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02-05-11

John Stonecypher: Wie die Auferstehung ganz einfach leichter nachvollziehbar wird

De leibliche Auferstehung Jesu stellte für mich früher eine befremdliche Lehrmeinung dar, obwohl ich nie genau anzugeben vermochte, warum.


De leibliche Auferstehung Jesu stellte für mich früher eine befremdliche Lehrmeinung dar, obwohl ich nie genau anzugeben vermochte, warum. Sie wirkte auf mich irgendwie doch etwas schlicht. Nun, ich habe inzwischen ein wenig darüber nachgedacht und möchte Sie an meinen Gedankengängen gern teilhaben lassen. Der griechischen Denkweise (und auch ihrer Nebenlinie, dem Denken der Moderne) gemäß gibt es drei schwerwiegende Vorurteile, infolge deren manche Menschen Vorurteile gegen Christi leibliche Auferstehung hegen.

Das Vorurteil gegenüber der MATERIE
Die Griechen glaubten, es gebe eine „wahre“ Welt der Ideale und Formen, von der die materielle Welt lediglich ein schwaches (und oftmals illusionäres) Abbild darstelle. Die Materie war für sie etwas Anstößiges. Nach dieser Denkweise war es sicher nicht gut, dass Gott fleischliche Gestalt annahm, und gewiss noch SCHLECHTER, wenn er diese Gestalt BEIBEHIELT. Unser fleischlicher Leib war demgemäß etwas, das man ABSTREIFEN und sich nicht ewig zu eigen machen musste. Das Denken der Moderne weist ähnliche Züge wie das der Griechen auf, nur dass da- bei alles geradewegs andersherum ist. Diesem Denken entsprechend ist die gegenständliche materielle Welt die wahre, und dem Reich der Ideale bzw. des Spirituellen haftet etwas Vages, nicht wirklich Greifbares, an. Schauen Sie nur einmal, wie wissenschafts- und faktengläubig unsere Kultur im Hinblick auf alles Materielle ist, und wenn es dann um den Bereich des Geistlichen und der persönlichen Werte geht, sind alle Glaubensgrundsätze gleichermaßen richtig, was eigentlich nur ein verschleierter Ausdruck dafür ist, dass sie damit zugleich alle gleichermaßen falsch sind. In der Kultur der Moderne nimmt somit niemand Anstoß daran, wenn Sie den auferstandenen Christus geistlich bezeugen, solange nur die reale Welt des Leiblichen davon unberührt bleibt.

Das Vorurteil gegenüber dem ZEITLICHEN
Die Griechen vertraten die Ansicht, die Zeit sei ein Teil der illusionären materiellen Welt, wohingegen die ideale (reale) Welt zeitlos und unwandelbar sei. Sie meinten, wir könnten einen flüchtigen Einblick in die Realität gewinnen, indem wir beobachten, wie die zeitlose Konstanz in jenen irdischen Phänomenen zum Ausdruck kommt, die sich stets aufs Neue in empirisch nachvollziehbarer Form wiederholen. Mit der wissenschaftlichen Entwicklung der Moderne hat sich daraus die Auffassung herauskristallisiert, dass ein Phänomen nur dann wirklich existent ist, wenn es sich immer wieder ereignet. Wenn Sie also einen Apfel – oder einen anderen Gegenstand – einhundert Mal fallen lassen, wird er auch ebenso oft nach unten fallen. Der Philosoph David Hume brachte diesen Gedanken mit seiner Feststellung zum Ausdruck, dass ein Ereignis sich mit „ins Unendiche gehender Unwahrscheinlichkeit“ nur einmal ereigne. Und so „weiß“ man dem Denken der Moderne folgend einfach, dass Jesus nicht leiblich auferstanden sein kann, weil sich dieses Ereignis weder vorher noch seither ein weiteres Mal ereignet hat.

