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09-01-11

Maranathi: Weise aus dem Morgenland – und ihre Sehnsucht nach Jesus

Stell dir vor, du bist eingeladen, ein Freund von dir ist frisch umgezogen.


Weise aus dem Morgenland – und ihre Sehnsucht nach Jesus

Stell dir vor, du bist eingeladen, ein Freund von dir ist frisch umgezogen. Du hast die Adresse, willst ihn besuchen, kommst an, suchst die Strasse, die Nummer. Dort angekommen, findest du die Nummer nicht, resp. dort wohnt jemand anderes. Dann gibt es da noch ein Hintergebäude, irgendeinen Schuppen. Weil du deinen Freund nicht findest, gehst du mal dorthin, siehst die Türe offen – und bist erstaunt: Dort sitzt er, auf einer schäbigen Decke am Boden; vor sich auf dem Boden ausgebreitet ist ein einfaches Picknick. Du gehst zu ihm, fragst ihn, was er da macht und hörst erstaunt: „Das ist mein Daheim, jedenfalls momentan; kein schönes, aber immerhin eine Bleibe, weil es für mich keine Wohnung gibt, auch kein Bett in einer Notschlafstelle.“ Du fragst ihn noch, wo er schläft – und er zeigt dir in der Ecke einen Schlafsack, nicht der neuste, eher dreckig, aber einigermassen warm.

Etwa so muss es den Weisen aus dem Osten gegangen sein, die Maria und Josef und das neu geborene Kind Jesus besuchen wollten. Jesus war nicht dort, wo sie ihn erwarteten.

Die Weisen kommen von weit her – als Ausländer

Da gibt es einen Stern als Auslöser für die Suche nach einen neuen König. Sie sind keine Juden, haben nicht die Erwartung nach dem Messias wie die Juden.
Die weisen Männer sind Menschen mit Position in Gesellschaft, hoch gebildet (heute vielleicht mit Uni-Abschluss), ihr Wissen und Beruf hat sie reich und einflussreich gemacht. Vermutlich hatten sie auch eine Position in der Politik ihrer Stadt oder ihres Landes.

Und diese Menschen sehen einen besonderen Stern am Himmel, der ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie konsultieren ihre Bücher, ihr ganzes Wissen, denken über alles nach und kommen darauf, dass es sich um einen neuen König handeln muss, dem sie ihre Ehre geben möchten. Sie wissen intuitiv, dieser neue König hat eine wichtige Bedeutung, er ist grösser als alle wichtigen Personen, die sie kennen und ehren.

Woher sie dieses Wissen haben, ist uns nicht bekannt. Möglicherweise ist es aber durch das Exil der Juden in Babylon auch zu den andern Völkern durchgedrungen und dort von Generation zu Generation weitergegeben worden.

Stellen wir uns weiter vor: Da wird ein Kind geboren und ihm wird schon von Geburt an eine solche Huldigung zuteil. Welche Vision von Jesus hatten doch diese Weisen! Welchen Mut hatten sie, die weite Reise auf sich zu nehmen. Für sie als gefragte weise Männer war es auch kein Problem, sich vor jemand Mächtigerem zu beugen, obwohl sie selbst wichtige und einflussreiche Menschen sind.

Weite Reise

Ich hab mal gehört, die Reise sei rund 3000 km gewesen. Nachprüfen kann ich es nicht, aber die Reise von Mesopotamien nach Israel ist nicht kurz. Der kürzeste Weg nach Westen wäre durch die Wüste, aber diesen Weg wählte normalerweise niemand. Somit ging die Reise zuerst ein weites Stück nordwärts, und dann wieder südwärts.

Eine so lange Reise braucht eine solide Vorbereitungsphase. Die Organisation ist schon ein Projekt in sich: Reiche Leute reisten nicht ohne Ihre Knechte. Dazu kamen die Lebensmittel für die monatelange Reise, dazu die Ausrüstung (Zelte etc). Ausserdem kostete eine solche Reise ein halbes Vermögen, sie sind ja monatelang unterwegs. Aus Sicherheitsgründen wurden solche Reisen immer in Karawanen gemacht, denn die Weisen waren ja auch reiche Leute, sie hatten nebst den Geschenken für Jesus noch ihr eigenes Reisegeld und vielleicht auch noch Güter dabei, die sie unterwegs verkauften. Dazu kommt die ganze Nahrung für die mitgeführten Kamele.

Dieser neugeborene König, den sie noch nicht kannten, war ihnen alles wert, dieser ganze Aufwand, die ganzen Kosten, die monatelange beschwerliche Reisezeit.
Hatten diese weisen Männer wohl nie Zweifel über ihre Pläne? Sie hatten ja keinen Beweis, konnten nicht wissen, ob das mit dem neugeborenen König auch wirklich stimmt. Und unterwegs sind sie sicher auch oft nach dem Ziel ihrer Reise gefragt worden. Hat das wohl nie Zweifel über ihr Unternehmen geweckt?
Ich denke, diese Männer hatten wie wir alle ab und zu ihre Zweifel, aber sie liessen sich dadurch nicht vom Ziel abbringen. Die Stimmen, innere und äussere, die sie vom Ziel abbringen wollten, blieben Nebensache. Hauptsache war ihr Ziel: Huldigung des neugeborenen Königs! Und der Wegweiser war der Stern.

