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14-04-04

Pastor Thomas Vollenweider: Einladung zum Fest

"Ein Mann hatte zwei Söhne", erzählte Jesus. "Eines Tages sagte der Jüngere zu ihm: `Vater, ich will jetzt schon meinen Anteil am Erbe ausbezahlt haben.' Da teilte der Vater sein Vermögen unter ihnen auf. Nur wenige Tage später packte der jüngere Sohn alles zusammen, verließ seinen Vater und reiste ins Ausland. Endlich konnte er sein Leben in vollen Zügen genießen. Er leistete sich, was er wollte, bis er schließlich keinen Pfennig mehr besaß.


Zu allem Unglück brach in dieser Zeit eine große Hungersnot aus. Es ging ihm sehr schlecht. In seiner Verzweiflung bettelte er so lange bei einem Bauern, bis der ihn zum Schweinehüten auf die Felder schickte. Oft quälte ihn der Hunger so, daß er froh gewesen wäre, etwas vom Schweinefutter zu bekommen. Aber selbst davon erhielt er nichts.
Da kam er zur Besinnung: `Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Aber kann ich nicht als Arbeiter bei dir bleiben?' Er stand auf und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Doch der Sohn bekannte: `Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.'
Sein Vater aber befahl den Knechten: `Beeilt euch. Holt den schönsten Anzug, den wir im Hause haben, und gebt ihn meinem Sohn. Bringt auch einen kostbaren Ring und Schuhe für ihn. Schlachtet das Kalb, das wir gemästet haben. Wir wollen feiern. Mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt hat er zurückgefunden.' Und sie begannen ein fröhliches Fest.
(Lukas 15, 11-32)

Sie begannen, ein fröhliches Fest, lesen wir am Schluß. Wie kommt es zu dazu? Was ist geschehen? Welchen Anlass gab es zu feiern? War nicht eher alles daneben gegangen?

1. Flucht

Er ging in ein fernes Land. - Flucht in die Freiheit? Der Mensch löst sich von Gott, sucht die Freiheit von allen Bindungen und Abhängigkeiten. Endlich kann er sein Leben in vollen Zügen genießen. Er leistet sich, was er will. Er hat Geld genug für ein ausschweifendes Leben in Hülle und Fülle. Viele Menschen leben nach diesem Prinzip. Sie emanzipieren sich, schütteln Konventionen ab und suchen ihr Glück. Geld spielt keine Rolle.

2. Hunger

Das Geld war bald zu Ende, das Erbe verprasst, das Elend groß. Zu allem Unglück brach in dieser Zeit eine große Hungersnot aus. Es ging ihm sehr schlecht, lesen wir. Getrennt von Gott herrscht die große Leere, der Hunger nach Sinn, Erfüllung, Liebe und Annahme. In Deutschland herrscht eine gewaltige Hungersnot: Es fehlt Liebe, es fehlt Annahme, es fehlt der Sinn im Leben, den ohne Gott niemand findet. Deshalb greifen so viele Menschen auf der Suche nach dieser Geborgenheit und Liebe zu allem möglichen und unmöglichen Ersatz. Aber die Sehnsucht bleibt, der Lebenshunger nicht gestillt. Der junge Mann im Gleichnis verliert alles und wird Schweinehirt. Die Einsamkeit ist überwältigend, der Schrei nach Liebe immer noch da - eine verzweifelte Situation. Lebt er doch weit unter seinem Niveau. Er ist ein Sohn aus vermögendem Elternhaus, das ist schon an dem reichen Erbteil zu erkennen, den er gerade verpraßt hat. Der Mensch ohne Gott ist auf verlorenem Posten, der Hunger nicht zu stillen.

