Hartwig Henkel: Integrität und geistlicher Dienst

Durch den Erwartungsdruck von außen, aber auch aus uns selbst, ist es nicht immer leicht, der Verführung zu schnellen Resultaten unseres Dienstes zu widerstehen. Christus ist unser Leben und unser Ziel. Wir müssen lernen, unsere Identität als Diener im Reich Gottes in der Freundschaft mit dem Herrn zu haben.
Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,4-5)
Es heißt im griechischen Urtext für "getrennt von mir" auch "unabhängig von mir". Könnte denn ein von neuem geborener Gläubiger getrennt sein von Christus? Er hat doch den Geist Gottes in sich und die Gewißheit des ewigen Lebens!
In diesen Versen spricht Jesus nicht von der Errettung, sondern von dem täglichen Leben mit Ihm. Nur Er kann uns immer wieder Leben geben! Dieses Leben fließt uns in der Gemeinschaft mit Ihm zu. Wir müssen verstehen, was den Fluss des göttlichen Lebens in uns aufhalten, welche Dinge den Herrn hindern, uns zu gebrauchen und anderen durch uns Sein Leben zu bringen.
Eine Haltung, die uns von Ihm trennt, ist Gesetzlichkeit. Das neutestamentliche Verständnis von Gesetzlichkeit bedeutet, dass jemand an Regeln und äußeren Praktiken festhält, um sich damit die Liebe und den Segen Gottes zu verdienen. Er setzt dann sein Vertrauen auf die eigene Leistung und nicht mehr auf die Gnade Gottes. Das war das Problem der Christen in Galatien. Paulus mußte ihnen schreiben: Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen. (Galater 5,4)
In unseren Tagen breitet sich ein verkehrtes Verständnis bezüglich Gesetzlichkeit aus. Manche meinen, ein unbeirrbares Festhalten an Gottes Maßstäben für unser Leben sei ein Ausdruck von Gesetzlichkeit. So wird von zunehmend mehr Christen jegliche Disziplin und das Bemühen um mehr Heiligkeit als Gesetzlichkeit abgetan, weil Gnade falsch verstanden wird. Unter dem Hinweis auf die große Gnade Gottes wird ein Lebensstil der Anpassung an die Welt gepflegt, Mahnungen zu einem heiligen Leben werden verächtlich als Gesetzlichkeit abgetan.
Das Hauptziel der Gnade Gottes ist aber nicht die Reinigung von begangenen Übertretungen, sondern die Befähigung zu einem Leben in Kraft.
Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf. (Titus 2,11-12)
Das Ziel der Erlösung ist, uns loszukaufen von Gesetzlosigkeit. (Titus 2,14) Wenn wir wissentlich und vorsätzlich Dinge in unserem Leben und unserem Herzen zulassen, die nicht dem Wort Gottes und dem Wesen des Herrn entsprechen, wird uns das die Möglichkeit nehmen, eine lebendige, erfüllende Beziehung mit dem Liebhaber unserer Seele zu erfahren. Unreinheit
wird uns vom Herrn trennen.
Im Wort Gottes finden wir eine starke Betonung der Reinheit, die sich auf das Verhalten, aber noch mehr auf unsere Motive bezieht. Die Reinheit des Herzens ist deswegen so wichtig, weil nur sie uns erlaubt, ein Freund Gottes zu sein. Sehen wir uns einmal eine Reihe von wichtigen Schriftstellen zum Thema Reinheit an, in denen auch der Zusammenhang mit der erfahrbaren Gegenwart Gottes deutlich wird:
- Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Matthäus 5,8
- Wer darf hinaufsteigen auf den Berg des HERRN und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Der unschuldige Hände und ein reines Herz hat, der seine Seele nicht auf Falsches richtet und nicht schwört zum Betrug. Er wird Segen empfangen vom HERRN und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils. Psalm 24,3-5
- Wer Reinheit des Herzens liebt, wessen Lippen wohlgefällig reden, dessen Freund ist der König. Sprüche 22,11
- HERR, wer darf in deinem Zelt weilen? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg?
