Druckversion
Dieser Text ist ein Artikel der Kategorien:
09-05-11

Hartwig Henkel: Die Freude am Herrn - überlebensnotwendig

Gott hat eine Hilfe für Zeiten der Bedrängnis für uns bereit: die Erfahrung Seiner Gegenwart, die Freude an Ihm selbst.


Wir alle gehen manchmal durch Zeiten der Erschütterung, wenn Stürme des Lebens gegen unser Lebenshaus toben. Obendrein sind zunehmende Bedrängnisse durch die endzeitlichen Entwicklungen in den biblischen Prophetien angekündigt. Die Zeiten werden sicherlich nicht einfacher für diejenigen, die dem Herrn von ganzem Herzen nachfolgen wollen. Darum sollten wir klug sein und uns auf die Zeiten der Erschütterung vorbereiten.

Gott hat eine Hilfe für Zeiten der Bedrängnis für uns bereit: die Erfahrung Seiner Gegenwart, die Freude an Ihm selbst. Nehemia ermutigt das Volk und sagt ihnen: "Die Freude am Herrn ist euer Schutz." Wörtlich übersetzt bedeutet es sogar "Bergfeste".

Die Erfahrung lehrt uns, dass diese Freude nicht einfach automatisch zu uns kommt, nur weil wir in Not sind. Sie muss erglaubt und erkämpft werden. Paulus ruft den Christen in Philippi zu: Freut euch in dem Herrn allezeit! Die ruhigen Zeiten vor der Not sind dazu da, diesen Zugang zur freudevollen Gegenwart Gottes in unserem Herzen zu festigen. Sogar wenn wir die Freude nicht spüren, kann uns schon die Erinnerung an vergangene Erfahrungen und die Gewissheit der erneuten Erfahrungen Kraft geben. So heißt es von Jesus, dass Er um der vor Ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete. (Heb 12,2)

Die Freude, den Vater geehrt zu haben bis in den Tod, und die Freude auf Seine zukünftige Braut geben Jesus die Kraft, den Weg ans Kreuz für uns zu gehen. Gottes Verheißung eines siegreichen Lebens bedeutet ein Leben unabhängig von den Umständen. Unsere innere Verfassung muss nicht zwangsläufig der äußeren Situation entsprechen. Jesus sagt, dass Er uns Frieden gibt, und zwar nicht auf die Weise, wie die Welt ihn gibt. Der Friede Gottes kommt vom Himmel und nichts mit den Umständen zu tun.

Innerer Frieden ist die Voraussetzung für Freude. Die Freude, die Jesus uns gibt, wird niemand von uns nehmen können.

Paulus machte folgende erstaunliche Aussage: "Ich bin überreich an Freude in all meinen Bedrängnissen."(2.Kor 7,4) Den Brief der Freude, seinen Brief an die Gemeinde zu Philippi schrieb Paulus aus dem Gefängnis. Die Freude am Herrn ist keine seltene Gabe an einige große Auserwählte, sondern Gottes Gnadenangebot für alle Seine Kinder.

Denn ihr habt sowohl mit den Gefangenen gelitten als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommen, da ihr wißt, daß ihr für euch selbst einen besseren und bleibenden Besitz habt. Heb 10,34

Damit reagierten diese Gläubigen ganz genau so, wie es den Anweisungen des Herrn entsprach.Die Hebräer-Passage ist für das Thema "Freude an Gott" eine sehr wichtige Schriftstelle. Sie zeigt uns nicht nur, dass normale Gläubige diesen Segen der Freude am Herrn erlebten, sie gibt uns darüber hinaus auch entscheidende Hinweise, wie der Weg zur Freude am Herrn aussieht.

Himmlische Freude kommt durch die Wahrnehmung oder innere Gewissheit von geistlichen Realitäten zustande. Die betreffenden Gläubigen, die im Hebräerbrief erwähnt sind, konnten mitten in der Bedrängnis der Verfolgung wegen ihres Glaubens an Christus den Himmel mit seinen unermesslichen Reichtümern als eine lebendige Realität in ihrem Innern festhalten. Der bessere und bleibende Besitz war immer noch ihr Eigentum. Deshalb stürzten sie angesichts des Verlustes ihres irdischen Besitzes nicht in Verzweiflung oder Wut, sondern reagierten - sicher zum Schock der gesamten Nachbarschaft- mit Freude. Spätestens da wussten die Nachbarn, dass der Glaube an den Messias Kraft gibt, die nicht von dieser Welt kommt. Also wurde nicht nur den Gläubigen in der Zeit der Bedrängnis vom Himmel her gedient, sondern gleichzeitig wurden auch Ungläubige mit der Realität Gottes konfrontiert.

