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15-05-10

Jonathan Stepp: Pinocchio und die Auferstehung

 

Die Auferstehung Jesu wird oft im Zusammenhang mit seiner Göttlichkeit erklärt. Seine Auferstehung wird als eine Art abschließendes Wunder verstanden, das seine Unschuld beweist und uns allen deutlich macht, wie sehr wir auf ihn hören sollen.


 

Argumentiert wird häufig etwa so: Da der Sohn Gottes nicht tot bleiben kann, bewies Jesus, als er auferstand, dass er wirklich der Sohn Gottes war. Angesichts seiner Auferstehung sollten wir also besser gewarnt sein: Sie beweist, dass er wirklich der Sohn Gottes war, darum lieber auf ihn hören und tun, was er sagt!

All das ist wahr, aber es ist nicht alles. Denn wie so vieles im Evangelium geht das vollständige Bild verloren, wenn man versucht, das Geschehen zu verstehen, ohne die menschliche Natur Jesu zu berücksichtigen. Jesus selbst ist die frohe Botschaft, das „Evangelium“. Er ist das Evangelium, weil er ganz Gott und ganz Mensch ist. D.h., er ist die Vereinigung von Gottheit und Menschheit, die Vereinigung des dreifaltigen Gottes mit den Menschen. Und das ist eine frohe Botschaft für uns! Wenn wir Jesus anschauen, sehen wir, dass wir mit Gott sind und Gott mit uns; es gibt keine Trennung.

Darum müssen wir bei allem im Leben Jesu – einschließlich der Auferstehung – sehen, wie nicht nur seine Göttlichkeit, sondern auch seine Menschlichkeit das Ereignis erklärt. Die Auferstehung ist weit mehr als dass Jesus seine Identität als Gott-Sohn nachweist, indem er nach einem harten Arbeitstag aufsteht und heimgeht.

Um mehr von der Bedeutung der Auferstehung zu erfassen, könnte es gut sein, zunächst an die Absicht des Vaters für die Menschheit zu denken. Die Schrift sagt uns, dass der Vater uns geschaffen hat, weil er uns dazu bestimmt hat, „seine Kinder zu sein durch Jesus Christus“ (Eph. 1,5). Der Vater hat uns nicht geschaffen, um Leute zu haben, die er von der Sünde erlösen konnte. Er hat uns geschaffen, damit andere an der Freude, der Liebe und dem Frieden teilhaben können, die er mit dem Sohn in ihrem Geist schon immer hatte.

Diese Absicht, dieser Plan wirft sofort die Frage auf: Wie können Geschöpfe Kinder ihres Schöpfers werden? Das war das Dilemma von Pinocchio, wenn Sie sich an ihn erinnern. Er war eine Puppe, aber er und Geppetto wollten, dass er ein realer Junge und Geppettos Sohn wäre.

Wie gemachte Puppen, die reale Jungen sein wollen, müssen wir fragen: Wie können wir, die nur Geschöpfe sind, vereint lieben, leben und sogar im göttlichen Tanz der Dreifaltigkeit tanzen? Allein und aus eigener Kraft ist das unmöglich. Verschiedene Religionen und Philosophien haben im Lauf der Zeiten versucht, es mit Menschenwerk zu erreichen, und alle sind gescheitert.

Unsere einzige Möglichkeit, jemals wirklich Kinder des Vaters zu sein, ist, wenn der eingeborene Sohn des Vaters – die zweite Person der Trinität – uns an der Vater-Kind-Beziehung teilhaben lässt, die er mit dem Vater schon immer hatte. Durch eigenes Tun können wir uns nie zu Kindern Gottes machen, aber der Vater kann uns diese Beziehung schenken, indem er uns seinen Sohn gibt und den Geist beider über uns ausgießt.

Das ist der primäre Zweck, für den der Sohn Gottes Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat – um den Plan der Annahme als Kinder zu vollenden, indem er uns an seiner Vater-Kind-Beziehung mit dem Vater im Geist teilhaben lässt. Der sekundäre Zweck seines Kommens war, unsere gefallene, sündige Natur zu überwinden und zu Tode zu bringen. Doch dieser sekundäre Zweck folgt aus dem primären Zweck. Mit anderen Worten: Der Plan des Vaters, uns als Kinder anzunehmen, wäre an unserer Sünde gescheitert, denn unsere Sünde hätte uns auf immer an der Erkenntnis gehindert, dass wir als Kinder angenommen sind, weil der Sohn einer von uns geworden ist. So kommt der Sohn in unser Menschsein, um uns zu Kindern des Vaters zu machen, und um unsere Verblendung zu heilen, damit wir die Beziehung, die uns geschenkt ist, erkennen, glauben und uns an ihr freuen.

Das ist also die eigentliche Sendung des Sohnes: uns zu Kindern des Vaters zu machen. Ein Teil des Dilemmas, wenn wir Geschöpfe Kinder werden wollen, ist die Beschaffenheit unseres Körpers. Auch Pinocchio kämpfte mit diesem Dilemma – er war ja aus Holz. Wenn er weiterhin einen Kopfaus Holz hatte, konnte er schwerlich Geppettos Sohn sein.

Unser Leib ist vergänglich und sterblich, doch wahre Kinder des Vaters müssen unvergänglich und unsterblich sein. Wie können sterbliche Geschöpfe unsterbliche Kinder werden? Der einzige unsterbliche Sohn – die zweite Person der Trinität – muss unsere vergängliche menschliche Natur an seiner unvergänglichen Unsterblichkeit teilhaben lassen.

Und das ist es genau, was er durch seine Auferstehung als der Mensch Jesus getan hat. Indem der Sohn Gottes in seinen unsterblichen, unvergänglichen Leib aufersteht (Luk. 24,39), verwandelt er die Natur und Bestimmung des menschlichen Leibes und lässt unsere Menschennatur an seiner Auferstehung teilhaben.

Dadurch macht er es möglich, dass wir ewig leben, nicht als vergängliche Geschöpfe, sondern als unvergängliche Kinder. So führt der Vater in Jesus viele Kinder zur Herrlichkeit (Hebr. 2,10). So dient die Auferstehung Jesu mindestens drei Zielen (und wahrscheinlich finden wir noch mehr, wenn wir uns die Zeit nehmen, darüber nachzudenken). In der Reihenfolge ihrer Bedeutung für den Plan des Vaters, uns als Kinder anzunehmen, würde ich sie so benennen:

1. Uns Menschen eine Auferstehung in einen unsterblichen Leib zu geben, in dem wir wahre Kinder des Vaters sein können.

2. Unsere gefallene, sündhafte Menschennatur in eine verherrlichte Menschennatur zu verwandeln, die ohne die Verblendung der Sünde zu einer Beziehung mit dem Vater fähig ist.

3. Zu beweisen, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes und der Menschensohn ist.

Möge die Osterzeit in Ihrem Leben eine Verherrlichung all des Guten sein, das vom Vater in der Unsterblichkeit seines Sohnes Jesus Christus kommt!

 

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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung
von Glaube.de oder der Autoren.
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Autor: Jonathan Stepp , mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Textbearbeitung:Jürgen Motzkus, Redakteur bei Glaube.de
Foto: wkg
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