Grundkurs Teil 3 - Müssen wir noch etwas tun?

Wenn aber Erlösung durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade. Römer 11, 6
Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen, aber nicht vor Gott.
Römer 4, 2 Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben ist... 2. Timotheus 1, 9
Wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als Opfer ohne Fehler Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dient. Hebräer 9, 14
Ein Geschenk schließt eigenes Bemühen sowie eigenen Verdienst aus - sonst wäre es kein Geschenk, sondern höchstens eine Belohnung oder der Versuch des Schenkenden, etwas damit zu erreichen. Wenn jemand seinem Kind eine Tafel Schokolade überreicht, weil das Kinderzimmer so schön aufgeräumt ist, dann kann man nicht wirklich von einem Geschenk sprechen. Das Kind hat etwas getan, wofür es belohnt wird. Auch der kostbare Ring für die Ehefrau ist dann kein Geschenk, wenn der Mann sich damit von einer Schuld freikaufen will: "Ich habe dich gestern schlecht behandelt - hier ist ein Ring - nun ist alles wieder gut." Von einem Geschenk wird hier niemand ernsthaft sprechen.
Ein Geschenk sieht anders aus: Weil die Eltern ihr Kind lieben, erfüllen sie ihm einen Wunsch, ohne dafür irgend eine Gegenleistung zu erwarten oder das Geschenk zurückzufordern, wenn es zu einem Fehlverhalten kommen sollte.
Um ein Geschenk zu erhalten, müssen wir uns also nicht abmühen. Wir müssen es jedoch entgegen nehmen. Sonst können wir keinen Gebrauch davon machen.
Wenn dir jemand einen schönen Abend in einem guten Restaurant schenkt, dich zum Essen einlädt, dann hast du so lange nichts davon, wie du die Speisen nur wohlgefällig betrachtest. Wenn du aber zugreifst und es dir schmecken lässt, wird das Geschenk wirksam: Der Hunger schwindet und du genießt den Geschmack der Mahlzeit.
Brauche ich das Geschenk?
Das Geschenk entgegen zu nehmen, das die Bibel mit dem Wort Gnade bezeichnet, setzt Schuldbewusstsein voraus, denn Gnade ist der unverdiente Verzicht auf die Folgen eines Handelns, das schlimme Folgen haben müsste.
Wenn jemand seine Schuld Gott gegenüber nicht sieht, dann wird er nicht davon ausgehen können, dass er das Geschenk namens Gnade überhaupt braucht. Nur dann, wenn ich begreife, dass meine Sünde mich von Gott trennt, dass ich meinem Schöpfer gegenüber durch meine Sünde schuldig geworden bin und eigentlich die Folgen zu tragen habe - nur dann hat die Gnade überhaupt einen Wert. Die Bibel nennt dieses Erkennen der Schuld und das daraus folgende Flehen um Vergebung Buße, ein Begriff, der heute nicht mehr im ursprünglichen Sinn verwendet wird.
Ein Bußgeld bezahlen wir an die Polizei, weil wir zu schnell gefahren und dabei erwischt worden sind. Wir überweisen 30 Euro an die im Bußgeldbescheid angegebene Bankverbindung und ärgern uns möglicherweise, dass wir die Radarfalle nicht rechtzeitig bemerkt haben. Um das Fehlverhalten, nämlich die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten zu haben, macht sich kaum jemand Gedanken.
Das ist aber nicht das, was die Bibel mit Buße meint. Wir können uns nicht freikaufen, indem wir ein paar Euro in den Kollektenbeutel werfen oder ein paar "gute Werke" auf das himmlische Bankkonto überweisen. Vergebung, Reinigung von Sünde ist nur durch Blutvergießen möglich. Deshalb gab es im Alten Testament die Opfer und Reinigungsvorschriften, deshalb hat das Blut von Jesus Christus, der ohne Sünde gelebt hat, nun im Neuen Testament die Fähigkeit, unsere Sünde buchstäblich auszulöschen. Wer erkennt, dass er Schuld trägt vor dem heiligen Gott, der wird begreifen, dass er ein Geschenk benötigt: Gnade.
Das angenommene Geschenk der Gnade wird sichtbare Folgen in unserem Leben haben.
Das Annehmen des Geschenkes ist der erste Schritt. Wir müssen aber tatsächlich etwas tun, damit die Auswirkung der Erlösung in uns wirksam wird. Lesen wir dazu Jakobus 2, 21 - 24: Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde. Und die Schrift wurde erfüllt, welche sagt: »Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet«, und er wurde »Freund Gottes« genannt. Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird, und nicht aus Glauben allein.