Die Freude am Herrn ist nicht ein überflüssiger Luxus, auf den wir großzügig verzichten könnten, weil wir meinen, dass wir es auch ohne diesen speziellen Segen schaffen. Die Freude am Herrn ist auch notwendig auch wegen der Menschen um uns herum.

Freude in Bedrängnis, die sich auf andere auswirkt, finden wir auch bei den Gläubigen in Thessalonich.

Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort in viel Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes aufgenommen habt, so daß ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid. 1.Th 1,6-7

Nach menschlichem Denken passen die Ausdrücke "viel Bedrängnis" und "Freude" nicht zusammen. Aber Gottes Reich ist nicht von dieser Welt, und da liegen die Dinge ganz anders.

Durch die ganze Bibel hindurch finden wir Beispiele, wie Menschen durch die direkte Erfahrung des Herrn ermutigt und gestärkt werden.

Als die Jünger den Herrn sahen, freuten sie sich. Joh 20,20

Man mag nun einwenden: "Aber sie sahen doch den Herrn mit ihren physischen Augen! Das ist einfach. Aber das können wir ja heute nicht mehr." Das ist natürlich richtig, aber wir haben die Möglichkeit, den Herrn im Geist zu sehen. Das war auch die Art den Herrn zu sehen, die David kannte. Als der Herr Seine Jünger auf Seinen Tod vorbereitete, sagte Er vom kommenden Dienst des Heiligen Geistes:

Eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht mehr, und wieder eine kleine Weile, und ihr werdet mich sehen. Joh 16,16

Uns den Herrn real zu machen, ist ein wichtiger Dienst des Heiligen Geistes. Den Herrn zu sehen, bewirkt diese geistliche Freude, die unsere Kraft und unser Schutz ist. Schutz vor bleibender Enttäuschung, Leere und Hoffnungslosigkeit. Gottes Angesicht ist belebend und höchst erfreulich. (Ps 16, 11)

Ich aber, ich werde dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit, werde gesättigt werden, wenn ich erwache, mit deinem Bild. Ps 17, 15

Wenn wir das glauben, bekommt das Gebot unseres Gottes "Sucht mein Angesicht!" eine ganz neue Bedeutung.

Jesus selbst hat Freude und will sie uns geben, und niemand kann sie uns wegnehmen. Nur wir selbst können den Heiligen Geist in uns betrüben und so behindern. Wir lernen, auf die Freudenkiller zu achten und sie zu eliminieren: Sorge, Ärger, Unzufriedenheit, Bitterkeit und ähnliche Sünden.

Paulus lehrt, dass, wenn wir im Geist wandeln, wir die Werke des Fleisches nicht vollbringen werden. (Gal 5,16) Unsere Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist muss unbedingt aufrecht erhalten bleiben. Denn nur durch Ihn kommt der Friede, die Liebe und die Freude Gottes zu uns. Deshalb fleht Paulus uns an: Betrübt nicht den Heiligen Geist! (Eph 4,30) Bitterkeit, Zorn, Lästerung und andere Werke des Fleisches betrüben den Heiligen Geist, so dass Er gehindert wird, uns zu dienen und durch uns anderen.

 

Freude und Übereinstimmung mit Gott

Bevor nun weitere Aspekte zu diesem wichtigen Thema folgen, möchte ich noch einmal betonen, wie groß die Bedeutung und Wichtigkeit der Freude am Herrn für uns ist.

Die endzeitlichen Herausforderungen und Bedrängnisse sind real und werden mit Sicherheit weiter zunehmen. Das ist sicher zunächst keine gute Botschaft, aber wenn wir vor diesen Tatsachen die Augen verschließen, werden sie uns ja trotzdem einholen. Diese Sicht der nahen Zukunft soll uns nicht Angst einjagen, sondern uns zu einem Verlangen verhelfen, die vom Herrn angebotenen Hilfen zu suchen. Wir müssen verstehen, was in unserer Zeit geschieht, wie wir uns dazu stellen sollen und welche Hilfen der Herr uns anbietet.

