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21-09-04

Pastor Thomas Vollenweider: Zaster, Zoff und Zores

Jericho, im Jahr 30 nach Christi Geburt. "Zoff um Zach IV - Zehntausende gehen auf die Straße." lautete eine Schlagzeile auf der Titelseite der "JZ", der Jerichoer Zeitung. Es ist eine Steuerreform der römischen Abgabegesetze, die die Menschen auf die Palmen bringt, in der Palmenstadt Jericho. Sie fordern die Offenlegung der Managergehälter der Obersteuereinnehmer, vor allem vom Vorstandsvorsitzenden Zächäus, dem am meisten gehassten Mann der ganzen Jordanebene.


Das Volk hat das Vertrauen in die Politik verloren - Erpressung, Korruption und Vorteilsnahme stehen auf der Tagesordnung. Die Wirtschaftslage ist schlecht, die Arbeitslosenquote steigt ständig und Unzufriedenheit macht sich in der Bevölkerung breit. Soziale Unruhe und Aufstände drohen.

Genau in dieser Zeit besucht Jesus, der Wanderprediger aus Nazareth, die Stadt Jericho. Der Evangelist Lukas berichtet im Kapitel 19 Vers 1-10 davon:

Als Jesus durch Jericho zog, liefen viele Menschen zusammen. Unter ihnen war Zachäus, der Oberaufseher über alle Zolleinnehmer. Er war sehr reich. Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und niemand machte ihm Platz. Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerbaum, der am Wege stand. Von hier aus konnte er alles überblicken. Als Jesus dort vorbeikam, entdeckte er ihn. "Zachäus, komm schnell herunter." rief Jesus. "Ich möchte heute dein Gast sein." Im Nu war er vom Baum herunter und nahm Jesus voller Freude mit in sein Haus. Die anderen Leute empörten sich über Jesus. "Jeder weiß doch, dass Zachäus nur durch Betrug reich geworden ist. Wie kann Jesus nur dieses Haus betreten." Zachäus wurde auf einmal sehr ernst: "Herr, ich werde die Hälfte meines Vermögens an die Armen verteilen, und wem ich am Zoll zuviel abgenommen habe, dem gebe ich es vierfach zurück." Da sagte Jesus zu ihm: "Heute ist ein großer Tag für dich und deine Familie; denn Gott hat euch heute als seine Kinder angenommen. Du warst einer von Abrahams verlorenen Söhnen. Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten."



Zum besseren Verständnis noch einige Hintergrundinformationen:

Jericho, die "Stadt der Palmen" im Jordantal, im heutigen Westjordanland, ist eine der ältesten Städte der Welt. Es war damals eine reiche und bedeutende Stadt und eine der größten Steuereinzugszentren der Römer in der Provinz Palästina.

Zöllner waren so eine Art Finanzbeamte, die von der römischen Besatzungsmacht zur Eintreibung der Steuern von der Bevölkerung bestellt wurden. Es waren meist Einheimische, die dann als Kollaborateure der Römer angesehen und mit Heiden und Sündern gleichgesetzt wurden. Diese Steuereintreiber hatten Hausverbot in der Synagoge. Ihre Korruption war sprichwörtlich. Ein römischer Schriftsteller berichtet, dass er einmal ein Denkmal für einen ehrlichen Zöllner gesehen hatte. So rar war das...


Es gab zwei Arten der Steuer: Fixe Steuern für das Vorrecht, am Leben zu sein. Es war dies 10% vom Getreide und 20% von Öl und Wein, dazu kam es eine Einkommenssteuer von 1% auf alle Einkünfte. Das zweite waren Abgaben und Zölle für den Gebrauch von Straßen, Häfen, Märkten, etc.; z.B. wurde auf einen Wagen eine Steuer erhoben, und zwar auf jedes der 4 Räder und auf das Zugtier. Es gab Einfuhr- und Export-Steuern.

Das Steuersystem konnte hervorragend missbraucht werden: Die Steuerrechte wurden an den Meistbietenden verkauft. Solange dieser Pächter am Jahresende die vereinbarte Summe (das sogenannte Fixum) an Rom abführte, konnte er tun und lassen, was er wollte. Diese Menschen verlangten oft ein Vielfaches der rechtmäßigen Summe und wurden auf Kosten der Händler sehr schnell sehr reich.



Das war Jericho im Jahr 30. Fast 2000 Jahre später befinden wir uns in einer ähnlichen Lage. Und Jesus kommt auch zu uns. Er schaut in Berlin vorbei, trifft Menschen heute wie damals den Oberzöllner Zachäus. Diese wahre Geschichte von damals zeigt uns etwas von dem, was passiert, wenn wir Jesus in unser Leben hinein lassen.



1. Jesus kennt unsere Schattenseiten


Zachäus war reich, aber nicht glücklich. Er konnte sich alles leisten, sein Zaster vermehrte sich von Jahr zu Jahr. Aber Frieden in der Seele konnte er sich nicht kaufen. Er sehnte sich nach echter, tiefer Freude, nach Vertrauen und Annahme, nach Freunden, die nicht nur auf seinen Reichtum schielten. Er wollte seine Schuld loswerden. Vergebung war nötig. Deshalb wollte er Jesus unbedingt treffen, als dieser in die Stadt kam.


Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und niemand machte ihm Platz. Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerbaum, der am Wege stand. Von hier aus konnte er alles überblicken. (Lk 19,3-4)


Wo stehen wir heute? Was ist Fassade? Und was steckt dahinter? Jesus kennt auch unsere Schattenseiten und das, was wir vor anderen verbergen. Er weiß um unsere Situation, um unsere tiefe Verzweiflung, unseren Aufschrei nach echtem Leben. Und wir sind Ihm nicht egal.



2. Jesus holt uns aus unserem Versteck


Als Jesus dort vorbeikam, entdeckte er ihn. "Zachäus, komm schnell herunter." rief Jesus. (Lk 19,5)

Jesus findet auch heute noch Menschen, die sich nach Ihm sehnen, die auf der Suche sind nach dem Sinn in ihrem Leben. Er kommt uns entgegen, wenn wir uns auf den Weg zu Ihm machen. "Zachäus, komm schnell herunter." Jesus lockt uns aus der Reserve, Er holt uns raus aus der Distanziertheit und dem Schatten, runter vom hohen Ross. Weg von unserem Götzen. Er findet Dich, wo immer Du Dich versteckst.


Wie könnte ich mich dir entziehen; wohin könnte ich fliehen, ohne dass du mich siehst? Stiege ich in den Himmel hinauf - du bist da. Wollte ich mich im Totenreich verbergen - auch dort bist du. (Ps 139,7-8)



3. Jesus möchte in unser Leben kommen


"Ich möchte heute dein Gast sein." Jesus lädt sich bei diesem stadtbekannten Sünder ein. Die Beobachter dachten, sie hören nicht richtig.


Die Menschen empörten sich über Jesus. "Jeder weiß doch, daß Zachäus nur durch Betrug reich geworden ist. Wie kann Jesus nur dieses Haus betreten!" (Lk 19,7)


Jesus will bei diesem Mann einkehren? Bei diesem Kollaborateur, der nur durch Korruption, Betrug und Ausbeutung der kleinen Leute hochgekommen ist? Genau. Genau da will er hin. Und wir? Stehen wir denn mit einer weißen Weste da? Gibt es in unserem Leben nicht auch genügend Zoff und Zores?

Diese beiden Wörter kommen aus dem Jiddischen und bedeuten:


Zoff: Streit, Reiberei, Unfrieden, Händel, Zank und Zerwürfnis. (Kein Wunder, dass es zu einem Modewort, besonders bei der Jugend, geworden ist.)

Zores: Sorge, Ärger, Leid und Bedrängnis. Wörtlich bedeutet es eigentlich "Durcheinander". Kennen wir diese Bedrängnis in unserem Leben nicht auch zur Genüge?


Und Jesus möchte auch in unser Leben kommen. Es schreckt Ihn nicht ab, dass wir sind wie wir sind. Im Gegenteil. Gott will bei uns Wohnung machen. Er lädt sich auch heute bei uns ein und sagt: "Ich möchte gerne dein Gast sein." Ist das nicht großartig? Wie reagieren wir auf dieses Angebot - das ist die entscheidende Frage. Gehen wir darauf ein? Was hat Zachäus getan? Im Nu war er vom Baum herunter und nahm Jesus voller Freude mit in sein Haus. (Lk 19,6)



4. Jesus verändert das Herz


Zachäus wurde auf einmal sehr ernst: "Herr, ich werde die Hälfte meines Vermögens an die Armen verteilen, und wem ich am Zoll zuviel abgenommen habe, dem gebe ich es vierfach zurück." Da sagte Jesus zu ihm: "Heute ist ein großer Tag für dich und deine Familie; denn Gott hat euch heute als seine Kinder angenommen. Du warst einer von Abrahams verlorenen Söhnen. Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten." (Lk 19,8-10)


Zachäus ergeht es wie Scrooge in Charles Dickens Weihnachtserzählung. Er wird ein neuer Mensch. Er verteilt die Hälfte seines Vermögens an die Armen und versucht, auch sein Unrecht wieder gut zu machen, indem er den Betrogenen das Vierfache erstattet. Wie kam dieser plötzliche Sinneswandel zustande?
Die Begegnung mit Jesus hatte sein Herz verändert. Er wusste auf einmal, was wirklich zählt im Leben und dass es so mit ihm nicht weitergehen konnte. Er kehrte um.
Die Bibel nennt das Bekehrung. Die Berliner Stadtreinigung fährt Kehrwagen mit der Aufschrift "Schon bekehrt?" durch die Straßen. Diese Frage ergeht auch an uns - an Sie, wenn Sie diese Zeilen lesen. Haben Sie schon diesen entscheidend wichtigen Schritt zurück zu Gott gemacht? Dann gilt auch für Sie das Wort


Gehört jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas Neues hat begonnen. (2Kor 5,17)


"Das ist ein großer Tag für dich." sagt Jesus zu Zachäus. Noch einmal neu anfangen, wie neu geboren - so fühlte er sich. Und so war es auch. Diese tolle Möglichkeit bietet sich auch uns. Auch wir können neue Menschen werden, noch einmal ganz neu anfangen. Ich lade Sie dazu ein.



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Ein Artikel von www.glaube.de.

Veröffentlichungen im Internet oder in Print bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren bzw.
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9/2004 Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de

Textbearbeitung: G. J. Matthia / Glaube.de
Foto: copyright CoCo new media

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Thomas Vollenweider ist Pastor der Lydia-Gemeinde in Berlin Rudow und Superintendent der Kirche des Nazareners. Er gehört zum Vorstand von Gemeinsam für Berlin.

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