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25-07-11

J. Richard Parker: Das Etikett „geliebt“

Es geht Gott nicht um Verdammung,


So lange ich zurückdenken kann, konnte ich mich nie damit anfreunden, in irgendeine Schublade gesteckt zu werden. Ich glaube, dies geht auf die Zeit meiner Einschulung zurück, als ich mich in der Grauzone zwischen jenen, die bereits lesen konnten, und jenen, die eben noch nicht lesen konnten, wiederfand. Die Lesekundigen wurden als „normale Leser“ eingestuft und nahmen am regulären Unterricht teil, in dem Lese fähigkeit vorausgesetzt wurde. Jene, die noch nicht lesen konnten, wurden als „Nicht-Leser“ abgestempelt und in die Anfängerklasse verwiesen. Nun, da ich schon ein bisschen lesen konnte, jedoch noch nicht gut genug, um als „normaler Leser“ durchzugehen, pendelte ich (sehr zu meinem Missfallen, wie ich hinzufügen möchte) zwischen den beiden Gruppen hin und her und fühlte mich in keiner richtig heimisch.Jetzt als Erwachsener kann ich – dankenswerterweise – lesen, und das Lesen hat mir geholfen, die Größe der Gnade Gottes noch besser zu erfassen. Dieses unangenehme Gefühl, den einen oder anderen Stempel aufgedrückt zu bekommen, überkam mich jedoch wieder, als ich begann, mich mit der wunderbaren guten Botschaft der Heiligen Schrift zu befassen. Jene, die tatsächlich davon überzeugt sind, die Erlösung komme allein mittels Gnade durch Glauben und nicht durch menschliche Werke, werden gelegentlich abwertend als „Universalisten“ abgestempelt, was impliziert, dass sie die Auffassung vertreten, jeder werde errettet, unabhängig davon, ob er jemals Jesus Christus für sich erkennt und an ihn glaubt oder nicht. Ich glaube das natürlich nicht. Ich weiß, dass Erlösung den Menschen nur in Jesus Christus zuteil wird und obgleich dieser die ganze Menschheit zu sich gezogen und mit dem Vater ausgesöhnt hat, nur diejenigen sein ohne Gegenleistung gewährtes Geschenk annehmen und sich daran freuen können, die auch daran glauben.


Aber ich glaube auch, dass keiner von Gottes Gnade und Liebe ausgeschlossen ist und dass Jesu Sühneopfer allen Menschen auf Erden zum Heil gereicht. Was sie schließlich aus der ihnen zugesicherten Erlösung machen, ist eine andere Sache. Vielleicht bin ich jedoch in dem Sinne ein „Universalist“, als dass ich an die Kraft und Liebe des Vaters, des Soh nes und des Heiligen Geistes der ganzen Menschheit gegenüber glaube. Und vielleicht bin sogar in dem Sinne ein hoffnungsvoller „Universalist“, als dass ich glaube, dass der himmlische Vater ein so liebender, treuer und so beharrlicher Gott ist, dass er schließlich die Gefolgschaft selbst der bösesten, widerborstigsten und eigensinnigsten seiner Kinder zu gewinnen vermag.


Ist diese Art von „Universalismus“ nun gut oder schlecht? Dabei kommen einige Fragen auf:

Wenn Gott schlussendlich jeden auf seine Seite bringt, wäre das schlecht? Wenn sich Gottes Heilswerk als so mächtig erweist, dass schließlich jeder aus freien Stücken seine Gnade und Liebe annimmt, stünde das im Gegensatz zu seinem Willen und der von ihm festgelegten

Bestimmung? Für mich lautet die Antwort auf beide Fragen: „Nein!“ Dass Menschen zum Glauben kommen, ist sehr gut und entspricht genau Gottes erklärtem Willen und der von ihm festgelegten Bestimmung. In Johannes 3,16-17 heißt es beispielsweise: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde.“ Es geht Gott nicht um Verdammung, sondern um Erlösung, und was er tut, ist gut.


Der Apostel Paulus schrieb im Kolosserbrief1, 19-20: „Denn es hat Gott wohlgefallen, daß in ihm [Christus] alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.“ Im 1. Johannesbrief 2, 2 heißt es: „Er [Jesus] ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ Jesus verheißt uns, wie wir in Johannes 12, 32 lesen: „Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Im 1. Timotheusbrief 2, 5-6 lesen wir die Worte Paulus‘: „Nur einer ist Gott, und nur einer ist auch der Vermittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Jesus Christus. Er gab sein Leben, um die ganze Menschheit von ihrer Schuld loszukaufen. Das gilt es zu bezeugen in dieser von Gott vorherbestimmten Zeit“ (Gute Nachricht Bibel). Und der Apostel Petrus erklärte: „Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß jedermann zur Buße finde“ (2. Petrus 3, 9). Heißt aber die Tatsache, dass Gott will, jeder möge zur Buße finden, dass auch tatsächlich jeder zur Buße findet? Nun, ich weiß es offen gesagt nicht. Der himmlische Vater fragt bei mir diesbezüglich nicht nach. Was ich weiß, ist, dass Gott die Welt liebt, sie in Christus mit sich versöhnt und seinen Sohn zum Sühneopfer für alle Menschen gemacht hat. Ich weiß zudem, dass Christus alle Menschen zu sich hinzieht, alle erlöst und nicht will, dass auch nur einer von ihnen verloren geht.


Wenn also Gott sich selbst in seiner treuen Liebe und in all seiner Macht als höchster Universalist erweist, wer wäre ich, mit ihm darüber zu streiten? Fakt ist, dass Gott zur Errettung der Menschen tun wird, was nach seinem Willen richtig ist, und er bedient sich dabei Mittel und Wege, die weit über unseren Horizont hinausgehen.


Wie Paulus im Römerbrief 11, 32-36 ausführte: „Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme. O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewig keit! Amen.“


So werde ich einfach ihm die Kontrolle überlassen (als ob er dafür meine Erlaubnis bräuchte!) und werde meine Freude darin finden, wie auch immer sich alles durch Jesus Christus wenden mag. Wenn jemand Sie so sehr liebt, wie Gott es tut, können Sie ihm alles anvertrauen – auch Ihre Lieben, die vielleicht noch ungläubig sind. Wenn mich das als „Universalisten“ ausweisen sollte, so sei es drum. Doch würde ich es vorziehen, wenn ich schon in eine Schublade gesteckt werden soll, einfach als Gläubiger im Namen Jesu Christi zu gelten, und was das Seine ist – einschließlich meines Lebens und dem aller anderen Menschen –, getrost in seine treuen und liebenden Hände zu legen.


Richard Parker lebt mit seiner Frau Sally in Südkalifornien. Er betreut als Seelsorger zwei Gemeinden und schreibt und arbeitet für Public Access TV. Er bloggt auf JustMoreReligiousThoughts.blogspot.com

 

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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autorin: J. Richard Parker, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: WKG
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