusst zu werden, sind die alten und bekannten Mittel sehr nützlich: Bibellesen, Gebet, Singen und Gemeinschaft mit anderen Christen. Sie können aber zu äußerlichen Routinen werden, die uns nach einiger Zeit durch ihre ständige Wiederholung ermüden statt uns zu erwecken.
Waisenkinder und einsame Wölfe
„Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2Kor 13,13)
Viele haben ihre Erfahrung mit dem ersten Teil dieses Verses gemacht, als sie sich entschieden haben, an Jesus Christus als den Sohn Gottes zu glauben. Ihnen wurde bewusst, was die „Gnade des Herrn“ bedeutet. Aber was ist mit den beiden anderen Aspekten? Was ist mit der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes? Ich persönlich hatte lange Zeit keine Antworten auf diese Fragen. Aufgrund dessen fehlte mir das Wesentliche in meinem Glaubensleben, zu dem ich nur sehr langsam durchdringen konnte.
Diesen Mangel sehe ich auch bei vielen Männern heute. Sie können keine Söhne Gottes sein, da das nur in der Vaterliebe möglich ist. Ebenso wenig können sie Freunde Gottes sein, weil das nur in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes geht. So laufen Männer dann als "begnadete" Sünder durch die Welt und fühlen sich bei aller Gnade doch wie Waisenkinder und einsame Wölfe.
Durch die Erfahrung der Vaterliebe Gottes wird uns bewusst, dass wir seine Kinder sind. Durch die Erfahrung der Gegenwart des Heiligen Geistes wird uns unsere Verbundenheit mit Gott mitten im Alltag bewusst. Wenn wir uns diese Tatsachen vergegenwärtigen, dann hilft uns das aus der alten Identität der Verlorenheit heraus. Ohne Erfahrung keine Bewusstwerdung. Ohne Erfahrung bleiben die Liebe und die Gemeinschaft nur graue Theorie und schöne Theologie. Aber unsere Seele kann sich davon nicht nähren.
Besonders in der deutschen Gesellschaft drückt sich ein eklatanter Mangel an reifer Männlichkeit bzw. Vaterschaft aus. Leider ist speziell der deutsche Mann so stark rational geprägt, kritisch und durchorganisiert, dass er es in seinen Gemeinden immer wieder schwer hat, dem Heiligen Geist Raum zu geben. Für ein gesundes Glaubensleben ist es jedoch wesentlich, dass das Gebet für die Erweckung der Männer die Aspekte der Erfahrung der Liebe des Vaters und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes beinhaltet.
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Ein Artikel von Glaube.de
Quelle: Adam online, die Zeitschrift für den Mann mit Werten.
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Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de
Autor: Frank Krause ist Krankenpfleger, war 20 Jahre Gemeindeleiter und hat sich besonders in der Männerarbeit engagiert (www.hisman.de). Vor kurzem ist sein Buch „Männerdämmerung“ erschienen.
Bild: Adam-online
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