Paulus spricht von schwierigen Zeiten in den letzten Tagen. Die Schwierigkeiten entstehen durch Menschen, die sich für gläubig halten, aber ihr eigenes Verständnis von Nachfolge haben. Sie widerstehen der Wahrheit und erleben deshalb nicht die erlösende Macht der Wahrheit, wie sie für die Nachfolger des Herrn vorgesehen ist. Sie bleiben im Lebensstil der Welt verstrickt.

Dies aber wisse, daß in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden; denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott, die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. Und von diesen wende dich weg! Auf die Weise aber wie Jannes und Jambres Mose widerstanden, so widerstehen auch sie der Wahrheit, Menschen, verdorben in der Gesinnung, im Blick auf den Glauben unbewährt. 2. Tim 3, 1-8

Wenn nun die wahre Braut sich gemäß dem Befehl des Herrn absondert ( 2.Tim 3,5 / 2.Kor 6,14-18/ 2.Tim 2,19-21), ist ihre Botschaft an die Menschen, die in 2.Tim.3 beschrieben werden, klar: „Wir sind die Braut – ihr seid die Hure, die abgefallene Christenheit. Um der Ehre Gottes willen und um euretwillen rufen wir euch zur Umkehr“ Diese Botschaft wird einen gewaltigen, nie da gewesenen Konflikt im Volk Gottes auslösen. Deshalb bezeichnet Paulus die Zeit des Abfalls als schwierig. Auf diese Botschaft werden viele dieser Menschen in ihrer selbst gemachten Religion nicht mit Umkehr zur Wahrheit reagieren, sondern mit Hass und Gewalt. Der humanistische Geist, der so gerne Toleranz als wichtigstes Gut und Beweis wahrer Liebe predigt, zeigt sein wahres Gesicht, wenn er vom Geist der Wahrheit konfrontiert wird. Alles kann der humanistische Geist akzeptieren, nur nicht die Wahrheit Gottes, die mit Bestimmtheit und Anspruch auf Gültigkeit auftritt.

Der Druck der Einladung zum Kompromiss, die bedrückende Macht der Anklage und der Einschüchterung werden für die wahren Nachfolger des Herrn in den kommenden Zeiten enorm sein. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, unseren Gott kennen zu lernen als Zuflucht, Trost und Ort, wo wir uns bergen können. Dies ist die eine Kraftquelle, aus der auch David in den schweren Jahren seiner Flucht vor Saul Trost und Hoffnung geschöpft hat. Auch von den ersten Christen lesen wir, dass sie aus dieser Quelle lebten und so ein beeindruckendes Vorbild für Ausharren und Standhaftigkeit geben konnten.

Von den vielen Schriftstellen, die von Sicherheit, Geborgenheit und Trost im Herrn handeln, hier nur meine Lieblingsstelle:

Wie köstlich ist deine Gnade, Gott! und Menschenkinder bergen sich in deiner Flügel Schatten; sie laben sich am Fett deines Hauses, und mit dem Strom deiner Wonnen tränkst du sie. Ps 36,8-9

Nach dieser Erfahrung strecke ich mich aus. Der Herr selbst soll immer mehr meine Quelle werden, aus der alle Bedürfnisse meiner Seele gestillt werden.

 

Gottes Herz

Ich möchte nun meine Leser auf eine wenig beachtete Beschreibung des inneren Lebens unseres Herrn lenken, die auch für uns sehr stark mit dem Thema „Freude am Herrn“ verbunden ist :

... von dem Sohn aber: «Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches; du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehaßt; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl vor deinen Gefährten.» Heb 1,8-9

Das herausragende Merkmal des Reiches Gottes ist Aufrichtigkeit. Sie ist das Fundament der Autorität Gottes und derer, die Er bevollmächtigt und sendet. Das Wort „Aufrichtigkeit“ bedeutet im Griechischen: Geradheit, Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit.

So ist unser Gott! Er ist klar, eindeutig, sagt, was Er meint und meint, was Er sagt. Er hat keine versteckten Motive. Seine Absichten sind nur Güte. Nur deshalb können wir Ihm vertrauen.

