Günter J. Matthia: Advent

Weihnachten
Advent, so hofft mancher, sei die Zeit der Stille. Die dunkle Jahreszeit lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen - was heutzutage jedoch durch den vorweihnachtlichen Trubel in den Geschäftsstraßen erschwert wird. Es ist schon irritierend, wenn aus den Lautsprechern etwas von "stiller Nacht" erklingt, während Fahrgeschäfte rattern, Marktschreier ihre Schnäppchen anpreisen und entnervte Eltern ihre Kinder anbrüllen...
Und dennoch: Mancher Mensch kommt tatsächlich zur Ruhe, später, zu Hause. Doch selbst das ist nicht immer Garantie für fröhliche Festtage. Manche Familien geraten in heftigen Streit, wenn die normalen Alltagspflichten plötzlich im Tagesablauf fehlen. Andere, die Einsamen und Verlassenen, empfinden ihre Einsamkeit viel stärker und quälender als in der Geschäftigkeit des Alltags.
Der Adventskranz weist mit seinen Kerzen auf das Licht hin, das Christus in die Welt gebracht hat. In vielen Wohnungen steht ein Baum, geschmückt mit Lichtern und Lametta. Darunter liegen die Geschenke. Je nach finanziellen Möglichkeiten ist vom selbstgebastelten Wandschmuck bis zur Luxus-DVD-Anlage mit Plasmabildschirm und Surround-Sound alles möglich. Andere verzichten auf Geschenke und leisten sich lieber einen Skiurlaub oder eine Reise in sonnige Gegenden.
Ist das Weihnachten?
Für viele Menschen hat Weihnachten nichts mehr mit irgend einem Bezug zum christlichen Glauben zu tun. In Firmenkreisen ist es inzwischen üblich, nur noch von "Jahresend-Feiern" zu sprechen, da man den Begriff Weihnachten für zu religiös hält. Weihnachtsmänner und lächerliche Engelimitationen bestimmen die Schaufensterdekorationen. Die Krippe, der Mensch gewordene Gottessohn, die majestätischen Engel, die frohen Hirten und die anbetenden Weisen aus dem fernen Land sind aus dem öffentlichen Leben verschwunden; lediglich in manchen Familien und vielen Kirchen sind sie noch zu finden. Weihnachten in der Öffentlichkeit findet jedoch ohne Gottes Kommen als Mensch statt.
Doch das ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite kann man beobachten, dass die Menschen viel offener für das Evangelium sind als noch vor ein paar Jahren. Ich habe in den letzten Monaten mit Arbeitskollegen, Nachbarn, Fremden über Jesus und über Gott sprechen können, ohne dass das in irgend einer Weise peinlich oder sonderbar wirkte. Sie kommen von sich aus und fragen nach dem Glauben. Es ist überhaupt nicht anstrengend, ins Gespräch zu kommen. Sie sind hungrig, und sie bemerken es.
Von einer Erzieherin in einem (nicht kirchlichen) Kindergarten hörte ich, dass die Kinder sie bestürmen: "Erzähl uns bitte was von Gott!" Musik mit christlicher Botschaft erzielt Erfolge, die vor einigen Jahren undenkbar gewesen wären. Der König von Narnia war in den Kinos - egal wie gut oder schlecht die Verfilmung gelungen sein mag, bei diesem Film und Buch bestehen Metaphern zu Jesus. Die Menschen sind hungrig, und sie bemerken es.
Hunger
Gebt ihr ihnen zu essen! sagt Jesus seinen Jüngern (Lukas 9, 13). Das gilt auch heute. Wenn jemand einwendet, dass die Menge viel zu groß ist, als dass wir ihren Hunger stillen könnten, dann ist dieses Argument so falsch und so richtig wie damals, als fünf Brote und zwei Fische zur Verfügung standen. Richtig daran ist: Es reicht nie und nimmer. Falsch daran ist: Es kommt auf unseren Vorrat an.
Wenn wir anfangen, das auszuteilen, was wir haben, dann sorgt der Herr dafür, dass keiner hungrig nach Hause gehen muss. Wenn du kein Evangelist bist, sondern nur ein bescheidener Nachfolger Jesu, dann reicht dein persönliches Zeugnis in einem Gespräch aus, um viel mehr in Bewegung zu setzen, als du vielleicht ahnst. Aus deinem kleinen Brot kann Gott Speise für Tausende machen - wenn du es hergibst. Das Brot wird jedoch nichts ausrichten, wenn du es für dich behältst.
Wenn wir den Menschen nicht zu essen geben, suchen sie nach Ersatz. Sie sind nämlich wirklich hungrig. Sie werden irgend etwas essen - New Age, Esoterik, Humanismus, Islam, Atheismus, germanische Götterkulte, fernöstliche Religion, Tantra-Sex, Homöopathie, spirituelle Reisen... der Feind Gottes ist keineswegs einfallslos oder sparsam mit seiner Ersatznahrung.
Weihnachten kann für viele Menschen in deiner Umgebung der alles verändernde Wendepunkt in ihrem Leben werden. Vergiss einmal all das Negative, was heute zweifellos mit diesem Fest verbunden ist. Öffne statt dessen die geistlichen Augen für die große Chance, die uns zur Verfügung steht.
Wir sind als Gemeinde Jesu Christi nicht mehr in der Defensive. Wir fangen an, Land einzunehmen statt zurückzuweichen. Wir fangen an, das Reich Gottes in unsere Länder zu holen, anstatt vor dem Reich der Finsternis zu fliehen. Es gibt keinen Grund, sich des Evangeliums zu schämen - im Gegenteil. Dein bescheidenes kleines Brot, dessen du dich schämst, weil andere so viel größere Brote zu haben scheinen, kann dazu beitragen, dass der Hunger abnimmt, dass er gänzlich verschwindet.
Advent ist die Erscheinung Jesu Christi auf dieser Welt. Lass ihn auch zu deinen Nachbarn, Freunden, Kollegen, Schulkameraden und Verwandten kommen. Sie haben Hunger.
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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: G.J.Matthia, Redaktionsmitarbeiter
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