Grundkurs Teil 4 - Die Taufe

"Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein, da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei,
dass wir der Sünde nicht mehr dienen." (Römer 6, 3-6)
Was es bedeutet, "mit Jesus gekreuzigt" zu sein, haben wir bereits in diesem Grundkurs behandelt, aber ein erneuter Blick auf Lukas 23, 35-43 verdeutlicht in diesem Zusammenhang, was mit uns, wenn wir Christen geworden sind, geschehen ist - und vor allem, welche Haltung die Voraussetzung ist, die Erlösung am Kreuz persönlich in Anspruch zu nehmen.
Und das Volk stand und sah zu; es höhnten aber auch die Obersten und sagten: Andere hat er gerettet. Er rette sich selbst, wenn dieser der Christus Gottes ist, der Auserwählte! Aber auch die Soldaten verspotteten ihn, indem sie hinzutraten, ihm Essig brachten *und sagten: Wenn du der König der Juden bist, so rette dich selbst!
Es war aber auch eine Aufschrift über ihm in griechischen und lateinischen und hebräischen Buchstaben: Dieser ist der König der Juden. Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und uns!
Der andere aber antwortete und wies ihn zurecht und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du in demselben Gericht bist? Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!
Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein"
Hier werden zwei unterschiedliche Haltungen sichtbar bei zwei Männern, die buchstäblich "mit Christus gekreuzigt" sind. Die Haltung, welche zwingend notwendig ist, um die Erlösung durch Jesus annehmen zu können, ist der Haltung des zweiten Übeltäters: absolute Demut, Selbstaufgabe, Schuldbewusstsein und Abkehr von der Schuld (mit einem älteren begriff Buße genannt) sowie totale Abhängigkeit von Gott.
Das heißt aber nicht etwa Passivität, wir sollen vielmehr in der totalen Abhängigkeit vom Herrn, mit absolutem Vertrauen dass er uns führt, aktive Schritte wagen und diese ständig auf ihre Richtigkeit prüfen.
Die Taufe ist eine bewusste Äußerung, das Bezeugen, mit Christus gekreuzigt zu sein. Insofern kann eigentlich eine Säuglingstaufe nur symbolischen Wert für die Familie des Babys haben, denn eine eigene Entscheidung hat das Kind noch nicht treffen können. Die Diskussion über die Kindertaufe soll an dieser Stelle nicht geführt werden, manch ein als Säugling bereits getaufter Mensch hat sich, nachdem er gläubig wurde, erneut taufen lassen, andere haben in einem symbolischen Akt die nach ihrer Geburt durchgeführte Taufe sozusagen im Nachhinein bewusst anerkannt. Da Gott das Herz ansieht, und nicht das, was vor Augen ist, dürfen wir diese Frage nach der Säuglingstaufe getrost beiseite stellen - sie hat keine Bedeutung für die geistliche Dimension, sondern eher für die Konfessionszugehörigkeit.
Die Taufe ist im biblischen Kontext ein Zeugnis für die sichtbare Welt, also die Menschen - sowohl die mit uns Glaubenden als auch - vor allem sogar - die nicht an Jesus glaubenden Menschen. Und sie ist ein Zeugnis für die unsichtbare Welt, sowohl für das Reich Gottes als auch für den Teufel und seine Dämonen.
Nur derjenige kann etwas bezeugen, der auch etwas erlebt oder getan hat - oder könnte jemand ein glaubhafter Zeuge für eine geschäftliche Transaktion sein, der Informationen darüber lediglich aus der Presse entnommen hat? Wohl kaum. Er mag eine Menge darüber wissen, aber er hat keinerlei Erleben aus erster Hand vorzuweisen.
Die Taufe ist diese Zeugenaussage: "Ich glaube, und mit Jesus Christus ist mein bisheriges Ich gestorben und als neue Kreatur auferstanden." Jemand, der über das Christsein zwar viele Informationen hat, selbst aber nicht glaubt, kann demnach diese Zeugenaussage durch die Taufe nicht machen.
