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23-04-04

Günter J. Matthia: Bist Du schon tot?

Römer 7, 4: So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht bringen.
Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, dass unsere Freiheit vom Gesetz nur dadurch entsteht, dass wir unserem ICH sterben - beziehungsweise getötet werden.


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Es ist gar nicht so leicht zu begreifen, dass wir von den Urteilen des Gesetzes frei sind. "O nein", denken wir, "frei vom Gesetz kann ich nicht sein; ich kenne doch seine Forderungen. Ich weiß doch um all die "Du sollst" und "Du sollst nicht" in der Bibel."
Und doch sagt der Apostel Paulus: "Ihr seid frei von den Urteilen des Gesetzes, wenn ihr dem Gesetz gestorben und mit dem Auferstandenen vereinigt seid, so frei, als wäre uns niemals ein Gesetz gegeben, weder ein noch zehn Gebote. Diese Freiheit ist dadurch entstanden, dass ihr dem Gesetz getötet und in einem neuen Verhältnis, in einer neuen Welt wieder auferstanden seid."

Bist du schon tot?

Es wäre ausgesprochen leichtsinnig, sich zu leicht und zu schnell tröstliche Dinge anzueignen, ohne sie zu verstehen. Man kann sich solche Zusagen in einem sehr menschlichen Sinn nehmen und sagen: "Wir sind frei vom Gesetz; inwiefern hätten wir nötig, uns um das Gesetz zu kümmern? Vor dem Gesetz kann sowieso niemand bestehen." Doch Paulus sagt in Römer 7 etwas anderes: "Nein, warte, es ist nicht meine Meinung, dass alle Menschen frei vom Gesetz sind; es kommt darauf an, ob du dem Gesetz getötet bist. Du darfst und kannst dich nicht selbst davon lösen."

Es ist wie mit der Ehe. Eine Frau, schreibt Paulus, ist frei von dem Bund mit ihrem Mann, wenn dieser verstorben ist. Wenn der Ehemann nicht tot ist, ist die Frau auch nicht frei von ihrem Bund (was für den Mann ebenso gilt, er wird erst durch den Tod seiner Frau frei von der ehelichen Verpflichtung zur Treue). Genau so ist es mit der Verpflichtung zur Gesetzestreue. Das Gesetz gilt, so lange der Mensch lebt.
Wir gelangen also nur durch einen Tod zur Freiheit vom Gesetz. Paulus macht hier deutlich, wie falsch und anmaßend es ist, sich einzubilden, man habe Gnade durch Christus auch dann, wenn man nicht "dem Gesetz getötet" ist, sondern seine Hoffnung noch immer darauf setzt, dass Gesetzestreue zur Errettung helfen würde. Unter dieser Voraussetzung zu gewissen Zeiten an Gnade, sozusagen als eine Ergänzung unserer eigenen mangelhaften Gerechtigkeit, zu denken, halten viele für Glauben an Christus; und doch ist das nichts anderes als ein geistlicher Ehebruch.
Solange der Ehepartner lebt, ist ein Mensch an das Eheversprechen gebunden. Wer sich mit einem anderen Menschen vereinigt, wird Ehebrecherin beziehungsweise Ehebrecher genannt.

Zwei entgegengesetzte Sachverhalte im Herzen vermengen zu wollen, sowohl den, durch das Gesetz gerecht zu werden, als auch den, Gnade durch Christus zu haben, ist geistliche Leichtfertigkeit, ist geistlicher Ehebruch. Es bedeutet, die Verpflichtung zum Gesetz zu brechen, während man es noch vollkommen zu erfüllen schuldig ist, weil man ja durch das Halten des Gesetzes gerecht werden will.
Wer durch das Gesetz gerecht zu werden sucht, der ist "das ganze Gesetz schuldig", und das vermag niemand zu schaffen. Gnade und Freiheit von den Urteilen des Gesetzes gehören einem ganz anderen Menschen: Dem, der dem Gesetz getötet ist und seine ganze Gerechtigkeit nur in dem Auferstandenen sucht.

Zwei verschiedene Wege

Die Bibel beschreibt zwei ganz verschiedene Bündnisse, "die zwei Testamente". Es sind zwei verschiedene Wege zur Gerechtigkeit - der Weg des Gesetzes und der Weg der Gnade. Im Alten Testament gab es Opfer, Rituale, Vorschriften, um "gerecht" zu werden, um mit Gott ins Reine zu kommen, weil niemand in der Lage war, das ganze Gesetz tatsächlich zu erfüllen.
Paulus schreibt in Römer 4, 4-5: Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit. Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.
In Galater 3, 10 wird Paulus ebenso deutlich: Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!
Es ist, will der Apostel warnen, sehr gefährlich, sich einzubilden, man hätte Gnade, obwohl man auf dem Wege der Werke unterwegs ist. Man muß auf diesem Weg des Gesetzes alles erfüllen - oder aber verflucht sein. So unheilvoll ist der Irrtum, auf Gnade zu hoffen, während man noch unter dem Gesetz lebt.

