Grundkurs Teil 6 - Leben mit der Kraft des Heiligen Geistes

Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist und den Geist wider das Fleisch; diese widerstreben einander, so dass ihr nicht tut, was ihr wollt.
Werdet ihr aber vom Geist geleitet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Ehrgeiz, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Mord; Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, dass die, welche solches tun, das Reich Gottes nicht ererben werden.
Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz. Welche aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden.
Wenn wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wandeln. Lasst uns nicht nach eitlem Ruhme gierig sein, einander nicht herausfordern noch beneiden! Galater 5, 16 - 26
Paulus fordert hier die Christen in Galatien auf: "Wandelt im Geist" - was heißt das? Wenn er das als Aufforderung sagt, so dürfen wir davon ausgehen, dass es eine Alternative dazu gibt und dass wir uns entscheiden können, es zu tun oder zu lassen.
Wir haben einen neuen Geist von Gott empfangen, der von Gottes Geist erfüllt wird, und wenn wir "im Geist wandeln", heißt das, dass unser Geist mit Gottes Geist zusammenarbeitet. Auf diese Weise werden wir die "Werke des Fleisches", wie Paulus sich ausdrückt, nicht mehr vollbringen (das heißt nicht mehr genötigt sein, sie tun zu müssen).
Es ist an dieser Stelle entscheidend wichtig, dass wir den ursächlichen Zusammenhang verstehen. Ohne das "Leben im Geist" ist jegliches Abmühen vergeblich. Es wird uns vielleicht gelingen, weniger zu lügen, weniger zu stehlen, weniger Unreinheiten in unserem Leben zu dulden - aber das macht uns nicht zu den Menschen, die wir als Christen sein sollen und dürfen. Ein "guter Mensch" in den Augen der Welt geht an der Errettung vorbei in den ewigen Tod, wenn er nicht eine persönliche Entscheidung trifft, an Jesus Christus zu glauben und ihm zu folgen.
Viele Gläubige mühen sich ein Leben lang ab, "bessere" Menschen zu werden und schaffen es nie wirklich. Dies hat in der Geschichte sogar zur Selbstverstümmelung geführt, mancher Christ schlug sich mit Geißeln blutig oder quälte sich durch andere Methoden. Das schiefe Bild, das zahlreiche Menschen vom Christentum haben, hat durchaus etwas damit zu tun, wie wir uns als Gläubige präsentieren. Wenn wir in ständiger Angst vor Strafe und Frustration über unser fortwährendes Versagen unfroh dahinvegetieren, gezwungenermaßen zum Gottesdienst gehen und stöhnend die Bibel lesen, weil es zum "guten Ton" gehört, dann sind wir nicht gerade einladende Menschen für die Welt um uns herum.
Es wird nicht aus unserer Kraft und Anstrengung heraus gelingen, die "Werke des Fleisches" aus unserem Leben zu verbannen. Das gewünschte Resultat lässt sich jedoch ganz ohne Quälerei und Frustrationen erreichen, wenn wir, um bei der Ausdrucksweise des Paulus zu bleiben, "im Geist wandeln".
Bevor wir uns die praktischen Schritte anschauen, wie man das tun kann, wollen wir einen Blick auf die Auswirkungen werfen.
Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit, haben wir in dem Text oben gelesen. Das beschreibt doch einen Christen, der die Menschen in seiner Umgebung neugierig macht auf das, was ihn so anders leben lässt. Ein solcher Mensch ist "Licht in der Finsternis", sein Leben wird zum "Salz", das inmitten der Geschmacklosigkeit deutlich herauszuschmecken ist.
Wenn wir also "im Geist leben", so leben wir im Sieg über unser Fleisch (das ist unser alter Mensch, die sündige Lebensgewohnheiten). Paulus beschreibt diesen für uns vergangenen Lebensstil in den Versen 19-21: "Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Ehrgeiz, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen."