Sogar die Gegner Jesu mussten Ihm bescheinigen, dass er wahrhaftig ist und dass die Wahrhaftigkeit darin besteht, dass er den Weg Gottes richtig lehrt und dabei keine Rücksicht auf Menschen nimmt. Das bedeutet, Jesus hatte über eine Angelegenheit nicht zwei verschiedene Meinungen im Angesicht zwei verschiedener Menschen.

Der Grund, warum Jesus mehr als alle anderen mit Freude erfüllt war, bestand darin, dass Er Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst hat. Die Quelle der Freude Jesu war die Herzensübereinstimmung mit Seinem Vater. Weil der Vater Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst hat, darum hat Jesus zum Beispiel die Werke der Nikolaiten gehasst (Off 2,6) und gegenüber der Gemeinde in Pergamon den Vorwurf erhoben, solche zu dulden, die die Lehre der Nikolaiten festhalten (Off 2,14-15).

Auch wenn das in unserer Zeit nur noch wenig betont wird, die Botschaft der gesamten Bibel bezüglich Sünde ist völlig eindeutig und klar: Gott hasst die Sünde und wird sie richten. Niemand, der Böses tut, wird ungestraft davonkommen. Gott ist ein gerechter Richter. Wenn Jesus Christus auf dieser Erde Seine Herrschaft aufrichtet, wird eine neue Ära kommen, in der es keine Ungerechtigkeit und deshalb auch kein Leid mehr geben wird. Danach hungert und dürstet jeder wahre Nachfolger des Herrn.

Weil dieser so wichtige Teil von Gottes Charakter so wenig betont wird, hier noch drei ( von vielen anderen) Schriftstellen zum Hass Gottes auf das Böse:

Denn ich, der HERR, liebe das Recht, ich hasse den Raub mitsamt dem Unrecht. Und ich werde ihnen ihren Lohn in Treue geben und einen ewigen Bund mit ihnen schließen. Jes 61,8

Und ich habe alle meine Knechte, die Propheten, zu euch gesandt, früh mich aufmachend und sendend, indem ich sprach: Tut doch nicht diesen Greuel, den ich hasse! Jer 44,4

Wenn die frommen Übungen und Versammlungen der Kinder Gottes nicht mehr in einer Haltung der Aufrichtigkeit vor Gott durchgeführt werden, dann sind sie für den Herrn abstoßend und Er empfindet Hass auf diese Dinge.

Ich hasse, ich verwerfe eure Feste, und eure Festversammlungen kann ich nicht mehr riechen: Am 5,21

 

Unser Ruf

Wir sind Gottes Nachahmer ( Eph. 5,1) und Teilhaber Seiner göttlichen Natur (2.Pet 1,4).

Jesus will uns Seine Freude geben (Joh 15,11 und Joh 17,13). Das bedeutet auch, dass Seine Quelle der Freude unsere Quelle wird.

Wenn wir also tiefer hineinkommen wollen in den Strom der göttlichen Erfrischung, müssen wir danach trachten, beide Qualitäten in uns zu kultivieren, sowohl die Liebe zur Gerechtigkeit als auch den Hass auf die Gesetzlosigkeit. Es gibt keine wirkliche Liebe zur Gerechtigkeit, zu Gottes Maßstäben und Seinen Ordnungen ohne einen Hass auf das Böse. Es klingt sehr fremd für unsere Ohren, aber ist doch eine Tatsache: Der Hass auf das Böse ist uns befohlen! Das geht unmissverständlich aus folgenden Schriftstellen hervor:

Die ihr den Herrn liebt, haßt das Böse! Ps 97,10 a

Die Liebe sei ungeheuchelt! Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Röm 12,9

Die Furcht des HERRN bedeutet, Böses zu hassen. Hochmut und Stolz und bösen Wandel und einen ränkevollen Mund, das hasse ich. Spr 8,13

Haßt das Böse und liebt das Gute und richtet das Recht auf im Tor! Vielleicht wird der HERR, der Gott der Heerscharen, dem Überrest Josephs gnädig sein. Am 5,15

Obwohl es sich von selbst versteht, möchte ich noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Bibel Hass auf das Böse, nicht auf die, die Böses tun, meint.

