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15-05-06

Günter J. Matthia: Ein neues Vaterbild?

Judith Rauch, Journalistin beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, hat kürzlich ihre Einsichten zur neuen Vaterrolle kundgetan. Sie beginnt ihre Betrachtungen mit einem prominenten Beispiel: "Die zweijährige Leni hat einen prima Vater. Schon bevor sie auf die Welt kam, war er für sie da, begleitete ihre Mutter zur Schwangerschaftsgymnastik, hielt im Kreißsaal deren Hand.


Nach Lenis Geburt schnitt der Vater die Nabelschnur durch. Später gab er dem Kind das Fläschchen, wechselte die Windeln, sang es in den Schlaf. All das tat der Mann, obwohl er wusste, dass Leni nicht sein leibliches Kind ist. Denn von Lenis Erzeuger, dem Formel-1-Chef Flavio Briatore, hatte sich ihre Mutter, das deutsche Fotomodel Heidi Klum, noch während der Schwangerschaft getrennt. Die Vaterrolle übernahm bereitwillig ihr neuer Partner, der britische Sänger Seal. Natürlich sagt Leni "Papa" zu ihm."

Wohin geht die Entwicklung?

Die Patchwork-Familie ist uns inzwischen geläufig, viele Menschen in unserer Gesellschaft halten sie für das einzige überlebensfähige Zukunftsmodell. Verbindlichkeit in einer lebenslangen Ehe ist so aus der Mode gekommen wie die Überzeugung, dass Geschlechtsverkehr ausschließlich in die Ehe gehört. Es befremdet niemanden, wenn im zitierten Artikel Seal als "Vater" der kleinen Leni bezeichnet wird.
Unbestritten gibt es Ersatzväter, die bessere Väter sind, als die leiblichen es wären. Unbestritten gibt es geschiedene und wiederverheiratete Christen, allein erziehende Gläubige und Patchwork-Familien auch unter uns. Unbestritten ist die Gnade Gottes, die aus menschlichem Versagen und den daraus resultierenden Katastrophen immer noch etwas Gutes machen kann, da. Wer zu Jesus kommt, egal aus welcher Situation, wird nicht hinaus gestoßen.
Doch zwischen der Gnade und Wiederherstellung selbst einer verkorksten Situation und dem Gutheißen solcher Lebensmodelle als legitime Alternative besteht ein Unterschied, den wir - gerade als Männer - nicht aus den Augen verlieren wollen. Unsere "männliche Tugend" ist gefragt, denn es erfordert Mut, gegen den Trend zu denken und zu handeln.

Abenteuerliche Denkmodelle

Die Gesellschaft entwickelt sich eindeutig in Richtung Unverbindlichkeit und Austauschbarkeit. Einige Wissenschaftler kommen bei ihren Erklärungs- und Rechtfertigungsversuchen auf recht abenteuerliche Gedanken. "Es seien nicht die Gene, die einen Mann zum Vater machten, sondern die Hormone", spekulierte die Psychologin der Memorial University of Newfoundland Anne Storey im Jahr 2000. "Nicht nur bei den Müttern, sondern auch bei den Vätern veränderten sich die Werte für die Hormone Cortisol, Prolaktin und Testosteron." Doch wodurch solche körperlichen Veränderungen bei Vätern ausgelöst werden, darüber kann Anne Storey nur spekulieren: "Womöglich seien Geruchsstoffe (Pheromone) der schwangeren Frau die Ursache oder Verhaltensänderungen des Paares, das sich gemeinsam auf die Elternrolle vorbereitet."
Wir beobachten hier ein gar nicht neues Phänomen: Wenn eine Gesellschaft sich von Prinzipien löst, die der Menschheit seit der Schöpfung von Gott mitgegeben wurden, dann macht sich gleichzeitig eine Heerschar von (häufig selbsternannten) Sachverständigen daran, die passenden Rechtfertigungen beizusteuern.
Die traditionelle Familie, in der Mann und Frau eins werden, eins bleiben und ihre Kinder in einem geschützten Umfeld erziehen, wird abgeschafft - also brauchen wir neue Definitionen, was denn ein Vater eigentlich ist und natürlich "wissenschaftliche Beweise", dass die Bibel Unrecht hat.
Laut Anne Storey wird der Mann zum Vater durch Hormone, die sich auf abenteuerliche Weise in seinem Blutkreislauf tummeln. Flugs landen die Spekulationen bei längst unglaubwürdig gewordenen Theorien des Darwinismus: "Den hormonellen Signalen, so stellte sich heraus, liegt ein langer evolutionärer Prozess zugrunde. Die entwicklungsgeschichtlichen Wurzeln teilt der Mensch mit einigen Tierarten. Offen zutage tritt ein weibliches Verhaltensrepertoire etwa bei kastrierten Hähnchen: Ein Kapaun wird wie ein Weibchen - und oft besser als dieses - auf Eiern sitzen. Das ist sehr interessant, denn (es gibt) verborgene Instinkte sogar im Gehirn von Männchen", fachsimpelt Judith Rauch in ihrem SPIEGEL-Artikel.
Anschließend beschreibt sie die Brutpflege der arktischen Pinguine und leitet daraus ab, dass Männer sich aufgrund der Evolution um den Nachwuchs kümmern können - wie Pinguine auf der Eisscholle. (Dass sie dabei den Faden verloren hat, bemerkt die Journalistin nicht. Vom eindeutig nicht leiblichen Vater Seal ist sie nun bei den leiblichen Pinguinvätern gelandet...) Andere Wissenschaftler kommen auf gegenteilige Ideen: "Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy ist der Ansicht, dass sich gemeinsames Erziehen vor allem dann in einer Spezies herausbildet, wenn die Väter einigermaßen sicher sein können, dass sie in ihren eigenen Nachwuchs investieren. Bei den monogam lebenden Krallenäffchen ist das der Fall. Die Hilfe der Väter und anderer Verwandter ermöglicht es manchem Weibchen sogar, zweimal im Jahr Zwillinge zu gebären und alle Jungtiere durchzubringen. Sind die Weibchen polygam, wie etwa bei den Schimpansen, engagieren sich die Väter weniger", heißt es in dem SPIEGEL-Bericht.
Wie kann man als Mensch, der Gott aus den Gedankengängen ausschließt, mit solchen Widersprüchen fertig werden? Ganz einfach: "Das evolutionäre Programm des Menschenvaters ist offensichtlich höchst flexibel", folgert Judith Rauch. Irgendwie muss sie ja die haarsträubenden Widersprüche im eigenen Denken erklären...

