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14-12-04

Günter J. Matthia: Der Satan hat euer begehrt

Gott kümmert sich um seine Kinder, denn er weiß, was auf sie zu kommt - auch das, was sie selbst nicht für möglich halten. Ein Beispiel dafür sind die Worte, die Jesus an Petrus richtet, als sie das Passahmahl feiern.

Der Herr aber sprach: Simon, Simon! Siehe, der Satan hat euer begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du einst zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder! (Lukas 22, 31-32)


Jesus weiß, dass Petrus, der so selbstsicher ist, ihn bald verleugnen wird. Er betet, dass der Glaube des Jüngers dabei nicht aufhört.
Petrus ist ganz anderer Meinung. Er widerspricht: Herr, mit dir bin ich bereit, auch ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Dies sind keine leeren Worte, er ist vollkommen von seiner Treue bis in den Tod überzeugt. Wenn Jesus sich auf jemanden verlassen kann, dann doch wohl auf ihn, der als erster unter den Jüngern erkannt und bekannt hat, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist. Auf ihn, der mit auf dem Berg der Verklärung sein durfte und Jesus ihm Gespräch mit Mose und Elia beobachten konnte. Auf ihn, der einen neuen Namen vom Herrn erhalten hatte, der Fels bedeutete. Auf ihn, der über das Wasser gehen konnte auf ein Wort Jesu hin. Wie sollte sein Glaube jemals aufhören können?
Jesus bleibt aber bei seiner Meinung und erklärt dem empörten Jünger: Ich sage dir, Petrus, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.
Weil Jesus das weiß, hat er bereits für Petrus gebetet - und sagt ihm das in diesem Moment zur Ermutigung.

Soll er sehen, wie er zurecht kommt

Unsere menschliche Reaktion sähe ganz anders aus: Dieser Mensch, der mich über drei Jahre lang begleitet hat, der mir seine Treue versprochen hat, wird behaupten und schwören, mich nicht zu kennen. Er wird in meiner schwersten Stunde davonlaufen. Soll er sehen, wie er damit zurecht kommt...
Das wäre sinngemäß das, was der "alte Mensch" empfinden würde. Es wäre eine durch und durch natürliche und verständliche Reaktion. Vergleichbares geschieht täglich in unserem Land. Menschen, die einander einst die Treue versprochen haben, gehen im Zorn und in Verbitterung auseinander, versuchen vor dem Scheidungsrichter, dem ehemaligen Ehepartner so viel Schaden wie möglich zuzufügen.
Langjährige Freundschaften enden in Gehässigkeit und üblen Verwünschungen. Arbeitskollegen, die gut miteinander auskamen, streiten über einen nichtigen Anlass und werden zu erbitterten Feinden. Eltern sagen zu ihrem Kind: Du bist nicht mehr mein Sohn, meine Tochter! Schau, wie du zurecht kommst...

Der "neue Mensch", zu dem wir geworden sind, reagiert ganz anders. Er betet für den Glauben des Mitmenschen, spricht von dessen Rückkehr zum vorherigen Stand und dem Auftrag Gottes, der dann erfüllt oder wieder aufgenommen werden kann. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du einst zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder!
Darin liegt kein Vorwurf. Da wird nichts nachgetragen. Da geht nichts zu Bruch, sondern da ist Hoffnung und Glaube an die Umkehr des Menschen. Da ist keine Häme und kein Tratschen über die Sünde des Bruders oder der Schwester.

Bad news are good news

Kaum etwas macht so schnell die Runde, wie schlechte Nachrichten über das Fehlverhalten eines Menschen. In christlichen Kreisen ist das leider oft nicht anders, ein gefallener Diener Gottes kann schneller in aller Munde sein als ein treuer Knecht.
Als der Leiter eines christlichen Werkes sich kürzlich öffentlich von einem seiner Mitarbeiter trennen musste, war das blitzschnell in einigen Foren im Internet Gesprächsthema. Das war nicht das Ziel der Bekanntgabe gewesen. Da dieser Mitarbeiter in der Vergangenheit im Auftrag und Namen des Werkes öffentlich aufgetreten war, musste die Klarstellung geschehen, aber das hätte auch ausgereicht. Es gab keinen Grund, das Fehlverhalten breitzutreten und darüber zu diskutieren.
Woher kommt der Hang dazu, auch unter uns Christen? Ich kann mir nur eine Erklärung vorstellen: Wer die Missetat eines Mitchristen diskutiert, fühlt sich selbst "besser". Er kann auf die Sünde des anderen verweisen. Sein Selbstwertgefühl steigt.

