Ger Koopman: Der Schachspieler

Der alte Bauer hatte den Schnee kommen sehen. Er saß in seinem Sessel vor dem offenen Feuer am Kamin. Er freute sich über den Schnee auf seinen Feldern. "Der Schnee bedeutet eine bessere Ernte im nächsten Jahr," dachte er. Seine Stube war gut geheizt. Auf dem Tisch stand das Schachbrett. Jede Schachfigur stand auf ihrem richtigen Platz, vier Reihen auf den weißen und schwarzen Quadraten des Schachbrettes. Dyhema spielte gern Schach. Er wartete auf den Pfarrer. Jeden Sonntag Abend kam der Pfarrer, um mit dem alten Bauern Schach zu spielen. Auch zu Weihnachten kam er. Heute Abend würde er auch kommen. Oh ja, Schach spielte Dyhema sehr gern. Er gewann jedes Mal. Es gab niemanden im ganzen Dorf, der so gut spielen konnte wie er. Es gab auch niemanden im ganzen Dorf, der so reich war, wie er. Er war der beste Bauer, der reichste Bauer, der beste Schachspieler; und er war außerdem rechtschaffen und ehrlich. Er wohnte allein mit seinen Dienern. Seine Frau war vor vielen Jahren gestorben. Heute aber, am Weihnachtsabend, dachte er nicht an seine Frau. Er war immer allein, er dachte an sich selber. Was für eine herrliche Ernte hatte er dies Jahr! Was für ein wichtiger Mann war er im Dorf! Wenn er durch die Straßen ging, nahmen alle den Hut vor ihm ab! Wenn jemand Hilfe brauchte, gab er sie. Wenn jemand Arbeit brauchte - er gab sie. Wenn jemand Geld brauchte, so lieh er es.
Plötzlich ging die Tür auf. Ein Diener kam herein. "Es ist schon spät, Dyhema. Soll ich den Weihnachtsstollen warm halten?" Dyhema sah auf die Uhr. "Der Pfarrer ist spät," Sagte er. "Ja, halt den Stollen warm."
Der Diener zog sich zurück. Bei der Tür sagte er: "Ich glaube, der Pfarrer kommt heut nicht. Der Schnee ist zu tief."
Dyhema sah ärgerlich aus, doch er sagte nur: "Ich kann warten". Als der Diener gegangen war, stand er auf und sah aus dem Fenster. "Ach je! so viel Schnee!" sagte er, "Da wird der Pfarrer sicher nicht kommen, der Schnee ist zu tief." Dyhema sah mit sehnsüchtigem Blick auf das Schachbrett.
Aber stell dir vor - da kam jemand. Es war das Christkind! Den ganzen Tag hatte das Christkind viel zu tun gehabt. Weihnachten ist die Zeit fürs Christkind, denn da öffnen sich die Herzen der Menschen. Das ist gerade, was das Christkind braucht: offene Herzen. Die Leute denken an ihre Jugend, und wie schön es zu Hause zu Weihnachten war. Sie denken über ihr Leben nach, und wie viel falsch gegangen ist. Sie möchten sich ändern und neu anfangen. Dann kommt das Christkind.
Den ganzen Tag hatte das Christkind viel zu tun gehabt. Jetzt blieb ihm noch eines zu tun: zum alten Bauern Dyhema zu gehen. Als Gott ihm das gesagt hatte, da sagte es: "Aber sein Herz ist überhaupt nicht offen." Aber Gott hatte nur geantwortet: "Geh, es war lange genug hart und verschlossen. Es ist jetzt Zeit." Als das Christkind durch den Schnee stapfte, bedachte es jene Worte. Was kann ich tun? Aber wenn Gott sagt: "Es ist jetzt Zeit", dann ist es Zeit.
Auf einmal war das Christkind in der Stube des alten Bauern. Niemand hatte es kommen gehört, niemand hatte es gesehen, aber plötzlich war es da.
"Guten Abend, Dyhema," sagte es mit seiner wohlklingenden Stimme. Dyhema blickte erstaunt auf. Mit großen Augen schaute er das Christkind lange an: "Wer bist du, kleiner Junge? Wie bist du denn herein gekommen?" Das Christkind setzte sich nah ans Feuer auf einen Stuhl, gerade gegenüber von Dyhema. "Ich bin das Christkind."
"Das Christkind? Ach so. Na, was brauchst du denn?"