"Leben im Geist" ist Leben in direkter Verbindung mit Gottes Geist. Dies ist die einzige Möglichkeit, die herrlichen Auswirkungen der Erlösung, welche Jesus für uns am Kreuz bewirkt hat, im Alltag, hautnah, zu erleben.
Man hört sehr oft diese Fragen: "Wie sieht nun der Zugang zu einem solchen Leben mit und in Gottes Geist aus?" "Was muss ich alles tun oder lassen, damit Gott mir (endlich) seinen Frieden gibt?" Was muss ich alles tun oder lassen, um mich erlöst zu fühlen?" "Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam. - Wann erlebe ich denn das alles endlich mal?"
Leben in einer direkten Verbindung mit Gottes Geist
Diese direkte Verbindung mit Gottes Geist setzt diese Dinge voraus:
1. Glauben = vertrauen auf Gottes Wort 2. Gemeinschaft = Gott kennen lernen 3. Liebe = das tun, was Gott wichtig ist 4. Ehrfurcht = Wertschätzung 5. Gehorsam = das tun, was Gottes Wort, die Bibel, sagt - auch und gerade in schwierigen Umständen.
Diese Punkte wollen wir kurz ansprechen.
1. Glauben
Wir müssen lernen, Gott zu vertrauen, dass er hält, was er zusagt; auch dann, wenn die Umstände ganz anders aussehen.
Dein Wort ist Wahrheit. (Johannes 17, 17) Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. (Psalm 33, 4) In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Rettung gehört habt, in ihm seid auch ihr, als ihr glaubtet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geiste der Verheißung. (Epheser 1, 13) Wenn er im Finstern wandelt und ihm kein Licht scheint, so vertraue er auf den Namen des HERRN und halte sich an seinen Gott. (Jesaja 50, 10)
2. Gemeinschaft
Nur wenn wir Zeit mit dem Herrn verbringen, können wir ihn in seiner Wesensart und sein Handeln kennen lernen. Wenn wir jemanden nicht kennen, werden wir höchstens oberflächliche Kontakte mit ihm pflegen und können das Zusammensein mit ihm nicht genießen.
Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Angesicht allezeit. (2. Könige 6, 19) Der HERR ist mit euch, wenn ihr mit ihm seid; und wenn ihr ihn suchet, so wird er sich von euch finden lassen. (2. Chronik 15, 2) Von dir sagt mein Herz, dass du sprichst: «Suchet mein Angesicht!» Dein Angesicht, o HERR, will ich suchen. (Psalm 27, 8) Ihr, die ihr Gott suchet, euer Herz soll aufleben. (Psalm 69, 33) Fragt nach dem HERRN und seiner Stärke, sucht sein Angesicht beständig. (Psalm 105, 4) Sucht den HERRN, während er sich finden lässt! Ruft ihn an, während er nahe ist. (Jesaja 55, 6)
3. Liebe
Es ist Gottes höchstes Anliegen, dass wir in seiner Herrlichkeit leben. Viel wichtiger, als Dinge "für den Herrn zu tun", ist unsere Beziehung zu ihm. Deshalb auch sein großartiges Angebot der Erlösung für uns. Es macht Gott traurig, wenn wir das nicht aktiv in Anspruch nehmen, also unsererseits alles tun, um ihm Freude zu machen. Du kannst stundenlang für die Gemeinde oder Kirche Zeit investieren, aber wenn dein Leben nicht in erster Linie auf eine Liebesbeziehung mit Gott ausgerichtet ist, fehlt dir die wichtigste Grundlage.
Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott getan sind. (Johannes 3, 21)
4. Ehrfurcht
Wir müssen uns bewusst machen, wie groß und wunderbar, wie gewaltig und doch so liebevoll unser himmlischer Vater ist. Habe ich ihn darüber gelobt? Ist mir bewusst, dass ich es mit dem Schöpfer des Universums zu tun habe?
