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23-11-04

Grundkurs Teil 12 - Vergebung

Vergebung ist eines der zentralen Themen der Bibel. Wir verdanken als Christen unsere Errettung nicht unseren Leistungen oder unserem guten Lebenswandel, sondern wir wurden mit Vergebung beschenkt. Gleichermaßen sollen wir nun Vergebung verschenken, an jeden Menschen, dem wir mit gutem Grund etwas nachtragen könnten. Es geht bei der Vergebung nicht darum, die Augen vor der Schuld zu verschließen, sondern die Schuld aus der Beziehung zu entfernen.


 

Eine bewusste Entscheidung

Manchmal kommen, nachdem man vergeben hat, aufgrund erfahrener Verletzungen trotzdem Grollgefühle hoch. Du sagst dir selbst: "Nein, ich habe es ihm/ihr doch vergeben, ich will keinen Groll haben." Dann sei gewiss: Du hast vergeben und die Vergebung ist gültig; du brauchst diese Vergebung nicht wieder und wieder zu wiederholen.

Vergebung ist eine bewusste Entscheidung: "Ich will diesem Menschen seine Schuld mir gegenüber vergeben, ich tue es jetzt, ein für alle mal." Wenn dir derjenige gegenübersteht, weil er dich um Vergebung bittet, dann sprichst du es aus: "Ich vergebe dir, ich betrachte es als nie geschehen."

Verletzungen heilen nicht immer sofort. Selbst wenn du vergeben hast, kann die Wunde noch schmerzen. Du hast durch den Akt der Vergebung die Schuld aus der Welt geschafft, aber die Folgen mögen - je nach dem Einzelfall - nicht sofort verschwinden.

Wenn du jedoch immer wieder negative Gedanken, Gefühle oder eine regelrechte Abneigung bekommst, wenn du einer bestimmten Person begegnest, die dich vor lange Zeit verletzt hat, dann kann eine "Wurzel der Bitterkeit" vorliegen - weil du nicht vergeben wolltest oder konntest. Dann frage dich, ob du diese bewusste Entscheidung zur Vergebung getroffen hast oder nicht. Diese Frage ist für dein eigenes Leben viel entscheidender, als du vielleicht meinst.

Hebräer 12, 15 spricht davon: "Achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch zur Last werde und durch sie viele verunreinigt werden."

Wenn wir in dieser Weise bitter sind, dann hat das auch Auswirkungen auf unsere direkte Umgebung. Es infiziert andere, die selbst nicht achtsam sind und es wächst etwas, was nicht Gottes Charakter entspricht. Tratsch und Klatsch, Vorurteile, Gerüchte, unversöhnlicher Streit und ähnliches! Das bewirkt der Teufel gemäß seiner Art - wie er ist: rebellisch, stolz, gemein, ungerecht, unbarmherzig, also auch nachtragend, böse, nicht bereit zur Vergebung.

Wenn wir in Verbitterung stehen bleiben, dann kooperieren wir mit dem Teufel, ob uns das nun bewusst ist oder nicht. Wir geben damit dem Teufel Raum. Das heißt, dass dann der Teufel auch in andere Bereiche unseres Lebens hineinwirken kann. Du wunderst dich, warum du an ganz anderen Punkten nicht vorwärts kommst; du hast Ängste oder andere Symptome und du suchst in dem betroffenen Bereich: "Wo habe ich mich hier auf den Feind eingelassen?" Du findest es nicht heraus, weil es keinen Zusammenhang gibt, aber der Feind hat Raum bekommen, weil du nicht vergeben hast.

Dein Leben ist wie ein Haus. In jedes Zimmer deines Lebens sollst du Jesus hinein lassen. Wenn der Teufel sich aber in irgend einem Zimmer etabliert hat und du ihm nicht rauswirfst, dann bleibt er dort und schaut sich im Haus um, wo noch etwas frei ist. Du denkst, du hättest alle Türen für ihm verschlossen, aber das Fenster im Kommunikationszimmer (das ist dort, von wo aus du mit anderen kommunizierst oder Beziehungen pflegst) - da ist dir die Scheibe eingeworfen (durch die Tatsache, dass du nicht vergeben hast). Dort ist der Teufel herein gekommen und möchte dafür sorgen, dass du die kaputte Scheibe am besten nie bemerkst, darum attackiert er in ein anderes Zimmer deines Lebens. Er ist da und er beeinflusst dein Leben.