Warum sollen wir ein Zeugnis ablegen?
Wenn wir uns vor längerer Zeit entschlossen haben, jemanden beim Renovieren zu helfen, kann es gut sein, dass wir Monate oder Jahre später voll im Stress stehen und diese Zusage tatsächlich vergessen. Wenn wir dann daran erinnert werden, sind wir gar nicht mehr so davon überzeugt, dies einmal fest versprochen zu haben.
Wenn wir aber beschlossen haben, jemanden beim Renovieren zu helfen und es bald darauf auch in der Tat umgesetzt, eine Woche hart gearbeitet haben, dann wissen wir das Jahre später noch. Zumindest erinnern wir uns an die Tatsache, wenn auch einzelne Details vergessen sind. Hast du Acrylfarbe oder eine Dispersion aufgetragen? Das mag dir nicht mehr einfallen, aber dass du deinem Freund beim Einzug in die Wohnung geholfen hast, das weißt du noch.
Das gilt, um ein weiteres Beispiel zu wählen, auch für eine Liebesbeziehung. Deine erste Gefühle magst du vielleicht nicht mehr in allen Details in Erinnerung haben, oder deine erste Gespräche mit dem geliebten Menschen. Aber die Hochzeit vergisst man nicht, das Ja im Standesamt bleibt unverrückbar im Gedächtnis.
Jesus möchte eine Besiegelung von uns über unser Ja zu ihm. Nicht, weil er es je vergessen würde, sondern um unserer eigenen Erinnerungsschwäche willen.
Warum aber vor der unsichtbaren Welt ein Zeugnis ablegen? Der Teufel ist, so nennt ihn die Bibel, der Vater der Lüge. Es ist sein Ziel, dich und mich vom Glauben abzubringen. Und wenn wir dann mal nicht so gut drauf sind, Dinge tun, die nicht dem Willen Gottes entsprechen, dann kann es sein, dass der Feind kommt und dir ins Ohr flüstert (oder dich damit anschreit): "Bist du dir wohl sicher, ein entschiedener Christ zu sein?"
Dann ist es wichtig, dass du deiner Entscheidung sicher bist und dich nicht vom Feind in die Irre führen lässt. Die Taufe ist deine Erklärung auch vor der unsichtbaren Welt, dass du eine "neue Kreatur" bist, dass du vom Reich der Finsternis in das Reich Gottes adoptiert wurdest. Die Taufe ist der markante Punkt der Dokumentation, dass der Feind, auch wenn er dir etwas anderes vorlügt, jegliches Anrecht an deinem Leben verloren hat.
Also: Zwei wichtige Gründe für das Vollziehen der Taufe, wenn du eine Beziehung mit Jesus eingegangen bist, sind:
1.) Die Besiegelung deiner Beziehung mit Jesus, als Zeugnis für die sichtbare Welt. Das tust du hauptsächlich für den Herrn und aus Liebe zu Jesus, weil die Bibel die Gläubigen auffordert, sich taufen zu lassen.
2.) Die Besiegelung deiner Beziehung mit Jesus, als Zeugnis für die unsichtbare Welt. Das tust du hauptsächlich für dich selbst, als Absicherung, gegen Lügenattacken des Feindes und als Dokumentation, dass du nunmehr einem anderen Reicht angehörst.
Wir wollen an dieser Stelle ein paar Bibelstellen anschauen, die konkret von der Taufe reden.
Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden. Markus 16, 16
Dieser Bibeltext sagt deutlich, dass gläubig werden und die Taufe unbedingt zusammen gehören. Wenn aber jemand nicht (mehr) in der Lage ist, getauft zu werden (wie zum Beispiel der zweite Übeltäter, der mit Jesus gekreuzigt wurde, oder jemand, der sich auf dem Sterbebett bekehrt), ist er dennoch errettet, weil er Jesus als seinen persönlichen Erlöser und Retter angenommen hat.
Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, ließen sie sich taufen, sowohl Männer als auch Frauen. Apostelgeschichte 8, 12
Hier wird (wie an vielen weiteren Stellen in der Bibel) deutlich, dass zur Zeit der ersten Gemeinde die Taufe dem Glauben unmittelbar folgte.
Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder?
Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Apostelgeschichte 2, 37-38
Was sollten die zum Glauben gekommenen tun? Sie sollten Buße tun (das heißt umkehren von ihren alten Wegen, der bisherigen Lebensweise) und sich taufen lassen. Die hier verheißene "Gabe des Heiligen Geistes" kann man auch vor der Taufe empfangen, jedoch nicht, bevor man glaubt.
Ein Beispiel dafür finden wir in Apostelgeschichte 10, 44-48: Während Petrus noch diese Worte (das Evangelium) redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung (das heißt die Juden), so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch auf die Nationen (auf die Menschen, die nicht zum jüdischen Volk gehörten) die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir? Und er befahl, dass sie getauft würden im Namen Jesu Christi. Der Herr gießt also auch den Heiligen Geist aus über die, die noch nicht getauft sind, quasi als Vorschuss, jedoch auch ohne die Bedingung, sich dann taufen zu lassen. Die Taufe ist ein freiwilliger Schritt des Gehorsams. Der Herr möchte diese Besiegelung deiner Beziehung mit Jesus, aber es zu tun oder zu lassen ist unsere Entscheidung, errettet bist du auch, wenn du glaubst und (noch) nicht getauft bist.
Zum Weiterlesen:
Es gibt (in der revidierten Elberfelder Bibelübersetzung) zahlreiche Bibelstellen, in denen die Taufe als Wort erwähnt wird:
Matthäus 3,7; Matthäus 3,11; Matthäus 3,13; Matthäus 21,25; Markus 1,4; Markus 1,9; Markus 10,38; Markus 10,39; Markus 11,30; Lukas 3,3; Lukas 3,16; Lukas 3,21; Lukas 7,29; Lukas 12,50; Lukas 20,4; Johannes 1,26; Johannes 4,1; Apostelgeschichte 1,22; Apostelgeschichte 10,37; Apostelgeschichte 13,24; Apostelgeschichte 18,25; Apostelgeschichte 19,3; Apostelgeschichte 19,4; Römer 6,4; Epheser 4,5; Kolosser 2,12; 1.Petrus 3,21
Eine Reihe von weiteren Versen bezieht sich ohne den Gebrauch des Wortes Taufe auf den gleichen Sachverhalt:
Matthäus 3, 6; Matthäus 3, 13-16; Markus 1, 5+8-9; Markus 10, 38-39; Lukas 7, 29-30; Lukas 12, 50; Johannes 3, 23; Apostelgeschichte 1, 5; Apostelgeschichte 11, 16; Apostelgeschichte 16, 15; Apostelgeschichte 19, 3-5; Römer 3, 6; Markus 16, 16; Apostelgeschichte 8, 13; 1. Korinther 1, 13-16; Lukas 3, 7; Apostelgeschichte 8, 16; 1. Korinther 10, 2; Lukas 3, 12; Apostelgeschichte 8, 36; 1.Korinther 12, 13; Lukas 3, 21; Apostelgeschichte 10, 47-48; Galater 3, 27
Die Tatsache, dass die Bibel an so vielen Stellen über die Taufe spricht, sollte uns Anlass sein, diese Überlegungen sehr ernsthaft vorzunehmen.
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Autoren: Cornelius Berghout, Berlin corneliusb@glaube.de und Günter J. Matthia, Berlin, guenter@glaube.de
Die Bibelzitate entstammen der revidierten Elberfelder Bibelübersetzung.
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