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19-11-10

Ines Lindner: Dankbarkeit

Lasst uns einen dankbaren Lebensstil annehmen und unser Herz schulen, den Blick zu ihm zu wenden und voll Dankbarkeit zu singen und voll Lob zu tanzen.


Dankbarkeit (Gottesdienst am 26. 09. 2010)

Guten Morgen meine Lieben! Heute habt ihr die Ehre, mit mir als – hoffentlich – Sprachrohr auszukommen :) Als Ingrid mich vor ein paar Wochen gefragt hatte, ob ich denn einen Impuls machen möchte, hab ich so locker flockig ja gesagt. Dabei dachte ich mir, einfach über einen kurzen Bibelvers zu  sprechen oder so und meine Gedanken weiter zu geben. Doch dann kamen ein paar kämpferische
Wochen. Ich war innerlich total im Chaos und wusste nicht mehr, wo oben und unten ist. Irgendwie hatte ich das Gefühl, meine Verbindung zu Gott und der Welt sei gekappt. In mir war zuerst Wut und Scham. Ich sah mich als Versager, weil ich keine Arbeit hatte, finanzielle Probleme, keinen Draht zu Gott und keine Aussichten auf eine Ausbildung. Irgendwann ging das ganze dann in
Resignation über. Ich wollte nicht mehr leben, mich verkriechen und weder etwas hören, noch etwas sehen. Und ich kann euch sagen: sich im Selbstmitleid zu suhlen kann ganz angenehm sein. Es ist schön und warm und hach einfach herrlich im Schrank zu sitzen, Schokolade zu essen und zu  schmollen. Manchmal hat man Tage, da braucht man das einfach, oder?


Während einer Anbetungszeit probierte ich alles mögliche und unmögliche, in Gottes Gegenwart zu kommen – aber ich schaffte es nicht. Ich wusste einfach nicht, wieso. Also schrie ich zu Gott. Ich bat ihn, bettelte ihn förmlich an, mir zu zeigen, was los ist.

Plötzlich stand ich in der Wüste. Es war keine Wüste aus Sand, sondern eine mit rissigem, vertrocknetem Boden. Alles war leer, nichts war zu sehen weit und breit. Nur eine zerbrochene Amphore lag mitten in der Wüste. Im Schatten der Amphore war ein Grasbüschel. Von der Scherbe der Amphore tropfte ein Wassertropfen auf den Grasbüschel.Ich fragte Gott, was das solle und plötzlich stand ein Engel neben mir. Wir schauten beide einfach in die leere Wüste. Ich fragte ihn nach einer Weile, was das bedeute. Er schaute mich an und sagte
"das ist dein Herz". Das hat mich sehr erschüttert. Was hatte ich falsch gemacht? Wieso war mein Herz eine Wüste? Was war los? Voller Schmerz fragte ich den Engel, wie ich das ändern kann und wie mein Herz wieder eine Oase wird. Eine grüne, saftige Oase mit Palmen und Wasserstellen und Gras und Grün. Er antwortete nicht und so zählte ich verschiedene Dinge auf. Mehr Zeit mit Gott verbringen, mehr Bibel lesen, mehr Anbetung machen, mehr Lobpreis, mehr evangelisieren, mehr mehr mehr... doch jedesmal schüttelte der Engel den Kopf. An dem Abend bekam ich keine Antwort mehr.

Ich habe lange drüber nachgegrübelt, wieso mein Herz eine Wüste war. Wieso ich es nicht schaffte, in Gottes Gegenwart zu kommen. Warum Gott mich so – pardon – annervte. Irgendwann habe ich dann mal einer Bekannten von diesem Bild erzählt. Nach einer Weile fragte sie mich "Stöps, wieso waren die Israeliten 40 Jahre in der Wüste?" Ohne zu überlegen antwortete ich "weil se die ganze Zeit am maulen, meckern und motzen waren". Danach folgte Schweigen. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Der Grund, wieso ich monatelang (in bestimmten Bereichen jahrelang) in der Wüste lief, war, weil ich immer am motzen und meckern und maulen war. Ich war undankbar und untreu.  In 4. Mose 14 in den Versen 33 bis 37 steht folgendes:
 
