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10-07-04

Günter J. Matthia: Das Ende der Krämpfe

"Ich schaffe es einfach nicht. Ich habe mich so angestrengt, und jetzt ist es wieder passiert." Oft wird in Seelsorgegesprächen dieses verzweifelte Seufzen hörbar. Da hat sich jemand abgemüht, krampfhaft versucht, der Sünde Widerstand zu leisten, mit aller Anstrengung versucht, zu glauben - und ist gescheitert.

Diese Person musste scheitern, es gab von vorne herein gar keine andere Möglichkeit. Warum?


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In unserer westlichen Gesellschaft sind wir von Kindheit an mit einem Denken geprägt, das ungeheuer viel Befreiung und Segen verhindert hat. Es stammt aus dem Humanismus, der davon ausgeht, dass der Mensch sich durch eigenes Bemühen und Streben an den Haaren aus dem Sumpf ziehen kann. Der Humanismus hat unbestritten auch gute Entwicklungen in Gang gesetzt, aber dieser Same, der gesät wurde, ist tödlich: "Der unaufhebbare Ausgangspunkt ist das einmalige, nicht wiederholbare menschliche Individuum. Humanistinnen und Humanisten trauen ihm eine eigenständige Entscheidung zu. Sie respektieren und teilen dessen Wunsch und Recht, nach den eigenen Maßstäben gut zu leben." (Zitat aus "Humanistisches Selbstverständnis", am 10.11.2001 durch die HVD-Bundesdeligiertenversammlung in Hannover beschlossen)

Nach den eigenen Maßstäben gut zu leben - das steht zu dem, was die Bibel sagt, in einem unüberbrückbaren Widerspruch. Es bedeutet, dass der Mensch in der Lage wäre, sich Maßstäbe zu setzten, die ihn aus Problemen und Schwierigkeiten heraus holen würden. Schon ein Blick auf die Gesellschaft in unserem Land zeigt, dass dies bisher nicht funktioniert hat. Es wird auch weiter nicht funktionieren.

Aus humanistischer Sicht ist der christliche Glaube - und damit Gott - kleinkariert, engstirnig und beraubt den Menschen jeglicher Freiheit. Deshalb tritt der Humanismus dafür ein, "die Dominanz der christlichen Kirchen zu überwinden", um zu einem klar formulierten Ziel zu kommen: "Auf vernunft- und naturorientierte Ausgangspunkte folgen agnostische, existentialistische, marxistische, liberale, pragmatische, psychologische bzw. psychoanalytisch begründete und skeptische Standpunkte". (Zitate aus der gleichen genannten Quelle aus dem Jahr 2001)


Leider hat diese Prägung auch uns Christen in vielen Bereichen beeinflußt, ohne dass wir das gewünscht oder bemerkt hätten. Dadurch - und nur dadurch - kommt es zu den krampfhaften Versuchen, ein gutes, Gott angenehmes Leben zu führen und zum regelmäßigen, unausweichlichen Scheitern. Dadurch kommt es zum Widerspruch zwischen Realität in unserem Leben und dem Wort Gottes, auch was Heilung und Befreiung betrifft.


Der Weg aus dieser Misere ist kein Geheimnis, denn er steht seit 2000 Jahren in der Bibel.


Wir können mit Leichtigkeit und ohne Krämpfe zur Befreiung von allen seelischen und körperlichen Nöten kommen, wenn wir uns an das halten, was das Wort Gottes sagt. Die folgenden Zitate sind aus dem Römerbrief, Kapitel 8, entnommen.


Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.
Diese etwas altertümlich anmutende Übersetzung (Elberfelder) kann man nicht ohne genaues Hinsehen verstehen. Zunächst sagt Paulus, dass es für uns, wenn wir "in Christus sind", keine Verdammnis, keine Verurteilung gibt. Warum? Weil wir befreit wurden vom Gesetz der Sünde und des Todes. Dieses Gesetz sagte: Du mußt so und so handeln und leben, damit du nicht schuldig wirst. Das konnte und kann aber kein Mensch wirklich lückenlos schaffen. Selbst die großen Glaubenshelden des Alten Testamentes nicht. Keiner, nicht ein einziger schafft das.
Die "Rechtsforderung des Gesetzes" verlangt Strafe für die Sünde. Dadurch, dass der einzige, der das Gesetz erfüllt und gehalten hat, Jesus Christus, für die Sünden der Menschheit bezahlt hat, ist diese Rechtsforderung erfüllt. Und diese Tatsache soll "in uns erfüllt" werden, sagt Paulus. Das "Wandeln nach dem Geist" heißt nichts anderes, als dass unser Geist (nicht der Heilige Geist) diesen Zusammenhang begreift und danach lebt.


