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03-09-03

Jiri Secka: "Ich will wieder heim..."

In Lukas 15, 11-24 erzählt uns Jesus eine Geschichte, die so aktuell und lebensnah ist, dass bestimmt manche unter uns sagen werden: Hey, das ist ja doch meine Geschichte! Diesem "verlorenen Sohn" ging es, wie manchen Jugendlichen heutzutage, die den Tag nicht mehr erwarten können, bis sie die Türschwelle ihres Elternhauses hinter sich haben. "Ja, wenn ich 18 bin, ziehe ich von zu Hause aus und kann endlich machen was ich will!"...


Warum will der junge Mann unbedingt fort? Fragen wir ihn doch einmal danach. Was würde er uns wohl sagen?

"Ha, ich halte es einfach daheim nicht mehr aus. Mein Alter ist von gestern. Nichts mache ich ihm recht.
Wenn ich abends ausgehen will, so fragt er: Wo willst du hin? - Geht ihn das etwas an?
Will ich ins Kino gehen, dann forscht er neugierig: Welchen Film guckst du dir an? - Wozu interessiert ihn das?
Gehe ich mit meiner Freundin am Sonnabend in die Disko, so hält er mir eine lange Moralpredigt über die Gefahren des sittlichen Lebens. - Der Alte ist doch schon verkalkt. Diese blöden Ansichten kann er doch keinem modernen Menschen von heute mehr zumuten. Schließlich bin ich alt genug, dass ich selbst bestimmen kann, was ich zu tun oder zu lassen habe. Ich gehe. Was aus dem Alten wird, ist mir ganz egal."

Freiheit wird häufig als Befreiung von Bindungen, Ordnungen und Normen verstanden

Der junge Mann geht von zu Hause weg‚ um sich selbst zu finden. Man könnte auch sagen: er geht weg, um die Freiheit kennen zu lernen. Und diese Freiheit die ihn lockte, erschien ihm als Freiheit von allen Bindungen.
Um jeden Preis will er in die Freiheit. Es ist ihm ganz gleichgültig, wohin es ihn treibt. Er hat es satt dauernd beobachtet zu werden. Er will endlich das tun was er will. So richtig in der Masse untertauchen.

"Ich will endlich mein eigener Herr sein. Ich will tun was ich für richtig halte und nicht was mir ein Mensch "von gestern " vorschreibt. Und ferner: Ich will in das Vergnügen. Ich will mich richtig ausleben. Nichts mehr arbeiten, nur die besten Speisen, so richtig trinken nach dem Motto: "Saufet bis ihr fallet nieder, stehet auf und saufet wieder", hübsche Mädchen, tolle Liebesnächte... Dazu bietet sich natürlich eine Großstadt wie Berlin, Frankfurt oder München am besten an."

Das sind etwa die Ziele unseres jungen Freundes, der von zu Hause fortgeht. Seine volle Brieftasche, seine im voraus ausbezahlte Erbschaft, sichert ihm diese Ziele garantiert. Er geht von zu Hause weg, um das Leben zu genießen.

Atheismus hat nichts zu tun mit dem Verstand sondern mit dem Willen des Menschen

Nun die Frage: Warum erzählt uns Jesus diese Geschichte? Was will er uns damit sagen? Aus den wenigen Sätzen des jungen Mannes lässt sich ein grundsätzliches Bild des Menschen erkennen. Wir alle haben einen Gott, einen Vater im Himmel. Die Bibel sagt: "Ich bin der Herr dein Gott!" - Aber wir wollen unsere eigene Herren sein, darum los von ihm! Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche! Wir möchten unserem eigenen Willen folgen, darum los von ihm! Wir möchten unser Leben genießen, aber der Gedanke:
Gott sieht alles, was du tust,
Gott hört alles, was du redest,
Gott kennt sogar die geheimsten Wünsche deines Herzens -
dieser Gedanke stört uns in unserem Vergnügen - darum los von ihm!

Das ist der eigentliche Grund, warum so viele Menschen den Glauben an Gott verwerfen und sich dem Atheismus zuwenden. Vielleicht hältst du dich rein äußerlich noch zu irgendwelcher Kirche, aber innerlich stehst du deinem Gott sehr ferne. Dein Glaube ist nur ein kalter, toter Verstandesglaube. Das Herz wendet sich doch von Gott ab. Ja, man braucht noch gar nicht von zu Hause wegzulaufen, man braucht nicht einmal von der Kirche auszutreten und man kann dennoch in der Fremde leben, wenn man sich innerlich von Gott losreißt.