- Der rechtschaffen wandelt und Gerechtigkeit übt und Wahrheit redet in seinem Herzen,
- nicht verleumdet mit seiner Zunge, kein Übel tut seinem Gefährten und keine Schmähung bringt auf seinen Nächsten. Psalm 15,1-3
- Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: «Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.»
- Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab! spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen und werde euch Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.
- Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes und die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes. 2. Korinther 6,16 -7,1
- Ihr Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes. Jakobus 4,4
- Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teilnehmen und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als er? 1. Korinther 10,21-22
Aus all diesen Schriftstellen (und es gibt noch weit mehr dieser Art) geht eindeutig hervor, dass die Bedingung für die Erfahrung der Gemeinschaft mit dem Vater unsere Reinheit ist. Auch die wunderbare Verheißung in Jesaja 33, dass wir unseren Gott, den König, in Seiner Schönheit sehen dürfen, ist an die Bedingung der Reinheit gebunden. Es heißt dort, dass wir in Gerechtigkeit leben und Wahrheit reden sollen (die wörtliche Übersetzung sagt "Aufrichtigkeit" oder "Geradheit") und Gewinn, der durch Gewalt erreicht wird, verwerfen.
Wenn der Herr von uns solche Reinheit des Lebens fordert, dann ist nicht so sehr unser augenblicklicher Zustand entscheidend, sondern unser Wille zur Reinigung und die daraus folgende praktische Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist, der uns heiligt.
In unserer geistlichen Entwicklung stehen wir alle an unterschiedlicher Stelle. Dinge, die uns vielleicht vor einigen Jahren noch völlig normal und legitim vorkamen, erlaubt uns heute der Heilige Geist nicht mehr. Deswegen können wir auch nicht in allen Fällen unseren Maßstab auf andere Gläubige übertragen. Dies betrifft aber nur Dinge, die nicht eindeutig von der Schrift festgelegt sind. Die Dinge, die eindeutig in Gottes Wort als Sünde und Gottes Abscheu beschrieben werden, gelten für jeden Gläubigen vom ersten Moment der Bekehrung an.
Wer mit dem Herrn weitergeht, wird erleben, dass er in seinem Verständnis von Gerechtigkeit und heiligem Leben wächst und im Laufe der Zeit einen immer höheren Maßstab an sein Leben anlegt. Wer aufhört, dem Herr in seinem Alltag nachzufolgen, dessen Maßstab wird sich in Richtung Liberalität verändern. Im Laufe der Zeit wird er Dinge in seinem Leben tolerieren, die er vorher niemals akzeptiert hätte. Das sind eindeutige Merkmale von Abfall. Heiligkeit und Abfall sind beide sehr dynamisch. Wer abfällt, wird immer weiter abfallen und sich entfernen vom Herrn. Wer Ihn sucht und sich nach Umgestaltung in Sein Bild sehnt, wird immer weiter verändert werden und Ihm näher kommen.
Unreine, also selbstsüchtige Motive führen obendrein auch zu Problemen in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Im Jakobusbrief finden wir die Erklärung, wo die Ursache für Streit unter uns Gläubigen liegt: Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: Aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
Jakobus 4, 1-3
Selbstsüchtige Bestrebungen in unseren Herzen führen zu Streit. Die gleiche Erklärung gibt auch Paulus in 1.Korinther 3, 3: ... denn ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?
Reinheit ist also ein grundlegender Schlüssel sowohl für eine tiefe, persönliche Beziehung zum Herrn als auch für gesunde Beziehungen im Volk Gottes untereinander. Das erste und größte Gebot besteht darin, den Herrn mit aller Kraft und von ganzem Herzen zu lieben. (Matthäus 22, 37) Dieses Gebot zu beachten ist wichtiger als einen großen Dienst aufzubauen, der in unseren Augen oder den Augen anderer erfolgreich aussieht. Nur diese nahe Beziehung zum Herrn, in der Er der Erste in Allem ist, bringt uns zur Erfahrung der Sättigung und Geborgenheit, von der im Wort Gottes so viel zu lesen ist.