Geradeaus denken

Wie viel unverkrampfter wäre es doch, geradeaus zu denken: Vaterschaft hat weder etwas mit durch weibliche Geruchstoffe ausgelösten Hormonveränderungen beim Mann zu tun, noch mit arktischen Pinguinen oder Krallenäffchen. Das biblische Modell muss auch keine kastrierten Hähnchen als Beweis bemühen. Vaterschaft, wie Gott sie gemeint hat, ist ganz einfach.
Die Krone der Alten sind Kindeskinder, und der Kinder Schmuck sind ihre Väter. (Spr. 17,6)
Die Bibel zeigt an vielen Stellen die gottgewollte Verbindung, die in diesen Worten angedeutet wird. Der Vater, der den empfangenen Segen bewusst an die nächste Generation weitergibt gehört genauso dazu, wie der Vater, der sich nicht als Tyrann gebärdet, sondern echte Vaterschaft beweist: Denn wenn ihr zehntausend Zuchtmeister in Christus hättet, so doch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus habe ich euch gezeugt durch das Evangelium. (1.Kor.4,15) Paulus redet hier von "geistlichen Kindern", aber Vaterschaft bedeutet im natürlichen Bereich das Gleiche. Jesus hat mit seinem Leben und Wirken demonstriert, wie das von Gott gewollte Modell aussieht, hat es immer wieder in Gleichnissen veranschaulicht. Der Vater, der dem Sohn keinen Skorpion in die Hand drückt, ist nur ein Beispiel.

Kein Tyrann!

Manches am traditionellen Vaterbild vergangener Jahrhunderte ist zweifellos falsch. Der Vater als Zuchtmeister, der Vater als unfehlbare Respektsperson, der Vater, der keine Gefühle und keine Liebe zeigt... Wenn wir uns mit gutem Grund von solchen Vorstellungen trennen, tun wir etwas, was Paulus schon vor 2000 Jahren empfahl: Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn! (Eph.6,4) Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden! (Kol.3,21) Wir kehren, wenn wir die Bibel studieren und als Maßstab anwenden, zum ursprünglichen Vaterbild zurück, anstatt ein neues zu erfinden. Das mag nicht im gesellschaftlichen Trend liegen, aber es ist das einzige Modell, das bleibenden Erfolg verspricht.

Väter ohne Kinder?

Das trifft im Übrigen auch auf Männer zu, die nie ein Kind gezeugt haben. Geistliche Väter werden an vielen Stellen dringend gebraucht. Der ehelose Paulus mag als Vorbild dienen, aber auch der verheiratete Petrus zeigt, wie geistliche Vaterschaft aussieht und welche Fülle von Segen sie auslösen kann.
Wer sagt, er sei ungeeignet, er sei ein schlechter Vater, beraubt sich und seine natürlichen und geistlichen Kinder. Kapitulation ist der sichere Weg zur Niederlage. Statt dessen dürfen wir als Männer feststellen, wo unsere Mängel liegen und dann die Lösung bei dem besten aller Väter, unserem Vater im Himmel, abholen. Das wird unser Denken und Handeln völlig verändern: Ich sehe dann meine Unzulänglichkeiten und begreife sie als Chance, dass die Kraft Gottes in meinem Leben wirksam wird. Ich bin ein guter Vater, weil ich nicht mehr dem Gesetz der Sünde unterliege, sondern dem Gesetz des Geistes. Ich habe seinen Geist der Sohnschaft empfangen, und Gott ist es, der in mir sowohl das Wollen bewirkt, als auch das Gelingen.

<FONT color=gray>Zitate in Anführungszeichen aus "Fürsorgliche Männer - Das neue Bild vom Vater" von Judith Rauch - Spiegel Online - 25.April 2006 - www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,411244,00.html </FONT>

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Ein Artikel von glaube.de.
Autor: Günter J. Matthia
Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de
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Geschrieben für Männer auf dem Weg
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