Wer Freiheit ohne Jesus sucht, der läuft einer Fata Morgana nach

Und wie schrecklich war das Leben in der Fremde. Es heißt von ihm: "Er lebte in Saus und Braus und verjubelte alles. Als er nichts mehr hatte, brach in jenem Land eine große Hungersnot aus; da ging es ihm schlecht." - Hat er also gefunden, was er suchte? Er suchte nach Freiheit, er wollte sein eigener Herr sein - und wurde Sklave seiner Triebe. Er suchte Vergnügen und fand nur trostlose Leere in seinem Herzen. Er dachte, sein Geld verschaffe ihm schon, was er suchte. Aber er täuschte sich, denn als das Geld alle war, hatte er nichts mehr: keine Freunde, keine Mädchen, keine Partys, kein Essen... nichts! Ihm blieb nur noch sein unzufriedenes Herz. Und da merkte er, dass er in dieser Welt keine echte Freunde finden kann. Jeder wollte nur sein Geld, aber nicht ihn selbst. Als er kein Geld mehr hatte, musste er hungern. Er verkaufte seine Kleider und ging auf Arbeitsuche. Mit Mühe und Not kam er bei einem Bauer als Schweinehirt unter. Jeden Tag saß er bei diesen ekelhaften Tieren. Es war zum Davonlaufen.

Der junge Mann ging von zu Hause weg, um sich selbst zu finden und er ahnte nicht‚ dass er sich verlor. Haben wir jetzt gemerkt, wo der Mensch landet, wenn er von Gott wegläuft? - Unser Herz, unsere Seele ist für Gott geschaffen. Darum kann er allein den Hunger und Durst unserer Seele stillen. Wenn sich also jemand von Gott lossagt, dann tritt eine geistliche Hungersnot ein. Es entsteht eine furchtbare Leere und Öde. Und auch das Beste und Schönste, was die Welt dir bietet, kann auf die Dauer deine Seele nicht befriedigen. Weder deine Eltern noch deine Kinder, weder dein Mann noch deine Frau, weder dein Freund noch deine Freundin, weder dein guter Job, deine Karriere, dein dickes Bankkonto noch dein Sportwagen, den du dir eben angeschafft hast. Wir probieren, wie der junge Mann, bald hier, bald da. In unersättlicher Gier jagen wir von einem zum anderen. Aber immer wieder heißt es: Es ist alles vergeblich! Kurz gesagt: ein Leben ohne Gott ist ein ganz unglückliches und verfehltes Leben.

3 Schritte, die aus der Fremde in die Heimat führen

Und wer dies erkannt hat, dem geht es wie unserem jungen Freund. Seine Gedanken gehen nach Hause zu seinem Vater. Es wird ihm sonnenklar: Ich bin ein Wahnsinniger! Warum sitze ich da und hungere, während mein Vater daheim viele Arbeiter ernährt? - Aber ich habe meinem Vater Unrecht getan. Ich habe gesündigt und mich von ihm getrennt. Jetzt kann ich nicht mehr zurück. –
Dann aber entschließt er sich doch zu seinem Vater zu gehen und ihn um Vergebung zu bitten. Er findet einen Ausweg aus seiner aussichtslosen und hoffnungslosen Lage: Er geht heim. Aus der Fremde in die Heimat. In seiner Umkehr sind 3 wesentliche Schritte erkennbar, die wir uns anschauen wollen. Sie machen nämlich die Umkehr zum Vater möglich:

1. Schritt: Sündenerkenntnis – "Da schlug er in sich"


Es heißt von Ihm: "Da schlug er in sich". Hören wir richtig? - Er schlug nicht um sich, er schlug nicht auf die Menschen los sondern er schlug in sich. Er sagte: Ich bin schuld. An meiner Situation ist kein anderer Schuld als ich selbst. Ich gebe meine Schuld, mein Unrecht zu. Und das ist ja der erste Schritt zur Umkehr aus der Fremde in die Heimat, dass wir unsere eigene Schuld erkennen. Wer die Schuld nur bei anderen sucht und gegen die eigene Schuld blind ist, der wird nie aus der Fremde in die Heimat kommen.