Werke des Glaubens sind demnach sichtbare Folgen (also Handlungen) des totalen Vertauens, der Annahme Gottes und dessen, was er sagt. Gott hatte Abraham versprochen, dass er ein Vater von Nachkommen, zahlreicher als alle (sichtbaren) Sterne am Himmel, wie der Sand am Meer, werden würde. Nun sollte er seinen einzigen Sohn opfern. Abraham war dazu bereit, weil er Gott vertraute, dass die Verheißung dennoch in Erfüllung gehen würde.
Der Apostel Paulus hat dies zum Beispiel in Römer 5, 21 - 6, 2 deutlich gemacht: Wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so herrscht auch die Gnade durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn. Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunehme? Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie werden wir noch in ihr leben?
Gottes Strategie gegen die Sünde ist nicht Recycling. Er nimmt nicht Teile des "alten Menschen", die vielleicht noch irgendwie zu gebrauchen wären, er poliert nicht auf, was von der Sünde matt und verschmutzt ist, auch amputiert Gott nicht die sündigen Glieder des "alten Menschen". Nein, er tötet und begräbt den kompletten "alten Menschen", fängt mit etwas ganz Neuem an.
2. Korinther 5, 17: Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
Wir denken oft, dass wir gegen die Sünden kämpfen müssen, um nicht mehr zu sündigen. Dann sind wir genau so oft enttäuscht, das es wieder nicht geklappt hat. Die Sünde ist wie eine Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Nikotin - du willst nicht Gebrauch davon machen, aber du kannst nicht anders.
Nehmen wir das Rauchen als Beispiel für etwas, was du loswerden willst, falls du davon abhängig bist. Wenn du dagegen kämpfst, deine Aschenbecher, die Zigaretten und das Feuerzeug wegwirfst, so bist du noch lange nicht frei von der Abhängigkeit. Wenn du anderen sagst, dass du aufgehört hast, so kann das schon ein wenig Hilfe sein, denn du weißt: die anderen beobachten mich jetzt, ob ich mich auch daran halte. Aber richtig frei macht das auch nicht, dafür gibt es genügend Beispiele...
Wenn ein alter Apfelbaum keine gescheite Äpfel mehr trägt, dann hilft es nichts, alle Äpfelchen im Anfangsstadium der Reife abzuschneiden. Abgesehen davon, dass dies sehr mühsam wäre, sind zwar alle schlechten Äpfelchen weg - aber es gibt keine gute Äpfel an ihrer Stelle, und die schlechten Früchte kommen im nächsten Jahr sowieso wieder.
Was bringt aber gute Äpfel an diesen Baum? Kann dieser Baum überhaupt noch gute Früchten erzeugen? Ja, er kann! Man sägt den alten Stamm (der "alte Mensch") ab, und pfropft in der verbliebene Stumpf ein Edelreis von einem Baum, der gute Früchten trägt. Dann wächst auf dem alten Stumpf ein neuer Baum, der ebenso gute Früchten trägt wie der, von dem dieses Edelreis stammt.
Unser "alter Mensch" ist tot. Gottes Geist ist in uns (eingepfropft), wir sind eine neue Kreatur in Christus. Wenn wir Gottes Wort an der erste Stelle setzen, also mehr für wahr halten als die Umstände, befreit uns das wirklich. Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Das hört sich gut an, nicht wahr? Ein Geschenk nur annehmen zu müssen, Gottes Wort nur glauben, und schon sind wir erlöst! Wenn das alles ist, was wir wissen müssen, um wirklich erlöst zu sein, dann können wir jetzt einen Punkt setzen und der Grundkurs ist hiermit abgeschlossen.
Merkwürdigerweise (oder besser gesagt, um es mehr zu betonen, "merkens-würdig") ist dies tatsächlich alles, was wir wissen müssen, um die Erlösung in Anspruch nehmen zu können.
Doch das Wissen im Verstand muss zu einem Begreifen mit dem Herzen werden, sonst nützt uns die ganze Erkenntnis nichts.
Du kannst die komplette Theorie der Fahrschule beherrschen, die Straßenverkehrsordnung auswendig gelernt haben und auch noch wissen, wie ein Auto funktioniert - wenn du dich nicht in das Fahrzeug setzt und losfährst, wird das ganze Wissen dich nicht von Punkt A nach Punkt B bringen.
Dieses "mit dem Herzen Begreifen" geschieht bei der Beschäftigung mit dem Wort Gottes und der Umsetzung des Gelesenen in unserem Alltag. Darum sollten wir einige Begriffe gründlich untersuchen, damit wir sie in diesen Zusammenhang richtig verstehen und auf unser Leben beziehen können. Viele Worte haben mehr als nur eine Bedeutung. Um die Erlösung (an)nehmen zu können, müssen wir wissen, wie wir die betreffende Schlüsselworte verstehen müssen, sonst bleibt es bei lebensfremder Theorie.
