Günter J. Matthia: Reiß dein Auge aus!

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Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen. Wenn dich also dein rechtes Auge verführt, dann reiß es heraus und wirf es weg! Besser, du verlierst eins deiner Glieder, als dass du heil und unversehrt in die Hölle geworfen wirst. Und wenn dich deine rechte Hand verführt, Böses zu tun, so hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, ein Krüppel zu sein, als mit Haut und Haaren in die Hölle geworfen zu werden. Matthäus 5, 28-30
Es geht hier - das nur nebenbei - nicht darum, dass man keinem hübschen Mädchen hinterher schauen darf. Es heißt wörtlich: "Wer ein Weib (das ist eine verheiratete Frau) ansieht, ihrer zu begehren (das heißt, dass die Absicht den Blick dirigiert), der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
Worum es Jesus hier geht, ist etwas anderes. Er zeigt seinen Zuhörern, dass die Maßstäbe Gottes weit über die niedergeschriebenen Gebote hinaus gehen. Man muß sogar noch mehr tun, als nur den Buchstaben des Gesetzes zu erfüllen. Man muß es auch noch mit einem reinen Herzen tun. Wer von uns bringt das ein ganzes Leben lang fertig? Und wenn wir es schaffen - reicht das eigentlich aus?
Was kein Mensch schaffen kann
Der Schlüssel liegt in dem Satz "Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft , so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen." (Vers 20) Jesus zeigt in der Bergpredigt, wie ein Mensch leben muss, wenn er in Gottes Augen gerecht sein will. Er stellt als Kriterium auf, was kein Mensch im geforderten Umfang fertig bringt. Die Bergpredigt räumt mit der Vorstellung auf, ein Leben führen zu können, das Gott wohlgefällig ist.
Ein junger Mann, der mit gutem Gewissen sagen konnte, alle Gebote gehalten zu haben, kam einmal zu Jesus und wollte erfahren, was er tun müsse, um ewiges Leben zu erben. Jesus gewann ihn lieb, das heißt, dass dieser Mann sicher wirklich so gelebt hatte, wie er es darstellte. Er war kein Lügner. Er hatte nie gestohlen, stets Vater und Mutter geehrt, keine Ehe gebrochen... Eins jedoch fehlte ihm: Sein Herz hing an seinem Reichtum, er war ihm mehr wert als die Nachfolge. (siehe Markus 10)
Selbst das Halten aller Gebote reicht also nicht. Niemand kann aus seiner Kraft gerecht vor Gott sein. Es kommt auf unser Herz, unser Innerstes an.
Mancher meint, dass Gott mit ihm zufrieden sein müsste, wenn er möglichst viele gute Taten zusammen bringen kann. Man stellt sich vor, dass es möglich wäre, Gott durch ein gutes Leben gnädig zu stimmen. Man hält alle Gebote in der Annahme, dass man damit Kreditpunkte auf dem himmlischen Konto sammelt, die man dann vor dem Richterstuhl mit den schlechten Taten verrechnen kann.
Das geht aber nicht. Paulus bringt es auf den Punkt: Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner verständig, keiner fragt nach Gott; alle sind abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; es ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer! Römer 3,10-12
Die Bergpredigt zeigt, dass wir als Menschen in Gottes Augen niemals gerecht sind. Wir müssten, um das zu erreichen, nicht nur ein Auge ausreißen oder eine Hand abhacken. Wir müssten unseren Kopf entfernen, der aus Versuchungen Sünde werden läßt.
Gerecht vor Gott - es geht doch!
Die gute Nachricht, das Evangelium, ist diese: Jesus ist für uns am Kreuz gestorben. Er hat nicht nur Auge und Hand, sondern sich selbst geopfert. Und das gilt als Opfer ein für alle Male. Warum? Weil Jesus allen Anforderungen an ein reines Leben gerecht geworden ist. Er hat die Bergpredigt tatsächlich gelebt.
Diese Rechtfertigung in den Augen Gottes können wir nicht erarbeiten, nicht durch noch so viele gute Werke und gehaltene Gebote "sicherer" machen. Alle guten Taten werden uns nicht helfen, das ewige Leben zu erben. Ausschließlich das Opfer Jesu Christi kann das bewirken.
Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Epheser 2, 8-10)
Die guten Werke, zu denen wir in Christus geschaffen sind, sind nicht die guten Werke, die wir aus unserer Kraft vollbringen. Diese guten Werke werden vielmehr das Resultat eines erneuerten Geistes sein, der sich dann nicht mehr dessen rühmen will und wird, was wir alles vorzeigen können.
Paulus verfügte über eine Menge guter Werke, die er hätte aufzählen können - und sei es nur die Tatsache, dass er Kranke geheilt, einen toten jungen Mann auferweckt und zahlreiche Menschen zum Herrn geführt hatte. Wenn wir unser Leben mit dem des Apostels vergleichen, würden wir annehmen, dass er Grund gehabt hätte, sich seines Lebenswandels, des aufopfernden Dienstes, der zahlreichen Wunder zu rühmen.
Paulus suchte aber seine Gerechtigkeit nicht in diesen - zweifellos im Dienst für den Herrn und mit der Kraft Gottes - gewirkten Dingen: Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten; ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust ... indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens. (siehe Philipper 3)
Im Spiegel der Bergpredigt wird uns bewußt, dass es unmöglich ist, Gott zu gefallen, ohne das Opfer des einzigen Menschen, der ein Leben ohne Sünde gelebt hat. Wenn wir, wie Paulus sagt, "in Christus zu guten Werken geschaffen" sind, sieht uns Gott mit ganz anderen Augen. Er sieht Christus - den Vollkommenen.
Du willst Gott gefallen? Dann laß dein ganzes Ich samt Seele und Geist hinter dir. Laß dich von Jesus Christus zu einem neuen Menschen machen, der nicht mehr versucht, seine Situation durch gute Taten zu verbessern. Nimm die Errettung als Geschenk an, das du auch hinterher nicht verdienen kannst. Wenn du es lernst, "in Christus" zu leben, sind die guten Werke eine ganz natürliche Folge. Sie geschehen, weil du deinen Geist erneuerst, indem du dich täglich entscheidest, nicht mehr dein eigener Herr zu sein.
Wirst du vollkommen sein und nie wieder sündigen?
Wenn du das schaffst, bist du weiter gekommen als Paulus. Der musste nämlich bekennen: Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet bin; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin. Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus. (siehe Philipper 3)
Die Bergpredigt kann frustrieren. Wenn wir versuchen, ihren Maßstäben entsprechend zu leben, wird unser Versagen uns wieder und wieder einholen. Die Rückschläge werden uns entmutigen. Wir werden denken, dass wir es wohl nie schaffen werden und dabei immer kraftloser werden. Wir werden dann irgendwann aufgeben.
Die Bergpredigt kann aber auch Mut machen. Wir können wie Paulus auf das Ziel zu jagen. Die Rückschläge (das, was dahinten ist) vergessen wir und schauen nach vorne. Wir versuchen es nicht aus unserer Kraft und gehen nicht davon aus, uns Punkte bei Gott verdienen zu müssen. Wir lassen zu, dass Gott uns zu einem "Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken" macht.
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Ein Artikel von </FONT><FONT size=2>www.glaube.de</FONT><FONT size=2>
Autor: Günter J. Matthia, Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Günter J. Matthia ist Autor des Buches Es gibt kein Unmöglich
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