Pastor Bayless Conley: Wahrheit, Demut und Gerechtigkeit / Teil 2

Letzte Woche:
So weit, so gut. Als Zweites steht in Psalm 45:5, wir sollen uns für die Demut einsetzen. Es heißt manchmal: „Liebe arbeitet am meisten, Glaube bekommt das meiste, aber Demut behält das meiste." Und das ist so wahr! Demut ist eine Herzenshaltung, die anerkennt, dass wir von Gott und von anderen Menschen abhängig sind.
Heute lesen Sie den zweiten Teil einer Predigt mit dem Thema „Wahrheit, Demut und Gerechtigkeit". Grundlage ist Psalm 45 und was Sie hören werden, kann Ihr Leben verändern. Die Predigt heute ist in sich abgeschlossen. Und nun wollen wir auf Gottes Wort hören.
Lesen Sie den nächsten Vers, 1. Petrus 5:6: „Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit."
„Demütigt euch." Es ist unsere Aufgabe, uns zu demütigen; es ist Gottes Aufgabe, uns zu erhöhen „zur rechten Zeit". Aber wenn wir versuchen, Gottes Part zu übernehmen, ist er gezwungen, unseren Part für uns zu übernehmen. Und das kann ganz schnell gehen.
Warum widersteht Gott den Hochmütigen? Warum heißt es in Sprüche 6:16-17, dass Gott Hochmut hasst? Ich sage Ihnen warum: Hochmut machte aus einem heiligen Engel Gottes den abgrundtief bösen Teufel. Durch Hochmut wurde aus Luzifer Satan. Hochmut zerstörte im Garten Eden die Verbindung mit Gott. Hochmut zieht immer Zerstörung und Verwüstung nach sich. - Eine der traurigsten Geschichten in der Bibel darüber ist die von König Saul. Gott hatte ihn zum ersten König von Israel erwählt. Aber nicht lange nach Regierungsantritt - das können Sie in 1. Samuel 15 nachlesen - setzt Saul sich selbst ein Denkmal. Er hält sich für klüger als seine Ratgeber und Mentoren und sein Leben endet in der Katastrophe. Das sehen Sie schon im gleichen Kapitel, gleich, nachdem es heißt, dass Saul sich selbst zu Ehren ein Siegesdenkmal errichtet hatte. Samuel stellte ihn zur Rede und brachte das Problem sofort auf den Punkt. 1. Samuel 15:17: „Wurdest du nicht, als du gering in deinen Augen warst, das Oberhaupt der Stämme Israels? Und der Herr salbte dich zum König über Israel." Als du gering in deinen Augen warst, hat Gott dich erwählt, hat er dich gesalbt. Als du gering in deinen Augen warst, hat Gott dich erhöht. Jetzt bist du nicht mehr gering in deinen Augen. Du hast versucht, das zu tun, was Gottes Aufgabe ist - und jetzt muss Gott deine Aufgabe übernehmen.
Ich habe diese Geschichte schon öfter erzählt. Ich sollte bei einer Konferenz einer der Hauptredner sein. Ich wusste, wer der andere Referent war, aber ich kannte ihn nicht persönlich. Für die Referenten gab es ein extra Zimmer und der andere - er sollte an dem Abend seinen Vortrag halten - saß an einem der Tische. Also dachte ich, ich gehe hin und sage Hallo. Aber er brummte nur etwas, sah mich gar nicht richtig an und ließ mich abblitzen. Offensichtlich war er an einem Gespräch mit mir nicht interessiert. Ich dachte mir: „Okay, dann suche ich mir eben jemand Netteres." Ich ging rüber zu dem Tisch, wo Tee serviert wurde und kam dort mit einigen Leuten ins Gespräch. Es dauerte gar nicht lange, da lachten wir schon schallend über irgendwas. Es war wirklich eine nette Begegnung. Nach dem Abendgottesdienst sagte der Pastor, der die Konferenz organisiert hatte, zu mir: „Bayless, ich möchte dich Herrn XYZ vorstellen." Und es war genau der Mann. Wir gehen also hin und der Pastor sagt: „Übrigens, das ist Bayless Conley." Und der Mann sagt: „O, Sie sind Bayless! Tut mir leid wegen vorhin. Ich dachte, Sie wären niemand Besonderes." Damit hatte er sogar recht, aber so eine Einstellung, wenn man denkt - „Du bist nicht wichtig genug, als dass ich mit dir Umgang haben oder mit dir reden will" - so etwas hasst Gott.
