Gerald Asamoah: "Sie können nie wieder Fußball spielen."

2001 war das Jahr des Gerald Asamoah. Sein glanzvolles Länderspieldebüt, die rauschende Ballnacht beim DFB-Pokalsieg in Berlin - und in der Wahl zum Fußballer des Jahres erreicht er einen hervorragenden 3. Platz hinter Oliver Kahn und Ebbe Sand. Nur eines hat ihn damals sehr hart getroffen: Die verpasste Meisterschaft. Die Enttäuschung darüber saß lange Zeit sehr tief: "Dieses Drama in letzter Sekunde kann ich so schnell nicht vergessen. Ich war noch nie so unglücklich", sagt Asamoah. Und trotzdem hat er sich im Gegensatz zu anderen als guter Verlierer erwiesen. Gerald beteiligt sich in diesen Tagen nicht an der Diskussion um die Schuldfrage und um die Ungerechtigkeit des Fußball-Gottes. "Es gibt keinen Fußball-Gott, sondern nur den einen Gott im Himmel, und der weiß genau was er macht." Die Aussage eines Fußballers, der anscheinend genau weiß, wovon er spricht. Wenn man bedenkt, dass seine Karriere 32 Monate zuvor schon so gut wie beendet schien...
Schlusspfiff im Zweiligaspiel von Hannover 96 gegen FC St. Pauli
Der 27. September 1998 wird für mich ein ganz besonderer Tag bleiben: Während ich nach meiner Auswechslung kurz vor Schluss in Richtung Kabinengang laufe, spüre ich immer wieder ein heftiges Stechen in meinem Bauch. Zwei Tage später ließ ich mich vorsichtshalber dann doch bei unserem Vereinsarzt durchchecken. Seine trockene Diagnose traf mich unerwartet und wie ein Blitz: "Sie haben eine Herzwandverdickung. Sie können nie wieder Fußball spielen."
Als ich im September 1998 mit dieser Diagnose konfrontiert wurde, brach für mich in einem Moment eine ganze Welt zusammen.
Schien sich bis dahin eine Bilderbuchkarriere für mich anzubahnen, so hingen auf einmal all meine Pläne und Ziele, die ich vor mir hatte, am seidenen Faden. Ich stand unter Schock. "Was hat mein Leben jetzt noch für einen Sinn?", habe ich mich damals verzweifelt gefragt. Wenn ich in dieser Phase nicht Gott gehabt hätte, wäre ich kaputt gegangen. Ich wusste, dass mir Menschen in dieser schwierigen Situation nicht mehr helfen konnten, und habe damals begonnen, Gott um Hilfe zu bitten. Die Dinge änderten sich natürlich nicht sofort, aber meine Einstellung veränderte sich...
Ich hatte damals keine Ahnung, was meine Gebete bewirken würden, doch ich ahnte, dass es das Beste ist, mein Vertrauen ganz auf Gott zu setzen.
Einige Zeit später flog ich zu einer weiteren Untersuchung in die USA, nach Washington. Ich wusste, dass meine Familie und viele gläubige Freunde für mich beteten. Meine Bibel war außerdem auch ein wichtiger Trost; ich habe damals viel im Buch Hiob gelesen. Hiob hat Gott immer weiter vertraut, trotz aller schlimmen Umstände. Das wollte ich auch tun. Nach einem weiteren Herz-Check saß ich im Behandlungsraum der untersuchenden Ärzte in Washington und war dermaßen aufgeregt, aber auch gleichzeitig gefasst auf das, was sie mir sagen würden. Vielleicht gab es ja doch noch einen Funken Hoffnung für mich. Der Chefarzt sah mich freundlich an und begann, die Untersuchungsergebnisse zu analysieren. Er erklärte mir, dass ich doch noch eine Chance hätte, weiter Fußball zu spielen. Mein Herz sei stark genug für eine Belastung im Spitzensport, aber es bliebe eben ein gewisses Restrisiko, mit dem ich leben müsste.
Hoffnung - das ist es, was die Menschen brauchen, und wenn es nur ein Funke ist, an den sie sich klammern können. In der Bibel heißt es: "Gott wird den glimmenden Docht nicht löschen und das geknickte Rohr nicht abbrechen". Ich bin von Washington zurück nach Hause geflogen und habe mit meinem "neuen Herzen" und meiner neuen Hoffnung einen Neuanfang mit Gott gemacht. Dem Restrisiko gab ich von nun an einen Namen: "Gott". Er ist es, dem ich voll und ganz vertraue. Auch wenn diese Zeit für mich sehr schwer war, möchte ich sie nicht missen, denn sie hat mich näher zur Liebe Gottes gebracht.
Ein paar Jahre sind inzwischen vergangen, ich stehe in den Katakomben des Berliner Olympiastadions und suche die Toilette. Vor den Spielen schließe ich mich immer für einen Moment ein, um in Ruhe beten zu können.
Um 17:15 Uhr stehe ich mitten auf dem Rasen, höre den Abpfiff des Schiedsrichters und darf mich ab jetzt DFB-Po-kalsieger 2001 nennen. Ich bleibe stehen und bedanke mich bei Gott für seine Liebe und dafür, dass ich Fußball spielen darf.
Ich hatte da natürlich noch keine Ahnung, dass dieses Glücksgefühl kurz darauf mit meinem ersten Länderspieltor für Deutschland sogar noch zu toppen war.
Dein Gerald Asamoah
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Ein Artikel von www.Glaube.de
Autor/Quelle: Gerald Asemoah No Limit Online
Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de.
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