Wie sollen wir nun diesen Abscheu und Hass auf das Böse in uns entwickeln?

Gefühlsmäßige Reaktionen auf bestimmte Sachverhalte sind das Ergebnis einer entsprechenden Denkweise. Ich kann mich an meine vorchristliche Zeit erinnern, wo ich für eine Weile unter dem Einfluss bestimmter Lehren zum Vegetarier wurde. Nach der Entscheidung zum Verzicht auf Fleischgenuss war bald allein schon der Anblick eines Bratens für mich abscheulich. Die Gefühle folgen unseren Gedanken.

Der allererste praktische Schritt des Gläubigen nach der Bekehrung sollte deshalb eine systematische Erneuerung seines Denkens sein. Je mehr ich mich in den letzten Monaten in diesem Themenkreis „Verführung, Abfall, echtes und falsches Christsein“ bewege, um so wichtiger wird für mich die folgende Schriftstelle:

Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, daß ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Röm 12,2

„Welt“ und „Wille Gottes“ sind die beiden zentralen Begriffe in dieser Passage. Die Welt ist das, was nicht unter der Herrschaft Christi steht, sondern vom Teufel kontrolliert wird. Das Ziel der Erlösung ist die völlige Ablösung vom System der Welt, die in Gegensatz zum Reich Gottes steht. Von Jesus heißt es, dass Er „sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters“. (Gal 1,4)

 

Gleichförmigkeit, Übereinstimmung mit der Welt hat ja bis zu unserer Bekehrung unser ganzes Leben gekennzeichnet. Wir kommen nun heraus aus der Anpassung an die Welt, indem wir unser Denken erneuern, es in Übereinstimmung mit Gottes Gedanken bringen. Gott hat uns Sein Wort gegeben, damit wir Seine Gedanken kennen lernen und übernehmen können. Die innere Verwandlung, welche die Bibel Heiligung nennt, beginnt mit der Hingabe an Gottes Wort.

Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Joh 17,17

Ohne die Annahme der Wahrheit kann es keine Absonderung von der Welt geben, die tief und hoffnungslos in Lüge verstrickt ist. Ohne Annahme der Wahrheit gibt es keine echte Heiligung, keine Veränderung in das Bild Christi.

Die Erneuerung unseres Denkens ist DIE grundlegende Voraussetzung für ein echtes Leben, das Gott verherrlicht. Paulus sagt, dass ohne diese Veränderung unseres Denkens der Wille Gottes gar nicht erkannt werden kann. Und Erlösung bedeutet, für den Willen Gottes zu leben.

Da sich in unserer Zeit das Verständnis, was Nachfolge Jesus eigentlich ist, unter dem zunehmenden Einfluss des humanistischen, antichristlichen Geistes verändert, will ich diese grundlegende Aussage „Erlösung bedeutet, für den Willen Gottes zu leben“ durch das Wort untermauern:

Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist! Eph 5,17

So wie Jesus lebte, um den Willen des Vaters zu tun, so sollen auch wir durch die Hilfe des Heiligen Geistes lernen, ein Leben für den Willen Gottes zu führen.

Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig [sei] in guten Werken. Tit 2,14

Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung denn wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossen um die im Fleisch noch übrige Zeit nicht mehr den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben. Denn die vergangene Zeit ist uns genug, den Willen der Nationen vollbracht zu haben, als ihr wandeltet in Ausschweifungen, Begierden, Trunkenheit, Festgelagen, Trinkgelagen und frevelhaften Götzendiensten. 1.Pet 4,1-3

Wenn wir uns diesem Prozess widmen, das Wort Gottes zu erforschen, um es zu unserer Richtschnur zu machen, dann erst beginnt in praktischer Hinsicht die Herrschaft Christi in unserem Leben. Solange wir uns erlauben, gute, vernünftige Gründe zu haben, warum wir in unserem speziellen Fall zwar grundsätzlich dem Wort zustimmen, es aber nicht tun, solange bleiben wir in der Rebellion gegen den Herrn. Wer nur Hörer, aber nicht Täter des Wortes ist, betrügt sich selbst. Die Erneuerung unseres Denkens ist der Anfang der Herrschaft Christi in unserem Leben.

