Pastor Wolfgang Wegert: Erfüllt mit dem Heiligen Geist

In der Bibel-Übersetzung "Gute Nachricht" lautet dieser Vers so: "Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache aus euch Menschen, die nach meinem Willen leben, die auf meine Gebote achten und sie befolgen." Wir wollen uns heute mit der Erfüllung mit dem Heiligen Geist beschäftigen, und zwar zuerst mit der Frage: Warum gibt Gott Seinen Geist? Will Er etwa Menschen in Ekstase, also in einen gefühlsmäßigen Rauschzustand versetzen? Ganz sicher nicht. In unserem Text lesen wir vielmehr: "Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache aus euch Menschen, die nach meinem Willen leben, die auf meine Gebote achten und sie befolgen."
Vielleicht wird nun die Frage gestellt: "Was ist aber mit den Phänomenen zu Pfingsten?" Diese sind meiner Ansicht nach von Gott her ein sichtbares und hörbares Zeichen, daß Sein Geist ohne Maß auf diese Welt gekommen ist. Auch bei der Geburt Jesu, beim Kommen des Sohnes Gottes gab es gewaltige Zeichen: Die himmlischen Heerscharen erschienen den Hirten auf dem Felde, und der Stern von Bethlehem zeigte den Weisen von weit her den Weg.
Die Phänomene waren aber nicht das Wesentliche bei dem, was geschah. Es ging Gott nicht um Engel oder um einen Stern, sondern darum, daß Er klarmachen wollte: Mein Sohn ist in diese Welt gekommen. Und als Christus gen Himmel fuhr und an Seiner Stelle Gott, der Heilige Geist, auf die Erde kam, geschah das mit einem Brausen wie von einem gewaltigen Wind und mit zerteilten Zungen wie von Feuer. Auch diesmal waren nicht die Zeichen das Wesentliche, sondern das Kommen des Heiligen Geistes.
Gottes Ziel
In Apostelgeschichte 2 werden die Ereignisse zu Pfingsten berichtet. Dabei werden nur in wenigen Versen die Phänomene geschildert, hauptsächlich geht es aber um die inhaltliche Verkündigung des Petrus, worauf sich 3000 Menschen bekehrten. Sie taten Buße, ließen sich taufen und blieben in der Gemeinschaft der Heiligen und in der Lehre der Apostel. Das Ziel von Pfingsten war also die konkrete innere Erneuerung eines Menschen und nicht seine kurzfristige emotionale Erhitzung.
Leider wird der Pfingstbericht von manchen Christen mißverstanden; sie suchen in erster Linie das sensationelle Erlebnis und nicht ihre persönliche charakterliche Veränderung. Daraus gehen dann sehr häufig sogenannte "Strohfeuer-Christen" hervor. Und auch das Zungenreden wird nicht selten gesucht, weil man mit übernatürlichen Kräften umgehen möchte und darin eine Art Selbstbestätigung vor Gott und vor Menschen finden will. Paulus lehrt dagegen: "Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst" (1. Korinther 14,4). Luther übersetzt: "...der bessert sich selbst." Es geht also nicht um äußeren Wirbel und religiösen Lärm, sondern um innere Kraft zur Besserung des Menschen in Nachfolge und Dienst.
Überhaupt sind die Gaben des Geistes nicht dazu gegeben, Aufsehen zu erregen, sondern dazu, daß Christen durch sie inneres Wachstum und innere Reife erfahren sollen. Das bringt der Apostel Paulus in 1. Korinther 14,3 zum Ausdruck: "Wer aber weissagt, der redet für Menschen zur Erbauung, zur Ermahnung und zum Trost."
Ein Beispiel dafür finden wir bereits im Alten Testament. Als der Prophet Elia vor der Königin Isebel zum Berg Horeb flüchtete, lesen wir: "Der Herr ging (an ihm) vorüber, und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging vor dem Herrn her. Der Herr aber war nicht im Wind. Nach dem Wind kam ein Erdbeben und ein Feuer, aber Gott war nicht drin. Aber danach kam die Stimme eines sanften Säuselns." (1. Könige 19,11-12).
Auf diese Weise redete Gott mit dem traurigen und verzagten Propheten und ermutigte und stärkte ihn so zu weiterem glaubensvollen Dienst. Wind, Erdbeben und Feuer waren auch von Gott, denn sie gingen ja vor dem Herrn her. Aber Gottes Ziel war nicht Krachen, Beben und Verbrennen, sondern es war Sein Ziel, das Herz des Elia zu erreichen und es zu prägen. Durch die phänomenalen Gewalten vorher konnte der Prophet Gottes wahres Anliegen gar nicht verstehen.
Das alles geht zwar vor dem Herrn her. Aber richtig drin ist Gott in dem stillen, sanften Sausen, in der verborgenen Kraft, die Herzen aufschließt, die sie zur Buße führt und zu einem veränderten Leben bringt. Das ist das wahre Ziel Gottes, das Er bei der Erfüllung eines Menschen mit dem Heiligen Geist verfolgt. Und deshalb unser Predigttext: "Ich will euch mit meinem Geist erfüllen und will solche Leute aus euch machen, die nach meinen Satzungen wandeln und meine Rechte beobachten und tun."
Wie geschieht Erfüllung mit dem Heiligen Geist?
Wie bringt Gott Seinen Heiligen Geist in einen Menschen hinein? Er läßt Ihn einziehen in dessen Inneres wie einen Einwohner. Paulus fragt in 1. Korinther 6,19: "Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?" Dein Leib ist die Wohnung, und Christus zieht ein im Heiligen Geist. Und dadurch, daß der Vater und der Sohn und der Heilige Geist in dir wohnen, entsteht neues Leben in dir. Das nennt die Bibel eine neue Schöpfung, eine neue Geburt. Eine göttliche Kraft entfaltet sich in dir, eine Wirksamkeit des Heiligen Geistes entsteht in dir.
