Michael Morrison: Lernen, wie Jesus zu leben - Eine Betrachtung zum 2. Kapitel des Philipperbriefs

Zu diesen Briefen zählt der Philipperbrief. Paulus schrieb ihn an die Christen in Philippi (im Norden Griechenlands), um ihnen für ihre Geschenke zu danken, ihnen angesichts ihrer eigenen Probleme Mut zuzusprechen, ihnen geistlichen Rat zu geben und ihnen zu helfen, mit kleineren Unstimmigkeiten fertig zu werden.
Rücksichtsvoll sein
In Kapitel 2 erinnert Paulus die Philipper an die Segnungen, die ihnen Christus zuteilwerden ließ: „Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit“ – und er geht davon aus, dass sie tatsächlich all dieser Segnungen teilhaftig geworden sind –, „so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid“ (Phil 2,1–2). Wie kann die Gemeinde eines Sinnes sein? Wie es bei Paulus erläuternd heißt, sollte sie es Christus gleichtun – sollte ermutigend, tröstend, freigebig, liebevoll und mitfühlend sein (V. 1). Paulus möchte, dass sie die Liebe Christi in sich trage. Nur so sei ein einmütiges und einträchtiges Miteinander möglich. Maßgeblich dafür ist Paulus zufolge, „nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen“ zu tun (V. 3). Selbstsucht und Überheblichkeit schwächen die Eintracht, deshalb ist genau das Gegenteil vonnöten: „in Demut ache einer den andern höher als sich selbst.“ Paulus sagt nicht, die anderen seien per se etwas Besseres – vielmehr möge man sie für ehrenwerter ansehen. „... und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient“ (V. 4). Wir können durchaus eigene Interessen verfolgen, aber wir sollten dabeiunsere Mitmenschen nicht aus dem Blick verlieren. Das ist im Sinne Christi.
Demut
„Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht“, heißt es bei Paulus. Sodann beschreibt er, wie jene Gesinnung geartet sein möge: „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt“ (V. 5–7).
In Fachkreisen ist diese Bibelstelle als „Christushymnus“ bekannt, da der griechische Text stilistisch und rhythmisch einem Lied, möglicherweise einem Loblied, ähnelt, das die Christen anstimmten, um ihren Erlöser zu preisen. Paulus bedient sich dieser Worte, um seinen Lesern vor Augen zu führen, welchem Beispiel sie folgen sollten. Als heiligem Wort Gottes kam Jesus die größte Ehre zu; er nahm seine Rechte und Privilegien jedoch nicht in Anspruch, sondern entäußerte sich ihrer und nahm in Demut Menschengestalt an, um unseren Bedürfnissen zu dienen. Das Wort Gottes wurde Fleisch, wie es im Johannesevangelium 1,14 heißt. Da das lateinische Wort für Fleisch carnis ist, sprechen Theologen in diesem Zusammenhang von Inkarnation. Ein klassisches Weihnachtslied beschreibt dies so: „Er verlässt die Göttlichkeit, wird ein Mensch in Raum und Zeit“ (Hört die Engelchöre singen). Die Bereitschaft des Wortes, seiner Privilegien zu entsagen, stellte keinen zeitlich begrenzten Wandel dar – sie gilt für alle Zeit. Gott ist Liebe, und Liebe ist gleichbedeutend mit der Hingabe, anderen zu dienen, ihrenBedürfnissen Priorität vor den eigenen einzuräumen. Und mit dem in uns wirkenden Heiligen Geist, der uns hilft, Christus nachzueifern, folgen wir seinem Demut widerspiegelnden Beispiel.
Paulus sah die Lösung in Jesus, um die kleinen Unstimmigkeiten in Philippi zu bereinigen. Auch heute noch erinnert uns die Weihnachtsgeschichte daran, dass uns in Christus ein Erlöser gegeben ist, der demütig genug war, als hilfloses Baby auf die Welt zu kommen. Auch für jene, die sich in der Nachfolge Jesu sehen, stellt Demut einen gangbaren Weg dar, um Beziehungsproblemen zu begegnen, und ist bestens geeignet, mit Unstimmigkeiten umzugehen. Jesu Demut beschränkte sich jedoch nicht allein auf seine Geburt. Bei Paulus lesen wir:„Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz“ (V. 8). Nur um uns zu dienen, nahm er den leidvollsten und schmählichsten Tod auf sich.
Ewige Herrlichkeit
Aber die Geschichte findet auch mit der Kreuzigung noch nicht ihr Ende. Jesus ist von den Toten in größter Herrlichkeit auferstanden: „Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“ (V. 9–11). Welches ist der Name, der über allen anderen Namen steht? Es ist der Name Gottes. Bei Jesaja heißt es in Kapitel 45,23: „Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören.“ Paulus bringt mit seinen Worten zum Ausdruck, dass Jesus dieselbe Ehre zuteilwerden solle wie Gott. Wenn wir vor Jesus das Knie beugen, gereichen wir damit dem Allmächtigen zur Ehre. Jesus wurde über alle Maßen erhöht, ihm gebührt Anbetung und ihm kommt es zu, „Herr“ genannt zu werden. Da er sich selbst erniedrigte, hat ihn Gott erhöht. Auch uns wird dereinst unser Lohn zuteilwerden; hier und jetzt heißt es jedoch zunächst, dem Beispiel Jesu zu folgen.
Zufriedenheit
Wie sollten wir auf Jesu Demut und Dienst an uns reagieren? Paulus spricht sich fürs Handeln aus: „Also, meine Lieben, – wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern“ (V. 12).