Und sie gerieten in große Furcht und sprachen zueinander: Wer ist doch der, dass der auch Wind und das Meer ihm gehorsam sind? (Markus 4, 41) Gott, unser Heil, der du bist Zuversicht aller auf Erden und ferne am Meer. (Psalm 65, 5) Die Herrlichkeit des HERRN erschien in einer Wolke. (2. Mose 16, 10) Erzählet seine Herrlichkeit unter den Heiden und seine Wunderwerke unter allen Völkern. (1. Chronik 16, 24) Dein, o HERR, ist die Majestät, die Gewalt, die Herrlichkeit, der Glanz und der Ruhm! Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein, HERR, ist das Reich, und du bist als Haupt über alles erhaben! (1. Chronik 29, 11)
5. Gehorsam
Hier müssen wir acht geben, dass wir Gehorsam nicht mit Gesetzlichkeit verwechseln. Der Apostel Paulus hat viel Raum in seinen Briefen darauf verwendet, die Christen über dieses Missverständnis aufzuklären. Wenn wir anfangen, gesetzlich zu denken und zu handeln, verlassen wir unweigerlich den Grundsatz der Errettung aus Gnade - der geschenkten Erlösung. Wir fangen an, uns durch Wohlverhalten und "gute Taten" den Platz im Himmel zu sichern und gehen völlig an dem befreienden "Leben im Geist Gottes" vorbei. Dieses versuchte Sichern der Errettung durch Gesetzestreue ist zum Scheitern verurteilt:
Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch vertrauen zu können - ich noch mehr. Beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebräer von Hebräern; dem Gesetz nach ein Pharisäer; dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde; der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden. Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten; ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde - indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens. (Philipper 3, 4-11)
Das vorbildliche und ansteckende Leben, das wir führen, ist eine Frucht. Eine Frucht kann man nicht "machen". Die Frucht des Heiligen Geistes in unserem Leben wächst, wird reif und wirkt sich auf uns und unsere Umgebung aus. Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit können und sollen wir nicht produzieren, sondern ernten.
Gehorsam ist etwas anderes: Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und seiner Stimme gehorsam sein! (Josua 24, 24) Siehe, Gehorsam ist besser als Opfer. (1. Samuel 15, 22) Seid ihr willig und gehorsam, so sollt ihr das Gut des Landes essen. (Jesaja 42, 24) Und wir sind Seine Zeugen dieser Tatsachen, und der Heilige Geist, welchen Gott denen gegeben hat, die ihm gehorsam sind. (Apostelgeschichte 5, 32) Von Jesus heißt es in der Bibel, dass er sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuzestod. (Philipper 2, 8) Gehorsam heißt, dass wir Gottes Wort als Autorität über unsere eigenen Entscheidungen und Empfindungen anerkennen. Jesus selbst war verzagt und ängstigte sich vor seiner Kreuzigung, aber er entschied sich: Dein Wille geschehe, nicht meiner.
Nun die entscheidende Frage: Wie kommen wir zu solch einer Frucht?
Alle Theorie über das "Leben im Geist" (oder wie man es auch bezeichnen will) nützt nichts, wenn uns die Schritte zur praktischen Anwendung unbekannt sind. Für Menschen, die ihr Leben als Christen gerade erst begonnen haben, ist es gelegentlich nicht so leicht, aus der Fülle der Bibel diese Umsetzungsmöglichkeiten in den Alltag herauszusuchen. Das ist ja der Anlass, überhaupt diesen Grundkurs anzubieten.
1. Nimm dir Zeit für Gott.
Es kann nicht oft genug betont werden: Du wirst das Leben aus der Kraft Gottes nicht ohne direkte Verbindung mit der Kraftquelle kennen und genießen lernen. Es genügt nicht, einmal pro Woche die Kirche oder Gemeinde zu besuchen und vielleicht noch vor dem Einschlafen zwei Minuten für das Gebet zu opfern. In eine menschliche Beziehung investiert jeder von uns Zeit, wenn es ihm ernst damit ist. Kannst du dir eine Ehe vorstellen, bei der die Partner sich einmal wöchentlich für eine oder zwei Stunden treffen und ansonsten einander einen abendlichen Monolog von zwei Minuten anbieten?