Damit unterscheiden wir uns grundlegend von den Menschen, die ohne Gott leben:
Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist. Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden, weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht. Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen.
Es ist eine Gesetzmäßigkeit, der niemand entrinnen kann: Menschen ohne Gott sind auf das ausgerichtet, was "des Fleisches" ist, Christen sind auf das Gegenteil ausgerichtet: Leben und Frieden. Der Mensch ohne Gott kann gar nicht anders, als in Feindschaft gegen Gott zu leben, auch wenn er meinen mag, "neutral" zu sein. Es gibt keine Möglichkeit für ihn, Gott zu gefallen.

Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Ist aber Christus in euch, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen. Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.
Ein Verständnisproblem besteht im Deutschen darin, dass "Geist" nur ein einziges Wort ist, während das Griechische dafür verschiedene Begriffe kennt. Die deutschen Übersetzungen unterscheiden nicht zwischen dem Heiligen Geist und dem menschlichen Geist, wenn nur das Wort "Geist" benutzt wird.
Paulus sagt hier: Euer menschlicher Geist ist nach der Bekehrung verändert, neu geboren durch den Heiligen Geist. Das geschieht durch die Wiedergeburt. Wir brauchen nichts weiter tun, unser Geist ist erneuert im Moment der Umkehr zu Gott.
Der menschliche Geist ist also erneuert. Der Heilige Geist wohnt in uns. Wozu? Um unseren Geist so zu schulen und zu trainieren, dass wir die krampfhaften und vergeblichen Bemühungen um "Besserung" gar nicht erst unternehmen, weil sie sowieso nur zum Misserfolg führen können. Wir brauchen nichts weiter, als ein Verständnis dafür, was seit der Bekehrung verändert ist.

So sind wir nun, Brüder, nicht dem Fleisch Schuldner, um nach dem Fleisch zu leben; denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.
Wir sind dem "Fleisch", dem alten Denken, nichts mehr schuldig. Wenn wir versuchen, uns auf die alte (humanistische) Art zum Guten zu verändern, wird das zum Untergang führen. Wenn wir aber, wie Paulus vorschlägt, "durch den Geist die Handlungen des Leibes" töten, kommt Leben dabei heraus. Durch den "Geist" - das ist unser menschlicher Geist, der durch den Heiligen Geist beeinflußt und geprägt wird. Unser menschlicher Geist wird durch den Geist Gottes geleitet, das zeichnet uns als Kinder Gottes aus.

Was heißt das nun konkret?

Wir lassen unseren menschlichen Geist dadurch schulen und wachsen, dass wir Zeit mit dem Wort Gottes und im Gebet verbringen. Gemeinschaft mit Gott ist der Schlüssel. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, ich persönlich schätze und pflege das abwechselnde Gebet in Zungen und mit dem Verstand und das Bibelstudium zu festgesetzten Zeiten (die ich mir nicht durch andere Termine nehmen lasse).
Die Auswirkungen sind unumgänglich: Mein menschlicher Geist ändert sich, wird stärker in dem, was der Heilige Geist liebt und schätzt, und das führt zu einer phänomenalen Veränderung: Die Versuchungen und Verführungen schwinden, ich werde immer stärker im Glauben, ich ändere mein Denken grundlegend. Ich habe keine Angst mehr vor Sünde, Versagen, Krankheit, Nöten, sondern ein stetig wachsendes kindliches Vertrauen, dass mein Vater im Himmel sich um das kümmert, was ich sowieso nicht schaffen würde:
Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.
Ich bin kein Knecht der Sünde mehr. Ich unterliege nicht mehr dem Gesetz. Ich fürchte mich nicht mehr, wozu denn auch? Wenn mein menschlicher Geist davon geprägt und erfüllt ist, dass ich einen Vater im Himmel habe, den ich wie ein kleines Kind Papa nennen kann und soll, und wenn dieser Papa der Herr aller Herren und der König aller Könige ist - was bitte sollte mir da Angst machen können?
Paulus erklärt diese befreiende Konstellation in den eben zitierten Versen: Der Heilige Geist selbst versichert uns, wenn wir das vorangegangene verstanden und umgesetzt haben, zusammen mit unserem menschlichen Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wir erinnern uns daran, dass es keine Verdammnis für uns gibt, absolut keine, und dass wir befreit sind vom Gesetz der Sünde. Als Kinder Gottes sind wir Miterben Christi - das bedeutet, dass uns alles, was Christus hatte und hat, genauso zusteht.

Klingt das vermessen? Paulus wird sogar noch "unverschämter":
Denn ich denke , daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat - auf Hoffnung hin, daß auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Hier ist die Rede von Herrlichkeit der Kinder Gottes und davon, dass die Schöpfung sehnsüchtig auf den Moment wartet, in dem die "Söhne Gottes" offenbar werden. Das bist du, das bin ich, weil wir die Miterben sind, von denen hier die Rede ist. Die Schöpfung, unsere Welt, wartet sehnsüchtig darauf, dass du sie befreist von ihrer Knechtschaft, dass du sie befreist zur Herrlichkeit der Kinder Gottes. Wir sind diejenigen, die hier gefragt sind. Gott wird es nicht ohne uns, seine Kinder und Erben, tun.

Das könnte uns überfordern, und es überfordert leider viele Christen, die den Zusammenhang des erneuerten Geistes nicht verstanden haben. Sie strengen sich an, zwingen sich krampfhaft zu Handlungen, die ihnen völlig schwierig und unnatürlich sind, versuchen, durch Gehorsam und Zucht und Ordnung Gott gefällig zu werden. Sie trainieren sich unter vielen Qualen allerlei Verhaltensweisen an, von denen sie annehmen, dass sie einem christlichen Lebensstil entsprechen. Sie zwingen sich zu allerlei religiösen Übungen. Sie werden immer verkrampfter (wenn sie dranbleiben, manch einer gibt auch einfach auf), und das führt unweigerlich dazu, dass die Welt sie nicht ernst nehmen kann, dass die Menschen ohne Gott einen Gott nicht haben wollen, der aus seinen Nachfolgern solche absonderlichen Gestalten macht.

Es geht nur auf die Weise, die Gottes Wort uns lehrt:

Unser menschlicher Geist, das, was in uns neu geworden ist durch die Wiedergeburt, erfährt Veränderung durch den Geist Gottes. Das führt dazu, dass wir alle Versuche aufgeben dürfen und können, aus unserer Kraft ein besseres Leben zu führen. Wir ernähren unseren Geist, lassen ihn stark werden und erfahren die Veränderung als Nebeneffekt, zwangsläufig, als ganz natürliche Folge. Die Lust zur Sünde schwindet, die Frucht des Geistes wächst. Ganz ohne Krampf, ganz ohne Kampf.
Eine Frucht wächst, das ist eine unvermeidliche Folge, wenn die Voraussetzung stimmt.
Du wirst erleben, wie dein Charakter sich ändert: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit werden den Platz einnehmen, den Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen vorher inne hatten. (Galater 5)
Wenn du möchtest, dass dein Christsein ansteckend, attraktiv und auch für dich selbst zu einem angenehmen, befreiten und glücklichen Lebensstil wird, dann trenne dich von der humanistischen Vorstellung, du könntest Maßstäbe für ein glückliches Leben setzen oder gesetzte Maßstäbe erreichen.
Statt dessen laß dich befreien zu einem Leben in echter, geschenkter (nicht erarbeiteter) Freiheit und Heiligung.


Für die Praxis:



  • Nimm dir Zeit für das Bibellesen, lies lieber kurze Abschnitte mehrmals und aufmerksam, als viele Kapitel im Höchsttempo zu verschlingen.

  • Bete im Heiligen Geist (in Sprachen), weil das deinen menschlichen Geist stärkt und sicher macht: Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht (der Heilige Geist), weiß, was der Sinn des Geistes (des menschlichen Geistes) ist, denn er verwendet sich für Heilige (also für dich) Gott gemäß (so, wie es im Sinne Gottes ist).

  • Bete mit dem Verstand und bitte vor allem darum, dass dein menschlicher Geist umgestaltet wird durch den Heiligen Geist. Bitte um göttliches Verständnis und göttliche Weisheit anstelle deines Verstandes und deines Wissens.

  • Gib vor dir selbst und vor Gott zu, dass deine Versuche zur Besserung untauglich waren und sind. Bitte um Vergebung für diese humanistischen Bemühungen, die nichts weiter als Stolz auf deine Fähigkeiten waren.

  • Demütige dich, indem du begreifst und anerkennst, dass es nur durch Gottes Geist gelingen wird, Sünde und Schuld los zu werden, aus Krankheit, Bindungen und Nöten heraus zu finden.

  • Erwarte von deinem himmlischen Vater, dass er dir die Erbschaft nicht vorenthält, die dir zusteht und dass er zu seinen Verheißungen steht, wenn dein Herz zu dieser Haltung kommt.



Ich empfehle mit voller Überzeugung und gerne ein neues Buch zu diesem Thema: Wolfhard Margies - Ausbrechen aus Krankheit, Gewohnheit und Gesetzlichkeit. Das Buch hat mich einfach begeistert. In diesem Buch wird aufgezeigt, wie wir sowohl als Seelsorger als auch als "normale" Christen zu einem erneuerten Geist kommen, der uns in die Lage versetzt, das für viele Nichtchristen abschreckende "fromme Leben" in Krampf und Zwangshaltungen gegen ein Leben in der Freiheit, von der die Bibel spricht, einzutauschen. Der Link zum bestellen: </FONT><FONT size=2>Aufbruch-Verlag</FONT>

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Ein Artikel von </FONT><FONT size=2>www.glaube.de</FONT><FONT size=2>
Autor: Günter J. Matthia, Redaktionsmitarbeiter bei Glaube.de
</FONT>Günter J. Matthia ist Autor des Buches Es gibt kein Unmöglich"<FONT size=2>

Die Weiterverwendung im Internet oder in Printmedien bedarf bei Artikeln von Günter J. Matthia keiner vorherigen Genehmigung, so lange die Quellenangabe erhalten bleibt und der Text nicht verändert wird.
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