Ich möchte Ihnen einen Vers vorlesen, Römer 12:16, aus der Neues-Leben-Bibel: „Lebt in Frieden miteinander. Versucht nicht, euch wichtig zu machen, sondern wendet euch denen zu, die weniger angesehen sind. Und bildet euch nicht ein, alles zu wissen!" Das ist kein Vorschlag, sondern eine Anweisung Gottes!
Kämpfe für Wahrheit, Demut und Gerechtigkeit. Ich möchte den Begriff Gerechtigkeit aus der Sicht des Neuen Testaments erklären, so wie er sich unter dem Neuen Bund darstellt und was er damit bedeutet.
Zuerst möchte ich klarstellen, was Gerechtigkeit nicht ist. Sie ist keine abgehobene Spiritualität. Gerechtigkeit kann man sich nicht verdienen, erarbeiten oder in sie hineinwachsen. Gott schenkt sie uns in Seiner Gnade, wenn wir Ihm unser Leben voll und ganz anvertrauen. Und sie ist etwas, von dem uns der Teufel am liebsten fernhalten möchte.
Jetzt sagt sicher jemand: „Aber steht nicht in der Bibel, dass unsere Gerechtigkeit wie dreckige Lumpen ist?" Ja, das stimmt. Diese Aussage finden wir in Jesaja 64:5. Aber der Vers davor, Vers 4, endet mit den Worten: „Hilf uns, rette uns!" Das wurde geschrieben, bevor Jesus uns die Erlösung brachte. Und nur von uns aus ist unsere Gerechtigkeit auch wie dreckige Lumpen. Doch wenn Jesus uns rettet, schenkt Er uns Seine Gerechtigkeit.
Bitte schlagen Sie mit mir den Römerbrief auf. Das ist eine Tatsache, die so fantastisch ist - und so wichtig, dass wir sie gar nicht genug betonen können. Römer 5:17. In diesen Versen geht es um Adams Sünde und wie sie sich auf uns auswirkt und um die Erlösung durch Jesus und was sie für uns bedeutet. Römer 5:17. „Denn wenn wegen der Sünde des Einen der Tod geherrscht hat durch den Einen, um wie viel mehr..." Diese Formulierung gefällt mir. Irgendwann werde ich einmal über das „viel mehr" Gottes predigen. „... um wie viel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus."
In der Amplified Bible steht, sie werden wie Könige regieren und göttliche Herrschaft und gottgegebene Autorität ausüben. Vers 18:
Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen (Adam) die vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen (Jesus) die vielen zu Gerechten."
Achten Sie auf die Formulierung. Es ist ein Geschenk. Wir werden gerecht gemacht. Im Römerbrief, am Anfang des 10. Kapitels, schreibt Paulus darüber, dass die Juden Gottes Gerechtigkeit nicht erkennen. Deswegen versuchen sie, eine eigene Gerechtigkeit aufzurichten, indem sie das Gesetz halten und gute Werke tun. Indem sie das Falsche nicht tun und das Richtige tun, versuchen sie, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten. Doch Gottes Gerechtigkeit erkennen sie nicht. Und deshalb können sie auch nicht verstehen, wie Gott Menschen in Wirklichkeit gerecht macht. Ein wenig später, im selben Kapitel in Vers 10, erklärt Paulus das noch ausführlicher und sagt: „Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil."
Bitte schlagen Sie noch einen anderen Vers auf. Zweiter Korintherbrief, Kapitel 5, der allerletzte Vers in diesem Kapitel. 2. Korinther 5:21. Schauen Sie selbst. Dort geht es um Gott, Jesus und uns.
„Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm."