Jetzt machen wir einen Sprung zu einem scheinbar völlig anderen Thema und schauen uns Verführung an. Am Ende werden wir sehen, welcher Zusammenhang besteht zwischen Bewahrung vor Verführung und der Freude am Herrn.

 

Das Wesen von Verführung und unser Schutz

Kapitel 11 des 2.Korintherbriefes ist eine Schlüsselstelle zum Verständnis des wichtigen Themas „Verführung“. Paulus zeigt hier, dass der Angriff Satans auf die Gläubigen nicht unbedingt die völlige Aufgabe des Glaubens zum Ziel hat, sondern lediglich einer Veränderung der inneren Haltung gegenüber dem Herrn. Es geht dem Teufel darum, dass Gläubige möglichst die Einfalt gegenüber Christus verlassen. Dieses Wort „Einfalt“ bedeutet Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Geradheit. Diese innere Haltung kennzeichnet die Braut. Sie meint, was sie sagt und sie sagt, was sie meint. Sie hat hinter den schönen Worten nicht andere, verborgene Absichten. Heuchelei, wovor das Wort Gottes uns eindringlich warnt, bedeutet ja, das wir geistliche Handlungen für Gott verrichten wie Beten, Geben oder Fasten , aber insgeheim das Ziel haben, von Menschen gesehen und geehrt zu werden. ( siehe Mat 6,1- 6 +16-18) Diese Sünde hatte damals Ananias und Saphira das Leben gekostet.

Verführung ist immer Verführung zu Wünschen, Zielen und Ideen, die nicht mit den Gedanken Gottes übereinstimmen. Wir verlassen die Aufrichtigkeit gegenüber Christus, wenn wir eigene Ziele verfolgen: Ehre, Ansehen, Macht, oder illegale Vergnügungen.

Der Angriff auf die Korinther erfolgte nun nach dem gleichen Muster wie damals die Verführung der Schlange im Garten. Was tat die Schlange damals? Mit dem ersten Angriff „Hat Gott wirklich gesagt?“ wurde das Wort Gottes in Frage gestellt. Danach wurde Gottes Herz in Frage gestellt und Misstrauen gegen seine guten Absichten gesät:

Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon eßt, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses. 1.Mo 3,5

Satan ist ein Heuchler, lebt nicht in Aufrichtigkeit, sondern verbirgt seine wahren Absichten hinter schönen Worten, die aber nicht mit seinem Herzen übereinstimmen. Diese Unehrlichkeit unterstellte er im Garten dem Herrn. Satan greift die Integrität Gottes an und unterstellt ihm böse, selbstsüchtige Absichten. Gleichzeitig bietet sich die Schlange als Helfer und Aufklärer an und redet Eva ein, sie werde betrogen und ausgenutzt. Bis heute ist dem Teufel keine bessere Taktik eingefallen. Wozu auch? Sie funktioniert ja sehr gut.

Das Verlassen der Wahrheit machte Eva offen für das Misstrauen gegen Gott. Dasselbe sehen wir später bei Israel. Das Volk Gottes war nicht aufrichtig gegenüber dem Herrn und es war nur daran interessiert, was es an Segnungen bekommen könnte. An einer echten Beziehung mit dem Herrn und einem Leben, das Ihn groß machen würde in den Augen der Nationen, waren die Israeliten nicht interessiert. So wurde ihr Bild vom Herrn völlig verdreht, so dass von ihnen gesagt wurde:

Und ihr murrtet in euren Zelten und sagtet: Weil der HERR uns haßt, hat er uns aus dem Land Ägypten herausgeführt, um uns in die Hand der Amoriter zu geben, damit sie uns vernichten. 5.Mo 1,27

Paulus lehrt, das wir einen anderen, fremden Geist empfangen, wenn wir uns der Verkündigung eines anderen Jesus und eines anderen Evangeliums öffnen.

Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gut. 2.Kor 11,4

Das Wort „Denn“ zu Beginn des Verses leitet eine nähere Begründung dessen ein, was im Vers davor beschrieben wurde, nämlich das verführerische Werk Satans.

