Große Party und tiefe Gedanken: "Calling all Nations"
Große Party und tiefe Gedanken: "Calling all Nations"
Gottesdienstfestival im Berliner Olympiastadion:1 000 Helfer, Musiker, Sänger, Tänzer und 22 000 Besucher aus 30 Nationen - gemeinsam rockend, fröhlich und besinnlich.
Tatsächlich waren alle da, als der Bus Samstag um 4 Uhr morgens losfuhr! Am Stadioneingang in Berlin dann Taschenkontrolle: "Haben Sie Wunderkerzen dabei, oder Messer?" - "Keine - doch, ein Messer!" - "Äh, darf ich das mal sehen?" Doch mein zerbrechliches Plastikfrühstücksmesser war dann wohl doch kein Sicherheitsrisiko...
"Hach, ist der Rasen schön braun!"
Etwas fehlt im Stadion: der WM-Rasen! "Teuer an Fans verkauft", heißt es. Rings um diese merkwürdige braune Fläche geht es ab 11.00 Uhr bunt und bunter zu. Überall Flaggen, Bänder, Stäbe und anderes. Auf hohem künstlerischen Niveau wird viel getanzt, eine Atmosphäre fröhlicher Andacht und Anbetung breitet sich aus. Auf den Bühnen wird nicht nur gepredigt, sondern auch gerockt und gerollt; La Ola-Wellen laufen zum Ende der Veranstaltung zunehmend über die Ränge.
Die Besucher am einen Ende des Stadions, die Hauptbühne am anderen. Ergebnis: ameisengroße Musiker! Direkt vor den Besuchern eine weitere Mini-Bühne. Die Wechsel geschehen flink. So flink, dass manch einer erst verspätet merkt, dass die Musik gerade nicht von der Hauptbühne kommt. Auch die Wechsel zwischen den Bands sind reibungslos. Es entsteht beinahe der Eindruck einer einzigen Band mit großem Repertoire und vielen Solisten. Musikalisch wird das Feinste vom Feinen geboten: delirious? aus England, Assiria do Nascimento, singende Ehefrau von Jahrhundert-Fußballer Pelé, oder der Kindermusiker Daniel Kallauch bringen aber nicht nur Musik für jeden Geschmack, sondern verwandeln den Tag in ein internationales,
überkonfessionelles Gebet. Die Massen der Zuschauer stimmen sangesfreudig mit ein, die Texte sind oft wohlbekannt - welch ein Klang aus 22 000 Kehlen!
Begegnung der "dritten Art"
Auf dem Weg zur Bühne komme ich an einer kleinen Plattform vorbei. Hier tummelt sich eine größere Anzahl von Tänzern. Ihr Ziel: Gott durch ihren Tanz anzubeten. Ich werde vom Blick einer Tänzerin getroffen. Sie dreht sich und unsere Blicke treffen sich erneut. Ich stelle staunend fest: In diesem Gesicht und den Augen liegt mehr als ein Ausdruck bloßer Freude - etwas, das mich an die Verzückung alttestamentlicher Propheten erinnert. Augenblicke lang ist es wie eine liebevolle Umarmung aus der Distanz zwischen zwei fremden Menschen. Die Gestalt der Tänzerin? - keine Erinnerung. Nur dieser Ausdruck und die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes und einer Kraft die von hier ausgeht, brennen sich ein.
Auch vom Rand der Hauptbühne ist eine prickelnde Atmosphäre des Gebets spürbar. Während die einen noch spielen, warten die anderen auf ihren Auftritt. Dieser Zustand scheint für alle völlig normal zu sein. Einträchtig stehen sie nebeneinander, fügen sich nahtlos ins Programm ein. Platzhirschmentalität? Fehlanzeige! Zwischen den auftretenden Künstlern, vor den Bühnen und im Stadion bewegen sich Kameraleute, deren Bilder auf drei Großleinwände übertragen und live auf "God TV" gesendet werden.
Im Publikum beten derweil Menschen aus verschiedenen Nationen und Konfessionen gemeinsam und in Einheit zu Gott. Die Atmosphäre berührt selbst das Herz einer wohl nicht gläubigen Sicherheitsfrau des Stadions. Sie stimmt zunehmend begeistert mit in den Lobpreis Gottes ein. Sie merkt, dass hier keine Show abläuft.
Manche der auftretenden Bands hier könnten hohe Gagen verlangen. Stattdessen aber findet alle Beteiligung der Künstler ehrenamtlich statt. Selbst die Reisekosten wurden von den Mitwirkenden selbst getragen!
Von Ameisen, Flummis und Echos
Noch einmal zum Thema "Ameisen": Als der schöne Gesang der in Rot gekleideten Sängerin Stephanie Heinen von Tengerin Doo erklingt, kostet es manch einen Mühe, ihr Bild auf den Großleinwänden in diesem kleinen, lustig hüpfenden Punkt auf der Hauptbühne wieder zu erkennen. Der nicht ganz korrekte Vergleich mit einem Flummi drängt sich auf - doch ein Flummi erschiene größer. Auch die Akustik im Bereich der Bühne ist nicht einfach zu meistern. Die leeren Betonreihen dahinter werfen den Schall zurück, so dass um die Bühne herum ein unangenehmer Echoeffekt entsteht.
Lilo Keller (Schweiz): "Ich liebe das deutsche Volk"
Am Nachmittag beten deutsche für ausländische Teilnehmer, darunter zum Beispiel fast 400 Gäste aus Ungarn. An einem von den Nazis missbrauchten Ort bitten deutsche Lippen aufrichtig um Vergebung für braune deutsche Geschichte und das Leid der Nachbarn. Die Antworten der ausländischen Gastsprecher sind überwältigend. Zusagen von Liebe und Wertschätzung werden ausgesprochen, die Aufforderung und Ermutigung: "Deutschland, steh auf und komm in deine Berufung!".
Am Ende Viele glückliche, erfüllt wirkende Gesichter am Ausgang. Künstler, Prediger und Helfer haben allen ein unbezahlbares Geschenk gemacht! Danke Euch allen und danke, Herr Jesus!
Infos
deutsche Internetseite von "Calling all Nations"
englische Internetseite von "Calling all Nations"
Beteiligte Künstler
Slideshow zu "Calling all Nations"
Fotos zu "Calling all Nations" auf einer ungarischen Webseite
--------------------------------------------------------------------------------
Ein Artikel von www.glaube.de
Textbearbeitung: Carsten Winter (Redaktionsmitarbeiter Glaube.de)
--------------------------------------------------------------------------------
Mit freundlicher Genehmigung vom Autor: Carsten Winter
© 22. Juli 2006, Carsten Winter
--------------------------------------------------------------------------------






