Grundkurs Teil 8 - Gerechtigkeit

Oft empfinden wir etwas als ungerecht, weil unsere Ansprüche falsch sind. Anwälte leben davon, dass Menschen unterschiedliche Rechtsauffassungen vertreten und Richter entscheiden, wie das Recht auszulegen und anzuwenden ist.
Gerechtigkeit ist in der Bibel ein wichtiges Thema. Gerechtigkeit in der Heiligen Schrift ist immer mit dem Recht Gottes verbunden, nicht mit dem, was Menschen an Gesetzen aufstellen. Menschliches Recht kann verändert werden - die Gerechtigkeit Gottes steht unerschütterlich fest.
Paulus schreibt in Römer 9, 30 - 10, 3: Was wollen wir nun sagen? Dass die Nationen, die nicht nach Gerechtigkeit strebten, Gerechtigkeit erlangt haben, eine Gerechtigkeit aber, die aus Glauben ist; Israel aber, das einem Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebte, ist nicht zum Gesetz gelangt.
Warum? Weil es nicht aus Glauben, sondern als aus Werken geschah. Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes, wie geschrieben steht: »Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«
Brüder! Das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen für sie zu Gott ist, dass sie errettet werden. Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit rechter Erkenntnis. Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.
Die biblische Definition von Gerechtigkeit erscheint uns auf den ersten Blick unlogisch. Wir sind gerecht, weil wir in einem richtigen Verhältnis zu Gott leben und nicht, weil wir bestimmte Regeln einhalten.
Das heißt: Es geht darum, Gott wohlgefällig zu sein. Das wiederum heißt: Die geschenkte Gnade, die Gaben, Möglichkeiten und Fähigkeiten von ihm anzunehmen, ohne sie verdienen zu wollen. Wir erarbeiten uns die Gerechtigkeit nicht, sondern wir bekommen sie geschenkt.
Also was müssen wir tun, um in Gottes Augen gerecht zu sein?
Das einzige was wir unbedingt tun müssen ist: Nichts tun. Wir sollen nichts tun, um vor Gott gut dazustehen. Wir sollten nichts tun, um etwas von Gott erbitten zu dürfen. Wir sollten nichts tun, um das Erbetene besser, schneller oder sicherer zu bekommen. Wir sind nie, unter keinen Umständen, gerecht vor Gott durch unsere Leistungen, unser Verhalten. Wir sind nur gerecht durch eine einzige Rechtfertigung, und zwar die, die Jesus für uns vollbracht hat am Kreuz. Das - und nur das - bewirkt für alle, die es für sich persönlich in Anspruch nehmen, die vollständige Erlösung.
Wir sind - wie in diesem Grundkurs bereits behandelt - durch unsere Buße und Umkehr Erben Gottes geworden. Ein Erbe wird nicht erarbeitet oder verdient, sondern es gehört per Testament dem Erben.
Die Gerechtigkeit Gottes ist für uns oft so schwer zu begreifen, weil wir durch unsere Gesellschaft ganz anders geprägt sind: Lohn gibt es für Leistung, wer etwas erreichen will, muss es sich erarbeiten. Das fängt im frühen Kindesalter an (wenn du dein Zimmer aufräumst, bekommst du ein Eis), setzt sich in der Schule fort (für gute Noten muss man lernen) und hört im Berufsleben nicht auf (Beförderung gibt es für die Leistungsträger). Auch im menschlichen Miteinander denken und verfahren wir in der Regel nach diesem Muster. Wenn jemand nichts für mich tut, unfreundlich ist oder mich ignoriert - werde ich diesem Menschen Gutes tun? Werde ich ihm helfen, wenn er in Not gerät?
Die Gerechtigkeit Gottes ist völlig anders. Jesus hat alles für uns bezahlt und getan. Kinder Gottes sind Erben Gottes.
Wenn wir als Christen anfangen, uns nun Gerechtigkeit erarbeiten, verdienen zu wollen, sagen wir damit: "Was Jesus für mich am Kreuz getan hat, war zu wenig; ich muss noch etwas mithelfe. Was Jesus für mich am Kreuz getan hat, dass habe ich nicht verdient, also reicht die bedingungslose Annahme für mich nicht aus, ich muss mich erst mal bewährten vor Gott". Und das ist falsch, das widerspricht der Gnade. Paulus hat es so formuliert: Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus umsonst gestorben. (Galater 2, 21)
Ich habe aber gesündigt!
Wenn wir gesündigt haben - müssen wir nicht spätestens dann etwas tun, um es wieder gut zu machen? Ja und nein.
Ja: Wir bekennen dem Herrn, dass wir gesündigt haben, und wir nehmen die Vergebung aus Gnade - als Geschenk - an.
Nein: Wir können uns die Vergebung nicht durch anschließendes Wohlverhalten oder besonders viel "Arbeit für den Herrn" verdienen.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. (1. Johannes 1, 9)
Was ist hier gemeint mit "Ungerechtigkeit"? Sünde trennt uns von Gott, diese Tatsache wurde am Anfang des Grundkurses ausführlich erörtert. Durch die Gnade ist unsere Sünde vergeben und für Gott vergessen, er sagt, dass er "ihrer nicht mehr gedenken will".
