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25-05-10

Greg Williams: Bekenntnisse eines Jugendevangelisten

 

Mehr als zehn Jahre lang habe ich in einer Organisation mitgearbeitet, deren Aufgabenschwerpunkt in der Verbreitung der Guten Botschaft Jesu unter Jugendlichen lag. 

 


Die Idee war richtig, der Schwerpunkt jedoch falsch.

Es war ein Privileg, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die sich der Herausforderung stellen, Jugendliche für die Mitwirkung an einer sich stetig wandelnden Jugendkultur zu gewinnen. Ich meine, wir haben in dieser Hinsicht gute Arbeit geleistet.

Neulich fragte ich mich jedoch, ob mein Ansatz, jungen Leuten – wie im Übrigen Menschen aller Altersgruppen – Jesus nahe zu bringen, nicht doch einer neuerlichen Betrachtung bedürfe. Organisationen und parakirchliche Missionsgemeinschaften, die ihr Schwergewicht auf die Glaubensverkündigung unter Jugendlichen legen, nutzen eine Kombination aus Beziehungsgeflechten, Veranstaltungen und

Evangelisationsprogrammen, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten. Ich wurde ausgebildet und bilde inzwischen andere darin aus, nicht gläubigen Jugendlichen die Gnade Gottes nahezubringen, indem ich Zeit mit ihnen verbringe, ihnen zuhöre und ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbaue. Ziel ist es, diese jungen Leute mit der Geschichte Gottes vertraut zu machen und ihnen Jesus nahezubringen. Meiner Erfahrung nach ist dies ein gnadenreicher, effektiver Weg, anderen das Evangelium zu verkünden.

Nun, worin besteht dann das Problem? Eigentlich, glaube ich, gibt es sogar zwei. Es ist zum einen eine falsche, zum anderen eine fehlende Komponente. Die falsche Komponente ist die Ausnutzung von Beziehungen als Mittel zum Zweck, die fehlende die mangelnde Anerkennung der schon bei der Begegnung wirkenden Gegenwart und Kraft Jesu.

 

Menschen sind keine Projekte

Da alle Menschen Kinder Gottes sind, haben Beziehungen einen eigenen, ihnen innewohnenden Wert und müssen mit Sorgfalt und Achtung gepflegt werden. Sie müssen um ihrer selbst willen honoriert und wertgeschätzt werden und dürfen nicht als Mittel zum Zweck missbraucht werden. Führungs-Guru John Maxwell brachte mir vor einigen Jahren bei, Führung ließe sich in einem Wort zusammenfassen: Einfluss. So machte ich mir bereitwillig die Vorstellung zu eigen, wenn ich mich nur bemühte, mich für gewisse Zeit in aufopferungsbereiter Liebe zu üben, wenn ich ein von Liebe, Freude, Frieden usw. erfülltes Leben führte, würde ich schließlich berechtig sein, meine wohlerprobte Evangelisationspräsentation anderen nahezubringen. Bei diesem Ansatz ging es einzig und allein um Einflussnahme, Machtausübung und Darstellung. Es klingt wie ein Verkaufsprogramm, und es nahm sich auch tatsächlich so aus.

 

Paulus schrieb im 2. Korintherbrief 5,16–21: „Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“

 

Von Evangelist zu Evangelist gebietet mir Paulus, Botschafter an Jesu statt zu sein, und so ist es mir eine Freude, die Gute Botschaft zu verkünden, dass Gott durch Christus das Sündenregister eines jeden Menschen getilgt hat und alle auffordert, anzunehmen und zu empfangen, was er bereits für jeden von uns getan hat.

Diese Art und Weise, Beziehungen zu verstehen, unterscheidet sich sehr von meiner einstigen Sichtweise. Jetzt betrachte ich meine Mitmenschen nicht mehr traditionell paradigmatisch als „Errettete“ bzw. „Verlorene“, sondern vielmehr als von Gott bereits geliebte Menschen, für die Christus gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist. Gott ist für uns Menschen; er unterstützt uns, und seine Gegenwart und Kraft umgeben uns. Bei der Evangelisation geht es nicht darum, dass wir uns das Recht verdienen, gehört zu werden, sondern vielmehr darum, dass Jesus uns zum Sprachrohr seiner selbst macht.

 

Jesus im Blickfeld

Paulus will uns bewusst machen, dass Jesus in all unseren zwischenmenschlichen Interaktionen zugegen ist. Meiner Erfahrung nach gibt es drei grundlegende Formen menschlicher Kommunikation:

1. bedeutungsschwere, gehaltvolle Diskussionen

2. den Austausch schlichter Sachinformationen oder Freundlichkeiten

3. konfliktgeladene Gespräche unter vier Augen, oftmals noch von Kommunikationsschwierigkeiten und verletzten Gefühlen begleitet

Es fällt leichter, Jesus bei der ersten Form am Werk zu sehen; mir wird jedoch zunehmend seine Präsenz in allen drei Kommunikationssituationen bewusst. Auf welche Weise wirkt er in mir und gibt mir die Kraft, in allen drei zwischenmenschlichen Interaktionen mit Liebe, Bedacht und Weisheit zu reagieren? So bitte ich den Herrn im Gebet, mir deutlich zu machen: „Worum geht es eigentlich? Welches ist deine Position in dieser Sache? Was willst du bewirken?“ Diese Praxis macht die Gegenwart und Kraft Jesu so viel deutlicher, und ich sehe mich besser in sein geistliches Wirken eingebunden.

Mein alter Evangelisationsansatz ist nicht notwendigerweise schlecht oder falsch, und ich glaube auch, dass er durch Gottes Wirken getragen wurde. Ich halte ihn jedoch für unvollkommen und meine, dass es für ein umfassendes Begreifen und Praktizieren einer guten Jugendevangelisation unabdingbar ist, wirklich zu erkennen, wer Jesus ist und wo er am Werk ist. Jesus half mir, allen Menschen entsprechende Wertschätzung entgegenzubringen, und er machte mich frei, darauf zu vertrauen, dass er selbst im Leben der Menschen Einzug hält und in ihnen wirkt. Ich brauche keine Energie mehr darauf zu verwenden, meinen Einfluss geltend zu machen, um dem Evangelium taktisch geschickt bei den Menschen Wirkung zu verleihen. Ich kann mich nun daran erfreuen und daran teilhaben, dass Jesus lebt, gegenwärtig und stets am Werk ist.

 

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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autor: Greg Williams, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: weltweite Kirche Gottes
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