Jeder von uns teilt sich seinen Tag individuell ein. Meine persönliche Zeit mit Gott verteilt sich auf mehrere Abschnitte, andere stehen eine Stunde früher auf, wieder andere nehmen sich am Mittag eine Stunde Zeit... - du kannst herausfinden, was in deinen Rhythmus passt. Wir wollen natürlich hier kein neues Gesetz aufstellen, sondern nur die Empfehlung aus eigener Erfahrung weitergeben: Die Beziehung zu Gott ohne Investition von Zeit mit ihm wird eine oberflächliche bleiben und wenig Auswirkungen im Leben, wenig "Frucht" zeigen.
2. Lade den Heiligen Geist bewusst ein
Wie wir weiter oben bereits gesehen haben, kommt und wirkt der Heilige Geist nicht ohne Einladung in unser Leben. Wie bei der Errettung und der Taufe gilt: Gott vergewaltigt uns nicht, auch nicht mit guten Gaben. Der Heilige Geist kommt in dein Leben, wenn du ihn dazu einlädst.
Wie sich das auswirkt, ist wiederum so individuell wie du selbst. Die Frucht des Heiligen Geistes wird wachsen in deinem Leben, die Gaben des Heiligen Geistes sind verschieden. Diesem Thema wird eine weitere Folge des Grundkurses gewidmet sein. Vorab jedoch so viel: Nicht jeder redet in unbekannten Sprachen, nicht jeder bekommt prophetische Eindrücke, nicht jeder wird zum Lehrer des Evangeliums.
3. Geduld ist notwendig
Im Gegensatz zur Errettung, die augenblicklich geschieht, liegt es in der Natur einer Frucht, dass sie wachsen und reifen muss. Manche Auswirkungen des neuen Lebensstils wirst du relativ schnell feststellen können, bei anderen ist viel Geduld notwendig. Wichtig ist, nicht aufzugeben. Auch wenn du zum Beispiel deinen Jähzorn nicht sofort beherrschen kannst - du wirst zu einem sanftmütigen und liebenswerten Menschen, wenn du auf dem Weg bleibst. Auch wenn du entsetzt feststellst, dass dich eine Sünde überwältigt hat - du wirst immer weniger empfänglich dafür werden, wenn du auf dem Weg bleibst.
4. Gemeinschaft mit Christen
Wenn es dir möglich ist, pflege eine verbindliche Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Ein Hauskreis, eine Bibelstudiengruppe, ein regelmäßiges Treffen mit gläubigen Schülern an deiner Schule, was auch immer: Suche den Austausch mit anderen.
Das Hören einer Predigt und das Lesen eines Buches (oder dieses Grundkurses) sind wertvolle Momente in deinem Leben, aber der Austausch mit anderen über deine individuellen Probleme und Fragen, das gemeinsame Gebet für einander, das gemeinsame Gespräch über die Bibel können dadurch nicht ersetzt werden.
Es gibt Situationen, in denen ein Christ auf sich selbst gestellt ist - aber diese Lage ist kein erstrebenswerter Dauerzustand. Versuche, andere Christen zu finden und durch regelmäßige Treffen nach und nach ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.
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Ein Artikel von www.glaube.de, dieser Glaubensgrundkurs darf kostenlos und nur unverändert weiterverbreitet und benutzt werden. Alle Rechte zur Veröffentlichung in Printmedien sind vorbehalten.
Autoren: Cornelius Berghout, Berlin corneliusb@glaube.de und Günter J. Matthia, Berlin, guenter@glaube.de
Die Bibelzitate entstammen der revidierten Elberfelder Bibelübersetzung.
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