Joyce Catherwood: Unser Erlöser - Verkauft für dreißig Silberlinge

Ich war gleichermaßen von der Ungeheuerlichkeit der Bedeutung dieser Worte und ihrer Absurdität beeindruckt.
Der Messias, der Erlöser, der eine, durch den alles erschaffen wurde, für dreißig Silberlinge verkauft! Ich bin immer wieder angesichts der demütigen Haltung unseres Herrn verblüfft, mit der er unerschütterlich alle Erniedrigungen und Beschimpfungen seitens seiner eigenen Schöpfung ertrug. Und dass es, wie in diesem Fall, einer seiner Jünger war, der ihm dies antat, muss ihn mit großer Traurigkeit erfüllt haben. Der Gang zum Kreuz musste in seiner ganzen Erbärmlichkeit und Grausamkeit von irgendjemandem initiiert werden. Es war Judas, der die Dinge ins Rollen brachte.
Auch wenn dies absehbar gewesen war, machte es die Sache für Jesus keinesfalls leichter. Als Judas nach dem gemeinsamen Abendmahl fortging, um Jesus zu verraten, hatte er sich zuvor bereits mit den Hohepriestern abgesprochen, die dem charismatischen Lehrer und seinem geistlichen Wirken den Garaus bereiten wollten. Sechs Tage vor dem letzten Abendmahl war Jesus mit seinen Jüngern im Hause Marias aus Betanien gewesen.
Maria hatte Jesus die Füße hingebungsvoll mit Salböl übergossen und voller Ehrfurcht mit ihren Haaren getrocknet. Das Öl hatte sie zuvor für viel Geld gekauft. Die Jünger, insbesondere aber Judas, hatten diese Salbung heftig kritisiert und ihr vorgeworfen, Geld zu verschwenden, das man den Armen hätte zugutekommen lassen können – eine Dreistigkeit von Judas, der bereits Geld aus dem gemeinsamen Beutel gestohlen hatte. Jesus dagegen verteidigte Maria und pries sie als leuchtendes Vorbild. Dass er sich auf ihre Seite schlug und seine Jünger anwies, sie in Ruhe zu lassen, muss Judas’ Zorn erregt haben. Er verließ Marias Haus und begab sich direkt zu den Hohepriestern und Äl testen, um diese zu fragen, was sie ihm zu zahlen bereit wären, wenn er ihnen Jesus auslieferte. Hocherfreut boten sie ihm dreißig Silberlinge, eine Summe, die der Ausgleichszahlung für einen toten Sklaven gleichkam. Und so nahmen die tragischen und für die ganze Christenheit zugleich so bedeutsamen und wichtigen Ereignisse ihren Lauf.
War Judas’ Verhalten für Jesus auch besonders schmerzlich und niederschmetternd, so war die Reaktion der übrigen Jünger für ihn nicht minder entmutigend. Letztlich wurde er von allen im Stich gelassen – alle außer Johannes stahlen sich davon und tauchten unter.
Ihre mangelnde Unterstützung ließ das schreckliche Gewicht des Kreuzes, das er trug, noch unerträglicher auf ihm lasten. Nur die Frauen in seinem engsten Kreis hatten, angefangen mit der Salbung, die Maria an ihm vornahm, verstanden, dass er der Bestärkung durch liebe Freunde bedurfte.
Wie hätte ich an ihrer Stelle reagiert? Gern möchte ich von mir annehmen, ich hätte wie Maria gehandelt. Wäre ich andererseits beschämt gewesen, um es frei nach einem Vers eines Lobgesangs zu sagen, mich als Spötter unter Spöttern wiederzufinden? Auch wenn alles mit dreißig Silberlingen und einem Verrat begonnen hat, so endete Jesu einsamer Gang nach Golgatha in Herrlichkeit, indem er die Erlösung der ganzen Menschheit einleitete.
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Autor: Joyce Catherwood , mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Textbearbeitung:Jürgen Motzkus, Redakteur bei Glaube.de
Foto: wkg
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