"Ich möchte nur mit dir sprechen."
"Da ist nichts zu besprechen. Ich habe alles getan, was ein Mann nur tun kann. Ich habe fünfhundert Gulden für die Weihnachtsfeier in der Kirche gegeben."
"Ich weiß," sagte das Christkind.
"Und zweihundertfünfzig Gulden für die Sonntagsschule, um Weihnachten zu feiern."
"Ja," sagte das Christkind wieder.
"Und fünfhundert Gulden für die Armen des Dorfes. Und meine Diener bringen jedem der kranken Leute im Dorfe ein Paket."
"Ich weiß das alles," sagte das Christkind und seufzte tief. "Du bist wie ein König auf einem Thron, der viele kleine Gaben an all seine Untertanen verteilt. Doch wie klein sind diese Gaben, im Gegensatz zu den vielen tausend Gulden, die du dies Jahr verdient hast. Und dazu kommt, dass alle diese Gaben nicht aus Liebe zu den Leuten gegeben wurden, sondern einzig aus Selbstliebe, so dass du nun hier bequem und selbstzufrieden sitzen kannst. Oh, wenn du doch nur die Weihnachtsgeschichte kennen würdest!"
"Die kann ich auswendig: ?Es begab sich zu der Zeit, da Kaiser Augustus...'"
"Siehst du, das ist ganz falsch?"
"Falsch?" Der Bauer Dyhema nahm die Bibel, welche bei ihm lag. "Sieh, hier steht es: ?Es begab sich zu der Zeit, da Kaiser Augustus...'"
"Falsch! Ich kenne die Geschichte. Ich bin das Christkind. Es war nicht vor langer, langer Zeit, in den Tagen des Augustus. Es geschieht jedes Jahr von Neuem. Jedes Jahr wird ein Kind geboren, arm, ohne Kleidung, und es wartet, dass du ihm hilfst. Manchmal ist es ein krankes Kind, ein armer Mann oder eine arme Frau, die auf dich warten, damit du ihnen hilfst. Das ist die Weihnachtsgeschichte."
"Ich weiß, dass ich in Gottes Augen ein Sünder bin," sagte Dyhema. "Jeder Mensch ist in Gottes Augen ein Sünder. Aber ich habe alles getan, was ich konnte. Ich kann doch nicht all mein Geld so mir nichts dir nichts verschenken. Das ist doch Unsinn."
"Ich möchte viel mehr als Geld. Ich möchte Liebe. Du hast gesagt, du hast alles getan, was du konntest. Wie steht es aber mit deiner Tochter Bouke?"
Der alte Bauer sprang ärgerlich von seinem Sessel auf: "Bouke ist tot. Für mich ist sie tot. Wenn du wirklich das Christkind wärst, dann wüßtest du, dass sie vor zehn Jahren gegen meinen Willen geheiratet hat. Sie heiratete einen Künstler, einen Musiker, gegen meinen Willen. Kinder sollten ihren Eltern gehorsam sein. Nein, sprich mit mir nicht über Bouke."
"Sie ist arm und sie hat einen Sohn."
"Ich weiß. Das ist ihre eigne Schuld. Nicht meine."
Das Christkind schaute auf die Uhr. Halbacht. Und um acht Uhr - um acht Uhr würde Bouke mit ihrem Sohn hier her kommen. Das Christkind war da, wo sie wohnte, in ihrem Haus gewesen und hatte ihr gesagt, dass alles bereit und in Ordnung sein würde, wenn sie kommt. Jetzt war nur noch eine halbe Stunde Zeit, und das Herz des Bauern war härter denn je. Aber das Christkind war nicht entmutigt. Gott hatte es gesandt. Es lächelte sogar und sagte: "Lass uns Schach spielen!"
"Kannst du spielen?"
"Ein bisschen."
"Na dann los, das ist besser, als all dieses Gerede."
Sie begannen. Es schien, als sei das Christkind kein guter Spieler. Nach zehn Minuten hatte es bereits zwei Türme und einen Springer verloren. Dyhema rieb sich die Hände. Er würde dieses Spiel gewinnen. Das war sicher. Als das Chrisikind schon fast die Hälfte seiner Figuren verloren hatte, begann es auf einmal zu sprechen: "Nimm mal für einen Moment an, dass deine Tochter heute zum Heiligen Abend mit deinem Enkel hier zu dir käme. Würdest du sie aufnehmen?"