Endlich haben die Männer Jerusalem erreicht und damit – vermeintlich – ihr Ziel! Aber gerade da zeigt sich der grösste Knackpunkt: Ein König wird logischerweise im Königspalast geboren,  und da fragen sie an. Komischerweise weiss dort niemand etwas von einem neugeborenen König. Mist! Ist die Reise nun doch umsonst gewesen?

Herodes ist sehr kritisch. Konkurrenten kann er nicht gebrauchen, er hat aus lauter Angst um seinen Thron diverse Angehörige seiner Familie umgebracht, u.a. zwei seiner Söhne. Weil er von keinem neugeborenen König weiss, bietet er die religiöse Führung der Juden auf. Diese findet heraus, dass dieser verheissene König in Bethlehem geboren werden soll. Bethlehem ist aber keine Königstadt. Sollen diese weisen Männer diese Auskunft ernst nehmen? Sollen sie wirklich dorthin gehen?
Dass der Königsohn nicht in einem Palast geboren wird, stellt den Glauben der Weisen auf eine weitere Bewährungsprobe; diese neue König ist unbekannt, soll dazu noch an einem Ort geboren sein, der unbedeutend ist, und nicht königlicher Abstammung sein? Sollen sie diesem Wort glauben? Ja, sie machen es.

Interessanterweise merken sie an dieser Stelle, dass sie ihr Zeichen, den Stern, aus den Augen verloren haben. Mit der Auskunft, der Geburtsort sei Bethlehem, finden sie wieder zurück zum Leitstern. Das Wort Gottes hat sie von ihrem Nebengeleise wieder auf das Hauptgeleise gebracht.


Wie steht es mit uns? Gibt es Stimmen, die uns vom Weg des Glaubens abbringen wollen? Diese können wir nicht einfach ausschalten. Sie sind da. Aber wie schnell lassen wir uns manchmal von unserem Weg mit Jesus abbringen, sei es durch Schwierigkeiten, durch Sorgen, durch Zweifel an Gottes Liebe; vielleicht werden wir von Angehörigen als Spinner verschrien.

Die Weisen sind unbeirrt ihren Weg gegangen, bis zum Ziel. Sie sollen uns Vorbild sein. Das Ziel (Jesus) ist alles wert!

Das Zwischenspiel in Jerusalem ist ihnen sicher eine Lehre gewesen.
Das Reich Gottes ist nicht dort, wo sie es meinten zu finden. Es ist bei den Armen und Bedürftigen: In den Stall dürfen alle kommen, Arme und Reiche, Gebildete und weniger Gebildete, Hirten und wichtige Persönlichkeiten. Im Königspalast hätten die Hirten keinen Zugang zu Jesus gefunden.


Anbetung der Weisen

„Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an!“

Mich bewegt den inneren Weg, den diese Weisen Männer gegangen sind:

Sie unternehmen eine monatelange Reise, investieren Zeit, Finanzen, nehmen wertvolle Geschenke mit, denn Jesus ist ihnen alles wert.
Die Umstände hindern sie nicht: Der Stall ist nicht der Palast, den sie erwartet haben. Das Kind ist Kind armer Eltern. All ihre Vorstellungen, wer dieser neugeborene König ist, werden über den Haufen geworfen. Das kümmert sie aber alles nichts: Jesus ist ihnen alles wert.

Sie beten Jesus in seiner Niedrigkeit an. Sie, die Reichen, Gebildeten, gehen zu armen und einfachen Leuten und beugen sich vor einem neugeboren, das der neugeborene König sein soll. Das braucht Glaube, das braucht Vertrauen, das braucht innere Überzeugung! Jesus ist ihnen alles wert.

Sie anerkennen das Kind als den, von dem das Wort Gottes berichtet, dass er der Erlöser sein wird; Jesus ist nicht ein mächtiger Mann ihres Volkes, sondern ein mächtiger Mann aus einem anderen Volk. Aber sie anerkennen ihn als den, dem alle Ehre gebührt, denn sie sind ja gekommen, um dem neugeborenen König zu huldigen. Er ist ihnen alles wert.

Dadurch, dass sie sich selbst erniedrigen, stellen sie sich, mindestens innerlich, den Hirten gleich, sie werden quasi ihre „Brüder“. Sie schämen sich nicht, sich auf die gleiche Ebene wie die Hirten zu stellen. Die eigene Erniedrigung kümmert sie nichts, denn Jesus ist ihnen alles wert.

Sie geben sich selbst hin, sie beugen sich vor Jesus. Sie geben Jesus nicht nur ihre Geschenke, sondern ihre Anbetung, und damit ja sich selbst. Damit anerkennen sie, dass das kleine Kind grösser ist als sie, die weisen und klugen Männer, die von vielen Menschen wegen ihrer Weisheit gefragt sind. Jesus ist ihnen alles wert.