Das Vorurteil gegenüber der GEMEINSCHAFT
Hierbei handelt es sich eigentlich nur um eine Ausweitung des Vorurteils gegenüber dem Zeitlichen. Wenn ein Phänomen sich nur einmal an einem einzigen Ort ereignet, so ist es lediglich einem kleinen Teil der Menschheit, nämlich jenen Menschen, die zufällig genau zu der Zeit leben und am Ort des Geschehens sind, empirisch zugänglich. Wenn die Kenntnis von diesem Phänomen also weite Kreise erreichen soll, so erfordert dies ZEUGEN. Überlegen Sie einmal, wie zutiefst undemokratisch dieses Denken ist! So ist es sicher nicht mein Fehler, die Auferstehung nicht mit eigenen Augen gesehen zu haben. Ich muss vielmehr den Berichten jener Menschen vertrauen, die sie TATSÄCHLICH miterlebten. Wenn ich wissen will, was sich da zugetragen hat, muss ich mich der „Gemeinschaft der Wissenden“ anschließen, einem Beziehungsgeflecht, das auf Vertrauen und Glauben fußt. Ein Gräuel geradezu, ist doch dem Denken der Moderne gemäß das Individuum DAS Bedeutende überhaupt! Wenn etwas für wahrhaft existent gehalten werden soll, so hat es jedem einzelnen Individuum überall und jederzeit in Gänze zugänglich zu sein. Die Auferstehung entzieht sich diesen Kriterien und gilt deshalb in der Welt der Moderne nicht als seriöser Glaubensgrundsatz. Die gute Botschaft aber lautet, dass die Ära der Moderne im Grunde erloschen ist und die oben genannten Vorurteile somit ihre Seriosität verloren haben.

Seit Einstein kommen die Wissenschaften immer mehr zu der Erkenntnis, dass die WARUM-Fragen untrennbar mit den WAS- Fragen verbunden sind. Man ist sich zunehmend dessen bewusst, dass Wissenschaftler, die die Frage nach dem WARUM stellen, sich mit objektiv wahrnehmbaren Realitäten befassen, die sich nicht auf einen weniger realen „geistlichen“ Bereich verweisen las- sen. Mit anderen Worten: Es kann keine Trennung zwischen Geist und Materie, WAS und WARUM geben.

Auch der Zeit kommt heute mehr Beachtung zu als einst. Einstein wies nach, dass die Zeit ebenso real ist wie der Raum. Zudem ist es auch kein Geheimnis mehr, dass es zu jeder Zeit „singuläre Ereignisse“ gegeben hat und noch gibt. Im Inneren eines Schwarzen Lochs werden Raum und Zeit so stark durch die Gravitation verzerrt, dass unsere viel gepriesenen physikalischen Gesetze hier einfach nicht mehr greifen. Was immer sich im Inneren eines bestimmten Schwarzen Lochs ereignet, vollzieht sich aller Wahrscheinlichkeit nach dort nur einmal. Gleichermaßen haben Psychologen und Soziologen die Vorstellung der Griechen vom Menschen als „individueller rationaler Wesenheit“ weit hinter sich gelassen. Überall, wo man in der Forschung auf Erfolge verweisen kann, dreht sich alles um – ja, Sie haben es richtig erraten – Gemeinschaft. Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er sich in eine von gegenseitigem Vertrauen geprägte Gemeinschaft mit einer ihr eigenen Erkenntnistradition eingebunden weiß. Als Beleg dafür mag Ihnen bei Ihrem nächsten Besuch eines Therapeuten die Beobachtung dienen, wie viel Zeit er dem Gespräch über Beziehungen zu Eltern, Geschwistern etc. widmet. Wir brauchen uns nicht zu schämen, einer bestimmten Wissensgemeinschaft anzugehören; denn das ist für niemanden eine Schande.
Ich sage nicht, dass die leibliche Auferstehung Christi in den heutigen Wissenschaften ein weit verbreitetes Gedankengut ist. Es ist mir auch egal. Was ich jedoch genau WEISS, ist, dass es vom intellektuellen Standpunkt aus am redlichsten ist, jene obsolet gewordenen Vorurteile hinter mir zu lassen, die mich hinsichtlich der Auferstehung verlegen machen – jener wohldokumentierten geschichtlichen Tatsache, die prägt, wie ich die Welt verstehe.

 

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Ein Artikel von www.glaube.de
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Autor: John Stonecypher, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Textbearbeitung:Jürgen Motzkus, Redakteur bei Glaube.de
Foto: wkg
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