"Lass den Unsinn. Achte auf das Spiel. Du hast beinahe verloren. Und warum sollten sie kommen?"
"Ich habe beinahe verloren. Das mag sein. Aber nimm mal an, ich würde das Spiel vor acht Uhr gewinnen, würdest du sie dann aufnehmen?"
Der alte Bauer lachte hell auf. "Ja, das würde ich schon, denn es ist unmöglich, dass du gewinnst."
Das Christkind lächelte auch. Es war eine Minute vor acht. Das Christkind hatte nur noch einen König, die Königin und einen Läufer. Dyhema hatte noch fast alle seine Figuren.
Dyhema sah auf die Uhr. "Acht Uhr," sagte er.
"Acht Uhr, und ich sage Schach-matt!" sagte das Christkind.
"Schach-matt?" Dyhema blickte aufs Schachbrett. Er machte große Augen. "Oh, was soll denn das? Du hast alle meine Figuren verschoben. Nein, nein, was ist los?" Das Christkind lächelte wieder. "Das ist genau so, wie es im Leben ist," sagte es. Aber dann schaute es sehr ernst drein. "Manchmal scheint es, als ob alles verloren ist. Man denkt, dass niemand in der ganzen Welt helfen kann. Dann schaut Gott hinunter und sagt: 'Es ist Zeit.' Und auf einmal sieht alles ganz anders aus. Man sieht alles in einem anderen Licht, und da sieht man plötzlich, dass doch nicht alles verloren ist, sondern gewonnen. Merk dir das.
Dyhema! Noch ist in Seinen Augen nicht alles verloren. Was niedrig ist, soll erhöht werden. Die Ersten werden die Letzten sein."
Und dann war das Christkind verschwunden.
Dyhema erhob sich. Dann setzte er sich in seinen Sessel am Feuer und schloss die Augen. Er wollte das alles bedenken. Plötzlich wachte er auf. Jemand hatte an die Tür geklopft. Er rieb sich die Augen. "Oh, ich habe geschlafen," dachte er. Ich habe so schön vom Christkind geträumt." Er guckte hinüber zum Tisch. Da war das Schachbrett. Die weißen und schwarzen Schachfiguren standen sich in ordentlichen Reihen gegenüber. Ja, es war ein Traum.
"Herein," sagte er. Ein Diener kam herein. "Dyhema, hier ist ein kleiner Junge." Dyhema stand rasch auf. "Ein kleiner Junge mit seiner Mutter?"
"Nein, er ist allein. Aber er sagt, dass seine Mutter einen Unfall hatte. Sie hat sich den Fuß verstaucht, und wartet eine halbe Meile von hier im Schnee. Sie schickte den Jungen her, um Hilfe zu holen."
Dyhema lachte. Er dachte: "Natürlich ist das nicht meine Tochter." Aber laut sagte er nur: "Schick die Diener hin, mit Pferd und Wagen! Mach eine Stube bereit, und bring sie her! Bestell den Arzt! Bring den Jungen her zu mir!"
Der Diener ging. Gleich darauf kam ein Junge von ungefähr neun Jahren herein. Dyhema stand auf, er war eigenartig bewegt. Der Junge sah so aus wie - ja, er sah wirklich so aus, wie er vor langer, langer Zeit ausgesehen haben musste. "Wie heißt du?"
"Sigurd," antwortete der Junge.
Dyhema sank in seinen Sessel zurück. Er schloss die Augen. Sigurd. Das war ja sein Name. Seine Tochter hatte ihren Sohn nach ihm genannt? Na, wie war es denn nun mit dem Christkind? Es war natürlich nur ein Traum. Aber Träume sind Schäume, Lügen, Unsinn. Und doch, hier war der Junge, sein Enkel. Nein. Er würde seine Tochter nicht aufnehmen. Er stand auf und ging in die Küche. Nur eine alte Dienerin war da.
"Wo sind die anderen?" fragte Dyhema.
"Die sind selbstverständlich bei ihren Familien, und zwei sind hinaus gegangen, die arme Frau zu holen," antwortete sie.
"Ich will sie nicht hier haben. Sie müssen sie woanders hin bringen!"
"Dyhema? Heute, am Heiligen Abend verweigerst du einer armen Frau dein Haus? Na ja, du trägst die Verantwortung, aber ich kann nicht hinaus in den Schnee. Wer wird ihnen Bescheid sagen?"