Der große Tausch fand am Kreuz von Golgatha statt. Ich verstehe nicht ganz, wie das geschah, und das werde ich wohl auch nie. Aber der vollkommene, heilige Sohn Gottes, der keine Sünde kannte, wurde an meiner Stelle zur Sünde gemacht, damit ich gerecht werden kann - nicht mit meiner eigenen, sondern mit Seiner Gerechtigkeit. Er nahm meine Sünde und tauschte sie gegen Seine Gerechtigkeit ein. Er nahm unsere Rebellion und Sünde und tauschte sie ein. Er sagte: „Gib mir deine Sünde; ich gebe dir meine Gerechtigkeit." Diese Gerechtigkeit ermöglicht es uns, in die Gegenwart Gottes zu kommen, als hätte es die Sünde nie gegeben... ohne Schuldgefühle, ohne Minderwertigkeitskomplexe. Nicht wie ein Bettler, sondern wie ein Familienmitglied.
Und so schwer das auch mit dem Verstand und den Gefühlen zu verstehen ist: Wenn Sie Ihr Leben Jesus anvertraut haben, hat Er Sie mit Seiner Gerechtigkeit gerecht gemacht. Sie sind so willkommen bei Gott, dem Vater, wie Jesus selbst!
Als ich Christ wurde, waren einige Leute schockiert, weil ich gleich so verändert war. Einer meiner besten Freunde sagte: „Er sieht noch wie Bayless aus und er klingt wie Bayless, aber der Bayless, den wir kannten, lebt nicht mehr in diesem Körper." Und ein paar andere Leute - und ich meine: ein paar - glaubten mir nicht. Sie sagten: „Bayless, wir wissen, was du früher getan hast. Und du willst eine Beziehung zu Gott haben?" Denen konnte ich nur sagen: „Ihr wisst nicht die Hälfte von dem, was ich gemacht habe. Aber Gott hat mich so angenommen, wie ich war und Er hat mich verändert und in Seine Familie aufgenommen." Ich habe mir das nicht erarbeitet. Ich habe es nicht verdient. Es war ein Geschenk.
Als ich Christ wurde, habe ich natürlich versucht, so weit wie möglich Wiedergutmachung zu leisten, wo ich Unrecht getan hatte. Und bis heute habe ich ein reines Gewissen. So weit ich weiß, steht nichts zwischen mir und einem anderen Menschen. Und die Bibel lehrt uns, Wiedergutmachung zu leisten, wo wir Unrecht getan haben. Aber von Gott aus bekommen wir alles geschenkt, von Anfang bis Ende. Zu Seinem Geschenk können wir nichts hinzutun und nichts davon wegnehmen. Gott hat mir Seine Gerechtigkeit geschenkt. „Oh happy day...!" Ein Geschenk aus Gottes Gnade.
Bitte schlagen Sie mit mir den Philipperbrief auf, Philipper, Kapitel 3, Vers 8. Dort schreibt Paulus: Ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde - indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens."
Gerecht werden Sie nicht, wenn Sie genug Kerzen anzünden oder genug spenden oder beten oder sündige Impulse unterdrücken oder gute Taten tun. Gerechtigkeit kommt allein durch Glauben! Ich glaube an Jesus und Er tauscht meine Sünde gegen Seine Gerechtigkeit aus.
So steht es auch in der Bibel, 1. Korinther 15:34: „Lasst euch gerecht machen und hört auf zu sündigen."
Die meisten Leute machen das genau umgekehrt: Wenn man aufhört zu sündigen, wird man irgendwann gerecht. Das ist genau falsch. Nein; Paulus sagt: „Öffne dich dem, was Gott bereits in dir getan hat, und die Folge davon ist ein richtiges Leben." Nicht: „Ich habe das und das nicht getan und das habe ich richtig gemacht und das habe ich mir verkniffen und das habe ich geopfert; und wenn ich nur das alles tue, werde ich am Ende vor Gott treten können und gerecht sein." Niemand kann von sich aus zu Gott kommen! Niemand kann sich das erarbeiten oder durch das Unterlassen von Schlechtem verdienen. „Lasst euch gerecht machen und hört auf zu sündigen." Wer versucht, sich die Gerechtigkeit zu erarbeiten, wird sich nur immer verurteilt und unwürdig fühlen. Gott hingegen sagt: „Du bist immer in meiner Gegenwart willkommen."
„Aber was, wenn ich versage?" Dann gilt uns 1. Johannes 1:9: „Wenn wir ihm unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns vergibt und uns von allem Bösen reinigt." Das Blut, das Jesus Christus vergossen hat, reinigt uns von aller Sünde. Danken wir Gott dafür!
Im Alten Testament gibt es ein schönes Bild, einen Vorausblick auf dieses Prinzip von Gerechtigkeit. Und davon möchte ich Ihnen zum Schluss etwas erzählen. Bitte schlagen Sie mit mir 1. Samuel, Kapitel 18 auf. Dort geht es um Saul. Er ist der König, aber er wird von einem bösen Geist geplagt. Nun suchte man einen Musiker, der ein Instrument spielen kann, damit die Musik dem König Saul hilft. David wird an den Hof gebracht, ein Hirtenjunge, der unter Gottes besonderem Segen steht. Und wenn David spielt und singt, verschwindet der böse Geist und Saul geht es besser. Aber zwischen David und Sauls Sohn Jonathan geschieht etwas Erstaunliches: Ihre Seelen verbinden sich. Sie werden die allerbesten Freunde. Und dann tun sie etwas Interessantes. In 1. Samuel 18:3 heißt es: „Und Jonathan und David schlossen einen Bund, weil er ihn lieb hatte wie seine eigene Seele. Und Jonathan zog das Oberkleid aus, das er anhatte, und gab es David, und seinen Waffenrock und sogar sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel."
Sie schlossen einen Bund. Und als Jonathan David sein Schwert und seinen Bogen, Gürtel und Mantel gab, waren das nur äußere Zeichen des Bundes, Erinnerungen sozusagen. Das Wort, das für den Bundesschluss zwischen David und Jonathan verwendet wird, ist das hebräische Wort „berith". Das bedeutet „schneiden, sodass Blut fließt". Sie schlossen einen Blutsbund.
Als ich klein war, habe ich mit ein paar Nachbarskindern Blutsbruderschaft geschlossen. Wir machten eine Faust und dann ließen wir ein paar Minuten lang die Arme kreisen, solange, bis das Blut nur so in unseren Händen pulsierte. Dann nahm ein anderer Junge einen großen, harten Plastikkamm und haute uns damit so fest wie möglich über die Fingerknöchel, bis das Blut spritzte. Das haben immer zwei Jungs gleichzeitig gemacht - Arme kreisen lassen, Knöchel aufschrammen. Dann haben wir unsere Fingerknöchel aneinandergehalten, das Blut vermischte sich und wir waren Blutsbrüder. Und in unseren kurzen Hosen - natürlich ohne Hemd - gingen wir in die Drogerie und kauften uns Augenklappen. Also hatten wir alle Augenklappen und kurze Hosen und zerschrammte Fingerknöchel. Und wenn die Nachbarskinder sich mit einem von uns anlegten, dann hatten sie uns alle am Hals. Wer sich mit einem von uns anlegte, musste es mit allen aufnehmen. Die Symbole unserer Bruderschaft waren die kurzen Hosen und Augenklappen. Und wir versprachen uns gegenseitig: Ich bin stark für dich und du für mich. Wenn ich in der Tinte sitze, sitzt du mit drin.
David und Jonathan schnitten sich nicht selbst, aber sie opferten ein Tier. Es floss Blut. Das bedeutet das hebräische Wort. Sie schlossen einen Blutsbund. Und so wie für uns die kurzen Hosen und Augenklappen, waren für sie das Schwert und der Bogen und der Gürtel die Symbole ihres Bundes. Saul wird zornig und eifersüchtig auf David. Er betrachtet ihn als Rivalen und versucht ihn umzubringen. Jahrelang jagt er ihn durchs Land. Und einige Zeit später treffen sich Jonathan und David und sprechen über den Bund. Das können Sie in 1. Samuel in Kapitel 20 nachlesen. Dort sagt Jonathan: „Ich will, dass dieser Bund nicht nur für mich gilt, sondern auch für alle meine Nachkommen, auch nach meinem Tod." Und David schwört ihm: „Ich werde ihnen Gutes tun, weil ich diesen Bund mit dir geschlossen habe." Schließlich sterben Saul und Jonathan. Viele Jahre sind vergangen und David war lange auf der Flucht vor Jonathans Vater Saul. Jonathan hat inzwischen einen kleinen Sohn namens Mefi-Boschet; der ist noch ein Kleinkind. Als die Nachricht den Palast erreicht, dass König Saul und Prinz Jonathan tot sind, bricht Panik aus.