2. Schritt: Willensentscheidung – "Ich will mich aufmachen...."

Und weiter lesen wir von unserem Freund: "Er sprach: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen" - das ist also der zweite Schritt zur Umkehr, dass wir einen festen Entschluss fassen, dass wir ein entschiedenes "Ich will" sprechen. Wir müssen den guten Willen haben. Aber der gute Wille genügt noch nicht. Der Wille muss zur Tat werden. Und das ist eben der dritte Schritt.

3. Schritt: Die Tat – "...und er kam zum Vater"

Es steht hier: "Und er machte sich auf und kam zum Vater." Weißt du, was bei uns gewöhnlich zwischen dem Willensentschluss und der Tat mitten drin steht? Das kleine Wörtchen "ABER".
Ja, ich will mich aufmachen und Jesus begegnen – ABER ich bin noch nicht so weit....
Ich will mit Jesus neu beginnen, mich taufen lassen – ABER ich muss erst das und jenes tun....
Ich will mich schon von meiner ungläubigen Freundin oder Freund trennen – ABER das ist nicht mehr so einfach....

Bei dem verlorenen Sohn heißt es nicht ABER sondern UND. Dem Willensentschluss muss sofort die Tat folgen. Jede Verschiebung macht uns nur schwächer und jedes Zögern macht die Umkehr nur schwerer. Wenn Gott dich jetzt ruft, dann warte nicht länger und mache dich auf! Verschiebe deine Entscheidung nicht auf einen anderen Tag. Wer weiß ob er überhaupt noch kommen wird. Heute und jetzt ist die angenehme Zeit, die Zeit deines Heils!

"Und er machte sich auf den Weg und kam zu seinem Vater". Das ist die große entscheidende Wendung, welche die Bibel mit dem Wort "Bekehrung" bezeichnet. Weg von der Sünde, hin zu Gott! Weg von der Sünde, die uns so viel versprochen und doch so wenig gehalten hat, hin zu Gott, der schon so lange und sehnsüchtig auf uns wartet. So kommen wir aus der Fremde in die Heimat.

Täglich hatte der Vater vom Dach seines Hauses in die Richtung geschaut, die sein Sohn gegangen war. Und da, eines Abends sieht er einen Bettler kommen in abgerissenen Kleidern. Er kommt ihm so bekannt vor. Und wirklich, das Vaterauge hat sich nicht getäuscht - es ist der Sohn. Und nun wartet er nicht erst, bis der Sohn herankam, sondern er ging ihm entgegen. Nein‚ er ging nicht, er lief! Ein herrliches Wort: Der Vater lief. Er lief so schnell seine alten Füße ihn tragen konnten. Er konnte es kaum erwarten, bis er den Sohn wieder hatte. Und nun, kein Vorwurf, nicht einmal die Frage, die doch so nahe lag: Mein Sohn, warum hast du mir das getan? - Nichts davon‚ sondern "er fiel ihm um den Hals und küsste ihn."

Verstehst du jetzt, warum ich dich ermutigen will, zu Gott zurückzukehren? Er wartet auf jeden einzelnen, der noch nicht zu Hause ist. Er wartet auf dich, obwohl du ihm vielleicht schon jahrelang davongelaufen bist. Er schickt dich nicht weg, wenn du zu ihm kommst. Im Gegenteil, er kommt dir sogar entgegen. Wie der Vater seinem Sohn entgegenlief, so holt dich der himmlische Vater in seinem Sohn Jesus Christus ab. Jesus wurde selbst ein Mensch. Er kam in diese Welt, um seine verlorenen Brüder und Schwestern aus der Fremde zurückzuholen. Er liebt dich und will dich nach Hause bringen, wenn du dich ihm jetzt anvertraust. Er ist der Weg zum Vater, wie er selbst gesagt hat.

Wirkliche Freiheit findest du nur in Gott. Erst als Sohn des Vaters wirst du echte Freiheit haben; denn die Freiheit, die du im Grunde suchst, findest du nur im Vaterhause Gottes, d.h. in der Verbindung mit Gott. Der große Kirchenlehrer Augustinus drückt es so aus: "Das Herz ist unruhig, bis es ruht in Gott."


Lukas 15,11-24





Jiri Secka / Redaktionsmitarbeiter Glaube.de

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