3. Besinnung

Der Text berichtet: Da kam er zur Besinnung. Er geht in sich und trifft eine wichtige Entscheidung: Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Aber kann ich nicht als Arbeiter bei dir bleiben?'
Er denkt an seinen Vater zu Hause und legt sich diese Strategie zurecht. Er denkt: Wenn ich sein Tagelöhner werde, dann wird er mich nicht rausschmeißen können. Ich arbeite ja dann für meinen Vater. Ertappen wir uns manchmal auch dabei, dass wir meinen, Gott müsse doch unsere Leistung anerkennen? Er stand auf und ging zurück zu seinem Vater. Das ist die Umkehr zu Gott (Bekehrung.). Wenn wir auf dem falschen Weg sind, ist Umkehr der schnellste Schritt voran.

4. Empfang

Die große Frage lautet jetzt: Wie wird er aufgenommen? Schließlich hat er sein ganzes Vermögen verprasst und zudem die Ehre der Familie in den Dreck gezogen. Er stand auf und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Der Vater hält schon Ausschau nach dem verlorenen Sohn. Er erkennt ihn von weitem, das heißt, zu diesem Zeitpunkt steht er da und wartet auf seinen Sohn. Wie oft er wohl dort unter dem Tor seines Anwesens stand? Und jetzt vergisst er seine Würde, krempelt sein Kleid hoch und läuft dem Sohn entgegen. Er umarmt ihn, gibt ihm den Vaterkuss und macht damit deutlich: "Ich bin noch immer dein Vater, ich habe dich noch immer lieb, willkommen zu Hause." In diesem Moment erkennt der Sohn das Herz des Vaters.
Er sagt zwar noch seinen eingeübten Spruch auf: `Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.' Aber er spürt: Das Unglaubliche wird wahr. Er wird wieder eingesetzt, seine Schuld wird ihm vergeben, er kann noch einmal ganz von vorn beginnen.

5. Annahme

Ein Diener wird geschickt, um die Schuhe zu bringen. Nicht irgendwelche Schuhe, sondern seine Schuhe, die die ganze Zeit bereit standen. Schuhe waren damals das Zeichen der Freien. Sklaven durften keine Schuhe tragen. Dann wird ihm der Ring gebracht - der Siegelring des Vaters, das heißt, er wird wieder eingesetzt mit der ganzen Vollmacht des Vaters. Einem, der aus dem größten Dreck kommt, wird die höchste Vollmacht anvertraut. Und dann das Kleid. Vielleicht war es ein weißes Kleid, um allen sichtbar zu machen: Vergebung ist gewährt, Schuld getilgt, der Sohn wieder eingesetzt.

6. Fest

Und jetzt wird gefeiert. Schlachtet das Kalb, das wir gemästet haben. Wir wollen feiern. Mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt hat er zurückgefunden.' Und sie begannen ein fröhliches Fest.
Und das gilt auch für uns heute. Wir dürfen zurückkehren zum Vater, in Sein Herz voller Liebe und Erbarmen blicken, Seine Annahme und Wiederherstellung erfahren. Heimkommen, ankommen, einfach da sein, nicht mehr auf der Flucht sein. Nicht mehr auf der ständigen Suche, die zur Sucht werden kann. Wir müssen unseren Lebenshunger nicht mehr am Schweinetrog stillen.
Bei Gott ist das Leben in Seiner ganzen Fülle. Bei Ihm ist Freude und Freiheit. Wirklich frei werden können wir nur in Beziehung und freiwilliger Abhängigkeit von Gott, unserem Schöpfer. Je fester ein Baum im Erdreich verwurzelt ist, desto freier können sich die Äste bewegen. Je fester wir in Gott verwurzelt werden, desto mehr Freiheit werden wir erleben.
Lassen Sie sich doch einladen zu diesem Fest. Zum Fest des Lebens, zum Fest der Versöhnung und Rettung. Kommen Sie zurück zum himmlischen Vater und Ihr Leben kann noch einmal ganz von vorne beginnen.

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Ein Artikel von www.glaube.de Autor: Thomas Vollenweider, Berlin, Pastor der Lydia-Gemeinde und Superintendent der Kirche des Nazareners, Vorstandmitglied bei Gemeinsam für Berlin
Textbearbeitung: Günter J. Matthia / Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Quelle: Lydia-Gemeinde www.lydia-gemeinde.net
Foto: www.sxc.hu - the leading free foto stock exchange
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