Ergänze einmal bei folgenden Bibelstellen das jeweilige Wort in Überschrift mit den angegebenen Begriffen. Du wirst erleben, dass dein Verständnis für das, was die Bibel mit den entsprechenden Worten ausdrückt, erheblich zunimmt. (Für diese Zusammenstellung ist die revidierte Elberfelder Bibelübersetzung die Grundlage gewesen; falls du eine andere Übersetzung benutzt, mag der Begriff nicht immer wörtlich auftauchen. Sinngemäß wird aber auch in diesem Fall verständlich, worum es jeweils geht.)
Ein Beispiel: In Römer 3, 24 steht: ...und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Der Begriff Erlösung wird ergänzt bzw. ersetzt durch Befreiung. Dann heißt es: ...und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Befreiung, die in Christus Jesus ist.
Erlösung
Römer 3, 24: Befreiung; Epheser 1, 7: schuldenfrei; 1.Timotheus 2, 6: Befreiung; 1. Kor. 1, 30: neuer Status; Epheser 1, 14: Statusveränderung; Hebräer 9, 15: Befreiung; Galater 3, 13: befreit; Kolosser 1, 14: neuer Status
Gnade
Johannes 1, 17: Vergebung; Apostelgeschichte 15, 11: Vergebung; Römer 6, 14: Vergebung; Apostelgeschichte 6, 8: Göttliche Liebe; Römer 3, 24: Liebe; Römer 11, 6: unverdient; Apostelgeschichte 14, 26: Segen /Schutz; Römer 4, 4: nicht kostenlos/unverdient
Glaube / glauben
Matthäus 9, 22: Vertrauen; Lukas 8, 25: Zuversicht; Römer 10, 17: Erkenntnis der Wahrheit; Matthäus 15, 28: Vertrauen; Römer 1, 8: nach dem Evangelium leben; 1. Kor. 2, 5: (Selbst)Vertrauen; vertraue; Römer 4, 9: Gehorsam; 2. Korinther 10, 15: Autorität; Markus 9, 24: Wille, zu vertrauen; Römer 4, 14: Bündnis mit Gott
Wahrheit "Was ist Wahrheit? " (Johannes 18, 38).
Markus 12, 32: richtig; Johannes 3, 21: das Wesentliche; Johannes 14,6: Reinheit, Gerechtigkeit, Liebe; Lukas 21, 3: genau genommen; Johannes 4, 23: Reinheit / Vollkommenheit; Johannes 14, 17: den Heiligen Geist; Johannes 1, 17: Gerechtigkeit; Johannes 8, 44: Gerechtigkeit / Liebe; Apostelgeschichte 26, 25: es stimmt;
gestorben sein / Tod (sein)
Matthäus 2, 19 - 20: physisch gestorben; Römer 6, 2: geistlich gestorben; Markus 5, 39: prophetisch, wahrscheinlich geistlich gemeint; Römer 6, 7 - 8: geistlich gestorben; Markus 9, 26: physisch tot / gestorben; Römer 8, 34: physisch und geistlich gestorben; Lukas 15, 24: geistlicher Tod (ist bildlich gemeint); Römer 8, 10: geistlich tot; Apostelgeschichte 5, 10: physisch tot; Kol. 2, 13 geistlich tot; Römer 7, 8: kraftlos, wenn alles erlaubt ist, gibt es; Jakobus 2, 26: physisch tot, geistlich tot
Leben
Matthäus 6, 25: irdisches / ewiges Leben; Markus 9, 43: das ewige Leben; Matthäus 7, 14: das ewige Leben; Johannes 5, 39: das ewige Leben; Matthäus 16, 25: das irdische, sündig, alte Leben; Römer 8, 6: Erfüllung; Matthäus 19, 17: das ewige Leben; 1. Korinther 15, 19: das irdisches Leben
"alter Mensch" / sterblicher Leib - "neuer Mensch":
Römer 6, 6: unsere alte Lebensweise ohne Jesus; 1. Korinther 6, 19 - 20: der neugeborene Geist; Römer 6, 12: unser altes, sündiges Wesen; 2. Korinther 5, 17: Erneuerung des Geistes; Römer 8, 10: unsere alte Lebensweise
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Autoren: Cornelius Berghout, Berlin corneliusb@glaube.de und Günter J. Matthia, Berlin, guenter@glaube.de
Die Bibelzitate entstammen der revidierten Elberfelder Bibelübersetzung.
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