Dies ist der Bund, den ich für sie errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr, ich werde meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie auch in ihren Sinn schreiben"; und: "Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken." Wo aber Vergebung dieser Sünden ist, gibt es kein Opfer für Sünde mehr. (Hebräer 10, 16-18)
Obwohl das Gesetz Gottes "in unser Herz und unseren Sinn geschrieben" ist, sind wir nicht frei von jeglicher Versuchung, Unachtsamkeit und auch nicht frei von unserem "alten Menschen". Sünde wird vorkommen in unserem Leben als Gläubige.
Wenn wir aber unsere verkehrten Handlungen, Gedanken oder Worte, wenn wir unsere Sünde bei Jesus abgegeben haben, sagt uns die Bibel, dass Gott uns reinigt von dieser Ungerechtigkeit. Wenn man etwas durch Reinigung entfernt, ist es nicht mehr da. An die Stelle der Ungerechtigkeit tritt die Gerechtigkeit.
Der Teufel ist daran interessiert, uns die vergebene Sünde vorzuhalten. Er freut sich an unseren Schuldgefühlen, er freut sich, wenn wir uns selbst schuldig sprechen, depressiv werden und schließlich aufgeben: "Ich schaffe es ja doch nicht."
Das ist nämlich seine einzige Chance, uns aus dem Reich Gottes wieder in sein Reich zu holen, indem wir aufgeben, kapitulieren und den Glauben verwerfen. Nichts und niemand kann uns aus der Hand Gottes reißen als nur wir selbst. Satan und seine Dämonen können das nicht fertig bringen.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins. (Johannes 10, 27-30) Deshalb erinnert uns die Bibel an so vielen Stellen an diese Gnade, die Gerechtigkeit Gottes, die uns gehört. Wir dürfen uns gereinigt von jeder Ungerechtigkeit wissen. Wir dürfen und sollen die Gewissheit über unsere Freiheit von Schuld und Sünde, unsere Reinheit vor Gott aussprechen und über unsere Rechtfertigung jubeln.
Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen, aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? »Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.« Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit.
Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, wie auch David die Seligpreisung des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet: Glückselig die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind! Glückselig der Mann, dem der Herr Sünde nicht zurechnet! (Römer 4, 2 - 8)
Gerechtigkeit - ohne Gesetzestreue
Wir können unmöglich das gesamte Gesetz Gottes halten. Jesus sagte in Matthäus 5 den Zuhörern, dass kein einziges Pünktchen des Gesetzes aufgehoben wird. Die Schriftgelehrten und Pharisäer waren die gesetzestreusten Menschen ihrer Zeit - zumindest äußerlich. Jesus stellte folgenden Anspruch auf: Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen. Jesus kam nicht, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es (als einziger) zu erfüllen. Und nur dadurch ist es uns möglich, in das Reich Gottes hinein zu kommen.
Selbst die großen Glaubenshelden der Bibel schafften es nicht, alle Gebote zu halten. Deshalb kann auch nur Jesus Christus uns zu Erben der Gerechtigkeit Gottes machen. Deshalb gibt es keinen anderen Weg, keine andere Wahrheit und kein anderes ewiges Leben als nur durch Christus. Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, wirst du errettet werden. (Römer 10, 9)
Aus dem Glauben die Gerechtigkeit Gottes leben - das wird dann dazu führen, dass unsere Werke nicht mehr "Werke der Ungerechtigkeit" sind, sondern "Werke der Gerechtigkeit". Was ist mit diesen Begriffen gemeint?
Wie wir in diesem Kurs bereits gezeigt haben, sind wir in dem Moment, in dem wir gläubig werden, eine "neue Schöpfung". In uns wohnt jetzt der Heilige Geist und wenn wir es ihm erlauben, wird er unseren menschlichen Geist verändern. Wir werden - ganz natürlich und ohne Krampf - das tun, was Gott möchte und das lassen, was unser "alter Mensch", geprägt vom System dieser Welt, wollte.
Das wird dazu führen, dass wir tatsächlich immer mehr zu Menschen werden, die den Gesetzen Gottes treu sind - als Folge unserer Errettung, nicht als Voraussetzung. Das ist der große Unterschied: Wir sind nicht errettet, weil wir gerecht sind, sondern wir sind gerecht, weil wir errettet sind.
Gerechtigkeit Gottes - sie ist völlig anders als menschliche Gerechtigkeit. Wir dürfen daran festhalten, unser Leben darauf bauen.
Es stimmt, dass dies etwas schwer zu begreifen, zu ergreifen ist, weil es (wie gesagt) unserem Empfinden widerspricht. Es ist ein Lernprozess, bei dem wir nicht sofort Vollkommenheit erwarten können, aber es ist umso wichtiger, nicht aufzugeben.
Ich habe selbst lange gebraucht, um das wirklich zu verstehen und in die Praxis umzusetzen. Mein persönliches Rezept, das mir geholfen hat: Der Hebräerbrief ist sehr gut dazu geeignet, sich mit dem Thema Gerechtigkeit Gottes zu beschäftigen. Als ich feststellte, dass ich noch häufig versuchte, ein "guter Mensch" zu sein, um meine Errettung nicht zu gefährden, las ich täglich einmal den Hebräerbrief (das sind nur etwa 16 Seiten) als ein Schreiben an mich ganz persönlich.
Vielleicht hilft dir dieser Tipp ja auch, die Gerechtigkeit als unverdientes Geschenk wirklich begreifen zu können.
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Autoren: Cornelius Berghout, Berlin corneliusb@glaube.de und Günter J. Matthia, Berlin, guenter@glaube.de
Die Bibelzitate entstammen der revidierten Elberfelder Bibelübersetzung.
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