Die Unbekümmertheit vieler Christen, mit der sie sich bedenkenlos Sonntag für Sonntag der Verkündigung eins falschen Evangeliums und eines anderen Jesus aussetzen, zeigt mir, dass sie nicht wirklich glauben, dass man als Kind Gottes unter den Einfluss eines falschen, religiösen Geistes kommen kann. Das Ziel von Paulus und der anderen Apostel, die vor Verführung gewarnt haben, ist nicht ein allgemeines Misstrauen gegen alle Verkündiger, sondern ein Streben nach Reife, Mündigkeit, um Botschaften und Dienste prüfen zu können.

Nachdem Paulus von der Notwendigkeit der Erkenntnis des Herrn gesprochen hat fährt er fort:

Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum. Laßt uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus. Eph 4,14-15

Die Wahrheit in Liebe, das ist es, was uns schützen wird vor Verführung. Jesus sagt: Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt noch die Kraft Gottes. Die Verführung der Gläubigen geschieht durch die Verkündigung eines falschen Evangeliums und eines falschen Jesus. Vor der Annahme des Verkehrten sind wir nur geschützt, wenn wir das Echte kennen. Das Echte, das wahre Evangelium und der wahre Jesus, das finden wir in der Verkündigung von Paulus und den deren Aposteln. Ihre Lehre ist für alle Zeit DER eine Maßstab. Es geht nicht darum, was dieser oder jener meint, und sei er noch so groß und anerkannt bei vielen, es geht nicht darum, was ich schreibe und lehre, es geht um die apostolische Lehre. Jede Verkündigung, die davon abweicht, sollte von uns verworfen werden. Oh, wie viel „Großherzigkeit“ und „liebevolle Toleranz“ erlaubt man sich in dieser Angelegenheit. Wir dürfen doch nicht jenen Dienst oder jene Kirche kritisieren, so wird uns eingeschärft. Wer kritisiert, will sich profilieren. „Wer immer das betont, was bei den anderen, zum Beispiel den Katholiken, nicht richtig ist, der hat die Liebe des Vaters noch nicht in sich“, so hörte ich einen großen Mann Gottes lehren. "Wenn wir aber die Liebe des Vaters in uns haben, dann können wir ja über solche Schwächen wie die Marienanbetung hinwegsehen." Das klingt so vernünftig, so mäßigend. Ja, so wird endlich Frieden kommen im Volk Gottes, wenn sich alle an diese Regel halten. Hörst du die Stimme des Verführers?

Wenn das stimmen würde, dass der Grund für Kritik an falscher Lehre ein Mangel an Vaterliebe ist, dann müsste ja Jesus und Paulus ein enormes Defizit an Vaterliebe gehabt haben! Wann haben solche Verkündiger das letzte Mal Schriftstellen wie z.B. Mat 23, die Sendschreiben, Gal 1, 6-11, 2.Pet 3 oder den Judasbrief gelesen?

Unsere Aufgabe ist es also, ins Wort zu gehen und Gottes Gedanken nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch zu übernehmen. Die Grundfragen, die wir für uns aus dem Wort Gottes beantworten müssen, sind die folgenden: Wer ist der Herr? Wie sieht Seine Liebe aus? Was ist Sein Wille für uns? Was bedeutet es, an Ihn zu glauben? Welchen Platz hat Sein Wort in meinem Leben?

Wenn wir diese Fragen mit dem Wort Gottes beantworten, haben wir eine sichere Basis, um Gottes Sichtweise zum Beispiel zu Denominationen, Taufe, Liebe oder Einheit zu bekommen.

So werden wir ohne Zweifel wissen, wie wir uns bezüglich der immer stärker anwachsenden verführerischen Einheitsbewegung der kommenden Hure zu positionieren haben.

Unsere Absonderung vom religiösen Geist und unsere wachsende Übereinstimmung mit dem Herrn wird eine immer stärkere Quelle der Freude werden. Die Freude am Herrn wird unsere Stärke sein, die uns befähigt, für Ihn Leid zu tragen.

---------------------------------------------------------------------
Ein Artikel von Glaube.de.
Autor: Hartwig Henkel
Quelle: www.hand-in-hand.org
Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de
Veröffentlichungen im Internet oder in Print bedürfen der vorherigen
Genehmigung der Autoren bzw. Glaube.de.
Foto: www.sxc.hu - the leading free stock photosite
---------------------------------------------------------------------

Nach oben



Name:
E-Mail: