Michael Morrison: Warum erlaubt Gott das Böse?

Aber in manchen Wochen schlägt das Böse in unserer Nähe zu. Die Flut, die einige Teile Ostdeutschlands überflutete, der Tsunami in Asien bei dem auch viele Urlauber umkamen. Der Krieg scheint uns wirklicher, wenn unsere Soldaten gefangen genommen werden, wenn wir Menschen sehen, die getötet wurden und obdachlos sind. Probleme in unserer eigenen Gesellschaft erhalten mehr öffentliche Aufmerksamkeit, wenn Schulen Schauplätze von Massenmorden waren, wenn einige Schüler ihre Eifersucht und ihren Zorn ausdrückten, indem sie andere Schüler töteten.
Ob es in Irland oder Israel, im Kosovo oder in Colorado passiert, es scheint alles so sinnlos, so dumm, so nutzlos und so böse. Sogar Menschen ohne jegliches moralische Fundament können erkennen, dass all das falsch ist. Es ist böse.
Wir reagieren wir Christen auf das Problem des Bösen?
Mit Kummer. Mit Traurigkeit. Mit Abscheu. Mit Verblüffung. Mit Fragen, auf die wir keine Antworten haben.
Warum erlaubt Gott solche Dinge? Warum erlaubt er bösen Menschen solchen Schmerz und solches Leid zu verursachen? Warum erlaubt er jungen Punks, christliche Teenager zu töten? Hätten die Dinge nicht auf weniger tragische Weise ausgehen können?
Philosophen und Theologen können stundenlang reden, warum Gott das Böse zulassen mag, aber all ihre Antworten vermögen es nicht, den Schmerz zu lindern. Intellektuelle Antworten können unsere inneren Gefühle nicht beruhigen. Ihre Erklärungen können die Welt nicht ordentlich und vernünftig machen - weil die Welt nicht ordentlich und vernünftig ist. Der christliche Glaube ist nicht dazu da, um alles ordentlich und vernünftig zu machen. Das kann man in der christlichen Geschichte sehen. Viele Gläubige erlitten den Märtyrertod, und es braucht mehr Glauben, auseinander gerissen zu werden, als in relativem Komfort zu leben
Nun, was sagen wir zu den Übeln, die wir heute sehen?
Als erstes, diese Dinge sind in der Tat böse. Nicht nur, dass jemand ausrutscht. Nicht nur ein Versagen, dass man nicht so gut handelt wie man sollte. Nein, diese Einstellungen und Taten sind böse, sie verursachen offenen Schmerz, Leid und Tod, und in der Folge noch mehr Schmerz und Leid. In dieser Welt gibt es Böses.
Richtig und falsch ist nicht einfach eine Angelegenheit, welche Meinung man hat - es gibt einen objektiven und unveränderlichen Maßstab von Richtig und Falsch, der nicht von Menschen, sondern von Gott definiert wird - und die Übel, die wir in den Nachrichten sehen sind nicht nur Ideen, wo die Idee einer Person genauso gut ist wie die Idee einer anderen Person, oder die Idee einer ethnischen Gruppe genauso gut ist wie die einer anderen. Nein, das Böse wird von Gott definiert. Es muss einen Gott geben, wenn es irgendeine Definition des Bösen geben soll. Und aus Gründen, die Gott allein am besten kennt, erlaubt Gott das Böse auf dieser Welt.
Jesus hat zum Problem des Bösen Stellung bezogen. Er bezog sich auf eine Nachricht seiner eigenen Zeit. Es gab einen Turmbau-Projekt zu Siloah und das Ganze stürzte ein und begrub 18 Menschen. War dies eine Art von göttlicher Strafe für ihre heimlichen Sünden? Nein, sagte Jesus. Diese Menschen waren nicht sündhafter als andere.
Jesus erwähnte nicht, warum der Turm einstürzte. Er gab keine klugen Gründe an, warum Gott solchen Schmerz und solches Leid für diese Familien zulassen würde. Ohne Zweifel hatte er Mitgefühl mit den Opfern. Aber er brachte diese Situation vor seine Zuhörer. Er machte es für die Zuhörer persönlich: Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr ebenfalls umkommen. Die Tragödie, die andere Menschen erlebten, wurde zu einer Lektion von Reue für uns.
Wenn wir Einstellungen von Eifersucht, Zorn oder Groll haben, haben wir bereits Mord in unserem Herzen begangen. Wenn wir die tragischen und anschaulichen Resultate von Terrorismus und Massenmord sehen, tun wir gut daran, uns selber und unsere Einstellung zu prüfen. Wir müssen von den falschen Einstellungen in uns abgestoßen sein. Wenn die Folgen von Sünde so offenbar werden, müssen wir bereuen.