"So bald sie hier sind, ruf mich. Aber lass die Frau ja nicht in mein Haus."
Damit ging Dyhema zurück in die Wohnstube. Der Junge saß vor dem Kamin. Als Dyhema herein kam, stand er auf, ging ihm entgegen und fragte: "Bist du mein Großvater?"
"Natürlich nicht!" sagte Dyhema ärgerlich. Das Gesicht des Jungen wurde traurig.
"Dann bin ich zum verkehrten Hof gekommen. Weißt du, als meine Mutter hinfiel, sagte sie: 'Schau, das Licht dort ist der Hof, lauf schnell hin und bitte um Hilfe.' Ach, es ist nicht zu schlimm. Wenn meine Mutter hier ankommt, kann sie ja sagen, wo sie eigentlich hin wollte. Weißt du, sie ist in diesem Dorf geboren. Mein Großvater ist der reichste Bauer im Dorf. Meine Mutter meinte, er sei wie ein kleiner König. Alle Leute fragen ihn um Rat. Weißt du, er ist sehr klug." Nach einem Moment Schweigen entfuhr es Dyhema: "Warum gehst du denn überhaupt zu deinem Großvater?"
"Mutter sagte, dass das Christkind ihr gesagt hatte, sie solle gehen. Wir waren noch nie dort. Wir sind sehr arm, weißt du; mein Vater ist gestorben. Wir haben kein Geld mehr. Aber meine Mutter hat bis jetzt immer gesagt: 'Ich tue nicht den ersten Schritt.' Und dann auf einmal sagte sie, das Christkind hätte ihr gesagt, sie solle gehen."
"Hat sie das Christkind gesehen?"
"Ich weiß nicht. Nachher meinte sie, es sei nur ein Traum gewesen. Unterwegs war sie ganz unsicher, und sie sagte zu mir: 'Wundere dich nicht wenn wir nur kurz dableiben.'"
Dyhema blickte ins Feuer und schwieg.
Plötzlich sah der Junge das Schachbrett. Er ging an den Tisch. "Mein Großvater kann Schach spielen. Mutter sagt, er gewinnt immer. Kannst du spielen? Ich kann. Mutter meint, ich könnte so gut spielen, weil ich es vom Großvater geerbt habe. Wollen wir spielen? Ach, weißt du, ich habe Hunger. Wir hatten kein Abendessen." Dyhema blickte auf: "Kannst du wirklich spielen, so ein kleiner Junge wie du?"
"Ich bin nicht klein, und ich gewinne oft."
"Na, komm, wir können's ja mal versuchen," sagte Dyhema.
Es dauerte gar nicht lange, bis Dyhema merkte, der Junge kann wirklich spielen. Fast ohne zu denken machte er die richtigen Züge. Nach einer halben Stunde wurde Dyhema unruhig. Der Junge schien zu gewinnen! Wirklich, der kleiner Junge schien ein besserer Spieler zu sein, als er. Was ihn aber am meisten reizte, war, obwohl er sein äußerstes tat, um zu gewinnen, dass der Junge einfach spielte, ohne viel nachzudenken. Wenn er, Dyhema, nach langem, gründlichen Überlegen endlich einen Zug machte, folgte der Zug des Jungen unverzüglich und es war stets der Richtige.
Dyhema war ärgerlich, und das war wahrscheinlich der Grund dafür, dass er plötzlich einen falschen Zug machte. Der Junge lächelte. "Das war ein schlechter Zug. Es ist besser, du nimmst ihn zurück," sagte er. "Nein, was ich gesetzt habe, habe ich gesetzt."
Der Junge blickte ihn an: Warum war dieser alte Mann nur so ärgerlich? Kann ich etwas dafür? War es vielleicht, weil er dieses Spiel nicht gewinnen konnte? Es gibt viele Leute, die ärgerlich werden, wenn sie nicht gewinnen können. Es ist ganz interessant. Man lernt am meisten aus einem Spiel, das man verliert. Aber dieser alte Mann? Vielleicht...
Plötzlich kam die alte Dienerin herein. "Dyhema, wie ist es nun mit dem Weihnachtsstollen. Soll ich ihn jetzt herein bringen?"
Dyhema sah zornig aus. "Geh weg mit deinem Stollen!"
"Ach, wie schade," dachte der Junge. Er war so sehr hungrig. Wie zornig der alte Mann war. War das wirklich nur, weil er nicht gewinnen konnte? Und auf einmal sagte er: "Ich hätte so gern ein Stück Stollen, weißt du, ich hatte kein Abendessen."