Doch ist unser Selbstwertgefühl wirklich ein Maßstab unserer Stellung vor Gott? Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe.
Der Zöllner aber stand weitab und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(Lukas 18, 10-14)
Das Gebet des Pharisäers entsprach der Wahrheit. Der Mann log nicht, als er so betete. Es gab an seiner Gesetzestreue nichts auszusetzen. Er war tatsächlich nicht wie die anderen Menschen, die er aufzählte. Er war aber nicht nur ein guter Mensch, er dankte sogar Gott dafür. Kann man eigentlich noch vorbildlicher sein? Dennoch sagt Jesus, dass dies in den Augen Gottes zur Rechtfertigung unzureichend ist. Der Zöllner dagegen hat nichts vorzuweisen außer seinem Bekenntnis, Gnade zu benötigen.

Land in Sicht

Dieses Bewusstsein ist es, was unser Gebet vor Gott angenehm macht. Wenn wir eingestehen, dass wir nichts vorzuweisen haben, dass wir nichts aus unserer Kraft und unseren Fähigkeiten und auch nicht durch unseren sündlosen und vorbildlichen Lebenswandel dazu beitragen können, in Gottes Augen gerecht zu sein; wenn wir aufhören, uns zu rechtfertigen und uns zu erhöhen - dann ist Land in Sicht. Dann wird Gnade geschenkt.
Petrus war von seinem festen Stand überzeugt - Stunden später leugnete er, Jesus zu kennen. Der Pharisäer war von seiner Gesetzestreue überzeugt - in Gottes Augen war er ein ungerechtfertigter Mensch. Manch ein Mann Gottes, manch eine Frau Gottes, meinte, der Herr könne sich auf die Erfahrung, die Treue und den gefestigten Glauben verlassen - leider beweist die Realität manchmal das Gegenteil.
Jesus hatte für Petrus gebetet - und das Gebet wurde erhört. Petrus weinte bitterlich, erkannte sein Unvermögen, zum eigenen Wort zu stehen und konnte zurückkehren zu seiner Berufung. So geht Jesus mit Sündern um.
David, König von Israel, ein Mann, dessen Herz für Gott schlug, der zahlreiche Wunder selbst erlebt hatte, sündigte, weil die Versuchung durch eine schöne Frau größer war, als sein Gewissen. Gott erkannte seine aufrichtige Buße, vergab die Sünde und ließ seinen Segen auf dem König und dessen Nachkommen.

Sünde bleibt Sünde

Nichts an der Sünde eines Menschen ist zu entschuldigen oder zu verteidigen. Wir sollten niemals anfangen, die Sünde nicht mehr Sünde zu nennen. Ehebruch bleibt Sünde, auch wenn er zum guten Ton gehört und gesellschaftlich akzeptiert wird. Diebstahl bleibt Sünde, auch wenn jeder dem Finanzamt Geld vorenthält und sich dabei noch heldenhaft vorkommt. Lüge bleibt Sünde, auch wenn sie zum Alltagsgeschäft in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gehört. Die Tötung von Menschen bleibt Sünde, auch wenn man sie Schwangerschaftsunterbrechung nennt, als könne man die unterbrochene Schwangerschaft demnächst fortsetzen.
Gott ändert seine Meinung nicht, wenn die Gesellschaft andere Normen akzeptiert oder aufstellt. Die Sünde bleibt Sünde und wir tun gut daran, sie zu hassen.

Den Sünder jedoch dürfen wir lieben. Ihn dürfen wir im Gebet durchtragen. Wir dürfen einander die Lasten abnehmen. Wir dürfen für unseren Bruder und unsere Schwester beten, dass ihr Glaube nicht aufhört und dass sie ihre Geschwister stärken werden.

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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: Günter J. Matthia / Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
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