Wir können um die Opfer der jüngsten Katastrophe trauern. Aber Jesus sagt, dass wir auch uns selber prüfen sollten. Wenn wir nicht umkehren, werden wir auch so umkommen.
Wir können Gott die Frage stellen, warum er den Tod von Menschen zugelassen hat - aber wir sollten uns auch fragen, warum Gott uns leben lässt. Jeder von uns hat falsche Gedanken, böse Gedanken. Jeder von uns hat irgend etwas Falsches - irgendetwas Böses - getan. Warum erlaubt Gott Böses in uns? Keiner von uns verdient es, der Strafe zu entkommen, und doch lässt es Gott auch zu, dass wir entkommen.
Wenn wir uns selber fragen, warum es Böses gibt, sollten wir uns auch fragen, warum es Gnade gibt. Warum sollte Gott uns vergeben, wenn wir Vergebung nicht verdienen?
Lasst und das Böse verabscheuen und das Böse hassen. Freuen wir uns über Gottes Gnade und suchen wir seine Gnade. Zeigen wir Reue. Kämpfen wir gegen das Böse und fangen wir bei uns selbst an.
Jesus kämpfte gegen das Böse, aber er kämpfte nicht auf eine Art und Weise, wie wir Menschen gewöhnlich kämpfen. Er speiste die Hungrigen, heilte die Kranken. Er trieb Dämonen aus, und wandte sich gegen religiöse Unterdrückung. Aber Jesus versuchte nicht, alles Böse mit Gewalt zu stoppen. Er hat nicht vorgeschlagen, dass wir eine bessere Polizei oder besserer Familienwerte brauchen. Er hat keine Waffenkontrollgesetze vorgeschlagen. Diese Dinge mögen helfen, aber Jesus sprach ein grundlegenderes Bedürfnis an: Reue. Wir können das Böse in anderen nicht besiegen, wenn wir nicht etwas gegen das Böse in uns selber tun.
Letztendlich hat Jesus das Böse überwunden - aber er tat es durch Leiden und Tod, nicht durch brutale Gewalt. Und er fordert seine Nachfolger auf, bereit zu sein zu leiden und zu sterben. Er sichert uns zu, dass wir Sieger sind, wenn wir ihm sogar im Leiden und im Tode nachfolgen. Unsere Erfahrungen mit dem Bösen werden helfen, uns zu formen, im Mitgefühl zu wachsen, in Liebe zu wachsen, und sie wird uns auch helfen, im Glauben zu wachsen - gerade deshalb, weil sie unseren Glauben erproben. Wir werden gezwungen auf Gott zu vertrauen, denn in solchen Zeiten können wir die Wahrheit deutlicher sehen - es gibt wirklich nichts anderes, worauf wir vertrauen könnten.
Eines Tage wird Jesus Gewalt anwenden, um alle Reste des Bösen zu beseitigen. Zur Zeit tut er es nicht. Zur Zeit leben Christen als Fremdlinge in einer verdorbenen und sündigen Welt. Im Glauben wissen wir, dass eine bessere Welt kommen wird. Im Glauben wissen wir, dass ein besserer Lebensweg möglich ist - aber wir sehen in Jesus die verblüffende Botschaft, dass ein besserer Weg nur durch eine Zeit von Bösem und von Schmerz erreicht wird. Wir können es nicht verstehen, aber wir vertrauen Gott, dass er es richten wird, weil wir sehen, dass er bereit war, selber den Schmerz auf sich zu nehmen. Er war auch bereit, unter dem Bösen zu leiden.
Aber es gab eine Freude, die Jesus erwartete, und es gibt auch eine Freude, die uns erwartet. Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm regieren. Wenn wir mit ihm an seiner Erniedrigung teilhaben, werden wir mit ihm auch in seiner Herrlichkeit sein.
Noch sehen wir nicht, dass alle Dinge unter der Herrschaft Christi sind. Jetzt sehen wir Leiden und Tod. Aber durch die Auferstehung Christi können wir sehen, dass der Tod selber besiegt wurde. Alle Dinge werden unter die Herrschaft Jesu Christi gebracht werden, dem Herrn des Mitleids und der Barmherzigkeit. Sogar wenn wir wegen der Übel der gegenwärtigen Welt bekümmert sind, können wir Freude haben auf Grund unserer Hoffnung in Jesus Christus. Wir sind immer noch betrübt - wir sollten das Böse betrauern - aber wir trauern in Hoffnung und im Glauben an Jesus Christus.
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Autor: Michael Morrison, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Foto: sxc.hu
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