Dyhema erwiderte nur: "Du bist dran." Sigurd seufzte. Aber dann kam ihm ein Gedanke. Er würde den alten Mann gewinnen lassen. Er würde einen schlechten Zug machen. Aber es fiel ihm nicht leicht. Er seufzte wieder. Ach, es ist Heiliger Abend, dachte er, ich mach' es. Und er setzte seinen schlechten Zug.
Dyhema lachte. "Ha, ein schlechter Zug, siehst du, ich kann deine Königin schlagen. Oh, ich wußte, ich kann gewinnen. Ich habe noch nie verloren."
Sigurd errötete. Das war ungerecht. Ihm wurde stets gesagt, nicht traurig zu sein, wenn er verlor, aber auch nicht stolz, wenn er gewann.
Und dann... auf einmal lächelte er wieder. Wenn ich ihn nur wieder fröhlich machen kann, lass ich ihn halt gewinnen. Er sagte: "Ja man weiß nie wer gewinnt, ehe es Schach-matt ist.
Inzwischen hatte Dyhema den Jungen die ganze Zeit angeblickt. Er hatte die Tränen in den Augen des Jungen aufsteigen sehen, nachdem er gesprochen hatte. Dann aber hatte er auch die Veränderung gesehen, das Lächeln. Dann kamen die Worte des Jungen. Es war ihm so, als sähe er das Christkind noch einmal. Er erinnerte sich an die Worte des Christkindes: "Manchmal scheint es, als ob alles verloren ist." Er stand auf und ging im Zimmer auf und ab. Der Junge schaute ihn höchst erstaunt an.
Dyhema sah sein Leben, sein langes Leben, in einem neuen Licht. Er dachte: "Waren da gar keine Fehler? War alles offen und gerecht? Ja, da ist ein Mangel, ein Vergehen, ein sehr schweres Vergehen. Wie konnte ich nur so blind sein!? Mein Herz war so eiskalt und hart. Und dabei dachte ich immer, ich wäre so ein guter Mann mit all meinen guten Taten. Oh, was für ein elender, erbärmlicher, jämmerlicher alter Mann ich bin."
Das alles fühlte er tief im innersten Herzen; und dann sah er aufeinmal seinen Traum wieder vor sich, und die Worte des Christkindes klangen in seinem Sinn: "Gott kommt. Er bringt etwas ganz Neues in das Leben: Liebe!" Ja, das war es: Liebe!
Dyhema ging zu dem Jungen und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Du hast gewonnen," sagte er. "Du und das Christkind."
Der Kleine schaute ihn ganz überrascht an. "Ich weiß garnicht was du meinst."
Der alte Bauer Dyhema lächelte ihn an. "Es ist nicht so wichtig - nein, es macht garnichts aus: aber dies musst du dir merken: Das Christkind bringt neues Leben, obwohl es den Menschen schien, als sei alles verloren, als Jesus geboren wurde; geboren in einem Stall, arm und kalt. Auch am Ende schien alles hoffnungslos verloren, mein Sohn. Am Ende war das Kreuz. Wir dürfen es nie vergessen, Sigurd, den Zeitpunkt nie vergessen, als Gott herab blickte und sagte: 'Es ist Zeit.' - Und es war Zeit. Das Kreuz war nicht das Ende. Und sogar auch heute noch kommt das Christkind, um die Herzen der Menschen zu erwärmen."
Jemand klopfte laut an die Tür, dann ging die Tür auf und die alte Dienerin fragte: "Dyhema, sag mir, wo ich die Frau hinschicken soll, sie ist jetzt hier."
"Bring sie schnell hier zu mir, was sonst?"
"Aber du hast gesagt ..."
"Sie ist doch meine Tochter! Weißt du das denn nicht? Bring sie sofort hier herein. Es ist Bouke! Beeil dich, und bring den Weihnachtsstollen! Mach schnell, es ist Weihnachten!"
Erschien im Original als: The Chess Player in Behold That Star; 1966 Plough Publishing House Farmington PA, USA
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Ein Artikel von glaube.de.
Autor: Erberhard Arnold / Bruderhof-Gemeinschaft
Mit freundlicher Genehmigung der Bruderhof-Gemeinschaft für Glaube.de
Quelle: www.derbruderhof.de
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