33 Doch auch eure Söhne werden wegen eurer Untreue zu leiden haben: Noch vierzig Jahre lang müssen sie mit ihrem Vieh in der Wüste umherziehen, bis von eurer Generation keiner mehr am Leben ist.
34 Vierzig Tage lang habt ihr das Land erkundet; so sollt ihr nun vierzig Jahre lang, für jeden Tag ein Jahr, eure Schuld abbüßen. Dann merkt ihr, was für Folgen es hat, wenn jemand sich von mir abwendet.
35 Ich werde mein Wort nicht zurücknehmen. Keiner von euch soll aus dieser Wüste herauskommen; alle werden in ihr den Tod finden. Diese ganze böse Gemeinde, die sich gegen mich zusammengerottet hat, soll ihrer Strafe nicht entgehen.«
36-37 Die Männer aber, die Mose ausgesandt hatte, um das Land zu erkunden, bestrafte der Herr auf der Stelle, sodass sie tot umfielen. Sie hatten nach ihrer Rückkehr schreckliche Dinge über das Land erzählt und so die ganze Gemeinde gegen Mose aufgewiegelt und zum Murren gegen ihn gebracht

Natürlich werden wir jetzt von Gott nicht mehr in die Wüste geschickt, wenn wir mal meckern oder undankbar sind – dafür ist Jesus ja gestorben. Aber wenn ich das jetzt übertrage auf das Bild, das Gott mir gab, dann verstehe ich sehr genau, wieso mein Herz so trocken war und ich es irgendwie nicht mehr geschafft habe, in seine Gegenwart zu kommen.

In Pslam 100,4 steht  
4 Geht durch die Tempeltore mit einem Danklied, betretet den Festplatz mit Lobgesang! Preist ihn, dankt ihm für seine Taten!

Als ich das gelesen habe, hat es mich ganz schön getroffen und ich habe verstanden, dass ich nur durch  Dank und Lob in seine Gegenwart kommen kann. Es gibt so ein tolles Sprichwort "Loben zieht nach oben. Singen hilft vollbringen. Danken schützt vor wanken." Und ich denke, es ist schon
etwas wahres daran.

In Römer 1, 21 steht:
"Obwohl sie Gott kannten, ehrten sie ihn nicht als Gott und dankten ihm nicht. Ihre Gedanken liefen ins Leere und in ihren unverständigen Herzen wurde es finster."

Ganz schön krass, oder? Im Grunde tun wir uns selbst am meisten Gutes, wenn wir dankbar sind. Das mit dem Danken wäre ja eigentlich ganz einfach, wären da nicht manchmal so kleine, hinterhältige Lebenssituationen, die uns das Bein im Alltag stellen.  Arbeitslosigkeit, ein paar Kilo zu viel auf den Hüften, Krankheiten, nervige Kinder, Eltern oder sonstige Mitmenschen, ein Pickel auf der Nase, ein leeres oder mageres Konto, ein Loch im Geldbeutel, Mitchristen die alles besser wissen, innere Leere, Gefühle, eine kaputte Ehe, eine
kaputte Freundschaft, ein gebrochenes Herz... manchmal sind es harte Dinge, die uns das Leben schwer machen. Erlebnisse und Umstände die uns innerlich schier zerreißen: eine diagnostizierte Krankheit, Ablehnung, nicht gehört werden, missbraucht werden, alles verlieren. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die uns aus der Fassung bringen: ein Loch im Strumpf, die Brille die man nicht findet, ein schiefes Grinsen bei einer Person, die einem eh auf den Wecker geht.
Da wacht man morgens auf und möchte die Sonne am liebsten wieder ausknipsen. Es ist wirklich schwer, in solchen Momenten dankbar zu sein. Doch wisst ihr – es hilft wirklich. Es hilft von sich weg zu sehen auf Jesus. Und das wiederum erhebt unsere Herzen. Denn Jesus steht  ÜBER all diesen Dingen. ER will das Gute für uns und unser Leben. ER streckt uns die Hand hin.
Das bedeutet nicht, dass er alle Krankheiten sofort heilt, allen Menschen die uns nerven den Mund  zuwachsen lässt und das emotionale Loch von jetzt auf gleich auffüllt. Aber es bedeutet, dass wir nicht alleine sind. Wisst ihr, Jesus kam nicht um hier ein bequemes Leben zu führen. Er hat hier unter uns gelebt und weiß wie es ist, als Mensch zu leben. Stellt euch mal vor, wie klein Gott sich gemacht hat. Er kam auf die Welt. Zu uns! Er sagte nicht "jetzt macht ihr mal und so und so geht das" sondern er kam zu uns. Daniel Kallauch (ein
Kinderliedermacher) singt "runtergekommen, abgestiegen, Erde statt Himmel, da wo wir sind".