Verstehen Sie, Saul hatte die ganze Familie manipuliert: „David ist unser Feind. Er will mich stürzen. Der Thron gehört unserer Familie, aber er will ihn haben. Wenn er die Gelegenheit bekommt, wird er uns töten." In der Bibel heißt es, die Amme packte den kleinen Mefi-Boschet und floh. Sie hatten es mit der Flucht so eilig, dass die Amme das Kind fallen ließ. Dabei muss der Junge sich die Beine gebrochen haben. Sie flohen in die Wüste nach Lo-Dabar, an einen Ort ohne Gras, ohne Weide. Nicht mal ein Schaf konnte dort überleben. Dort blieben sie und dort wuchs Mefi-Boschet auf. Weil er dort nicht medizinisch versorgt werden konnte, wurden die Brüche nicht gerichtet und er blieb gelähmt. Er musste sein Leben lang an Krücken herumhumpeln. Er wuchs zu einem jungen Mann heran. Und vielleicht wurde sein ganzes Denken gegen David vergiftet: „David ist schuld, dass wir in dieser Wüste leben müssen! David ist ein Thronräuber. Der Thron gehört ihm nicht! David ist schuld, dass wir fliehen mussten und jetzt hier draußen leben, während er alles hat! David ist schuld, dass du gelähmt bist. Du wirst nie laufen oder herumrennen können, weil es hier keinen Arzt für dich gab. Wir konnten dir nicht helfen, als du klein warst, und es ist Davids Schuld. Wir konnten nicht zurück in die Stadt. Er hätte uns getötet, und das will er immer noch."
Vielleicht wurde Mefi-Boschet mit solchen Gedanken groß. Jahre später tut David tatsächlich etwas. Schlagen Sie bitte mit mir 2. Samuel auf, Kapitel 9. David erinnert sich an den Bund. 2. Samuel 9,1: „Und David sagte: Gibt es vielleicht noch jemand, der vom Haus Sauls übrig geblieben ist, damit ich Gnade an ihm erweise Jonathans wegen?" Und jemand sagte: „Ja, David. Jonathan hatte einen kleinen Sohn namens Mefi-Boschet. Inzwischen ist er wohl erwachsen. Man hört, dass er immer noch in der Wildnis lebt, in Lo-Dabar." Und David sagte: „Holt ihn her!" Er schickte einen Wagen und lässt Mefi-Boschet abholen. Und der hatte schreckliche Angst. Er war sich sicher, dass sein Leben vorbei war, wenn er vor seinen Feind David kommt. Weiter in Vers 6: „Da kam Mefi-Boschet, der Sohn Jonathans, des Sohnes Sauls, zu David und fiel auf sein Angesicht und warf sich nieder. Und David sagte: Mefi-Boschet! Er sagte: Siehe, dein Knecht. Und David sagte zu ihm: Fürchte dich nicht! Denn ich will nur Gnade an dir erweisen wegen deines Vaters Jonathan, und ich will dir alle Felder deines Vaters Saul zurückgeben; du aber sollst ständig an meinem Tisch Brot essen. Da warf er sich nieder und sagte: Was ist dein Knecht, dass du dich einem toten Hund zugewandt hast, wie ich einer bin? Und der König rief Ziba, den Diener Sauls, und sagte zu ihm: Alles, was Saul und seinem ganzen Haus gehört hat, habe ich dem Sohn deines Herrn gegeben. Und du sollst für ihn das Land bearbeiten, du und deine Söhne und deine Knechte, und die Ernte einbringen, damit der Sohn deines Herrn Brot zu essen hat. Mefi-Boschet selbst aber, der Sohn deines Herrn, soll ständig Brot an meinem Tisch essen. Und Ziba hatte fünfzehn Söhne und zwanzig Knechte." Alles, was Mefi-Boschet über David gehört hatte, war falsch. David holte ihn in die Familie. Er behandelte ihn mit Würde und Respekt. Er wurde gesegnet und versorgt. Und vielleicht saß er an dem Tisch und dachte: „Das verdiene ich nicht! David, ich habe dir die Schuld an allen meinen Problemen gegeben. Wir hatten nicht genug zu essen, ich bin gelähmt - alles deine Schuld! Und jetzt finde ich heraus, dass das alles nicht stimmt. David, ich habe sogar deinen Namen verflucht. - Ich bin gelähmt. Ich fühle mich nicht wie ein Königssohn. Ich verdiene das nicht." Aber dann schaute er auf und an der Wand hingen Jonathans Schwert, Bogen, Gürtel und Brustpanzer und Mefi-Boschet wusste: „Mag sein, dass ich das nicht verdiene. Aber weil mein Vater Jonathan einen Bund mit David geschlossen hatte, gehöre ich hierher."