Der Herr selbst, nicht Seine Segnungen oder der Erfolg im Dienst, will unsere Quelle sein, aus der wir alles schöpfen, was unser Herz braucht. Alles andere, wie gut und nützlich es auch für andere sein mag, wird zu unserem Götzen, wenn wir daraus Erfüllung schöpfen. Der Herr verbietet Götzendienst mit so starken Worten, weil jeder Götzendienst uns zerstören würde. Wir mögen unsere primitiven Vorstellungen von Götzendienst haben und uns völlig erhaben fühlen über diese Gefahr. Aber aus der Sicht Gottes ist Götzendienst eine Angelegenheit des Herzens. Der Herr spricht davon, dass jemand seine Götzen in seinem Herzen aufkommen läßt (Hesekiel 14, 4). So gehört zum Beispiel auch die Habsucht zum Götzendienst. ( Kolosser 3, 5) Diese Sucht, ständig etwas haben zu müssen, sollen wir töten, weil sie sonst uns töten würde.
Die Gegenwart Gottes gibt uns Frieden und Erfüllung, wie sonst nichts auf dieser Welt. Wie könnten wir den einfachen Befehl des Heiligen Geistes "Freut euch im Herrn allezeit!" (Philipper 4,4) erfüllen, wenn wir nicht die köstliche Gegenwart des Herrn immer wieder erleben und genießen?
Diese enge und tiefe Beziehung zum Herrn will der Teufel auf jeden Fall stören oder am besten zerstören. Daher sind seine Angriffe auf unsere Reinheit gerichtet. Er widersteht auch mit allen Mitteln einer Botschaft über Heiligung und möchte uns dahin bringen, dass wir sie als gesetzlich, überzogen oder lieblos verwerfen. Der Feind Gottes hatte einst als ranghoher Engel in der Gegenwart Gottes die Reinheit seines Herzen gegen Hochmut und Selbstsucht eingetauscht und so die Gemeinschaft mit seinem Schöpfer verloren. Jetzt ist er gegenüber den Kindern Gottes voller Bosheit und Eifersucht, weil sie Zugang haben zum Herzen ihres Schöpfers und Ihn sogar Vater nennen dürfen. Diese innige Beziehung will er unbedingt zerstören. Deshalb erleben wir diesen Kampf um unsere Integrität.
Paulus warnt die Korinther vor der Verführung des Feindes, der uns dahin bringen will, dass wir Kompromisse bezüglich unserer Reinheit eingehen: Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen. Ich fürchte aber, daß, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, so vielleicht euer Sinn von der Einfalt und Lauterkeit Christus gegenüber ab gewandt und verdorben wird. (2. Korinther 11, 2-3)
Hier begegnen uns wieder Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Geradheit, denn dies ist die Bedeutung des griechischen Wortes "Einfalt".
Die Angriffe Satans richten sich auf unser Denken, unsere Einstellungen den Dingen des Lebens gegenüber. Der Teufel will uns überreden, unsere Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Geradheit dem Herrn gegenüber einzutauschen gegen eine mehr "realistische, unverkrampfte und menschlichere" Sicht vom Leben. "Schließlich sind wir doch alle nur schwache Menschen", flüstert er uns mitfühlend zu. "Die Anderen nehmen es doch auch nicht so genau! Du kannst ruhig ein wenig lügen oder dies und jenes tun."
Aber hinter solchen Ratschlägen steht nur die Absicht des Feindes, uns unbrauchbar zu machen für den echten Dienst, der das Reich Gottes vorwärts bringt und dem Herrn Ehre bringt.
Paulus ermahnt die Korinther, die mächtige Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen.(2. Korinther 6, 1). Er beschreibt in den Versen 3 bis 10 sein eigenes Leben und seinen Dienst, die sich durch radikale Hingabe, Reinheit und Leidensbereitschaft auszeichnen. Danach ermahnt er die Korinther, aus den Verwicklungen des Weltsystems herauszukommen und auf dem Weg der Heiligung weiter voranzugehen, damit sie die Gemeinschaft mit dem Vater erleben können.
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Dieser Artikel wird fortgesetzt unter dem Titel "Die Fallen des Todes vermeiden"
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Ein Artikel von </FONT><FONT size=2>www.glaube.de</FONT><FONT size=2>
Used by permission. Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de
Quelle: Hand in Hand, </FONT><FONT size=2>www.hand-in-hand.org</FONT><FONT size=2>
Autor: Hartwig Henkel
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