Jesus kam wirklich runter. GOTT kam runter zu uns - in Jesus.Gott schreit. Gott wird gewickelt. Gott ist bedürftig. Gott hat eine Mutter. Gott hat einen Vater. Gott stinkt. Gott spielt. Gott weint. Gott lacht. Gott hat Freunde. Gott arbeitet. Gott hat Hunger. Gott friert. Gott schwitzt. Gott schläft. Gott hat Durst. Gott tanzt. Gott feiert. Würde Jesus heute leben könnte man sagen: Gott bügelt, Gott putzt Fenster, Gott chattet, Gott schreibt SMS, Gott liest E-Mails, Gott kehrt die Terrasse, Gott repariert die Waschmaschine, Gott fährt Auto und repariert Fahrräder. Gott schnippt nicht immer mit dem Finger und schwubdiwub ist alles rosarot und wunderprächtig. Wir sitzen nicht immer auf rosa Wölkchen Nummer 7 und essen Philadelphiakäse.  Aber Gott kommt in unser Schlamassel. Er geht mit uns mit. Hilft uns zu tragen. Weint mit uns. Lacht mit uns. GOTT ist DA!

Deswegen sollten wir danken – egal wie die Umstände, unsere Gefühle oder andere Menschen sind. Dankbarkeit ist ein wichtiger Schlüssel, den wir in Händen halten. Nun müssen wir entscheiden, ob wir ihn benutzen oder nicht. Ein dankbarer Lebensstil ist nicht immer einfacher – aber er ist um das
vielfache leichter. Wenn wir murren und jammern – was auch zwischendurch okay ist, denke ich – dann laden wir uns selber einen Kohlesack nach dem anderen auf unseren Karren. Und der ist selbst unter dem Joch von Jesus schwer zu ziehen und raubt uns Lebensqualität, Freude und Leichtigkeit.
Dankbarkeit ist eigentlich das einzige Opfer, das Gott bedingungslos eingefordert hat.

In Psalm 50, 14 steht:
"Nicht Opfer will ich von dir, sondern Dank: Löse deine Versprechen ein, die du mir in Bedrängnis gegeben hast, mir, dem Höchsten, deinem Gott!"
Weiter unten in Vers 23 steht:
"Dank ist die Opfergabe, an der ich Freude habe; und wer auf meinen Wegen geht, erfährt meine Hilfe"

Natürlich sind wir durch Jesus von sämtlichen Opfergaben befreit, doch ich habe es vorhin schonmal gesagt: Eigentlich tun wir mit dem Dank in erster Linie uns selbst was Gutes. Ich habe  festgestellt, dass, wenn ich mir vorstelle, was JESUS alles erlebt hat und durchmachen musste, es mir leichter fällt, dankbar zu sein. Wenn ich jetzt morgens aufstehe, oft bevor ich überhaupt die Augen aufmache, sag ich einfach "danke für den Tag. Danke für mein Bett. Und auch wenn ich nicht aufstehen will: danke für den Tag und dass ich gesund bin."
Es ist ein erster Schritt in einen Tag mit dankbarem Lebensstil. Es ist das erste Stück der Schokolade. Irgendwann kann man gar nicht anders, als die ganze Tafel zu essen. Dann wird man immer dicker, weil Jesus in einem zunimmt.
Lasst uns einen dankbaren Lebensstil annehmen und unser Herz schulen, den Blick zu ihm zu wenden und voll Dankbarkeit zu singen und voll Lob zu tanzen.

Amen!

 

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Ein Artikel von www.glaube.de

Mit freundlicher Genehmigung von

Autor: Ines Lindner

Bild: www.sxc.hu

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