Parallelen zu Jesus selbst

Jesus selbst hat sich erniedrigt – wie auch diese 3 Könige
Phil. 2,5-11

Wäre Jesus im Palast des Herodes geboren, hätten die Hirten dort bestimmt keinen Einlass erhalten. Nur eine kleine Elite hätte die Möglichkeit gehabt, Gottes Sohn zu sehen. Gott hätte den Hirten auch nicht erscheinen müssen mit den Engeln auf den Hirtenfeldern, denn der Zugang zu Gottes Sohn wäre ihnen in diesem Fall versperrt geblieben.

Aber Gott wollte seine Freude über die Geburt seines Sohnes und das kommende Heil mit ALLEN teilen. Adlige können sich beugen, Hirten können nicht Adlige werden…

Gott wollte seine Freude über sein Heil nicht erst mit dem erwachsenen Jesus zeigen, sondern bereits bei seiner Geburt. Deshalb setzt er Himmel und Erde in Bewegung! Deshalb werden Arme und Reiche aufgeboten, ihm zu huldigen, ihn anzubeten.

Eine weitere Parallel

Jesus ist unser BRUDER geworden

Er der Königssohn, wurde Mensch, hat sein Leben für uns gegeben, und nennt uns seine Brüder, Schwestern. Er hat sich wie die Weisen auf das Niveau der Untersten der Gesellschaft gestellt, in der Weihnachtsgeschichte sind es die Hirten. Heute sind es vielleicht Randständige, Obdachlose, Drogenabhängige, Alkoholiker. Auch ihnen gilt die Botschaft der Versöhnung mit Gott. Sie sind davon nicht ausgeschlossen, auch wenn wir sie aus unserer Gesellschaft oft ausschliessen.

Eigentlich haben wir keinen Zugang zu Gott, der Königshof Gottes ist durch unsere Schuld/Sünde verschlossen. Aber Jesus hat sich herniedergebeugt, ist Mensch geworden, ist für unsere Schuld gestorben, um uns die Erlösung zu schaffen.
Joh. 15, 13-15: Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt. Und ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch aufgetragen habe.
Anbetung heisst ja auch Unterwerfung, denn wem ich mich unterwerfe, vor dem beuge ich mich, den anerkenne ich als meinen Herr und Meister.
Jesus sagt weiter: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn einem Knecht sagt der Herr nicht, was er vorhat. Ihr aber seid meine Freunde; denn ich habe euch alles anvertraut, was ich vom Vater gehört habe.“ Und in Eph.2,19 lesen wir: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, Ich nenne euch nicht länger Fremde, sondern Freunde, Hausgenossen Gottes.“

Der Hohe hat sich gebeugt, damit wir Hausgenossen Gottes werden, Brüder und Schwestern von ihm, so wie sich die Weisen gebeugt haben vor Jesus, und sich damit auf das Niveau der damaligen Randständigen gestellt haben.

Einerseits ist Jesus unser Bruder, anderseits ist er derjenige, der unsere Anbetung würdig ist!

Mich bewegt diese Geschichte der Weisen aus dem fernem Land, die so viele Strapazen, Zeit und Kosten auf sich genommen haben, um Jesus zu suchen. Dabei wussten sich sie ja nicht mal mit Sicherheit, ob ihre Suche aufgeht. Aber sie liessen durch kein Hindernis von ihrem Ziel abhalten, sie suchten, bis sie ihn gefunden hatten. Jesus war ihnen alles wert.

Und als sie ihn gefunden hatten, beteten sie ihn an, beugten sie sich vor ihm, unterwarfen sich ihm.

Was ist dir Jesus wert? Soviel wie diesen Weisen?

Gibst du dein Leben hin, um ihn zu suchen, um dich von ihm leiten zu lassen, suchst du ihn bis du ihn gefunden hast?

Bist du bereit, dich ihm zu unterwerfen, von deiner Grösse herabzusteigen, und dich diesem Kind in der Krippe zu unterwerfen?

Wenn wir uns nicht heute freiwillig vor Jesus beugen, wird es einmal später unfreiwillig sein, denn einmal werden sich alle Knie vor ihm beugen müssen, im Himmel und auf Erden, und im Totenreich. Phil. 2,10.

Machen wir es doch lieber hier freiwillig. Er hat sich für uns erniedrigt, um unser Bruder und Freund zu sein,  welches Angebot!

Einst wird er als Richter kommen. Aber heute kommt er als Freund und bietet uns seine Hand an. Willst du dich diesem Jesus, der dein bester Freund sein will, ganz unterwerfen? Ihm dein Leben ganz anvertrauen? Ihn durch dein Leben, durchdeinen Lebenswandel ehren?

Es lohnt sich, denn unser Freund Jesus will immer zu uns halten!

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Ein Artikel von Glaube.de

Mit freundlicher Genehmigung von

Autor: Maranathi (Name ist der Redaktion bekannt)

Bearbeitet von Jürgen Motzkus, Redakteur bei glaube.de

Bild: www.sxc.hu

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