Vollkommen frei von den Urteilen des Gesetzes ist aber der Mensch, der dem Gesetz getötet und mit Christus vereinigt wurde. Der Apostel sagt hier, dass er ebenso frei ist, wie die Frau, deren Mann verstorben ist. Das Eheband ist durch den Tod des Mannes gelöst, so dass die Frau jetzt frei und ohne Sünde einen anderen Mann nehmen kann. So wenig wie der tote und begrabene Mann ein Recht auf sie oder eine nachwirkende Macht über sie hat, so wenig können die Bedingungen und Urteile des Gesetzes den Christen betreffen, der in der Glaubensvereinigung mit Christus lebt. Das Gesetz kann einen solchen Christen weder gerecht machen noch verdammen.

Wenn ein Mensch also dem Gesetz gestorben ist, dann ist Christus jetzt (um bei dem Gleichnis von der Ehe zu bleiben) sein rechtmäßiger Ehemann. Es ist kein Irrtum, dass er sich frei sieht von dem alten Bund und seinen Bedingungen. Er ist tatsächlich frei davon.

Und doch ist da oft der Gedanke: "Ist es richtig, ist es sicher, dass ich von den Urteilen des Gesetzes frei bin?" Paulus sagt, dass wir ruhig sein können, so wie es der Frau frei steht, einen anderen Mann zu nehmen, nachdem der vorherige gestorben ist. Genau so sind wir durch den Tod von dem ersten Bund mit allen seinen Bedingungen und Urteilen frei.
Aus dem alten Bund sind die Gläubigen in den Bund Christi, den Bund der Gnade, versetzt. Christus ist das Haupt und der Bräutigam der Gemeinde. Mit diesem Bild von Braut und Bräutigam, von Mann und Frau, ist Sein Verhältnis zu den Gläubigen in der Bibel oft dargestellt.

Sind wir jetzt Gesetzlose?

Obwohl die Gläubigen durch ihre Verbindung mit Christus nicht mehr unter dem Gesetz leben, sind sie doch, wie der Apostel sagt, "nicht ohne Gesetz vor Gott, sondern in dem Gesetz Christi". Glücklich und bereitwillig nehmen sie jetzt das Gesetz aus Seiner Hand, haben ihre "Lust an Gottes Gesetz", und sagen nun von Herzen: "Seine Gebote sind nicht schwer." Warum? Weil die schwerste Last, nämlich die der Sünde und der Verdammnis, weggenommen ist. Als Martin Luther den Unterschied zwischen dem Gesetz als einem Bund und dem Gesetz als einer Richtschnur für das Leben verstand, da empfand er eine solche Erleichterung und Freude, dass er "auf einer der Paradiesesstraßen zu wandeln" meinte.

Wenn ich weiß, dass ich für alle mir noch anhaftenden Sünden, Fehler und Mängel eine ewige Gnade und Freiheit von den Urteilen des Gesetzes habe, wie sehr werde ich dann Seine Gebote als Verdeutlichung dessen, was meinem Erlöser Freude macht, schätzen.

"Auf dass wir Gott Frucht bringen" heißt es am Schluß des oben zitierten Verses. Hier stoßen wir, wie die Vernunft meint, auf einen Widerspruch. Frucht bringen - das ist doch am Ende wieder das Einhalten von Geboten?

Es ist ein Irrtum, dass man vom Gesetz gebunden sein muß, um Gott Frucht zu bringen; möglichst viele gute Werke zu tun. Der Apostel Paulus lehrt gerade das Gegenteil. Er sagt, dass wir erst dann, wenn wir dem Gesetz getötet sind, Gott Frucht bringen können.

Um dem Gesetz getötet, im Gewissen von dessen Urteilen und dessen Herrschaft befreit zu sein, müssen wir in und aus Gnade leben. Wenn das Gesetz noch im Gewissen herrscht, tun wir alles Gute nicht für Gott, sondern für uns selbst. Es sind nur Werke des Eigennutzes, um dem Bösen zu entfliehen und Lohn zu gewinnen. Wir versuchen, durch "gutes Verhalten", durch Gehorsam aus Angst vor Strafe, Pluspunkte zu sammeln. Kann das Gott gefallen?

Gott hat keine Freude an unserer Knechtschaft durch das Gesetz. Wenn wir hingegen von den Urteilen des Gesetzes frei, begnadigt und im Glauben gerechtfertigt sind, dann werden Gott und Sein Gesetz uns lieb, dann tun wir den Willen Gottes aus Lust und Liebe des Herzens. Das heißt "Gott Frucht bringen", und das ist der einzige Weg, den Jesus für uns freigemacht hat, um Gott zu gefallen.

Der eine stiehlt nicht, weil er Angst vor Strafe hat. Der andere stiehlt nicht, weil er seinem Erlöser Freude machen möchte. Der Unterschied liegt nicht in den Auswirkungen, sondern in unserem Denken, so wie es etwas ganz anderes ist, ob eine Frau ihrem Mann "gehorcht", ihm aus Angst vor Strafe "gehorsam" ist - oder ob es zwischen den beiden Ehepartnern eine tiefe Liebe gibt, die beide dazu veranlaßt, das zu tun, was dem anderen Freude macht.

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Ein Artikel von www.glaube.de
Autor: Günter J. Matthia, Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Günter J. Matthia ist Autor des Buches Es gibt kein Unmöglich
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