Die Philipper hatten sich stets in den Dienst des Glaubens gestellt und waren immer bestrebt gewesen, Gutes zu tun. Paulus rief sie nun dazu auf, einen Schritt weiterzugehen und die Demut Christi in ihre zwischenmenschlichen Beziehungen einfließen zu lassen. In Christus vereint ging es bei ihnen nicht darum, mit ihrem Glaubensdienst ihr Heil zu erlangen (dieses war ihnen vielmehr bereits als Geschenk zuteilgeworden), sondern in ihrem Leben zu verwirklichen, was es ausmacht. Unser Wirken steht im Dienste des uns innewohnenden Christus, d.h. wir wirken nicht allein: „Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen“ (V. 13). Wenn wir unsere eigennützigen Ambitionen und unsere Überheblichkeit ablegen, können wir voll und ganz darauf vertrauen, dass Gott in uns wirkt,und ihm unsere ganze Wertschätzung entgegenbringen. Dies gilt für alle Aspekte christlichen Verhaltens, Paulus aber geht es an dieser Stelle um die Misshelligkeiten, die die Gemeinde in Philippi entzweien (s. 4,2). Deshalb schreibt er: „Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel, damit ihr ohne Tadel und lauter seid ...“ (V. 14–15). Und die Früchte ihres Tuns werden über die Grenzen ihrer Gemeinde hinaus Wirkung zeigen: „... mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens“ (V. 15–16). Mit anderen Worten, wenn Sie nach dem Evangelium leben, wird Ihr Beispiel eine Menge aussagen. Wenn Sie zufrieden und friedliebend sind, wird man in Ihnen ein leuchtendes Vorbild sehen.
Die Menschen suchen nach dem Schlüssel zu Frieden und Zufriedenheit, und Christus bietet ihn uns – wie aber sollen die Menschen dies erkennen, wenn nicht durch das Beispiel, das wir in unserem Leben geben?
Wenn wir so leben, wie es die Welt vorlebt, können wir ein solches Zeichen nicht setzen. Wenn wir es jedoch verstärkt Jesus gleichzutun versuchen, werden wir damit die Botschaft des Evangeliums noch anziehender machen.
Timotheus
Im ersten nachchristlichen Jahrhundert wurde das Verhalten gemeinhin durch Vorbilder geprägt. So verwies Paulus, wie wir eben gesehen haben, auf das Beispiel Jesu und hatte selbst, sogar noch im Gefängnis, eine Vorbildfunktion. Im weiteren Textverlauf bezieht er sich auf einen anderen Glaubensbruder, den die Philipper kennen: „Ich hoffe aber in dem Herrn Jesus, dass ich Timotheus bald zu euch senden werde, damit ich auch erquickt werde, wenn ich erfahre, wie es um euch steht“ (V. 19). Er hofft, einen Freund zu ihnen schicken zu können, der ihm hernach (wie zwischen den Zeilen herauszulesen ist) berichten soll, ob die Philipper seine Ermahnungen auch tatsächlich umgesetzt haben.
Und Timotheus handelt bereits nach dem Willen des Apostels – er sorgt mit ganzem Herzen für die Philipper, die „alle das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist[,]“ suchen (V. 20–21). Timotheus handelt nicht aus ehrgeizigem Eigennutz oder Überheblichkeit, sondern setzt sich in Demut für die Interessen anderer ein, handelt im Sinne Jesu und des Evangeliums. Er ist ein Vorbild. „Ihr aber wisst, dass er [Timotheus] sich bewährt hat; denn wie ein Kind dem Vater hat er mit mir dem Evangelium gedient“ (V. 22).
Er lebt so, wie es Paulus vorschwebt; deshalb sollten die Christen in Philippi auf ihn schauen und seinen Worten Gehör schenken. „Ihn hoffe ich zu senden, sobald ich erfahren habe, wie es um mich steht“ (V. 23) – d.h. so bald er weiß, ob er aus dem Gefängnis frei kommt, wird er ihn zu ihrer Unterstützung schicken. „Ich vertraue aber in dem Herrn darauf, dass auch ich selbst bald kommen werde“ (V. 24).
Epaphroditus
Paulus wartete jedoch nicht ab. Seinen Brief ließ er von einem anderen Glaubensbruder überbringen. „Ich habe es aber für nötig angesehen, den Bruder Epaphroditus zu euch zu senden, der mein Mitarbeiter und Mitstreiter ist und euer Abgesandter und Helfer in meiner Not“ (V. 25). Epaphroditus, offensichtlich ein Glaubensführer in Philippi, war gekommen, um Paulus im Gefängnis Unterstützung zuteilwerden zu lassen. Nun ist es der Apostel, der ihn mit besonderem Lob bedenkt und zurückschickt: „... denn er hatte nach euch allen Verlangen und war tief bekümmert, weil ihr gehört hattet, dass er krank geworden war“ (V. 26). Mit anderen Worten, er sorgt sich um die Interessen der Philipper. Er ist betrübt, aber nicht aufgrund seiner eigenen Erkrankung, sondern weil er nicht will, dass die Gemeinde sich um ihn sorgt.
„So nehmt ihn nun auf in dem Herrn mit aller Freude und haltet solche Menschen in Ehren“ (V. 29). Er ist ein großes Vorbild. Und wird solchen Menschen, die im Glaubensdienst stehen, die Ehre erwiesen, so werden es ihnen weitere gleichtun. Stellt euch in Demut in den Dienst Christi, und er wird euch erhöhen!
NACHFOLGE | 07-09.2010 19
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Ein Artikel von www.glaube.de
Autor: Michael Morrison
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus, Redakteur bei www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Ein WKG Artikel mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
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