Vielleicht fühlen Sie sich unwürdig. Vielleicht ist Ihr Weg mit Gott ein bisschen uneben. Sie stolpern ständig über alles, was Sie falsch gemacht haben. Vielleicht geben Sie sogar Gott die Schuld an Ihren Problemen und Defiziten: „Warum hast Du das zugelassen, Gott? Und überhaupt, was machst Du da eigentlich?" Mancher mag Gott sogar verflucht und für alles angeklagt haben. Und wissen Sie was? Der Tag, an dem Sie herausfinden, dass Gott nicht die Ursache Ihrer Probleme ist, ist ein guter Tag! Wenn Sie denken: „Diese Freundlichkeit und diesen Segen verdiene ich nicht", dann will ich Ihnen etwas sagen. Sie müssen nur zum Kreuz aufschauen, an dem vor zweitausend Jahren ein Bund geschlossen wurde, der auch Ihnen gilt. Dieser Bund schließt Sie ein, und Sie dürfen durch ihn immer am Tisch des Königs willkommen sein. Dieser Bund ist unabhängig von allem, was Sie getan oder nicht getan haben. Sie dürfen zur Familie gehören. Dieser Bund macht Sie gerecht, sodass Sie am Tisch des Königs des Universums Platz nehmen dürfen, bei dem Gott der ganzen Schöpfung - nicht als Bettler, sondern als Sohn oder Tochter. Sie gehören dorthin, weil Jesus Christus sein Blut dafür vergossen hat. Er, der nie gesündigt hatte, wurde zur Sünde gemacht, damit Sie vor Gott gerecht sein können. Und wenn Sie daran zweifeln, dann schauen Sie noch einmal ans Kreuz von Golgatha. Zu Gott kommen wir nicht durch unsere eigene Gerechtigkeit, sondern durch die, die Jesus uns schenkt. So groß ist Gottes Gnade! Kehren wir noch einmal zu unserem Ausgangsvers zurück: Wenn wir triumphierend in den Kampf ziehen wollen, wenn wir wachsen und vorankommen und Menschen nach Gottes Herzen sein wollen, wenn wir alle Seine guten Gaben und Seinen Segen genießen wollen, dann brauchen wir Wahrheit und Demut und wir müssen dieses wunderbare Geschenk der Gerechtigkeit begreifen. Und wenn Ihnen das klar wird, wird auch Ihr Leben heilig werden - nicht andersherum. Wenn Sie es andersherum versuchen, werden Sie sich ständig unzulänglich und verurteilt fühlen. Dann wird der Feind Ihrer Seele Sie immer anklagen. Finden Sie auch, dass wir einen wunderbaren Gott haben? O ja! So ist es!
Liebe Freunde, ich hoffe, dass Sie heute etwas aus Gottes Wort mitgenommen haben. Wir studieren Gottes Wort ja nicht, um einfach haufenweise Gedanken und Wissen anzusammeln. Wir studieren es, damit wir es in die Tat umsetzen können. Und das einzige Wort Gottes, das man wirklich von Herzen kennt, ist das Wort Gottes, das man lebt - das man praktiziert, das man selbst tut. Deshalb möchte ich Ihnen mit Worten von Jakobus aus dem Neuen Testament Mut machen: „Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer." Seien Sie ein aktiver Teilnehmer. „Selig seid ihr, wenn ihr es tut." Bis zum nächsten Mal. Gott segne Sie.
---------------------------------------------------------------------------------------------
Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von Antworten mit Bayless Conley e.V.
Quelle: Antworten mit Bayless Conley Predigt vom 16.10.2011
Textbearbeitung Jürgen Motzkus Redakteur bei Glaube.de
Foto: Bayless Conley
---------------------------------------------------------------------------------------------