Es geht hier nicht um "wer hat mehr Macht". Denn in Jesus Christus bist du allen Mächte der Finsternis weit überlegen. Es geht hier vielmehr um ein reales Recht, das du dem Teufel durch die Verweigerung der Vergebung eingeräumt hast, nämlich das Recht, da zu sein und dich zu beeinflussen.

Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, ihr dessen Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder Sklaven der Sünde zum Tod oder Sklaven des Gehorsams zur Gerechtigkeit? Römer 6,16

Ja, aber wenn du wüsstest...

Ich habe in Gesprächen schon gehört: "Ja, aber wenn du wüsstest, was dieser Mensch mir angetan hat - das kann ich niemals vergessen!"

Die Frage ist hier: Kann ich es nicht vergessen, oder will ich es nicht vergessen? Die Schwere der Schuld macht die Vergebung in manchen Fällen wirklich schwer. Wenn dein Vater dich vergewaltigt und missbraucht hat, wenn jemand einen von dir geliebten Menschen getötet hat, dann ist die Vergebung schwerer, als wenn es um eine Beleidigung im Gespräch, einen Diebstahl oder etwas ähnliches geht. Und doch kommen wir an der biblischen Aussage nicht vorbei: Gott vergibt uns so, wie wir unseren Schuldnern vergeben.

Bitterkeit bindet uns - und auch diejenigen, welchen wir nicht vergeben haben. Eine Auswirkung unserer eigenen Gebundenheit ist die, dass wir genau so werden wie die Person, der gegenüber wir verbittert sind. Auch (oder gerade dann), wenn du dir 100 mal gesagt und geschworen hast: "So wie der, will ich nie werden", oder "Was er tut, so wie er lebt, das werde ich niemals tun". Genau das wird dir aber passieren, wenn Vergebung fehlt.

Die Folgen von Mangel an Vergebung sind: Bitterkeit, Rache, Hass, Mord (zuerst in die Fantasie und dann manchmal real).

Jesus kannte das Prinzip von Freisetzung durch Vergebung: Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Lukas 23, 34)

Dieses Gebet brachte den Schuldnern keine Rettung, aber es zeigte, wie Jesus unverdiente Vergebung verstand und wie wichtig sie ihm, dem Sohn Gottes in seiner schlimmsten Stunde, war. Indem Jesus um Vergebung für diese Menschen bat (was die eigene Vergebung einschließt), ermöglichte er auch deren Umkehr. Wir wissen aus der Bibel, dass zumindest einer der römischen Soldaten erkannte: Dieser war wirklich Gottes Sohn.

Vergebung befreit uns selbst und auch unsere Schuldner. Wenn wir nicht vergeben, binden wir beide.

Doch wenn wir uns schuldig gemacht haben und wir haben es eingesehen, unsere Schuld bekannt und Gott und den anderen Menschen um Vergebung gebeten, aber dieser vergibt uns nicht? Dann können wir uns im Namen Jesus von der Bindung lösen und wir sind befreit. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. 1. Johannes 1, 9

So ungern wir eine solche Botschaft hören mögen, sie ist nun einmal wahr: Wenn wir uns weigern, zu vergeben, so wird auch Gott uns nicht vergeben!

Als die Jünger Jesus fragten, wie sie beten sollten, antwortete er ihnen unter anderem: "...und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben." (Matthäus 6, 12). Wir beten also, dass der HERR uns tatsächlich so vergibt, wie wir unseren Schuldnern vergeben - das heißt auch, dass er uns nicht vergeben soll, wenn wir es nicht tun.