Bedeutet es, daß du jetzt auf dem Wasser gehen und Brot vermehren, daß du Tote auferwecken kannst? Das mag sein. Wir hören auch heute noch von solch gewaltigen Zeichen. Das Wesentliche ist aber, daß der Heilige Geist in dir das Gesetz Gottes und Seine Gerechtigkeit erfüllt, die du vorher aufgrund der Schwachheit deines gefallenen Wesens niemals halten konntest.
In den Zehn Geboten sehen wir ein Abbild der Gerechtigkeit Gottes. Zu ihnen gehört natürlich das ganze Gesetz dazu und auch das Evangelium mit all seinen Forderungen und die Belehrungen der Apostel, die Bergpredigt etc. Von allen Seiten kommt uns "Du sollst, du sollst..." entgegen. Und solange wir nicht mit dem Heiligen Geist erfüllt sind, solange Christus nicht in unserem Herzen wohnt, kämpfen wir als unerrettete Menschen in der Kraft unseres eigenen Fleisches mit diesem Buchstaben des Gesetzes. Auf diese Weise können wir uns unser ganzes Leben lang bemühen, aber wir werden dennoch nicht gerecht, weil unser Fleisch, die Schwachheit unseres Seins, unser gefallenes Wesen den Forderungen Gottes nicht gewachsen ist.
Und hier kommt das Evangelium hinein. Gott löst das Gesetz nicht auf, aber in der Person Jesu Christi, der die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes ist, wird das Gesetz, das in den Zehn Geboten im Buchstaben gegeben ist, lebendig. Aus dem Buchstaben wird Geist, und mit Christus kommt in Seinem Geist das Gesetz nun in unser Herz. Darum heißt es in Jeremia 31,33: "Ich will mein Gesetz auf ihr Herz schreiben."
Auf einmal lieben wir die Forderungen Gottes, weil das, was gegen uns war, plötzlich zum Bestandteil unseres Wesens geworden ist durch den Geist, der das Wort Gottes in unser Inneres gegeben hat. Darum kämpfen wir nun nicht mehr mit dem Buchstaben, der uns vorher verdammt hat, sondern Christus in uns ist die Kraft, die die geforderte Gerechtigkeit Gottes erfüllt. Gott selbst zieht durch den Heiligen Geist in unser Herz ein und mit Ihm auch Sein Gesetz.
Viele Menschen sehen in Christus lediglich ein gutes Vorbild, wie man sich Idole zum Vorbild nimmt, deren Beispiel man folgen will. Einige Menschen möchten gerne so sein wie Mahatma Gandhi, wie Martin Luther-King oder wie Mutter Theresa. Und so wird Jesus Christus neben solche herausragenden Persönlichkeiten gestellt und beispielsweise wegen Seiner Reden zur Gewaltlosigkeit als beachtenswerter Lehrer der Menschheit empfohlen. Tatsächlich spricht Jesus auch davon, daß Er ein Meister ist und daß Seine Nachfolger Nachahmer sein sollen, wobei Er aber etwas anderes darunter versteht als nur eine äußere Nachahmung Seines Verhaltens. Nach dem Evangelium wird aber niemand dadurch Christus ähnlich, daß er in der Kraft seines Fleisches dessen Vorbild folgt, denn es lehrt nicht Nachfolge durch den Buchstaben, sondern Nachfolge.
Christusnachfolge durch den Heiligen Geist
Und da sind wir wieder bei dem Geheimnis der Wiedergeburt. Gott zeigt uns nicht Seinen vollkommenen Sohn und sagt quasi: "So wie Er ist, müßt ihr auch sein, sonst könnt ihr nicht in den Himmel kommen. Also studiert Seine Lehren und schaut euch Sein Leben an und versucht, es Ihm gleichzutun." Und dann folgt der bekannte religiöse Wettbewerb. So sind alle Religionen der Welt.
Aber das Evangelium ist nicht so. Es ist nicht menschlich, sondern göttlich. Gott stellt uns nicht Jesus gegenüber und fordert uns auf, durch uns selbst so zu werden wie Er, sondern Er vereinigt uns mit Ihm, indem Er uns Christus und Sein Wesen in unser Inneres einpflanzt. Nun ist die Triebkraft und Motivation nicht mehr von außen gegeben, sondern sie ist durch die lebendige Kraft des Heiligen Geistes von innen gegeben. So ist die Lehre von der Innewohnung Christi in Gotteskindern eines der überragendsten Themen des Neuen Testamentes. Jesus sagt von jedem, der Ihn liebt: "Mein Vater und ich werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen" (Johannes 14,23). Und Paulus schreibt: "Christus in uns, das ist die Hoffnung, daß wir einmal in der Herrlichkeit sein werden" (nach Kolosser 1,27).
Solange Christus uns nur ein Gegenüber ist, ein Vorbild, ein Buchstabe, eine Lehre, und wir uns bemühen, Ihm so gut und so rechtschaffen wie möglich zu folgen, sind wir verdammt, denn der Buchstabe tötet. Wenn uns der Herr aber Seinen Heiligen Geist gibt und uns zum Glied an Seinem Leibe macht, sind wir mit Ihm vereinigt, mit Christus gekreuzigt, gestorben und auferstanden. Wir leben mit Ihm, und durch den Heiligen Geist in uns erfüllen wir nun alle Forderungen des Gesetzes, das ein Teil von uns selbst geworden ist. So sind wir eine neue Schöpfung und leben in der Kraft des Heiligen Geistes, denn Jesus Christus wohnt in uns. Halleluja!
Amen.
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Ein Artikel von Glaube.de
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