Dies zu beten schien den Jüngern etwas gewagt - denn sie mussten davon ausgehen, dass Gott ein solches Gebet ernst nimmt. Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal? Jesus spricht zu ihm: Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal siebenmal!" (Matthäus 18, 21-22)

Nun mag Petrus schnell nachgerechnet haben: 490 Mal muss ich also vergeben. Dann darf ich meinen Groll behalten...

Ich weiß nicht, ob du schon mal jemandem 490 mal vergeben hast - ich kann mich nicht erinnern, dass eine so hohe Zahl von Schuld mir gegenüber bei einer einzigen Person vorgefallen wäre. Ich weiß aber, dass Gott mir schon weit häufiger als 490 mal vergeben hat. Es geht nicht um das 491ste Mal - es geht um eine grundsätzliche Haltung in unserem Leben: Ich vergebe jedem, so wie mir vergeben wurde, und ich vergebe so oft, wie Gott mir vergibt.

Wenn du vergeben willst, aber meinst, dass du es nicht fertig bringst, weil eine solch entsetzliche Schuld vorliegt wie Missbrauch, seelische Qualen, Tötung eines Menschen oder ähnliches - dann suche dir bitte einen Christen, mit dem du unter vier Augen und im totalen Vertrauensverhältnis diese Dinge gemeinsam tragen und schließlich bei dem loswerden kannst, der gesagt hat, dass wir unsere Lasten auf ihn werfen sollen. Das Internet und E-Mail sind für solche Dinge ungeeignet. Du brauchst ein direktes Gegenüber. Das Internet kann dir helfen, die geeigneten Personen in deiner Nähe zu finden, aber das ist auch alles. Es ist möglich, auch in solchen Fällen zur Vergebung durchzudringen.

Den Folterknechten überlassen

Wenn wir uns weigern, jemanden zu vergeben, so vergibt uns Gott auch nicht. Wir hören so etwas nicht gerne - aber die Bibel ist diesbezüglich unmissverständlich. Dies macht Jesus auch in der Geschichte vom unbarmherzigen Knecht deutlich.

Deswegen ist es mit dem Reich der Himmel wie mit einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als er aber anfing, abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen.

Der Knecht nun fiel nieder, bat ihn kniefällig und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen. Der Herr jenes Knechtes aber wurde innerlich bewegt, gab ihn los und erließ ihm das Darlehen. Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Dinare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas schuldig bist! Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir bezahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe.

Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war. Da rief ihn sein Herr herbei und spricht zu ihm: Böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest. Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe? Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt. (Matthäus 18, 23 - 35)

Wenn wir unsere Sünde vor Gott bringen, bekennen, dann vergibt er und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Er befreit uns - wie der König diesen Diener, der ihm zehntausend Talente (das war die größte Geldeinheit damals, ein Millionenbetrag in Euro) schuldete. Nichts bleibt zurück von unserer Ungerechtigkeit, unserer Schuld. Wir sind frei.

Wir können aber diese Vergebung durch Gott rückgängig machen, wenn wir uns verhalten wie jener Knecht. Wir begeben uns aus der Gnade hinaus und bringen uns freiwillig unter den Fluch, wenn wir unsere Mitmenschen anders behandeln als Gott uns behandelt hat. Wo keine Vergebung ist, darüber wächst kein Gras, nicht in zehn Jahren und auch nicht in fünfzig Jahren.

Ein paar weitere Bibelstellen:

Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben. (Matthäus 6, 14-15)

Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. (Markus 11, 25)

Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; und verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden. (Lukas 6, 37

Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr! (Kolosser 3, 13)

-----------------------------------------------------------------------------------------------------Ein Artikel von www.glaube.de - dieser Glaubensgrundkurs darf kostenlos und nur unverändert weiterverbreitet und benutzt werden. Alle Rechte zur Veröffentlichung in Printmedien sind vorbehalten. Autoren: Cornelius Berghout, Berlin und Günter J. Matthia, Berlin, guenter@glaube.de Die Bibelzitate entstammen der revidierten Elberfelder Bibelübersetzung. -----------------------------------------------------------------------------------------------------

 

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